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Peter Haas: Haitis technische Katastrophe

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    Ich habe über Skype vom Erdbeben in Haiti erfahren.
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    Meine Frau schickte mir eine Nachricht:
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    "Uuuh, Erdbeben",
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    und dann verschwand sie 25 Minuten lang.
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    Es waren 25 Minuten absoluten Terrors,
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    den Tausende Menschen überall in den USA spürten.
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    Ich hatte Angst vor einem Tsunami.
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    Dabei war mir nicht klar,
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    dass der größere Terror in Haiti stattfand,
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    weil die Gebäude einstürzten.
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    Wir alle haben die Bilder
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    von den eingestürzten Häusern in Haiti gesehen.
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    Diese Aufnahmen hat meine Frau
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    ein paar Tage nach dem Beben gemacht,
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    während ich über die Dom. Republik versuchte, das Land zu erreichen.
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    Das hier ist der Nationalpalast,
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    das Pendant zum Weißen Haus.
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    Das ist der größte Supermarkt der Karibik
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    zur Haupteinkaufszeit.
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    Das ist eine Schwesternschule.
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    300 Krankenschwestern werden dort ausgebildet.
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    Das allgemeine Krankenhaus direkt nebenan
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    blieb weitgehend unbeschädigt.
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    Das ist das Wirtschafts- und Finanzministerium.
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    Wir alle haben von
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    den schrecklich vielen Toten
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    des Erdbebens in Haiti gehört,
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    aber wir haben nicht genug davon erfahren,
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    warum alle diese Menschen ihr Leben verloren.
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    Wir haben nichts darüber erfahren,
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    warum die Gebäude nicht standhielten.
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    Letztendlich waren es die Gebäude
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    und nicht das Erdbeben,
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    die 220.000 Menschen töteten,
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    die 330.000 verletzten,
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    die 1,3 Millionen Menschen vertrieben,
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    die die Nahrungsversorgung kappten
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    sowie Wasser und Nachschub
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    für eine ganze Nation.
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    Es ist die größte Katastrophe in einer Großstadtregion
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    seit Jahrzehnten.
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    Es war keine Naturkatastrophe.
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    Es war eine technische Katastrophe.
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    AIDG arbeitet seit 2007
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    in Haiti
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    und hilft kleinen Betrieben mit Ingenieurswissen
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    und Wirtschaftsberatung.
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    Nach dem Beben begannen wir damit, Erdbebeningenieure ins Land zu holen,
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    die herausfinden sollten, warum die Gebäude einstürzten,
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    die untersuchen sollten, was sicher war und was nicht.
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    In Zusammenarbeit mit MINUSTAH –
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    das ist die UN-Vertretung in Haiti –
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    mit dem Ministerium für öffentliches Bauwesen,
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    mit verschiedenen Nicht-Regierungs-Organistaionen,
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    inspizierten wir mehr als 1.500 Gebäude.
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    Wir inspizierten Schulen
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    und Wohnhäuser.
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    Wir inspizierten Medizin-Zentren
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    und Lebensmittelgeschäfte.
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    Wir inspizierten Regierungsgebäude.
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    Das ist das Justizministerium.
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    Hinter dieser Tür
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    befindet sich das Nationale Rechtsarchiv.
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    Der Kollege in der Tür, Andre Filitrault,
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    der Direktor
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    des Zentrums für Interdisziplinäre Technische Erdbebenforschung
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    an der Universität von Buffalo,
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    untersuchte es um zu sehen, ob es sicher genug sei
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    für die Rettung der Archive.
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    Andre sagte mir,
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    dass, nachdem er diese Gebäude einstürzen sah,
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    immer und immer auf die selbe Weise,
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    es hier keine neuen Erkenntnisse gibt.
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    Es gibt hier nichts, was wir nicht wissen.
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    Die Schwachpunkte waren die gleichen --
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    nicht ordentlich mit Stützpfeilern verbundene Wände und Deckenplatten –
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    das ist eine Deckenplatte, die vom Gebäude herunterhängt –
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    freitragende Strukturen
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    oder Strukturen, die asymmetrisch waren,
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    die heftig wackelten und herunter kamen,
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    schlechte Baumaterialien,
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    nicht genug Beton,
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    nicht genug Druck in den Blöcken,
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    weicher Stahlbeton,
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    Stahlbeton, der dem Wetter ausgesetzt und weggerostet war.
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    Nun, es gibt eine Lösung
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    für alle diese Probleme.
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    Und wir wissen, wie man richtig baut.
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    Das wurde in Chile unter Beweis gestellt,
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    fast einen Monat später,
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    als ein Erdbeben der Stärke 8,8
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    Chile traf.
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    Das ist 500 Mal so stark
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    wie das Beben der Stärke 7,0,
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    das Port-au-Prince getroffen hatte –
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    500 Mal so stark;
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    und doch gab es weniger als tausend Opfer.
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    Auf die Bevölkerungsdichte gerechnet,
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    ist das weniger als ein Prozent
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    der Auswirkungen des Bebens in Haiti.
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    Wo lag der Unterschied
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    zwischen Chile und Haiti?
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    Erdbebenstandards
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    und sicheres Mauerwerk,
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    bei dem das Gebäude sich als Ganzes bewegt –
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    Wände und Stützen
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    und Decken und Platten
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    werden miteinander so verbunden, dass sie sich gegenseitig stützen,
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    anstatt in Einzelteile zu zerfallen und einzustürzen.
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    Sehen Sie sich dieses Gebäude in Chile an;
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    es ist in zwei Hälften zerrissen,
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    aber es ist kein Schutthaufen.
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    Die Chilenen bauen ihre Gebäude seit Jahrzehnten
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    mit sicherem Mauerwerk.
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    Momentan arbeitet AIDG gemeinsam mit KPFF Ingenieursberatung,
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    Architektur für die Menschheit,
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    daran, mehr Schulungen für sicheres Mauerwerk
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    nach Haiti zu bringen.
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    Das ist Xantus Daniel.
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    Er ist ein Maurer,
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    ein einfacher Bauarbeiter, kein Vorarbeiter,
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    der an einer unserer Schulungen teilnahm.
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    Bei seinem letzten Job arbeitete er mit seinem Chef zusammen,
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    als sie die Stützpfeiler falsch eingossen.
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    Er nahm seinen Chef zur Seite
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    und zeigte ihm die Materialien für sicheres Mauerwerk.
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    Er sagte ihm: „Wissen Sie, wir müssen das nicht falsch machen.
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    Es wird uns nicht mehr kosten,
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    wenn wir es richtig machen."
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    Und sie brachten das Gebäude in Ordnung.
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    Sie verbanden den Stahlbeton richtig.
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    Sie gossen die Stützpfeiler richtig.
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    Und dieses Gebäude wird sicher sein.
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    Und jedes Gebäude,
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    das sie in Zukunft bauen werden,
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    wird sicher sein.
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    Um sicherzustellen, dass diese Gebäude sicher sind,
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    braucht es keine Politik,
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    es genügt, die Maurer zu erreichen,
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    die an der Basis arbeiten,
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    und ihnen dabei zu helfen, die richtigen Techniken zu erlernen.
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    Es gibt derzeit viele Gruppen, die das tun.
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    Und der Kollege mit der Weste da,
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    Craig Toten,
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    hat sich dafür eingesetzt,
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    dass alle Gruppen, die das tun, eine Dokumentation erstellen.
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    Mit Haiti Rewired,
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    mit Build Change, Architektur für die Menschheit,
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    AIDG,
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    ist es möglich,
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    30.000, 40.000 Maurer
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    im ganzen Land
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    zu erreichen
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    und eine Bewegung für die richtige Bauweise zu starten.
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    Wenn man die Menschen an der Basis
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    auf diese gemeinschaftliche Weise erreicht,
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    ist das sehr kostengünstig.
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    Von den Milliarden für den Wiederaufbau,
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    kann man für ein paar Dollar
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    Maurer schulen, für jedes der Häuser,
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    die sie letztendlich ihn ihrem ganzen Leben bauen.
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    Am Ende gibt es zwei Möglichkeiten
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    für den Wiederaufbau von Haiti,
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    die Möglichkeit an der Spitze
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    ist die, mit der Haiti seit Jahrzehnten gebaut hat.
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    Die Möglichkeit an der Spitze
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    ist ein schlecht gebautes Gebäude,
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    das zusammenstürzen wird.
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    Die Möglichkeit unten ist ein Gebäude mit sicherem Mauerwerk,
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    bei dem die Wände miteinander verbunden sind,
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    das Gebäude ist symmetrisch
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    und es wird bei einem Erdbeben stehen bleiben.
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    In der ganzen Katastrophe
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    steckt hier eine Chance,
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    bessere Häuser für die
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    nächste Generation zu bauen,
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    damit das nächste Erdbeben
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    eine Katastrophe ist,
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    aber keine Tragödie.
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Title:
Peter Haas: Haitis technische Katastrophe
Speaker:
Peter Haas
Description:

"Haiti war keine Naturkatastrophe", sagt TED Fellow Peter Haas: "Es war eine technische Katastrophe." Birgt der Wiederaufbau des Landes nach dem verheerenden Beben im Januar die Gefahr einer weiteren tickenden Zeitbombe, weil die alten, schlechten Bauweisen angewendet werden? Haas' Gruppe, AIDG, hilft den Bauingenieuren in Haiti dabei, moderne Bauweisen und Ingenieurstechniken zu erlernen, um Stein für Stein ein starkes Land zu errichten.

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Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TEDTalks
Duration:
08:09
Katja Tongucer added a translation

German subtitles

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