Peter Haas: Haitis technische Katastrophe
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0:01 - 0:04Ich habe über Skype vom Erdbeben in Haiti erfahren.
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0:04 - 0:07Meine Frau schickte mir eine Nachricht:
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0:07 - 0:09"Uuuh, Erdbeben",
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0:09 - 0:12und dann verschwand sie 25 Minuten lang.
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0:13 - 0:16Es waren 25 Minuten absoluten Terrors,
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0:16 - 0:20den Tausende Menschen überall in den USA spürten.
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0:21 - 0:24Ich hatte Angst vor einem Tsunami.
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0:24 - 0:26Dabei war mir nicht klar,
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0:26 - 0:29dass der größere Terror in Haiti stattfand,
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0:29 - 0:32weil die Gebäude einstürzten.
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0:32 - 0:34Wir alle haben die Bilder
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0:34 - 0:37von den eingestürzten Häusern in Haiti gesehen.
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0:37 - 0:39Diese Aufnahmen hat meine Frau
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0:39 - 0:41ein paar Tage nach dem Beben gemacht,
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0:41 - 0:44während ich über die Dom. Republik versuchte, das Land zu erreichen.
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0:45 - 0:47Das hier ist der Nationalpalast,
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0:47 - 0:50das Pendant zum Weißen Haus.
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0:50 - 0:53Das ist der größte Supermarkt der Karibik
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0:53 - 0:56zur Haupteinkaufszeit.
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0:58 - 1:00Das ist eine Schwesternschule.
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1:00 - 1:03300 Krankenschwestern werden dort ausgebildet.
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1:04 - 1:06Das allgemeine Krankenhaus direkt nebenan
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1:06 - 1:09blieb weitgehend unbeschädigt.
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1:09 - 1:12Das ist das Wirtschafts- und Finanzministerium.
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1:15 - 1:17Wir alle haben von
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1:17 - 1:20den schrecklich vielen Toten
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1:20 - 1:22des Erdbebens in Haiti gehört,
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1:22 - 1:25aber wir haben nicht genug davon erfahren,
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1:25 - 1:28warum alle diese Menschen ihr Leben verloren.
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1:28 - 1:30Wir haben nichts darüber erfahren,
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1:30 - 1:33warum die Gebäude nicht standhielten.
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1:33 - 1:35Letztendlich waren es die Gebäude
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1:35 - 1:37und nicht das Erdbeben,
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1:37 - 1:40die 220.000 Menschen töteten,
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1:40 - 1:43die 330.000 verletzten,
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1:43 - 1:48die 1,3 Millionen Menschen vertrieben,
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1:49 - 1:51die die Nahrungsversorgung kappten
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1:51 - 1:53sowie Wasser und Nachschub
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1:53 - 1:56für eine ganze Nation.
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1:56 - 2:01Es ist die größte Katastrophe in einer Großstadtregion
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2:01 - 2:04seit Jahrzehnten.
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2:04 - 2:07Es war keine Naturkatastrophe.
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2:07 - 2:10Es war eine technische Katastrophe.
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2:10 - 2:12AIDG arbeitet seit 2007
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2:12 - 2:14in Haiti
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2:14 - 2:16und hilft kleinen Betrieben mit Ingenieurswissen
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2:16 - 2:18und Wirtschaftsberatung.
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2:18 - 2:22Nach dem Beben begannen wir damit, Erdbebeningenieure ins Land zu holen,
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2:22 - 2:24die herausfinden sollten, warum die Gebäude einstürzten,
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2:24 - 2:27die untersuchen sollten, was sicher war und was nicht.
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2:27 - 2:30In Zusammenarbeit mit MINUSTAH –
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2:30 - 2:32das ist die UN-Vertretung in Haiti –
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2:32 - 2:34mit dem Ministerium für öffentliches Bauwesen,
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2:34 - 2:36mit verschiedenen Nicht-Regierungs-Organistaionen,
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2:36 - 2:39inspizierten wir mehr als 1.500 Gebäude.
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2:40 - 2:42Wir inspizierten Schulen
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2:42 - 2:44und Wohnhäuser.
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2:44 - 2:46Wir inspizierten Medizin-Zentren
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2:46 - 2:48und Lebensmittelgeschäfte.
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2:48 - 2:50Wir inspizierten Regierungsgebäude.
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2:50 - 2:52Das ist das Justizministerium.
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2:52 - 2:54Hinter dieser Tür
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2:54 - 2:57befindet sich das Nationale Rechtsarchiv.
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2:57 - 2:59Der Kollege in der Tür, Andre Filitrault,
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2:59 - 3:01der Direktor
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3:01 - 3:05des Zentrums für Interdisziplinäre Technische Erdbebenforschung
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3:05 - 3:08an der Universität von Buffalo,
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3:08 - 3:10untersuchte es um zu sehen, ob es sicher genug sei
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3:10 - 3:12für die Rettung der Archive.
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3:12 - 3:14Andre sagte mir,
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3:14 - 3:16dass, nachdem er diese Gebäude einstürzen sah,
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3:16 - 3:19immer und immer auf die selbe Weise,
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3:19 - 3:22es hier keine neuen Erkenntnisse gibt.
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3:22 - 3:25Es gibt hier nichts, was wir nicht wissen.
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3:25 - 3:28Die Schwachpunkte waren die gleichen --
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3:28 - 3:31nicht ordentlich mit Stützpfeilern verbundene Wände und Deckenplatten –
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3:31 - 3:34das ist eine Deckenplatte, die vom Gebäude herunterhängt –
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3:36 - 3:38freitragende Strukturen
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3:38 - 3:40oder Strukturen, die asymmetrisch waren,
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3:40 - 3:42die heftig wackelten und herunter kamen,
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3:44 - 3:46schlechte Baumaterialien,
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3:46 - 3:48nicht genug Beton,
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3:48 - 3:51nicht genug Druck in den Blöcken,
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3:52 - 3:54weicher Stahlbeton,
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3:54 - 3:57Stahlbeton, der dem Wetter ausgesetzt und weggerostet war.
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3:57 - 4:00Nun, es gibt eine Lösung
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4:00 - 4:02für alle diese Probleme.
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4:02 - 4:05Und wir wissen, wie man richtig baut.
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4:05 - 4:08Das wurde in Chile unter Beweis gestellt,
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4:08 - 4:11fast einen Monat später,
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4:11 - 4:14als ein Erdbeben der Stärke 8,8
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4:15 - 4:17Chile traf.
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4:17 - 4:19Das ist 500 Mal so stark
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4:19 - 4:21wie das Beben der Stärke 7,0,
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4:21 - 4:24das Port-au-Prince getroffen hatte –
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4:24 - 4:26500 Mal so stark;
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4:26 - 4:29und doch gab es weniger als tausend Opfer.
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4:31 - 4:33Auf die Bevölkerungsdichte gerechnet,
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4:33 - 4:35ist das weniger als ein Prozent
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4:35 - 4:38der Auswirkungen des Bebens in Haiti.
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4:39 - 4:41Wo lag der Unterschied
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4:41 - 4:44zwischen Chile und Haiti?
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4:44 - 4:46Erdbebenstandards
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4:46 - 4:49und sicheres Mauerwerk,
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4:49 - 4:51bei dem das Gebäude sich als Ganzes bewegt –
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4:51 - 4:53Wände und Stützen
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4:53 - 4:55und Decken und Platten
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4:55 - 4:58werden miteinander so verbunden, dass sie sich gegenseitig stützen,
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4:58 - 5:02anstatt in Einzelteile zu zerfallen und einzustürzen.
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5:03 - 5:06Sehen Sie sich dieses Gebäude in Chile an;
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5:06 - 5:08es ist in zwei Hälften zerrissen,
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5:08 - 5:11aber es ist kein Schutthaufen.
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5:12 - 5:14Die Chilenen bauen ihre Gebäude seit Jahrzehnten
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5:14 - 5:16mit sicherem Mauerwerk.
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5:17 - 5:21Momentan arbeitet AIDG gemeinsam mit KPFF Ingenieursberatung,
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5:21 - 5:23Architektur für die Menschheit,
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5:23 - 5:26daran, mehr Schulungen für sicheres Mauerwerk
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5:26 - 5:28nach Haiti zu bringen.
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5:30 - 5:32Das ist Xantus Daniel.
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5:32 - 5:34Er ist ein Maurer,
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5:34 - 5:37ein einfacher Bauarbeiter, kein Vorarbeiter,
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5:37 - 5:39der an einer unserer Schulungen teilnahm.
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5:39 - 5:42Bei seinem letzten Job arbeitete er mit seinem Chef zusammen,
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5:42 - 5:45als sie die Stützpfeiler falsch eingossen.
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5:45 - 5:47Er nahm seinen Chef zur Seite
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5:47 - 5:50und zeigte ihm die Materialien für sicheres Mauerwerk.
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5:50 - 5:53Er sagte ihm: „Wissen Sie, wir müssen das nicht falsch machen.
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5:53 - 5:55Es wird uns nicht mehr kosten,
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5:55 - 5:58wenn wir es richtig machen."
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5:58 - 6:00Und sie brachten das Gebäude in Ordnung.
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6:00 - 6:02Sie verbanden den Stahlbeton richtig.
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6:02 - 6:04Sie gossen die Stützpfeiler richtig.
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6:04 - 6:06Und dieses Gebäude wird sicher sein.
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6:06 - 6:08Und jedes Gebäude,
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6:08 - 6:10das sie in Zukunft bauen werden,
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6:10 - 6:12wird sicher sein.
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6:13 - 6:15Um sicherzustellen, dass diese Gebäude sicher sind,
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6:15 - 6:18braucht es keine Politik,
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6:18 - 6:20es genügt, die Maurer zu erreichen,
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6:20 - 6:23die an der Basis arbeiten,
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6:23 - 6:26und ihnen dabei zu helfen, die richtigen Techniken zu erlernen.
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6:28 - 6:30Es gibt derzeit viele Gruppen, die das tun.
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6:30 - 6:32Und der Kollege mit der Weste da,
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6:32 - 6:34Craig Toten,
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6:34 - 6:36hat sich dafür eingesetzt,
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6:36 - 6:39dass alle Gruppen, die das tun, eine Dokumentation erstellen.
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6:40 - 6:42Mit Haiti Rewired,
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6:42 - 6:45mit Build Change, Architektur für die Menschheit,
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6:45 - 6:47AIDG,
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6:47 - 6:49ist es möglich,
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6:49 - 6:5230.000, 40.000 Maurer
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6:52 - 6:55im ganzen Land
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6:55 - 6:57zu erreichen
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6:57 - 7:00und eine Bewegung für die richtige Bauweise zu starten.
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7:02 - 7:04Wenn man die Menschen an der Basis
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7:04 - 7:06auf diese gemeinschaftliche Weise erreicht,
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7:06 - 7:09ist das sehr kostengünstig.
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7:09 - 7:13Von den Milliarden für den Wiederaufbau,
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7:13 - 7:15kann man für ein paar Dollar
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7:15 - 7:17Maurer schulen, für jedes der Häuser,
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7:17 - 7:20die sie letztendlich ihn ihrem ganzen Leben bauen.
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7:22 - 7:24Am Ende gibt es zwei Möglichkeiten
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7:24 - 7:26für den Wiederaufbau von Haiti,
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7:26 - 7:28die Möglichkeit an der Spitze
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7:28 - 7:31ist die, mit der Haiti seit Jahrzehnten gebaut hat.
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7:31 - 7:33Die Möglichkeit an der Spitze
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7:33 - 7:35ist ein schlecht gebautes Gebäude,
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7:35 - 7:37das zusammenstürzen wird.
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7:37 - 7:40Die Möglichkeit unten ist ein Gebäude mit sicherem Mauerwerk,
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7:40 - 7:42bei dem die Wände miteinander verbunden sind,
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7:42 - 7:44das Gebäude ist symmetrisch
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7:44 - 7:47und es wird bei einem Erdbeben stehen bleiben.
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7:47 - 7:49In der ganzen Katastrophe
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7:49 - 7:52steckt hier eine Chance,
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7:52 - 7:54bessere Häuser für die
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7:54 - 7:56nächste Generation zu bauen,
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7:56 - 7:59damit das nächste Erdbeben
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7:59 - 8:01eine Katastrophe ist,
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8:01 - 8:03aber keine Tragödie.
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8:04 - 8:08(Applaus)
- Title:
- Peter Haas: Haitis technische Katastrophe
- Speaker:
- Peter Haas
- Description:
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"Haiti war keine Naturkatastrophe", sagt TED Fellow Peter Haas: "Es war eine technische Katastrophe." Birgt der Wiederaufbau des Landes nach dem verheerenden Beben im Januar die Gefahr einer weiteren tickenden Zeitbombe, weil die alten, schlechten Bauweisen angewendet werden? Haas' Gruppe, AIDG, hilft den Bauingenieuren in Haiti dabei, moderne Bauweisen und Ingenieurstechniken zu erlernen, um Stein für Stein ein starkes Land zu errichten.
- Video Language:
- English
- Team:
closed TED
- Project:
- TEDTalks
- Duration:
- 08:09