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Carne Ross: Ein unabhängiger Diplomat

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    Meine Geschichte handelt unter anderem von Krieg.
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    Es geht um Ernüchterung.
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    Es geht um Tod.
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    Und es geht um die Wiederentdeckung
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    von Idealismus
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    in diesem ganzen Trümmerhaufen.
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    Und vielleicht auch darum, dass es eine Lehre gibt,
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    wie wir mit unserer
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    verkorksten, fragmentierten
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    und gefährlichen Welt im 21. Jahrhundert umgehen sollten.
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    Ich glaube nicht an unkomplizierte Erzählungen.
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    Ich glaube nicht an ein Leben oder an Geschichte,
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    die in der Art geschrieben wurde, dass Entscheidung A zu Konsequenz B führte,
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    die wiederum zu Konsequenz C führte ---
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    diese übersichtlich angeordneten Erzählungen, die uns präsentiert werden,
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    und die wir möglicherweise gegenseitig in uns bestärken.
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    Ich glaube an Zufälligkeit,
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    und einer der Gründe, warum ich daran glaube, ist,
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    dass der Grund, warum ich Diplomat geworden bin, zufällig war.
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    Ich bin farbenblind.
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    Ich wurde geboren, nicht in der Lage, die meisten Farben zu sehen.
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    Das ist der Grund, warum ich meistens Grau und Schwarz trage,
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    und ich muss meine Frau mitnehmen,
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    um meine Kleidung auszuwählen.
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    Ich wollte immer ein Kampfpilot werden, als ich ein Junge war.
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    Ich liebte es, den Flugzeugen zuzusehen, die
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    über unserer ländlichen Ferienwohnung vorbeiflogen.
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    Es war mein Kindheitstraum, ein Kampfpilot zu sein.
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    Ich durchlief die Tests der Royal Air Force, um ein Pilot zu werden,
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    und ich scheiterte, wie erwartet.
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    Ich konnte nicht all die unterschiedlich blinkenden Lichter sehen
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    ^
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    Also musste ich eine andere Karriere wählen,
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    und das war tatsächlich sehr einfach für mich,
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    weil ich eine bleibende Leidenschaft besaß, die sich durch meine Kindheit zog,
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    und das waren internationale Beziehungen.
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    Als Kind
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    las ich gründlich die Zeitung.
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    Ich war fasziniert vom Kalten Krieg,
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    von den INF-Verhandlungen
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    über atomare Mittelstreckenraketen,
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    vom Stellvertreter Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA
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    in Angola oder Afghanistan.
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    Diese Dinge faszinierten mich.
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    So entschied ich mich in einem sehr jungen Alter dazu,
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    dass ich ein Diplomat werden wollte.
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    Als ich dies eines Tages meinen Eltern verkündete -
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    und mein Vater bestreitet diese Geschichte bis zum heutigen Tag -
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    sagte ich: "Papa, ich möchte Diplomat werden."
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    Er drehte sich zu mir um und sagte:
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    "Carne, du musst sehr schlau sein, um ein Diplomat zu werden."
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    (Gelächter)
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    Mein Ehrgeiz war geweckt.
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    1989
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    fing ich beim britischen Auslandsdienst an.
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    In diesem Jahr bewarben sich 5000 Menschen darum, Diplomat zu werden,
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    20 von uns waren erfolgreich.
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    Wie diese Zahlen nahelegen,
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    wurde ich in eine elitäre,
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    faszinierende und anregende Welt eingeführt.
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    Diplomat zu sein, früher und heute,
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    ist ein unglaublicher Beruf, und ich liebte jede Minute.
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    Ich genoss den Status.
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    Ich kaufte mit einen netten Anzug und trug Schuhe mit Ledersohle
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    und feierte
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    diesen bemerkenswerten Zugang, den ich zu Weltereignissen hatte.
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    Ich reiste zum Gaza-Streifen.
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    Ich leitete die Abteilung für den Friedensprozess im Mittleren Osten
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    im britischen Außenministerium.
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    Ich wurde Redenschreiber
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    für den britischen Außenminister.
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    Ich traf Yasser Arafat.
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    Ich verhandelte
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    mit Saddams Diplomaten bei der UNO.
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    Später reiste ich nach Kabul
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    und arbeitete nach dem Fall der Taliban in Afghanistan.
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    Und ich reiste
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    in einer C-130
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    und suchte Warlords auf
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    in ihren Verstecken in den Bergen
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    und verhandelte mit ihnen darüber,
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    wie wir Al Quaeda in Afghanistan auslöschen würden,
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    umgeben von meinem Begleitschutz von Spezialkräften,
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    die selbst einen Begleitschutz in Form einer Kolonne von Royal Marines haben mussten,
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    weil es so gefährlich war.
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    Das war spannend. Das hat Spaß gemacht.
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    Es war wirklich interessant.
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    Und es ist eine tolle Gruppe von Leuten,
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    eine unglaublich eng verbundene Gemeinschaft von Menschen.
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    Der Höhepunkt meiner Karriere, so stellte sich heraus,
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    war, als ich nach New York berufen wurde.
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    Ich hatte bereits in Deutschland, Norwegen
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    und verschiedenen anderen Orten gedient,
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    aber ich wurde nach New York berufen,
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    um im UN-Sicherheitsrat für die britische Delegation zu dienen.
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    Ich war zuständig für den Mittleren Osten,
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    mein Spezialgebiet.
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    Dort kümmerte ich mich um Dinge
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    wie den Friedensprozess im Mittleren Osten,
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    die Lockerbie-Affäre -
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    wir können darüber später reden, wenn sie möchten -
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    aber vor allem war mein Aufgabengebiet der Irak
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    und seine Massenvernichtungswaffen
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    und die Sanktionen, die wir über den Irak
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    verhängten, um die Abrüstung dieser Waffen zu erzwingen.
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    Ich war der hauptverantwortliche britische Verhandler
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    in dieser Sache
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    und steckte tief im Thema.
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    Überhaupt war
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    meine Tour - es war irgendwie eine aufregende Zeit.
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    Ich meine, es war eine sehr dramatische Diplomatie.
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    Wir machten verschiedene Kriege durch,
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    während meiner Zeit in New York.
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    Ich verhandelte für mein Land
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    im Sicherheitsrat die Resolution
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    des 12. September 2011,
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    welche die Angriffe des vorherigen Tages verurteilten,
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    die natürlich sehr präsent für uns waren,
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    da wir zu der Zeit in New York lebten.
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    Es war irgendwie eine Erfahrung sowohl der besten
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    als auch der schlechtesten aller Zeiten.
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    Ich lebte auf großen Fuß.
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    Obwohl ich viele Überstunden machte,
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    lebte ich in einem Penthouse am Union Square.
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    Ich war ein alleinstehender britischer Diplomat in New York;
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    Sie können sich vielleicht vorstellen, was das bedeutet.
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    (Gelächter)
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    Ich hatte eine gute Zeit.
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    Aber 2002,
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    als meine Tour zu Ende ging,
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    entschied ich, dass ich nicht
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    zu dem Job, der auf mich in London wartete, zurückgehen würde.
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    Ich entschied mich, ein Forschungsjahr einzulegen
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    an der New School Universität in Bruce.
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    In einer rudimentären, unausgesprochenen Art und Weise
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    stellte ich fest, dass etwas nicht mit
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    meiner Arbeit stimmte, und auch mit mir.
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    Ich war erschöpft
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    und auch desillusioniert
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    auf eine Art, die ich nicht genau bestimmen konnte.
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    Ich entschied mich also, eine Auszeit zu nehmen.
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    Das Außenministerium war sehr großzügig.
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    Man konnte unbezahlt freigestellt werden
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    und trotzdem Teil des Diplomatischen Dienstes bleiben, ohne tatsächlich zu arbeiten.
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    Es war nett.
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    Schließlich entschied ich mich dazu,
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    der Abordnung der UNO für den Kosovo beizutreten,
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    der unter Verwaltung der Vereinten Nationen war.
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    Zwei Dinge geschahen im Kosovo,
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    die irgendwie wiederum
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    die Zufälligkeit des Lebens aufzeigen,
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    weil diese Dinge, wie sich herausstellte,
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    zwei Wendepunkte meines Lebens waren
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    und mir in die nächste Phase halfen.
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    Aber es waren zufällige Dinge.
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    Eines war, dass sich die britische Regierung
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    im Sommer 2004 etwas widerstrebend dazu entschied,
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    eine offizielle Untersuchung über die Nutzung
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    von Geheimdienstinformationen über Massenvernichtungswaffen
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    im Vorfeld des Irakkrieges durchzuführen,
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    ein sehr begrenztes Thema.
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    Und ich sagte in dieser Untersuchung als geheimer Zeuge aus.
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    Ich war bestens vertraut mit den Geheimdienstinformationen
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    über den Irak und seine Massenvernichtungswaffen
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    und meine Aussage im Rahmen der Untersuchung umfasste drei Dinge:
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    dass die Regierung die Informationen hochspielte,
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    was in all den Jahren, in denen ich sie gelesen hatte, sehr klar geworden war.
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    Und in der Tat besagte unsere eigene interne Einschätzung sehr eindeutig,
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    dass Iraks Massenvernichtungswaffen
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    keine Bedrohung für seine Nachbarstaaten darstellte, geschweige denn uns.
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    Zweitens hatte die Regierung alle vorhandenen Alternativen zum Krieg ignoriert,
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    was in mancherlei Hinsicht
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    eine noch schändlichere Sache war.
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    Den dritten Grund werde ich nicht näher erläutern.
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    Aber wie auch immer, ich machte diese Aussage,
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    und das konfrontierte mich mit einer Krise.
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    Was würde ich tun.
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    Diese Aussage war ausgesprochen kritisch gegenüber meinen Kollegen,
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    meinen Ministern, die, meiner Ansicht nach,
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    einen Krieg eingeleitet hatten, basierend auf einer Lüge.
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    Und so befand ich mich in einer Krise.
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    Und dies war keine nette Angelegenheit.
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    Ich klagte darüber, ich zögerte,
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    ich redete immer und immer wieder darüber mit meiner geduldigen Frau,
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    und schließlich entschied ich mich dafür, vom britischen diplomatischen Dienst zurückzutreten.
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    Ich fühlte mich - es gibt eine Szene in dem Film "Insider" mit Al Pacino, den Sie vielleicht kennen,
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    in der er zurück zum CBS geht,
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    nachdem sie ihn mit dem Tabak-Mann im Stich gelassen hatten,
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    und er sagt: "Wissen Sie, ich kann das hier einfach nicht mehr machen. Etwas ist zerbrochen."
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    Und so war es für mich. Ich liebe den Film.
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    Ich fühlte, dass etwas zerstört worden war.
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    Ich kann nicht wieder mit meinem Außenminister
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    oder meinem Premierminister zusammensitzen, mit einem Lächeln im Gesicht,
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    und das, was ich gerne für sie getan hatte, wieder tun.
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    Also nahm ich Anlauf
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    und sprang über den Rand eines Kliffs.
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    Und es war ein sehr, sehr unbehagliches, unangenehmes Gefühl.
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    Ich begann zu fallen.
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    Und dieser Fall ist noch nicht vorbei;
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    ich falle immer noch.
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    Aber in gewissem Sinne habe ich mich an das Gefühl gewöhnt.
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    Und in gewissem Sinne mag ich
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    dieses Gefühl sehr viel mehr,
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    als ich es mag, tatsächlich am Rande des Kliffs zu stehen
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    und mich zu fragen, was ich tun soll.
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    Eine zweite Sache geschah im Kosovo,
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    die irgendwie - ich brauche einen Schluck Wasser, verzeihen Sie.
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    Eine zweite Sache geschah im Kosovo,
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    die irgendwie die Frage aufbrachte,
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    die ich nicht wirklich beantworten konnte:
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    "Was fange ich mit meinem Leben an?"
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    Ich liebe Diplomatie.
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    Ich habe keine Karriere.
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    Ich hatte erwartet, mein ganzes Leben als Diplomat zu verbringen, meinem Land zu dienen.
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    Ich wollte ein Botschafter sein
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    und meine Lehrer und meine Helden,
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    Menschen, die an die Spitze meiner Profession gelangt waren,
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    und hier stand ich und warf das alles weg.
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    Viele meiner Freunde befanden sich weiterhin in dem Beruf.
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    Meine Rente befand sich darin.
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    Und ich gab es auf.
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    Und was würde ich nun tun?
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    Und in diesem Jahr, im Kosovo,
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    geschah diese fürchterliche, fürchterliche Sache, die ich mit ansah.
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    Im März 2004 gab es furchtbare Ausschreitungen
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    überall in der Provinz - die er damals war - des Kosovo.
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    18 Menschen wurden getötet.
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    Es war Anarchie.
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    Und es ist eine schlimme Sache, Anarchie mit anzusehen,
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    zu wissen, dass die Polizei und das Militär -
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    viele Militärtruppen waren dort -
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    die randalierende Menge nicht aufhalten können,
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    die die Straße hinunter zieht.
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    Und die randalierende Menge, die die Straße hinunter zieht, wird nur aufhören,
  • 9:32 - 9:34
    wenn sie sich entscheidet aufzuhören
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    und wenn sie genug hat vom Brandstiften und Töten.
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    Und das ist nicht schön mit anzusehen, und ich sah es.
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    Und ich ging hindurch. Ich ging durch diese Mengen.
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    Und mit meinen albanischen Freunden versuchten wir sie aufzuhalten, aber wir hatten keinen Erfolg.
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    Und dieser Aufruhr lehrte mich etwas,
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    was nicht sofort offensichtlich ist, und es ist eine etwas komplizierte Geschichte.
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    Aber einer der Gründe, warum diese Ausschreitung stattfand -
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    diese Ausschreitungen stattfanden, die mehrere Tage lang anhielten -
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    war, dass die Menschen des Kosovo
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    hinsichtlich ihrer eigenen Zukunft entrechtet waren.
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    Um sie herum wurden diplomatische Verhandlungen über die Zukunft
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    des Kosovo geführt
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    und die Regierung des Kosovo, ganz zu schweigen von den Bewohnern,
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    waren nicht wirklich
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    in diese Gespräche involviert.
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    Es gab dieses schicke diplomatische System,
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    diesen Verhandlungsprozess über die Zukunft des Kosovo,
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    und die Kosovaren hatten keinen Anteil daran.
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    Und sie waren natürlich frustriert darüber.
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    Diese Unruhen waren Teil der Manifestation dieser Frustration.
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    Sie war nicht der einzige Grund,
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    und das Leben besteht nicht aus einfachen Erzählungen, die nur einen Grund haben.
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    Es war eine komplizierte Sache
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    und ich behaupte nicht, dass es einfacher war, als es tatsächlich war.
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    Aber das war einer der Gründe.
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    Und das gab mir die Inspiration -
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    oder, um genau zu sein,
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    es gab meiner Frau die Inspiration.
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    Sie sagte: "Warum berätst du die Kosovaren nicht?
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    Warum berätst du ihre Regierung nicht in ihren diplomatischen Angelegenheiten?"
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    Und den Kosovaren waren diplomatische Dienste nicht erlaubt.
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    Ihnen waren keine Diplomaten erlaubt.
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    Ihnen war kein auswärtiges Amt erlaubt,
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    das ihnen dabei hätte helfen können, mit diesem unwahrscheinlich komplizierten Prozess umzugehen,
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    der später als der Final Status Process des Kosovo bekannt wurde.
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    Und das war also die Idee.
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    Das war der Ausgangspunkt von Independent Diplomat,
  • 11:04 - 11:07
    der ersten diplomatischen Beratungsgruppe der Welt,
  • 11:07 - 11:09
    noch dazu gemeinnützig.
  • 11:09 - 11:12
    Und es begann, als ich von London aus zurückflog,
  • 11:12 - 11:15
    nach meiner Zeit bei der UNO im Kosovo.
  • 11:15 - 11:18
    Ich flog zurück und aß zu Abend mit dem Premierminister des Kosovo und sagte zu ihm:
  • 11:18 - 11:21
    "Ich schlage vor, dass ich zu dir komme und dich in diplomatischen Angelegenheiten berate.
  • 11:21 - 11:24
    Ich kenne mich damit aus. Das ist, was ich mache. Warum komme ich nicht zu dir und helfe dir?"
  • 11:24 - 11:26
    Und er prostete mir mit seinem Glas Raki zu und sagte:
  • 11:26 - 11:28
    "Ja, Carne. Komm."
  • 11:28 - 11:30
    Und ich reiste in den Kosovo
  • 11:30 - 11:32
    und beriet dort die Regierung.
  • 11:32 - 11:35
    Independent Diplomat beriet letzten Endes drei aufeinander folgende Premierminister im Kosovo
  • 11:35 - 11:38
    und das aus mehreren Parteien bestehende Verhandlungsteam des Kosovo.
  • 11:38 - 11:41
    Und der Kosovo wurde unabhängig.
  • 11:41 - 11:44
    Independent Diplomat ist nun in fünf diplomatisch Zentren
  • 11:44 - 11:46
    in der Welt etabliert,
  • 11:46 - 11:48
    und wir beraten sieben oder acht
  • 11:48 - 11:51
    verschiedene Länder oder politische Gruppen,
  • 11:51 - 11:53
    je nachdem, wie Sie sie definieren wollen -
  • 11:53 - 11:55
    und Definitionen interessieren mich nicht sonderlich.
  • 11:55 - 11:58
    Wir beraten die Nord-Zyprioten, wie sie Ihre Insel wiedervereinen können.
  • 11:58 - 12:00
    Wir beraten die birmanische Opposition,
  • 12:00 - 12:02
    die Regierung des Süd-Sudan,
  • 12:02 - 12:04
    die - Sie haben es hier zuerst gehört -
  • 12:04 - 12:06
    innerhalb der nächsten paar Jahre ein neues Land gründen wird.
  • 12:08 - 12:11
    Wir beraten die Frente Polisario in der westlichen Sahara,
  • 12:11 - 12:13
    die dafür kämpfen, ihr Land von der marokkanischen
  • 12:13 - 12:15
    Besatzung zurückzuerobern,
  • 12:15 - 12:18
    nach 34 Jahren unrechtmäßiger Besitzergreifung.
  • 12:18 - 12:21
    Wir beraten mehrere Inselstaaten in Verhandlungen über den Klimawandel,
  • 12:21 - 12:23
    was in Kopenhagen seinen Höhepunkt
  • 12:23 - 12:25
    finden soll.
  • 12:26 - 12:28
    Es besteht auch hier eine gewisse Zufälligkeit,
  • 12:28 - 12:30
    denn als ich mit Independent Diplomat begann,
  • 12:30 - 12:32
    ging ich zu einer Feier im House of Lords,
  • 12:32 - 12:34
    das ein absurder Ort ist,
  • 12:34 - 12:36
    aber ich hielt mein Getränk auf diese Weise und ich rempelte
  • 12:36 - 12:38
    einen Mann an, der hinter mir stand.
  • 12:38 - 12:40
    Und wir begannen zu reden und er sagte -
  • 12:40 - 12:42
    ich erzählte ihm, was ich beruflich machte
  • 12:42 - 12:44
    und ich erzählte ihm recht ausschweifend,
  • 12:44 - 12:46
    dass ich Independent Diplomat in New York etablieren würde.
  • 12:46 - 12:48
    Zu dem Zeitpunkt gab es nur mich,
  • 12:48 - 12:50
    und ich und meine Frau waren dabei, nach New York zurückzuziehen.
  • 12:50 - 12:53
    Und er sagte: "Warum gehen Sie nicht zu meinen Kollegen in New York?"
  • 12:53 - 12:55
    Und es stelle sich heraus,
  • 12:55 - 12:57
    dass er für eine Innovationsfirma mit dem Namen ?What If! arbeitete,
  • 12:57 - 12:59
    von der manche von Ihnen wahrscheinlich gehört haben.
  • 12:59 - 13:01
    Eins kam zum anderen
  • 13:01 - 13:03
    und letztendlich hatte ich einen Schreibtisch
  • 13:03 - 13:05
    bei ?What If! in New York,
  • 13:05 - 13:07
    als ich Independent Diplomat startete.
  • 13:07 - 13:09
    Ich beobachtete ?What If! dabei,
  • 13:09 - 13:11
    wie sie neue Geschmacksrichtungen für Wrigley-Kaugummi
  • 13:11 - 13:13
    oder für Coca Cola entwickelten,
  • 13:13 - 13:15
    und es half mir dabei, neue Strategien
  • 13:15 - 13:17
    für die Kosovaren zu finden
  • 13:17 - 13:20
    und für die Sahrauis der westlichen Sahara.
  • 13:20 - 13:23
    Und ich begann zu verstehen, dass man Diplomatie auf verschiedene Weisen betreiben kann,
  • 13:23 - 13:25
    dass Diplomatie, wie geschäftliche Transaktionen,
  • 13:25 - 13:27
    eine Angelegenheit ist, bei der man Probleme lösen muss,
  • 13:27 - 13:30
    und dennoch existiert das Wort 'Innovation' nicht in der Diplomatie;
  • 13:30 - 13:33
    es sind alles Nullsummen-Spiele und Realpolitik
  • 13:33 - 13:36
    und uralte Institutionen, die seit Generationen existieren
  • 13:36 - 13:39
    und Dinge genauso machen, wie sie sie schon immer getan haben.
  • 13:39 - 13:41
    Und Independent Diplomat versucht heute,
  • 13:41 - 13:44
    einige der Dinge, die wir bei ?What If! gelernt haben, zu berücksichtigen.
  • 13:44 - 13:47
    Wir sitzen alle in einem Geschäftszimmer und schreien einander an.
  • 13:47 - 13:50
    Wir arbeiten alle an kleinen Laptops und versuchen, die Tische zu verschieben, um die Art, wie wir denken, zu verändern.
  • 13:50 - 13:52
    Und wir nutzen naive Experten,
  • 13:52 - 13:55
    die möglicherweise nichts über die Länder wissen, mit denen wir es zu tun haben,
  • 13:55 - 13:57
    aber möglicherweise etwas anderes über etwas anderes wissen,
  • 13:57 - 13:59
    um so neues Denken in die Problemstellungen
  • 13:59 - 14:01
    mit einfließen zu lassen,
  • 14:01 - 14:03
    denen wir uns für unsere Klienten widmen.
  • 14:03 - 14:05
    Es ist nicht einfach, denn unsere Klienten machen,
  • 14:05 - 14:08
    per definitionem, in diplomatischer Hinsicht eine schwierige Zeit durch.
  • 14:10 - 14:12
    Man kann, ich weiß nicht,
  • 14:12 - 14:15
    Einiges aus all dem lernen,
  • 14:15 - 14:17
    persönlich und politisch -
  • 14:17 - 14:20
    und in gewissem Sinne ist es ein und dasselbe.
  • 14:20 - 14:22
    Die persönliche Lektion
  • 14:22 - 14:24
    ist der Sturz von einem Kliff,
  • 14:24 - 14:27
    was eigentlich eine gute Sache ist, und ich kann es nur empfehlen.
  • 14:28 - 14:30
    Und es ist gut, mindestens einmal im Leben
  • 14:30 - 14:33
    einfach alles in Stücke zu reißen und zu springen.
  • 14:34 - 14:37
    Die zweite Sache ist eine wichtige Lektion über die heutige Welt.
  • 14:37 - 14:40
    Independent Diplomat ist Teil eines Trends,
  • 14:40 - 14:43
    der weltweit zum Vorschein kommt, offensichtlich wird und aufzeigt,
  • 14:43 - 14:46
    dass die Welt sich fragmentiert.
  • 14:46 - 14:49
    Staaten haben weniger Bedeutung als früher
  • 14:49 - 14:51
    und die Macht des Staates vermindert sich.
  • 14:51 - 14:53
    Das bedeutet, dass die Macht anderer Dinge sich vergrößert.
  • 14:53 - 14:55
    Diese anderen Dinge nennen sich nicht-staatliche Akteure.
  • 14:55 - 14:57
    Dabei handelt es sich vielleicht um Unternehmen,
  • 14:57 - 15:00
    vielleicht um Mafiosi, vielleicht nette NGOs,
  • 15:00 - 15:02
    alles ist möglich,
  • 15:02 - 15:04
    eine ganze Anzahl von Dingen.
  • 15:04 - 15:07
    Wir leben in einer komplizierteren und zersplitterten Welt.
  • 15:07 - 15:09
    Wenn Regierungen weniger dazu in der Lage sind,
  • 15:09 - 15:11
    auf die Probleme, die uns in der Welt
  • 15:11 - 15:14
    beeinträchtigen, Einfluss zu nehmen,
  • 15:14 - 15:17
    dann bedeutet das: Wer bleibt übrig, um sie anzugehen,
  • 15:17 - 15:19
    wer muss mehr Verantwortung übernehmen, um sie anzugehen?
  • 15:19 - 15:21
    Wir.
  • 15:21 - 15:24
    Wenn sie es nicht können, wer bleibt übrig, um sie anzugehen?
  • 15:24 - 15:27
    Wir haben gar keine andere Wahl als diese Realität zu akzeptieren.
  • 15:27 - 15:29
    Das bedeutet,
  • 15:29 - 15:32
    dass es nicht länger ausreicht zu sagen,
  • 15:32 - 15:35
    dass internationale Beziehungen oder globale Angelegenheiten
  • 15:35 - 15:37
    oder Chaos in Somalia
  • 15:37 - 15:40
    oder was in Burma passiert uns nichts angehen,
  • 15:40 - 15:43
    und dass man es den Regierungen überlassen kann, damit umzugehen.
  • 15:43 - 15:45
    Ich kann jeden von Ihnen
  • 15:45 - 15:47
    über sechs Ecken
  • 15:47 - 15:50
    mit der Al-Shabaab-Miliz in Somalia in Verbindung bringen.
  • 15:50 - 15:54
    Fragen Sie mich später, wie, aber wenn Sie Fisch essen,
  • 15:54 - 15:56
    dann besteht diese Verbindung interessanterweise.
  • 15:56 - 15:58
    Wie sind alle intim verbunden.
  • 15:58 - 16:00
    Und das ist nicht nur Tom Friedman,
  • 16:00 - 16:03
    es kann tatsächlich nachgewiesen werden in vielen Fällen.
  • 16:03 - 16:06
    Das bedeutet, dass man selbst die Dinge in Angriff nehmen muss,
  • 16:06 - 16:09
    anstatt Politiker darum zu bitten, sie zu tun.
  • 16:09 - 16:11
    Und Independent Diplomat ist in gewissem Sinne
  • 16:11 - 16:13
    ein Beispiel dafür.
  • 16:13 - 16:16
    Es gibt keine perfekten Beispiele, aber ein Beispiel ist dies:
  • 16:16 - 16:18
    Was dort, wo ich gearbeitete habe -
  • 16:18 - 16:20
    dem UN-Sicherheitsrat - vorgeht, spiegelt die Art und Weise wider,
  • 16:20 - 16:22
    wie die Welt sich verändert.
  • 16:22 - 16:25
    Die UNO wurde 1945 gegründet.
  • 16:25 - 16:27
    Ihre Charta ist im Grunde dafür konzipiert,
  • 16:27 - 16:29
    Konflikte zwischen Staaten - interstaatliche Konflikte -
  • 16:29 - 16:31
    zu stoppen.
  • 16:31 - 16:33
    Heutzutage befassen sich 80 Prozent
  • 16:33 - 16:35
    des Programms des UN-Sicherheitsrats
  • 16:35 - 16:37
    mit Konflikten zwischen Staaten,
  • 16:37 - 16:39
    in die nicht-staatliche Parteien involviert sind -
  • 16:39 - 16:41
    Partisanen, Separatisten,
  • 16:41 - 16:43
    Terroristen, wenn man sie so nennen will,
  • 16:43 - 16:46
    Menschen, die keine normalen Regierungsparteien sind, die keine normalen Staaten sind.
  • 16:46 - 16:49
    Das ist der Zustand der heutigen Welt.
  • 16:49 - 16:51
    Als ich das erkannte,
  • 16:51 - 16:54
    und als ich mich an meine Zeit im Sicherheitsrat zurückerinnerte
  • 16:54 - 16:56
    und was mit den Kosovaren geschehen war,
  • 16:56 - 16:58
    und ich weiß, dass die Menschen,
  • 16:58 - 17:00
    die am direktesten davon betroffen waren,
  • 17:00 - 17:02
    was wir im Sicherheitsrat taten, oft nicht
  • 17:02 - 17:04
    anwesend waren, nicht dazu eingeladen worden waren,
  • 17:04 - 17:06
    ihre Sicht der Dinge dem Sicherheitsrat zu schildern,
  • 17:06 - 17:08
    da dachte ich, das ist nicht richtig.
  • 17:08 - 17:10
    Man muss in der Hinsicht etwas tun.
  • 17:10 - 17:13
    Ich begann auf traditionelle Art.
  • 17:13 - 17:15
    Ich und meine Kollegen von Independent Diplomat
  • 17:15 - 17:17
    durchliefen den UN-Sicherheitsrat.
  • 17:17 - 17:19
    Wir besuchten etwa 70 UN-Mitgliedstaaten -
  • 17:19 - 17:21
    die Kasachen, die Äthiopier, die Israeliten -
  • 17:21 - 17:23
    wir besuchten sie alle -
  • 17:23 - 17:25
    den Generalsekretär, alle von ihnen,
  • 17:25 - 17:27
    und sagten: "Das ist alles ganz falsch.
  • 17:27 - 17:29
    Es ist schrecklich, dass Sie diese Leute, die tatsächlich betroffen sind, nicht konsultieren.
  • 17:29 - 17:31
    Sie müssen ein System etablieren,
  • 17:31 - 17:33
    in dem man die Kosovaren dazu einladen kann,
  • 17:33 - 17:35
    zu kommen und zu berichten, was sie denken.
  • 17:35 - 17:37
    Auf diese Weise können Sie ihnen sagen, was Sie denken.
  • 17:37 - 17:39
    Es wird toll sein. Sie werden einen Austausch haben können.
  • 17:39 - 17:42
    Sie werden die Ansichten dieser Leute in Ihre Entscheidungen miteinbeziehen können,
  • 17:42 - 17:44
    was bedeutet, dass Ihre Entscheidungen effektiver und beständiger sein werden."
  • 17:47 - 17:49
    Ausgesprochen logisch, sollte man meinen.
  • 17:49 - 17:51
    Unglaublich logisch. So offensichtlich, dass jeder es verstehen könnte.
  • 17:51 - 17:54
    Und natürlich verstand es jeder. Jeder sagte: "Ja, natürlich, Sie haben völlig recht.
  • 17:54 - 17:56
    Sprechen Sie uns vielleicht
  • 17:56 - 17:58
    in sechs Monaten noch einmal darauf an."
  • 17:58 - 18:01
    Und natürlich passierte nichts. Niemand tat etwas.
  • 18:01 - 18:03
    Der Sicherheitsrat verrichtet seine Arbeit
  • 18:03 - 18:05
    heute genau in derselben Weise,
  • 18:05 - 18:08
    wie er es vor X Jahren schon getan hat,
  • 18:08 - 18:11
    wie er es getan hat, als ich vor 10 Jahren dort war.
  • 18:11 - 18:13
    Wir schauten uns diesen
  • 18:13 - 18:15
    grundsätzlichen Misserfolg also an
  • 18:15 - 18:17
    und dachten darüber nach, was wir dagegen tun könnten.
  • 18:17 - 18:19
    Und ich dachte, ich will verdammt sein,
  • 18:19 - 18:21
    wenn ich den Rest meines Lebens damit zubringe,
  • 18:21 - 18:23
    mich für diese mürben Regierungen einzusetzen,
  • 18:23 - 18:25
    um zu tun, was getan werden muss.
  • 18:25 - 18:27
    Was wir also tun werden, ist,
  • 18:27 - 18:29
    diese Treffen selbst in die Wege zu leiten.
  • 18:29 - 18:31
    Independent Diplomat ist momentan dabei,
  • 18:31 - 18:33
    Treffen zu arrangieren,
  • 18:33 - 18:35
    an denen der UN-Sicherheitsrat
  • 18:35 - 18:37
    und die anderen Parteien teilnehmen,
  • 18:37 - 18:40
    um die Kontroversen zu diskutieren, die auf der Agenda des Sicherheitsrats stehen.
  • 18:40 - 18:42
    Wir werden also
  • 18:42 - 18:45
    Gruppen der Daifur-Rebellen,
  • 18:45 - 18:48
    die Nord- und die Süd-Zyprioten und
  • 18:49 - 18:52
    Rebellen aus Aceh heranbringen
  • 18:52 - 18:54
    und eine ausgesprochen lange Liste
  • 18:54 - 18:57
    von chaotischen Konflikten in der Welt.
  • 18:57 - 19:00
    Und wir werden versuchen, die Beteiligten nach New York zu bringen,
  • 19:00 - 19:02
    damit sie sich in einem ruhigen Raum zusammensetzen,
  • 19:02 - 19:04
    in einer privaten Umgebung ohne Presse,
  • 19:04 - 19:06
    damit sie den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats
  • 19:06 - 19:08
    erklären, was sie tatsächlich wollen,
  • 19:08 - 19:10
    und die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats ihnen erklären,
  • 19:10 - 19:12
    was sie wollen.
  • 19:12 - 19:14
    So gibt es eine tatsächliche Konversation,
  • 19:14 - 19:16
    die noch nie stattgefunden hat.
  • 19:16 - 19:19
    Und natürlich, all dies beschreibend,
  • 19:19 - 19:22
    wird jeder von Ihnen, der sich mit Politik auskennt, denken, dass dies unwahrscheinlich schwierig ist,
  • 19:22 - 19:24
    und ich stimme Ihnen zu.
  • 19:24 - 19:27
    Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlags ist sehr hoch,
  • 19:27 - 19:29
    aber es wird mit Sicherheit nichts passieren,
  • 19:29 - 19:32
    wenn wir nicht versuchen, es in die Wege zu leiten.
  • 19:32 - 19:35
    Und meine Politik hat sich, seit ich ein Diplomat war,
  • 19:35 - 19:37
    bis heute grundlegend verändert,
  • 19:37 - 19:40
    und ich denke, dass Ergebnisse das sind, was zählt, nicht der Prozess,
  • 19:40 - 19:43
    und, um ehrlich zu sein, auch nicht so sehr die Technologie.
  • 19:43 - 19:45
    Predigen Sie all den
  • 19:45 - 19:48
    Twitter benutzenden Mitgliedern der iranischen Demonstrationen Technologie,
  • 19:48 - 19:51
    die jetzt in politischen Gefängnissen in Teheran sitzen,
  • 19:51 - 19:53
    wo Ahmadinejad weiterhin die Macht hat.
  • 19:53 - 19:56
    Technologie hat im Iran keine politische Veränderung gebracht.
  • 19:57 - 20:00
    Man muss sich die Ergebnisse anschauen und zu sich selbst sagen:
  • 20:00 - 20:02
    "Was kann ich tun, um diese spezifischen Ergebnisse zu erhalten?"
  • 20:02 - 20:05
    Das ist die Politik des 21. Jahrhunderts.
  • 20:05 - 20:07
    Und in gewissem Sinne verkörpert Independent Diplomat
  • 20:07 - 20:10
    diese Zersplitterung, diese Veränderung,
  • 20:10 - 20:13
    die mit uns allen geschieht.
  • 20:14 - 20:16
    Das ist meine Geschichte. Vielen Dank.
Title:
Carne Ross: Ein unabhängiger Diplomat
Speaker:
Carne Ross
Description:

Nach 15 Jahren im britischen diplomatischen Dienst wurde Carne Ross ein "freiberuflicher Diplomat", der eine wagemutige gemeinnützige Organisation betreibt, die kleinen, sich entwickelnden und noch nicht anerkannten Nationen eine Stimme in internationalen Beziehungen verleiht. Auf der BIF-5 Konferenz startet er einen Aufruf für eine neue Art von Diplomatie, die kleinen Ländern ein Mitspracherecht einräumt, die mit sich ändernden Grenzen arbeitet und Innovation begrüßt.

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Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TEDTalks
Duration:
20:18
Jessica K. added a translation Nov 16, 2011, 9:15 PM

German subtitles

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