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Diane Severin Nguyen’s Transfigurations | Art21 "New York Close Up"

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    (Maschinengeräusche)
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    (Abfüllgeräusche)
  • 0:10 - 0:13
    Für mich ist Fotografie
    eine sehr intime
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    und persönliche Begegnung.
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    (Avantgarde-Musik)
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    Bestimmte Materialien werden durch
    die Kamera ganz anders verstanden.
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    Ich denke es ist großartig,
    wenn das Objektiv etwas verklärt.
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    DIANE SEVERIN NGUYEN'S
    „VERKLÄRUNGEN“
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    Ich fotografiere und mache Videos,
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    und ich nutze auch noch
    Elemente der Installation,
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    sozusagen
    architektonische Interventionen.
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    (Avantarde-Musik)
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    Fotos sind solch intensive Kondensationen,
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    fast wie eine Traumfabrik.
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    (Violine spielt ein Solo)
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    Im Internet auf YouTube bekomme ich Ideen,
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    die mich mit
    anderen Menschen verbindet,
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    die auch versuchen
    Dinge zu kreieren.
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    (Avantgarde-Musik)
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    Ich liebe Videos über Handwerk,
    Obstschnitzerei,
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    Kochkurse, Make-up Kurse,
    Haare flechten.
  • 1:43 - 1:47
    Diese Kunsthandwerke besitzen
    eine Vergänglichkeit,
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    fast wie ein Haltbarkeitsdatum.
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    Fotografie setzt sich sehr gut
    mit Vergänglichkeit auseinander,
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    da man ein Bild einer
    vergänglichen Situation machen kann.
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    (Cello spielt ein Solo)
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    Als Fotografin
    fühle ich mich darauf angewiesen,
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    den ganzen Müll einzunehmen,
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    den es in der Welt gibt.
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    und arbeite sozusagen
    mit geistigem Abfall.
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    Ich arbeite mit so viel Ausschussmaterial,
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    mit Dingen, die nur
    sehr geringen sozialen Wert besitzen.
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    Wenn ich zu Hause putze,
    und Staub zusammenkehre,
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    dann nehme ich den Staub
    in einer Tüte mit ins Studio.
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    Oder, ich nehme etwas von sozialem Wert
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    und führe es zurück
    zum stofflichen Stumpfsinn.
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    (Avantgarde-Musik)
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    Ein erfolgreiches Bild geschieht
    vor dem Zerfall,
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    wenn ich z.B. etwas anzünde,
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    und dabei nur
    den Bruchteil einer Sekunde habe.
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    Ich berühre und ordne Gegenstände an,
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    was allerdings
    in einem Moment geschehen muss.
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    (abstrakte Soundeffekte)
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    (Avantgarde-Musik)
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    Geräusche, die man nicht hören kann
    und Luft, die man nicht fühlen kann
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    und all die Faktoren,
    die man nicht erleben kann,
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    formen das Resultat eines Fotos.
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    Wenn ich fertig bin,
    habe ich vergessen, wie es anfing.
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    (Soundeffekte)
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    Es ist eigentlich ein Prozess,
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    der all die Fehlschläge
    in meinem Studio darstellt.
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    Es ist sehr improvisatorisch,
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    fast wie eine Performance
    für mich selbst.
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    (Avantgarde-Musik)
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    Ich versuche gegen den Impuls
    des Erkennens zu arbeiten,
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    und gelange dabei
    an einem Ort des Gefühlten an.
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    Ich denke,
    dass Wissen eine Distanz erzeugen kann.
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    Als ich aufwuchs und sah, wie meine Mutter
    in Amerika mit Dingen umging,
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    oft auf die falsche Art und Weise.
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    Wie sie z.B. mein Essen einpackte!
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    Soße in Plastikfolie!
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    Chips in Plastikfolie!
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    Als ich einmal meine Mutter besuchte,
    war sie im Garten
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    und hat Plastikblumen neben den echten
    in den Boden gesteckt.
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    Warum macht jemand sowas?
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    Warum überhaupt Plastikblumen?
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    Für sie machte das keinen Unterschied.
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    Da sind eben Plastikblumen
    und echte Blumen,
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    die den Vorgarten
    ganz toll aussehen ließen.
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    Sie dabei zu beobachten,
    wie sie Natur und Fake kombinierte,
  • 5:14 - 5:17
    um ein bestimmtes Bild zu kreieren,
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    hat einen engen Bezug zu meiner Kunst.
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    Die Arbeit, die man nicht sehen kann
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    verleiht einem Objekt tatsächlich
    eine geistige Potenz.
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    Mich interessieren kulturelle Gegensätze
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    zwischen Kitsch
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    und dem Intellektuellen,
    dem Reinen.
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    Ich fühle mich wohl dabei,
    etwas nachzumachen,
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    was anderes zu sein,
    und in diese Rolle zu schlüpfen.
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    Und ich liebe Karaoke.
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    Bei Karaoke mit Freunden
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    bekommen die Texte auf einmal
    eine ganz neue Bedeutung.
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    Dabei wird der Orinaltext
    erst hervorgehoben.
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    ♪ Und die Vision,
    die in mein Gehirn gepflanzt wurde ♪
  • 6:08 - 6:11
    ♪ Bleibt bestehen ♪
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    „The Sound of Silence“
    wurde als Provokation
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    auf westlich liberale Sympathie
    mit Amerika geschrieben.
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    Die Vietnamesen waren in dem Bezug
    doch eher peripher.
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    Für „Tyrant Star“ suchte ich
    nach dem perfekten Kriegs-Song,
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    und am Ende wählte ich dann doch
    diese Friedenshymne aus.
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    Dafür fand ich dieses Mädchen
    auf YouTube.
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    Sie war so etwas wie der aufstrebende Star
    im „Tyrant Star“
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    Sie kann kein Englisch,
    und ich brachte ihr jede einzelne Silbe
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    von „The Sound of Silence“ bei.
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    Viele der Sounds in dem Song
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    sind Helikopter im Vietnam-Krieg.
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    Ich nahm diese Klänge der Gewalt
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    und verarbeitete sie in einem Pop-Song.
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    (Helikoptergeräusche)
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    Ich mag Cover-Versionen,
    da sie etwas nehmen, was schon da ist,
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    das man kennt und versteht,
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    und das ganze Ding dann total verdrehen,
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    im Bezug auf wer das singt, und wie.
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    Eine Vietnamesin diesen Song
    singen zu lassen
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    war überwältigend, selbst für mich.
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    (Ambient-Musik)
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    Wir Künstler:innen haben diese Eigenart,
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    nicht im Stande zu sein,
    einfach nur zu existieren.
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    Wenn du anfängst zu reden
    oder zu kommunizieren,
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    willst du etwas vermitteln.
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    Beim Intimen ist es so,
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    dass es eigentlich wichtiger ist
    als das Wissen,
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    und ich frage mich immer wieder,
    was uns näher an etwas heranbringt.
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    (Maus-Click)
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    ("The Sound of Silence" Karaoke)
    ♪ Hallo, Dunkelheit, mein Freund ♪
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    ♪ Ich bin gekommen, um mit dir zu reden ♪
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    ♪ Zehntausend Menschen, vielleicht mehr ♪
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    ♪ Denn eine sanft schleichende Vision ♪
    ♪ ... etwas sagen, ohne zu sprechen ♪
  • 8:16 - 8:19
    ♪ Menschen, die hören, ohne zuzuhören ♪
  • 8:20 - 8:24
    ♪ Menschen schreiben Songs ♪
  • 8:24 - 8:26
    ♪ ... niemand wagte es ♪
  • 8:27 - 8:32
    ♪ Den Klang der Stille zu stören ♪
Title:
Diane Severin Nguyen’s Transfigurations | Art21 "New York Close Up"
Description:

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Video Language:
English
Team:
Art21
Project:
"New York Close Up" series
Duration:
08:34

German subtitles

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