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Die Nerd-Anleitung, um alles online zu lernen

  • 0:01 - 0:03
    Das ist eine Karte von 1937,
  • 0:03 - 0:06
    vom Bundesstaat New York, von der
    General Drafting Company publziert.
  • 0:06 - 0:10
    Sie ist unter Kartografie-Nerds berühmt,
  • 0:10 - 0:13
    da am Fuβe der Catskill Mountains
  • 0:13 - 0:15
    eine kleine Stadt namens Roscoe liegt.
  • 0:15 - 0:17
    Ich zeige es am Besten hier in groß.
  • 0:17 - 0:21
    Hier liegt Roscoe, darüber Rockland,
  • 0:21 - 0:25
    und darüber das kleine Städtchen Agloe.
  • 0:25 - 0:28
    Unter Kartografen ist Agloe,
    New York, sehr berühmt,
  • 0:28 - 0:30
    da es eine "Papierstadt" ist,
  • 0:30 - 0:32
    auch bekannt als Plagiatsfalle.
  • 0:32 - 0:36
    Kartenhersteller platzieren oft
    nicht existente Städte in ihre Karten,
  • 0:36 - 0:39
    um ihre Rechte zu schützen --
    weil Ihre und meine Karten sich
  • 0:39 - 0:44
    aufgrund der Form New Yorks
  • 0:44 - 0:46
    ansonsten sehr ähnlich sind.
  • 0:46 - 0:49
    Wenn also meine Papierstadt
    auf Ihrer Karte auftaucht,
  • 0:49 - 0:53
    kann ich mir sicher sein,
    dass Sie mich bestohlen haben.
  • 0:53 - 0:57
    "Agloe" ist eine Zusammensetzung
    der Initalien der Kartografen,
  • 0:57 - 1:00
    Ernest Alpers und Otto [G.] Lindberg,
  • 1:00 - 1:03
    die die Karte 1937 herausgegeben haben.
  • 1:03 - 1:07
    Jahrzehnte später hat Rand McNally
    eine Karte herausgegeben,
  • 1:07 - 1:11
    auf der auch ein Agloe, New York,
    an genau der Stelle eingezeichnet war,
  • 1:11 - 1:14
    an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo.
  • 1:14 - 1:17
    Sie können sich die Freude
    bei General Drafting vorstellen.
  • 1:17 - 1:21
    Sie riefen Rand McNally sofort an:
  • 1:21 - 1:24
    "Erwischt! Wir haben Agloe erfunden.
  • 1:24 - 1:26
    Es existiert nicht.
    Es ist eine Papierstadt.
  • 1:26 - 1:29
    Wir werden Sie verklagen!"
  • 1:29 - 1:34
    Und Rand McNally antwortete:
    "Nein, Agloe gibt es wirklich!"
  • 1:35 - 1:39
    Die Leute sind immer wieder
    dort hingefahren --
  • 1:39 - 1:40
    (Lachen)
  • 1:40 - 1:45
    irgendwohin ins Nirgendwo,
    und haben dort Agloe erwartet.
  • 1:45 - 1:48
    Jemand hat dann angefangen,
    eine Stadt namens Agloe zu bauen.
  • 1:48 - 1:49
    (Lachen)
  • 1:49 - 1:52
    Es gibt dort eine Tankstelle,
    einen Laden und höchstens zwei Häuser.
  • 1:52 - 1:55
    (Lachen)
  • 1:56 - 2:00
    Für einen Schriftsteller ist das natürlich
    eine unwiderstehliche Metapher.
  • 2:00 - 2:05
    Wir würden alle gerne glauben,
    dass das, was wir auf Papier schreiben,
  • 2:05 - 2:08
    die richtige Welt verändern kann;
  • 2:08 - 2:10
    darum heißt mein drittes Buch
    "Paper Towns".
  • 2:10 - 2:15
    Was mich aber noch mehr interessiert
    als das Medium, auf dem das geschah,
  • 2:15 - 2:17
    ist das Phänomen selber.
  • 2:17 - 2:22
    Es ist einfach, zu sagen, dass
    die Erde unsere Weltkarten formt.
  • 2:22 - 2:26
    Die Form der Erde beeinflusst
    natürlich die Form unserer Karten.
  • 2:27 - 2:30
    Aber was ich weitaus interessanter finde:
  • 2:30 - 2:34
    Wie wir die Welt kartografieren,
    verändert die Welt.
  • 2:34 - 2:39
    Die Welt wäre wirklich ganz anders,
    wenn Norden unten wäre.
  • 2:39 - 2:41
    Und die Welt wäre wirklich anders,
  • 2:41 - 2:44
    wenn Alaska und Russland nicht
    am anderen Ende der Karte lägen.
  • 2:44 - 2:46
    Die Welt wäre auch ganz anders,
  • 2:46 - 2:50
    wenn Europa in der tatsächlichen
    Gröβe dargestellt würde.
  • 2:50 - 2:54
    Die Welt wird durch
    unsere Weltkarten verändert.
  • 2:54 - 2:59
    Auf welche Art wir unsere eigene
    "kartografische Firma" wählen,
  • 2:59 - 3:02
    formt auch die Karte unseres Lebens,
  • 3:02 - 3:04
    und damit unser Leben.
  • 3:04 - 3:09
    Ich glaube, unser Kartografieren
    verändert unsere Lebensführung,
  • 3:09 - 3:13
    und damit meine ich nicht auf eine
    geheimnisvolle spirituelle Art und Weise,
  • 3:13 - 3:16
    im Sinne von: "Gedanken können
    den Krebs besiegen."
  • 3:16 - 3:23
    Aber ich glaube, auch wenn Karten
    nicht zeigen, wo es im Leben hingeht,
  • 3:23 - 3:25
    zeigen sie, wo es hingehen könnte.
  • 3:25 - 3:30
    Man geht selten an einen Ort
    außerhalb der persönlichen Karte.
  • 3:30 - 3:33
    Als Kind war ich wirklich
    schlecht in der Schule.
  • 3:33 - 3:36
    Mein Notendurchschnitt war immer niedrig.
  • 3:37 - 3:39
    Ich glaube, ich war so schlecht,
    weil ich das Gefühl hatte,
  • 3:39 - 3:42
    dass Schule einfach nur
    eine Reihe von Hürden war,
  • 3:42 - 3:45
    die man vor mir aufgestellt hatte,
  • 3:45 - 3:48
    und über die ich springen musste,
    um erwachsen zu werden.
  • 3:48 - 3:51
    Ich wollte nicht so recht
    über die Hürden springen,
  • 3:51 - 3:54
    da sie völlig willkürlich schienen,
    also tat ich es oft nicht.
  • 3:54 - 3:55
    Dann wurde mir gedroht.
  • 3:55 - 3:56
    Sie wissen schon:
  • 3:56 - 3:59
    "Dies wird dich die gesamte
    Schulzeit lang verfolgen."
  • 3:59 - 4:01
    Oder "Du wirst nie einen
    normalen Beruf finden."
  • 4:01 - 4:03
    Ich wollte auch keinen!
  • 4:03 - 4:06
    Soweit ich das mit elf
    oder zwölf Jahren sagen konnte,
  • 4:06 - 4:09
    standen Menschen mit normalen Berufen
    morgens sehr früh auf.
  • 4:09 - 4:11
    (Lachen)
  • 4:11 - 4:15
    Und die Männer mit normalen Berufen
    schlangen sich zuallererst
  • 4:15 - 4:20
    ein Strangulationsinstrument
    als Kleidung um den Hals.
  • 4:20 - 4:22
    Sie legen sich eine Schlinge um den Hals
  • 4:22 - 4:25
    und gehen dann arbeiten.
  • 4:25 - 4:28
    Kein Rezept für ein glückliches Leben.
  • 4:31 - 4:34
    Diese Menschen, die sich selbst
    jeden Morgen strangulieren,
  • 4:34 - 4:37
    konnten in meiner
    zwölfjährigen Vorstellungskraft
  • 4:37 - 4:39
    unmöglich glücklich sein.
  • 4:39 - 4:41
    Warum sollte ich
    über all diese Hürden springen
  • 4:41 - 4:43
    und am Ende erwartet mich sowas?
  • 4:43 - 4:45
    Welch schreckliches Ende!
  • 4:45 - 4:50
    Ab der zehnten Klasse ging ich
    in die Indian Springs School,
  • 4:50 - 4:53
    ein kleines Internat
    auβerhalb von Birmingham, Alabama.
  • 4:53 - 4:57
    Auf einmal lernte ich eifrig.
  • 4:57 - 4:59
    Ich lernte deshalb, weil ich mich jetzt
  • 4:59 - 5:01
    in einer Gruppe Lernender befand.
  • 5:01 - 5:03
    Ich war von Leuten umgeben,
  • 5:03 - 5:06
    die Intellekt und Engagement hochhielten,
  • 5:06 - 5:10
    und die meine spöttische "Ganz-egal"-
    Einstellung weder besonders schlau
  • 5:10 - 5:12
    noch besonders witzig fanden.
  • 5:12 - 5:16
    Es war eher eine einfache
    und unspektakuläre Antwort
  • 5:16 - 5:19
    auf sehr komplizierte, fesselnde Probleme.
  • 5:19 - 5:21
    Also fing ich an zu lernen,
    weil Lernen cool war.
  • 5:21 - 5:25
    Ich lernte, dass manche unendliche Mengen
    gröβer als andere sind,
  • 5:25 - 5:29
    was ein jambischer Pentameter ist,
    und warum er für Menschen so gut klingt.
  • 5:29 - 5:32
    Ich lernte, dass der Bürgerkrieg
    zwischenstaatlich war.
  • 5:32 - 5:33
    Ich lernte Physik;
  • 5:33 - 5:36
    ich lernte, Zusammenhang nicht mit
    Ursächlichkeit zu verwechseln.
  • 5:36 - 5:42
    All diese Dinge bereicherten
    mein Leben tagtäglich.
  • 5:43 - 5:46
    Es stimmt, dass ich die meisten davon
    nicht für meine Arbeit benötige.
  • 5:46 - 5:48
    Aber darum geht es für mich nicht.
  • 5:48 - 5:50
    Es geht um Kartografie.
  • 5:50 - 5:52
    Wie funktioniert Kartografieren?
  • 5:52 - 5:56
    Man findet Neuland und denkt:
  • 5:56 - 5:58
    "Ich werde dieses Stück Land aufzeichnen."
  • 5:58 - 6:01
    Dann denkt man: "Viellicht gibt es noch
    mehr Land aufzuzeichnen."
  • 6:01 - 6:03
    Da beginnt das Lernen für mich wirklich.
  • 6:03 - 6:06
    Ich hatte schon Lehrer,
    die mich nicht aufgaben,
  • 6:06 - 6:08
    und ich hatte Glück diese Lehrer zu haben.
  • 6:08 - 6:12
    Ich hatte ihnen oft Grund gegeben zu
    denken, dass sie ihre Zeit verschwendeten.
  • 6:13 - 6:16
    Aber vieles davon, was ich
    in der High School gelernt habe,
  • 6:16 - 6:19
    bezog sich nicht darauf,
    was im Klassenzimmer passierte,
  • 6:19 - 6:22
    sondern was auβerhalb
    des Klassenzimmers passierte.
  • 6:22 - 6:26
    Zum Beispiel kann ich das Gedicht
    "Ein gewisses schräges Licht"
  • 6:26 - 6:29
    von Emily Dickinson
    auswendig aufsagen kann,
  • 6:29 - 6:32
    aber nicht weil ich es
    für die Schule gelernt habe,
  • 6:32 - 6:37
    sondern weil ich damals in ein Mädchen
    namens Amanda verknallt war,
  • 6:37 - 6:40
    und sie mochte Emily Dickinsons Gedichte.
  • 6:40 - 6:43
    Ich kann Ihnen sagen,
    was Alternativkosten sind.
  • 6:43 - 6:47
    Denn als ich eines Tages auf dem Sofa
    saß und Super Mario Kart spielte,
  • 6:47 - 6:49
    mein Freund Emmet rein kam und sagte:
  • 6:49 - 6:51
    „Wie lange spielst du schon
    Super Mario Kart?“
  • 6:51 - 6:55
    Ich sagte: "Ich weiß nicht,
    sechs Stunden oder so?"
  • 6:55 - 6:58
    Er sagte: "Hättest du in dieser Zeit
    bei Baskin-Robbins gearbeitet,
  • 6:58 - 7:00
    hättest du 30 Dollar verdient.
  • 7:00 - 7:03
    Also hast du 30 Dollar dafür gezahlt,
    Super Mario Kart zu spielen."
  • 7:03 - 7:06
    Und ich sagte: "Okay,
    das ist ein guter Deal."
  • 7:06 - 7:08
    (Lachen)
  • 7:08 - 7:13
    Aber so lernte ich,
    was Alternativkosten sind.
  • 7:13 - 7:17
    Währenddessen verbesserte sich
    die Karte meines Lebens.
  • 7:17 - 7:20
    Sie wuchs und enthielt mehr Orte.
  • 7:20 - 7:22
    Es gab mehr Dinge, die passieren könnten,
  • 7:22 - 7:25
    und verschiedene Zukunftsperspektiven.
  • 7:25 - 7:28
    Der Lernprozess war nicht
    formell organisiert,
  • 7:28 - 7:29
    und ich gebe gerne zu,
  • 7:29 - 7:33
    dass er stückhaft und uneinheitlich war,
    und dass ich viel nicht wusste.
  • 7:33 - 7:35
    Vielleicht wusste ich von Cantors Idee,
  • 7:35 - 7:38
    dass manche unendliche Mengen
    gröβer als andere sind,
  • 7:38 - 7:41
    aber die Rechenmethode dahinter
    verstand ich nicht so ganz.
  • 7:41 - 7:43
    Ich kannte den Begriff "Alternativkosten",
  • 7:43 - 7:45
    aber nicht das Gesetz
    der abnehmendem Erträge.
  • 7:45 - 7:48
    Es ist großartig, sich Lernen
    wie Kartografie vorzustellen,
  • 7:48 - 7:52
    anstatt einer Reihe von Hürden,
    die man überwinden muss,
  • 7:52 - 7:55
    weil wenn man ein Stück Küste sieht,
    möchte man mehr sehen.
  • 7:55 - 7:58
    So verstehe ich wenigstens
    ein wenig von der Theorie,
  • 7:58 - 8:00
    die dahintersteckt.
  • 8:00 - 8:04
    In der High School war ich in
    einer Lerngruppe und im College auch.
  • 8:04 - 8:05
    und später wieder,
  • 8:05 - 8:09
    als ich bei einer Zeitschrift
    names "Booklist" als Assistent anfing,
  • 8:09 - 8:11
    und von belesenen Leuten umgeben war.
  • 8:11 - 8:13
    Und dann schrieb ich ein Buch.
  • 8:13 - 8:15
    Und, wie im Traum aller Autoren,
  • 8:15 - 8:17
    kündigte ich sofort meinen Job.
  • 8:17 - 8:19
    (Lachen)
  • 8:19 - 8:21
    Zum ersten Mal seit der High School
  • 8:21 - 8:25
    war ich ohne Lerngemeinschaft
    und fühlte mich mies.
  • 8:25 - 8:27
    Ich hasste es.
  • 8:27 - 8:30
    Ich habe im Laufe dieser zwei Jahre
    viele, viele Bücher gelesen.
  • 8:30 - 8:32
    Ich las Bücher über Stalin,
  • 8:32 - 8:35
    und Bücher darüber, wie
    die Usbeken Muslime geworden sind.
  • 8:35 - 8:38
    Ich las auch darüber,
    wie man Atombomben baut,
  • 8:38 - 8:41
    aber es kam mir immer so vor,
    als ob ich mir selbst Hürden bauen
  • 8:41 - 8:44
    und dann darüberspringen würde,
  • 8:44 - 8:48
    anstatt den Reiz zu spüren,
    einer Lerngemeinschaft anzugehören,
  • 8:48 - 8:51
    einer Gemeinschaft von Leuten,
    die zusammen kartopgraphieren,
  • 8:51 - 8:55
    um die Welt um uns besser zu verstehen.
  • 8:55 - 8:58
    Im Jahr 2006 traf ich diesen Typ.
  • 8:58 - 8:59
    Er heiβt Ze Frank.
  • 8:59 - 9:02
    Ich traf ihn nicht persönlich,
    nur im Internet.
  • 9:02 - 9:07
    Ze Frank hatte zu der Zeit ein Programm,
    "The Show with Ze Frank".
  • 9:07 - 9:12
    Das Programm war mein Weg
    zurück zum Lernen in einer Gruppe.
  • 9:12 - 9:16
    Hier spricht Ze über Las Vegas:
  • 9:16 - 9:19
    (Video) Ze Frank: "Las Vegas wurde
    inmitten einer riesigen Wüste gebaut.
  • 9:19 - 9:22
    Fast alles hier wurde
    von anderswo hergebracht:
  • 9:22 - 9:24
    die Felsen, die Bäume, die Wasserfälle.
  • 9:24 - 9:27
    Diese Fische wirken fast so surreal
    wie ein fliegendes Schwein --
  • 9:27 - 9:31
    genau wie die Menschen -- als Kontrast zur
    umliegenden, brütend heiβen Wüste.
  • 9:31 - 9:34
    Aus aller Welt wurden Dinge
    hier neu aufgebaut,
  • 9:34 - 9:36
    weit weg von ihrer Geschichte
    und den Menschen
  • 9:36 - 9:38
    die sie auf eine andere Art erfahren.
  • 9:38 - 9:41
    Manches wurde verbessert --
    sogar die Sphinx hatte eine Nasen-OP.
  • 9:41 - 9:44
    Hier gibt es keinen Grund zu denken,
    dass man etwas verpasst.
  • 9:44 - 9:47
    Dieses New York bedeutet für mich
    dasselbe wie für alle.
  • 9:47 - 9:51
    Alles ist aus dem Zusammenhang gerissen,
    Kontext macht alles möglich:
  • 9:51 - 9:53
    Automatisch parken,
    Veranstaltungsorte, Hairiff.
  • 9:53 - 9:56
    Diese Art von Raum könnte eine der
    gröβten Errungenschaften der Welt sein.
  • 9:56 - 9:59
    Da keiner hierher gehört,
    gehören alle hierher.
  • 9:59 - 10:01
    Heute Morgen ist mir aufgefallen,
  • 10:01 - 10:04
    dass die meisten Gebäude die Sonne
    zurück in die Wüste reflektieren.
  • 10:04 - 10:07
    Normale Spiegel zeigen eine Person
    an einem bestimmten Ort,
  • 10:07 - 10:09
    aber diese Spiegel zeigen nichts.
  • 10:09 - 10:12
    John Green: Da denke ich
    voll Nostalgie an die Zeit,
  • 10:12 - 10:15
    als man Pixel in Internetvideos sah.
  • 10:15 - 10:16
    (Lachen)
  • 10:16 - 10:18
    Ze ist ein Intellektueller,
    der gut darin ist,
  • 10:18 - 10:20
    Gemeinschaften zu bilden,
  • 10:20 - 10:23
    und die Gemeinschaft rund um diese Videos
  • 10:23 - 10:25
    war auf vielerlei Art
    eine Lerngemeinschaft.
  • 10:25 - 10:28
    Wir spielten gemeinschaftlich Schach
    gegen Ze Frank und gewannen.
  • 10:28 - 10:33
    Zusammen haben wir einem jungen Mann
    zu einer Reise durch die USA verholfen.
  • 10:33 - 10:35
    Wir haben die Erde
    zu einem Sandwich gemacht,
  • 10:35 - 10:38
    indem eine Person an einem Ende
    der Welt eine Scheibe Brot hält,
  • 10:38 - 10:43
    und eine zweite auf der anderen Seite
    auch eine Scheibe Brot hält.
  • 10:44 - 10:50
    Mir ist klar: Das sind beknackte Ideen,
    aber eben auch lehrreiche Ideen.
  • 10:50 - 10:52
    Das fand ich besonders spannend.
  • 10:52 - 10:55
    Online findet man jede Menge
    solcher Gemeinschaften.
  • 10:55 - 10:57
    Unter dem Tag "calculus" auf Tumblr
  • 10:57 - 11:00
    findet man natürlich Leute,
    die sich darüber beschweren.
  • 11:00 - 11:02
    Aber genauso gibt es Leute,
    die argumentieren,
  • 11:02 - 11:05
    dass sie Infinitesimalrechnung
    interessant und schön finden,
  • 11:05 - 11:07
    und dass dadurch die Möglichkeit entsteht,
  • 11:07 - 11:10
    über unlösbar scheinende
    Probleme nachzudenken.
  • 11:10 - 11:12
    Auf Reddit findet man
    z. B. Unterkategorien
  • 11:12 - 11:15
    wie "Frag einen Historiker"
    oder "Frag die Wissenschaft",
  • 11:15 - 11:18
    wo man Leuten, die in
    diesen Bereichen arbeiten,
  • 11:18 - 11:20
    allerhand Fragen stellen kann,
  • 11:20 - 11:22
    von sehr ernsten bis sehr doofen Fragen.
  • 11:22 - 11:25
    Aber für mich finden sich
    die interessantesten Lerngruppen
  • 11:25 - 11:28
    im Internet derzeit auf YouTube.
  • 11:28 - 11:29
    Okay, ich bin voreingenommen.
  • 11:29 - 11:34
    Aber irgendwie ähnelt
    die YouTube-Seite einem Klassenzimmer.
  • 11:34 - 11:36
    Zum Beispiel "Minute Physics":
  • 11:36 - 11:39
    Da bringt ein Typ der Welt Physik bei.
  • 11:39 - 11:40
    (Video) Kommen wir zur Sache:
  • 11:40 - 11:44
    Ab dem 4. Juli 2012 ist das Higgs-Teilchen
    der letzte wichtige Bauteil
  • 11:44 - 11:47
    für das Modell der Teilchenphysik,
    das experimentell entdeckbar war.
  • 11:47 - 11:51
    Die Frage ist, warum das Higgs-Teilchen
    neben anderen bekannte Teilchen
  • 11:51 - 11:54
    wie Elektronen, Photonen und Quarks
    als Standard aufgenommen wurde,
  • 11:54 - 11:57
    obwohl es nicht in den 1970er Jahren
    entdeckt wurde?
  • 11:57 - 11:59
    Gute Frage. Es gibt zwei Gründe.
  • 11:59 - 12:02
    Erstens, genau wie das Elektron
    eine Anregung im Elektronenfeld ist,
  • 12:02 - 12:05
    ist das Higgs-Teilchen eine Anregung
  • 12:05 - 12:07
    in dem alles durchdringenden Higgs-Feld.
  • 12:07 - 12:09
    Das Higgs-Feld spielt
    eine entscheidende Rolle
  • 12:09 - 12:11
    im Modell der schwachen Wechselwirkung.
  • 12:11 - 12:14
    Das Higgs-Feld erklärt,
    warum sie so schwach ist.
  • 12:14 - 12:16
    Mehr darüber in einem anderen Video.
  • 12:16 - 12:18
    Aber auch wenn die schwache Wechselwirkung
  • 12:18 - 12:21
    in den 1980er Jahren
    in Gleichungen bestätigt wurde,
  • 12:21 - 12:23
    ist das Higgs-Feld so eng damit verbunden,
  • 12:23 - 12:27
    dass es bis jetzt unmöglich war,
    dessen unabhängige Existenz zu bestätigen.
  • 12:27 - 12:29
    JG: Hier ist ein Video von mir,
  • 12:29 - 12:32
    ein Teil meiner Serie "Crash Course"
    über den Ersten Weltkrieg:
  • 12:32 - 12:35
    (Video) Der unmittelbare Grund
    war natürlich das Attentat in Sarajevo
  • 12:35 - 12:37
    auf Österreichs Erzherzog Franz Ferdinand
  • 12:37 - 12:42
    am 28.6.1914 durch den bosnisch-
    serbischen Nationalisten Gavrilo Princip.
  • 12:42 - 12:43
    Am Rande: Es bedeutet nichts,
  • 12:43 - 12:47
    dass der erste groβe Krieg des 20. Jh
    mit Terrorismus begann.
  • 12:47 - 12:49
    Franz Ferdinand war
    nicht besonders beliebt
  • 12:49 - 12:53
    bei seinem Onkel, Kaiser Franz Joseph --
    ist das nicht ein toller Bart!
  • 12:53 - 12:57
    Trotzdem führte das Attentat zu einem
    Ultimatum Österreichs an Serbien.
  • 12:57 - 13:00
    Serbien erfüllte einige, aber nicht
    alle Forderungen Österreichs,
  • 13:00 - 13:03
    daraufhin erklärte Österreich
    Serbien den Krieg.
  • 13:03 - 13:06
    Daraufhin mobilisierte Russland
    als Verbündeter Serbiens die Armee.
  • 13:06 - 13:09
    Deutschland, ein Verbündeter Österreichs,
    befahl Russland aufzuhören,
  • 13:09 - 13:11
    aber Russland machte weiter.
  • 13:11 - 13:13
    Deutschland mobilisierte die Armee,
  • 13:13 - 13:16
    erklärte Russland den Krieg,
    festigte die Allianz mit den Osmanen
  • 13:16 - 13:20
    und erklärte Frankreich den Krieg,
    weil, na ja ... Frankreich eben.
  • 13:20 - 13:23
    (Lachen)
  • 13:23 - 13:26
    Die Leute lernen nicht nur Physik

  • 13:26 - 13:29
    oder Weltgeschichte mit YouTube.
  • 13:29 - 13:33
    Hier ist ein Video über
    abstrakte Mathematik.
  • 13:34 - 13:37
    (Video) Sie sind ich
    und in der Mathestunde,
  • 13:37 - 13:38
    weil Sie jeden Tag hingehen müssen.
  • 13:38 - 13:42
    Sie lernen über, sagen wir, die Summen
    der unendlichen Reihen [infinite series].
  • 13:42 - 13:44
    Ein High School-Thema, oder?
  • 13:44 - 13:47
    Seltsam, denn das Thema ist cool,
    aber die Schule ruiniert es.
  • 13:47 - 13:50
    Darum sind die unendlichen
    Reihen wohl im Stundenplan.
  • 13:50 - 13:53
    Verständlicherweise wollen Sie
    sich ablenken und kritzeln,
  • 13:53 - 13:56
    und denken eher über den Plural
    des engl. Worts "series" nach,
  • 13:56 - 13:57
    als über das eigentliche Thema:
  • 13:57 - 14:01
    "serieses", "seriese",
    "seriesen" und "serii?"
  • 14:01 - 14:04
    Oder sollte man den Singular ändern:
    "one serie" oder "one serum"?
  • 14:04 - 14:06
    sowie der Singular von "sheep"
    "shoop" sein sollte.
  • 14:06 - 14:08
    Aber das gesamte Konzept,
  • 14:08 - 14:11
    wie etwa 1/2 + 1/4 + 1/8 + 1/16 usw.,
    ist beispielsweise beim Zeichnen
  • 14:11 - 14:13
    einer Elefantenreihe nützlich,
  • 14:13 - 14:15
    in der einer den Schwanz
    des nächsten hält.
  • 14:15 - 14:18
    Normaler Elefant, junger Elefant,
    Babyelefant, hundegroβer Elefant,
  • 14:18 - 14:21
    welpengroβer Elefant, bis zum
    Spielzeugelefant und kleiner.
  • 14:21 - 14:23
    Das ist schon ziemlich toll,
  • 14:23 - 14:26
    weil man unendlich viele Elefanten
    in eine Reihe stellen kann,
  • 14:26 - 14:28
    und sie passen auf
    eine einzige Seite eines Heftes.
  • 14:28 - 14:31
    JG: Und schlieβlich Destin
    mit "Smarter Every Day."
  • 14:31 - 14:33
    Er spricht über die
    Erhaltung des Drehimpulses,
  • 14:33 - 14:35
    und natürlich über Katzen.
  • 14:35 - 14:38
    (Video) Hallo, ich bin Destin.
    Willkommen zu "Smarter Every Day".
  • 14:38 - 14:41
    Sie haben vielleicht bemerkt:
    Katzen landen fast immer auf den Füβen.
  • 14:41 - 14:43
    Unsere heutige Frage ist: Warum?
  • 14:43 - 14:46
    Wie bei vielen simplen Fragen
    ist die Antwort komplex.
  • 14:46 - 14:48
    Ich formuliere die Frage anders:
  • 14:48 - 14:53
    Wie schafft es eine Katze, im Fallen
    die Füβe von oben nach unten zu bekommen?
  • 14:53 - 14:56
    ohne das Prinzip der Erhaltung
    des Drehimpulses zu verletzen?
  • 14:56 - 14:57
    (Lachen)
  • 14:57 - 15:01
    JG: Alle vier dieser Videos
    haben etwas gemeinsam:
  • 15:01 - 15:05
    Jedes hat über eine halbe Million
    Aufrufe auf YouTube.
  • 15:05 - 15:08
    All diese Leute sehen das Video
    nicht im Klassenzimmer,
  • 15:08 - 15:11
    sondern weil sie Teil
    einer der Lerngemeinschaften sind,
  • 15:11 - 15:14
    die durch diese Kanäle entstanden sind.
  • 15:14 - 15:18
    Wie zuvor gesagt, sehe ich
    YouTube als Klassenzimmer --
  • 15:18 - 15:20
    ein altmodisches Klassenzimmer.
  • 15:20 - 15:24
    Es gibt einen Lehrer
    und es gibt die Schüler,
  • 15:24 - 15:27
    die sich miteinander
    und mit dem Lehrer unterhalten.
  • 15:27 - 15:30
    Ich weiβ schon, dass YouTube-Kommentare
  • 15:30 - 15:32
    in der Welt des Internets
    einen schlechten Ruf haben.
  • 15:32 - 15:35
    Aber wenn man sich die Kommentare
    für diese Kanäle ansieht,
  • 15:35 - 15:38
    merkt man, dass die Leute sich
    mit dem Thema beschäftigen,
  • 15:38 - 15:43
    und schwierige komplizierte Fragen
    zum Thema stellen,
  • 15:43 - 15:45
    und dass andere Leute
    diese Fragen beantworten.
  • 15:45 - 15:50
    Da die YouTube-Seite so eingerichtet ist,
    dass die Seite, auf der ich spreche,
  • 15:50 - 15:55
    genau dieselbe Seite ist,
    auf der Sie kommentieren,
  • 15:55 - 16:01
    nehmen Sie aktiv und in Echtzeit
    am Gespräch teil.
  • 16:01 - 16:05
    Da ich oft Kommentare beantworte,
    kann ich mit Ihnen gemeinsam teilnehmen.
  • 16:05 - 16:07
    Das ist der Fall, egal ob
    es um Weltgeschichte,
  • 16:07 - 16:10
    Mathematik, Wissenschaft,
    oder irgendetwas anderes geht.
  • 16:10 - 16:16
    Sie sehen, wie junge Leute die Werkzeuge
    und Genres im Internet nutzen,
  • 16:16 - 16:19
    um Orte des intellektuellen
    Engagements zu schaffen,
  • 16:19 - 16:22
    anstatt der spöttischen Distanziertheit
    der witzigen Sprüche,
  • 16:22 - 16:25
    die viele von uns
    mit dem Internet assoziieren.
  • 16:25 - 16:28
    Sie wissen schon: "Mir war langweilig,
    hab Mathe erfunden."
  • 16:28 - 16:31
    Hier kritisiert Honey Boo Boo
    den industriellen Kapitalismus:
  • 16:31 - 16:34
    ["Liberaler Kapitalismus ist nicht
    zum Wohle der Menschheit.
  • 16:34 - 16:38
    Im Gegenteil, er ist das Mittel des
    grausamen, zerstörerischen Nihilismus."]
  • 16:40 - 16:44
    Ich glaube wirklich, dass diese Orte,
  • 16:44 - 16:49
    diese Gemeinschaften für eine
    neue Generation von Lernenden
  • 16:49 - 16:53
    zu derselben Art von kartografischer
    Gemeinschaft geworden sind,
  • 16:53 - 16:58
    wie ich sie in der High School
    und im College zur Verfügung hatte.
  • 16:58 - 17:01
    Als Erwachsener diese Gemeinschaften
    wieder zu finden,
  • 17:01 - 17:05
    hat mich wieder zu
    Lerngemeinschaften gebracht
  • 17:05 - 17:10
    und mich ermutigt, auch als
    Erwachsener weiter zu lernen.
  • 17:10 - 17:14
    Ich habe nicht mehr das Gefühl,
    dass Lernen nur etwas für junge Leute ist.
  • 17:14 - 17:17
    Vi Hart und "Minute Physics" haben mir
  • 17:17 - 17:20
    allerhand beigebracht,
    was ich zuvor nicht wusste.
  • 17:20 - 17:21
    Ich weiβ, dass wir uns alle
  • 17:21 - 17:25
    in die Pariser Salons
    der Aufklärung zurücksehnen
  • 17:25 - 17:27
    oder in den Algonquin-Zirkel in New York,
  • 17:27 - 17:29
    und uns wünschen, dabeigewesen zu sein.
  • 17:29 - 17:32
    Ich hätte gern über
    Dorothy Parkers Witze gelacht.
  • 17:32 - 17:36
    Aber ich bin hier, um Ihnen zu sagen,
    dass diese Orte immer noch existieren.
  • 17:36 - 17:41
    Sie existieren in den Ecken des Internets,
    in die sich alte Männer nicht reintrauen.
  • 17:41 - 17:42
    (Lachen)
  • 17:42 - 17:45
    Ich bin zutiefst davon überzeugt:
  • 17:45 - 17:49
    Als wir Agloe, New York,
    in den 60ern erfanden,
  • 17:49 - 17:53
    als wir Agloe real machten,
    haben wir erst angefangen.
  • 17:53 - 17:54
    Vielen Dank.
  • 17:54 - 17:57
    (Applaus)
Title:
Die Nerd-Anleitung, um alles online zu lernen
Speaker:
John Green
Description:

Einige von uns lernen am Besten in Klassenräumen und andere ... nicht.
Aber wir alle haben Spaß am Lernen; daran, neue Dinge über unsere Welt zu entdecken und unseren Verstand herauszufordern. Wir müssen dafür nur das passende Umfeld und die passende Lerngemeinschaft finden. In seinem charmanten Vortrag erzählt uns der Autor John Green über seine Lernwelt, die er in Online-Videos gefunden hat.

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Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TEDTalks
Duration:
18:10

German subtitles

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