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#rC3 2021 Opening

  • 0:01 - 0:08
    Lilith: Hallo Hallo! Ah super! Hey, puh,
    was für ein Jahr, das zweite Jahr mit
  • 0:08 - 0:13
    dieser Scheiß-Pandemie. Also zum Kongress
    eigentlich alles wie letztes Jahr. Wieder
  • 0:13 - 0:17
    so ein Opening aus so 'ner blank Void;
    wieder keine echten Leute sehen und
  • 0:17 - 0:23
    treffen zur wichtigsten Zeit des Jahres.
    Aber irgendwie haben wir uns damit ja
  • 0:23 - 0:27
    arrangiert. Und wenn ich mir so anschaue,
    wie wir diesen Kongress dieses Jahr
  • 0:27 - 0:31
    produzieren und wie gut es auch letztes
    Jahr schon lief, dann glaube ich, das wird
  • 0:31 - 0:34
    echt gut. Das wird kein echter Kongress.
    Natürlich nicht, aber das wird trotzdem
  • 0:34 - 0:40
    krass. So unglaublich viele Leute haben in
    den letzten Wochen an super vielen Orten
  • 0:40 - 0:44
    in ganz Deutschland Chaos-Studios
    aufgebaut und natürlich auch die virtuelle
  • 0:44 - 0:48
    Welt gepixelt und all die anderen Sachen,
    die eben auch zu einem echten Kongress
  • 0:48 - 0:54
    gehören. Und ich glaube, wir sind dieses
    Jahr nicht im Nowhere, sondern wir sind
  • 0:54 - 0:59
    einfach überall, wir sind halt einfach
    verteilt. Wir sind quasi auch irgendwie in
  • 0:59 - 1:04
    dieser digitalen Welt angekommen. Und auch
    wenn das natürlich noch immer kein echter
  • 1:04 - 1:08
    Kongress ist, dass wir trotzdem gut und
    mit einem Computer Kunst und Schönheit zu
  • 1:08 - 1:13
    erschaffen, das ist ja auch viel, worum es
    bei uns so geht. Und natürlich die Utopie,
  • 1:13 - 1:17
    zumindest für so ein paar Tage, leben. Und
    ich glaube, das kriegen wir auch im
  • 1:17 - 1:23
    digitalen Raum hin. Digitalisierung, das
    ist auch schon das Stichwort. Ich meine,
  • 1:23 - 1:25
    das haben wir in diesem Jahr echt viel
    erlebt und das nicht nur bei uns
  • 1:25 - 1:29
    Chaot*innen aus dem Computer Club auch
    versucht, sondern das haben dieses Jahr
  • 1:29 - 1:33
    auch ganz andere probiert. Da fällt mir
    zum Beispiel ein: Der Lieblings-Rapper
  • 1:33 - 1:39
    aus meiner Jugend und in etwa jeder Start-
    Up-Unternehmer, der dieses Jahr eine neue
  • 1:39 - 1:43
    Business-Idee brauchte und dann irgendwas
    mit Corona-Apps oder so einen ähnlichen
  • 1:43 - 1:47
    Quatsch baute. Und natürlich auch der
    Staat selbst, denn der hat versucht in den
  • 1:47 - 1:52
    letzten Monaten von Merkels
    Kanzlerinnenschaft 15 Jahre Stillstand im
  • 1:52 - 1:57
    Digitalen aufzuholen. Und ich meine das
    Ergebnis, das kennt ihr. Das ist ziemlich
  • 1:57 - 2:01
    verheerend. Und diese ganzen Geschichten,
    die kennen die meisten von euch ja auch
  • 2:01 - 2:05
    schon. Und falls nein, herzlichen
    Glückwunsch, dass ihr es hinbekommen habt,
  • 2:05 - 2:09
    ein Jahr lang die Digitalpolitik in
    Deutschland zu ignorieren. Das hätte ich
  • 2:09 - 2:14
    auch mal machen sollen. Also konkret denke
    ich da an so Sachen wie die Luca-App oder
  • 2:14 - 2:18
    all die Daten-Abflüsse, die wir bei Test-
    zentren dieses Jahr gesehen haben bzw.
  • 2:18 - 2:22
    deren Software-Anbietern. Und bei
    mindestens genauso vielen Bildungs-Apps
  • 2:22 - 2:26
    hatten wir ja auch Daten-Abflüsse. Aber es
    kommt noch schlimmer. Wir hatten irgendwie
  • 2:26 - 2:30
    für ein paar Wochen - oder ein paar Tage
    um genau zu sein - eigentlich nur die ID-
  • 2:30 - 2:34
    Wallet, also den digitalen Ausweis. Und da
    haben wir dann Sicherheitsprobleme
  • 2:34 - 2:38
    gefunden, also in dem Fall Fluepke und
    ich, und dann wurde der sofort wieder
  • 2:38 - 2:42
    offline genommen, weil keine Ahnung. Es
    war halt einfach sehr schlechte Idee vom
  • 2:42 - 2:49
    Bundeskanzlerinnenamt einen Ausweis in
    einen Ledger zu schieben. Und dann hatten
  • 2:49 - 2:53
    wir noch diese richtig doofe Situation zu
    Ende des Jahres, dass auf einmal die
  • 2:53 - 2:56
    Corona-Warn-App, die wir alle cool finden
    und die jeder von uns auch weiterhin
  • 2:56 - 3:00
    benutzen sollte, auf einmal eine Funktion
    hatte, die sich niemand jemals gewünscht
  • 3:00 - 3:04
    haben kann. Also es ging darum, dass man
    seinen Corona-Impfpass auf einmal online
  • 3:04 - 3:09
    vorzeigen soll und das ist halt einfach
    eine richtige Scheiß-Idee. Und na ja, die
  • 3:09 - 3:13
    Telekom hatte diese Idee und verdient
    damit jetzt halt Kohle, wenn sie online
  • 3:13 - 3:18
    sich Ausweise validiert. Und naja, aber
    eigentlich ist das ja nicht unerwartet,
  • 3:18 - 3:22
    weil wann kam jemals etwas Gutes von der
    Telekom. Aber diese Storys haben wir
  • 3:22 - 3:27
    dieses Jahr auch echt zu genüge gehört. Da
    regen wir uns immer alle total doll drüber
  • 3:27 - 3:31
    auf und das kann ich auch voll verstehen.
    Das ist ja logisch, es ist einfach nicht
  • 3:31 - 3:35
    gut gelaufen. Deswegen will ich aber heute
    eigentlich nicht mehr so viel über diese
  • 3:35 - 3:38
    Storys reden, über die wir uns alle
    dauernd aufregen und wie schrecklich alles
  • 3:38 - 3:43
    in diesem Jahr war, sondern will erst mal
    eher so ein bisschen schauen auf die
  • 3:43 - 3:47
    Leute, die erst ermöglicht haben, dass wir
    von all diesen Sachen über Monate hinweg
  • 3:47 - 3:50
    erfahren haben und einfach immer weiter zu
    diesem Thema recherchiert und darüber
  • 3:50 - 3:56
    berichtet haben. Und ohne viele dieser
    Leute wäre glaube ich heute noch einiges
  • 3:56 - 4:01
    deutlich schrecklicher. Und weil wir
    einfach nur durch deren Arbeit und durch
  • 4:01 - 4:05
    deren Expertise überhaupt die
    Informationen hatten, um am Ende
  • 4:05 - 4:09
    gesellschaftliche Debatten über diese
    Themen zu führen. Und da denke ich dann
  • 4:09 - 4:14
    zum Beispiel zum Beispiel Fall von der
    Luca-App an so Leute wie Bianca Kastl oder
  • 4:14 - 4:18
    Markus Mengs, die einfach über Monate
    hinweg Sicherheitsprobleme für
  • 4:18 - 4:22
    Sicherheitsproblem, für Sicherheitsproblem
    durch die Luca-App durchgegangen sind und
  • 4:22 - 4:25
    darüber berichtet haben, was sie da
    einfach gefunden haben und wie man das
  • 4:25 - 4:29
    vielleicht auch besser lösen könnte. Und
    das mit einer Professionalität und so
  • 4:29 - 4:33
    einer Ruhe, die ich einfach unfassbar
    bemerkenswert finde und die haben das ja
  • 4:33 - 4:39
    nicht nur auf Twitter oder so gemacht,
    sondern die Bianca gerade ist irgendwie so
  • 4:39 - 4:42
    oft dieses Jahr im Bundestagsausschüssen
    gewesen, da habe ich irgendwann aufgehört
  • 4:42 - 4:48
    zu zählen. Und auch vor anderen Politikern
    hat sie echt gefühlt unzählige Male über
  • 4:48 - 4:53
    ihre Lieblingsthemen wie Digitalisierung
    von Gesundheitsämtern geredet. Und ja, ich
  • 4:53 - 4:58
    finde das einfach unglaublich krass.
    HonkHase, wer hat dich dieses Jahr denn so
  • 4:58 - 5:03
    richtig doll beeindruckt?
    HonkHase: Ja, liebe Lilith, wir hätten da
  • 5:03 - 5:09
    ja auch noch die Zerforschung, so eine
    Gruppe von jungen Hacker*innen, wer mag da
  • 5:09 - 5:15
    wohl Mitglied sein sozusagen, die aber aus
    Neugier in gesellschaftlich relevante IT-
  • 5:15 - 5:20
    System und Apps pieken. Und immer wenn die
    das machen, mündet das in einem großen
  • 5:20 - 5:25
    Feuerball, was ich persönlich ganz doll
    mag, weil diese Dinge eben so unglaublich
  • 5:25 - 5:29
    desaströs und unsicher betrieben werden.
    Aber wenn aber die Zerforscher*innen da
  • 5:29 - 5:34
    nicht reingepiekt hätten - Danke an dieser
    Stelle für die echt tolle ehrenamtliche
  • 5:34 - 5:39
    Arbeit - würde das eben auch kaum jemand
    mitbekommen. Das ist also wirklich ganz
  • 5:39 - 5:44
    wesentlich für die Zivilgesellschaft und
    für die Bürger*innen. Also ich kann nur
  • 5:44 - 5:49
    wirklich sagen: Danke, danke, danke an
    dieser Stelle. Und was hatten wir da
  • 5:49 - 5:54
    teilweise für Apps und IT-Systeme? Das
    waren dann so Sachen wie verschiedene
  • 5:54 - 5:59
    Testzentren, die halt wirklich unsicher
    diese Daten vorgehalten haben, Schul-Apps,
  • 5:59 - 6:05
    mehrere, die unsere Kinder gefährden, die
    Audio-Chat-App Clubhouse oder eben auch
  • 6:05 - 6:09
    so was wie Gorillas und Flink, die als
    Lieferdienst für Lebensmittel
  • 6:09 - 6:16
    und Supermarktwaren fungieren.
    Lilith: Dankeschön, HonkHase und mir fällt
  • 6:16 - 6:20
    da zum Beispiel auch noch Johannes Filter
    ein, der mit seinen Datenvisualisierungen
  • 6:20 - 6:24
    zu Themen wie rechter Gewalt,
    Polizeischüssen oder das Projekt, in dem
  • 6:24 - 6:27
    er kürzlich alle Verfassungsschutzberichte
    für alle Leute gut zugänglich und
  • 6:27 - 6:33
    durchsuchbar gemacht hat, uns irgendwie
    Zugang zu Daten gegeben haben, die uns als
  • 6:33 - 6:35
    Gesellschaft wiederum Debatten
    ermöglichen, die wir ansonsten einfach
  • 6:35 - 6:40
    nicht hätten haben können. Und HonkHase?
    Als wir vorhin drüber geredet haben, da
  • 6:40 - 6:45
    ist dir noch der Patrick Breyer
    eingefallen. Wer ist denn das? Und was
  • 6:45 - 6:50
    macht der denn cooles?
    HonkHase: Patrick Breyer ist quasi unser
  • 6:50 - 6:55
    digitaler Freiheitskämpfer und
    Europaabgeordneter der Piraten, der sich
  • 6:55 - 6:59
    gegen sowas wie die verdachtslose
    Chatkontrolle, terroristische Inhalte
  • 6:59 - 7:06
    online oder auch TERREG und das "Digitale-
    Dienste-Gesetz" oder eben "Digital Service
  • 7:06 - 7:11
    Act" für uns stark macht. Und was diese
    Chat-Kontrolle genau ist, da will ich kurz
  • 7:11 - 7:16
    einmal darauf eingehen, exemplarisch: Das
    ist quasi die Abschaffung des digitalen
  • 7:16 - 7:21
    Briefgeheimnises. Das ist ganz einfach:
    Die EU will es Chat- und Messenger-
  • 7:21 - 7:26
    Providern vorschreiben, private Chats,
    Nachrichten, E-Mails, all das dann einfach
  • 7:26 - 7:30
    mal massenhaft, anlasslos und
    unterschiedslos auf verdächtige Inhalte zu
  • 7:30 - 7:36
    durchsuchen. Die Begründung dafür war
    Klassiker: Strafverfolgung von
  • 7:36 - 7:41
    Kinderpornografie. Die zieht immer. Das
    ist emotional populistisch, kann man auch
  • 7:41 - 7:46
    immer gegen wettern, weil wer sich dagegen
    stellt, würde das ja befürworten. Ja also
  • 7:46 - 7:50
    kriegen wir einfach mal die
    Massenüberwachung "for free" wegen, ob wir
  • 7:50 - 7:54
    es Argumente, die wenn man genauer
    reinguckt, eigentlich keinen Sinn ergeben.
  • 7:54 - 7:58
    Aber was ist jetzt die Konsequenz daraus,
    dass man so was machen will? Naja,
  • 7:58 - 8:01
    Massenüberwachung eben durch
    vollautomatisierte Echtzeit-Chat-
  • 8:01 - 8:06
    Kontrolle, damit eben die Abschaffung des
    digitalen Briefgeheimnisses, ja. Uns droht
  • 8:06 - 8:12
    damit die totale Chat-Kontrolle auf jedem
    Smartphone. Und dagegen macht sich Patrick
  • 8:12 - 8:18
    Breyer seit echt langer Zeit sehr stark
    und das wissen wir in der Community sehr,
  • 8:18 - 8:21
    sehr sehr zu schätzen.
    Danke an dieser Stelle!
  • 8:21 - 8:26
    Lilith: Oh, puh, ja, das ist natürlich
    wieder ein sehr belastendes Thema und ich
  • 8:26 - 8:30
    mein', das waren jetzt irgendwie nur Leute
    aus der ersten Reihe, die wir euch hier so
  • 8:30 - 8:33
    kurz vorgestellt haben und Leute, von
    denen wir irgendwie glaubten, dass sie
  • 8:33 - 8:38
    okay damit sind, dass wir sie hier loben.
    Aber die sind natürlich nur alle Teil einer
  • 8:38 - 8:44
    bzw. unserer Bewegung und da draußen sind
    noch so so viel mehr Menschen verteilt
  • 8:44 - 8:48
    über all die lokalen Strukturen in
    Deutschland, die an super vielen coolen
  • 8:48 - 8:53
    Themen arbeiten. Und natürlich sind gerade
    diese Leute, die im Kleinen, in ihren
  • 8:53 - 8:57
    Kommunen und in ihren Strukturen an diesen
    Themen arbeiten, unsere eigentlichen
  • 8:57 - 9:03
    Held*innen und diese einzelnen Initiativen
    von Leuten, die irgendwie so viel Zeit in
  • 9:03 - 9:08
    ihre zivilgesellschaftliche Arbeit stecken
    und die alle dabei dieses Jahr auch echt
  • 9:08 - 9:12
    viel erreicht haben, die beeindrucken mich
    echt jeden Tag aufs Neue. Und es gibt
  • 9:12 - 9:17
    eigentlich so viele Beispiele. Ich könnte
    hier noch bis morgen weiter labern und ich
  • 9:17 - 9:22
    wollte jetzt hier nur so ein paar nennen,
    also seid mir bitte nicht böse, dass wir
  • 9:22 - 9:25
    jetzt hier so drei, vier Beispiele
    vorgebracht haben. Ihr seid alle ziemlich
  • 9:25 - 9:29
    cool. Was diese Leute aber echt alle
    irgendwie gemeinsam haben, habe ich den
  • 9:29 - 9:33
    Eindruck, ist das deren Arbeit erst
    ermöglicht wird von der digitalen Basis-
  • 9:33 - 9:38
    Infrastruktur, der Zivilgesellschaft. Und
    damit meine ich jetzt nicht so was wie
  • 9:38 - 9:42
    Twitter oder Mastodon, sondern damit meine
    ich zum Beispiel so großartige Angebote
  • 9:42 - 9:47
    wie "Frag den Staat", denn die haben es
    zum Beispiel geschafft, einen eigentlich
  • 9:47 - 9:51
    super komplizierten Prozess, nämlich das
    Befreien von Informationen und Dokumenten
  • 9:51 - 9:55
    aus Staat und Verwaltung, indem man beim
    Staat im Rahmen des
  • 9:55 - 9:59
    Informationsfreiheitsgesetzes mal
    nachfragt, von einem super, super, super
  • 9:59 - 10:03
    komplexen Prozess, für den man gefühlt,
    als ich damit angefangen habe, so ein
  • 10:03 - 10:07
    halbes Jurastudium brauchte, zu 5 Klicks
    mit einem Zeitaufwand von vielleicht 2, 3
  • 10:07 - 10:12
    Minuten zu machen. Oder ich meine damit so
    was wie "Netzpolitik.org", die es
  • 10:12 - 10:17
    irgendwie einerseits diese interessante
    Spalte zwischen Aktivismus und
  • 10:17 - 10:20
    Journalismus abbilden und die aber
    eigentlich meiner Meinung nach vor allem
  • 10:20 - 10:23
    das Wissensmanagement der
    Zivilgesellschaft machen, in dem sich
  • 10:23 - 10:28
    Debatten anschauen und dann journalistisch
    über diese Debatten berichten und die
  • 10:28 - 10:32
    damit natürlich für die Nachwelt behalten,
    weil wenn ich irgendwie was auf Twitter
  • 10:32 - 10:35
    schreibe, dann ist das nicht so gut
    nachvollziehbar in einem Jahr, und dann
  • 10:35 - 10:39
    hat man das nicht gut zusammengefasst,
    dann kann ich darauf verweisen. Und gerade
  • 10:39 - 10:44
    von diesem Wissensmanagemnt sollte sich
    die Verwaltung irgendwie eine Scheibe
  • 10:44 - 10:48
    abschneiden, weil da sind wir in
    Deutschland noch nirgends so weit. Und
  • 10:48 - 10:51
    auch wenn jeder Verwaltungsprozess für uns
    Bürger*innen so digital wäre wie das
  • 10:51 - 10:55
    Informationsfreiheitsgesetz über "Frag den
    Staat", dann hätten wir als
  • 10:55 - 10:58
    Zivilgesellschaft in Deutschland heute
    echt deutlich weniger zu tun. Der Staat
  • 10:58 - 11:05
    ist aber auch im Allgemeinen eher so ein
    Verhinderer von unserer digitalen Basis-
  • 11:05 - 11:08
    Infrastruktur der Zivilgesellschaft. Es
    musste leider zu Beginn des Jahres das
  • 11:08 - 11:12
    Projekt "Kleine Anfrage" den Betrieb
    einstellen. Das war eine Plattform, wo
  • 11:12 - 11:17
    kleine Anfragen von Politiker*innen aus
    den Landesparlamenten zentral und gut
  • 11:17 - 11:22
    durchsuchbar zugänglich gemacht wurden.
    Und die Leute dahinter hinter dem Projekt
  • 11:22 - 11:26
    haben es einfach nicht mehr geschafft, die
    kaputten Behörden-Websites automatisiert
  • 11:26 - 11:31
    abzufragen und so quasi diese Daten zu
    befreien. Und leider hatte der Staat nicht
  • 11:31 - 11:34
    wirklich Interesse daran, diese Daten
    besser über Schnittstellen zum Beispiel
  • 11:34 - 11:37
    zugänglich zu machen, weswegen die
    irgendwie nach ganz vielen Jahren gesagt
  • 11:37 - 11:41
    haben: Ja, wir können das nicht mehr
    machen. Und da das Projekt quasi
  • 11:41 - 11:47
    eingestellt haben. Und das ist leider auch
    nicht der einzige Fall in diesem Jahr, wo
  • 11:47 - 11:50
    der Staat uns als Zivilgesellschaft den
    Zugang zu Ressourcen, die eigentlich uns
  • 11:50 - 11:55
    allen gehörten, eingeschränkt hat. Ich
    denke da zum Beispiel an Markus Drenger,
  • 11:55 - 11:59
    den viele von euch vielleicht auch als
    reg_nerd kennen. Der hat nämlich die Haus-
  • 11:59 - 12:03
    Koordinaten Deutschlands befreit, also die
    Information, wo sich eine Adresse in
  • 12:03 - 12:09
    Deutschland als ein Punkt auf einer Karte
    befindet. Und der hat dafür eine Behörden-
  • 12:09 - 12:12
    Website automatisiert gescrapt, von der
    Behörden-Website, auf der stand, dass
  • 12:12 - 12:17
    diese Informationen amtliche, also lizenzfreie
    Daten waren. Und er hat die halt einfach
  • 12:17 - 12:22
    mal abgerufen und dann in einem modernen
    Format zum Download angeboten. Und man
  • 12:22 - 12:26
    würde jetzt denken: Ey, das ist ein
    staatlicher Datensatz, den haben wir als
  • 12:26 - 12:28
    Gesellschaft schon mit unseren Steuern
    bezahlt. Das sollten irgendwie offene
  • 12:28 - 12:34
    Daten sein. Tja, leider nicht. Und naja,
    die Bundesländer, die fanden das nicht so
  • 12:34 - 12:37
    nice, dass er damit quasi der Gesellschaft
    helfen wollte, indem er diese Daten
  • 12:37 - 12:43
    befreit und veröffentlicht hat, sondern
    diese 16 Bundesländer bzw. eigentlich die
  • 12:43 - 12:46
    zentrale Stelle für Haus-Koordinaten und
    Hausumringe, die in Bayern sitzt,
  • 12:46 - 12:51
    verklagen ihn jetzt deswegen. Und ich weiß
    nicht, ich finde, dass das aller-
  • 12:51 - 12:56
    allerletzte, dass der Staat so gegen
    digitale Zivilgesellschaft und Einzelne
  • 12:56 - 13:01
    von uns vorgeht. Und ich kann von mir aus
    zumindest sagen, dass wir alles daran
  • 13:01 - 13:05
    setzen werden im nächsten Jahr, dass es
    einerseits die Arbeit dieser Haus-
  • 13:05 - 13:09
    Koordinaten-Zentralstelle irgendwie total
    überflüssig wird, weil die machen nichts
  • 13:09 - 13:14
    anderes, als dass sie diese Daten
    verkaufen. Und natürlich, dass alle sich
  • 13:14 - 13:17
    hinter reg_nerd stellen, sowohl auf einer
    politischen Ebene als auch mit direkter
  • 13:17 - 13:23
    Aktion. Und ich habe mit dieser direkten
    Aktion auch dieses Jahr schon angefangen
  • 13:23 - 13:27
    und auch weil ich offene Daten irgendwie
    ein wichtiges Thema finde und habe
  • 13:27 - 13:33
    deswegen die Plattform bund.dev gestartet,
    bei der irgendwie Leute aus der
  • 13:33 - 13:35
    Zivilgesellschaft alle inoffiziellen
    Programmier-Schnittstellen und nicht nur
  • 13:35 - 13:40
    die eine, die reg_nerd gefunden hat, von
    staatlichen Institutionen dokumentieren.
  • 13:40 - 13:45
    Also weil der Staat hat ja irgendwie über
    Jahre hinweg selber keine offenen Daten
  • 13:45 - 13:49
    mehr rausgegeben, obwohl er das irgendwie
    nach Regeln der EU müsste. Und so habe ich
  • 13:49 - 13:53
    mir gedacht: Ey, dann machen wir das als
    Zivilgesellschaft jetzt einfach und machen
  • 13:53 - 13:57
    diese Schnittstellen für alle Leute
    zugänglich. Und so kann sich quasi jeder -
  • 13:57 - 14:01
    wie reg_nerd das auch gemacht hat - Daten
    aus staatlichen Systemen befreien, wenn er
  • 14:01 - 14:06
    die braucht. Und der Vorteil ist, dass
    bisher in Deutschland noch nie jemand
  • 14:06 - 14:10
    angezeigt wurde, weil er ein System
    dokumentiert hat. Also dass diese
  • 14:10 - 14:13
    Kriminalisierung haben wir noch nicht mal
    in Deutschland hinbekommen. Und das Coole
  • 14:13 - 14:16
    daran ist: Wenn wir alle wissen, wie diese
    Schnittstellen funktionieren, dann können
  • 14:16 - 14:21
    wir quasi selbst entscheiden, wie wir die
    Wetter- oder Verkehrsdaten von staatlichen
  • 14:21 - 14:24
    Institutionen benutzen. Wir müssen also
    nicht, wenn wir Verkehrsdaten vom Staat
  • 14:24 - 14:29
    wollen, die App des Verkehrsministeriums
    benutzen, die auch total doof ist, sondern
  • 14:29 - 14:34
    können die Daten auch einfach in
    OpenStreetMap benutzen. Und man würde da
  • 14:34 - 14:37
    jetzt irgendwie auch wieder denken, dass
    die Verwaltung das ja eigentlich cool
  • 14:37 - 14:40
    finden würde, weil sie müssen diese
    Schnittstellen eigentlich eh alle
  • 14:40 - 14:44
    dokumentieren und alle haben die Daten
    dann, alles super, würde man eigentlich
  • 14:44 - 14:48
    denken, das ist cool. Leider ist es auch
    in dem Fall bei bund.dev nicht was
  • 14:48 - 14:53
    passiert ist, sondern mehrere Behörden
    kamen daraufhin auf die Idee, so Sachen zu
  • 14:53 - 14:58
    behaupten, wie dass Katastrophen-Warnungen
    zum Beispiel urheberrechtlich geschützt
  • 14:58 - 15:01
    sind. Also wenn man da so eine kurze
    Nachricht hat, wie. "Hier ist gleich ein
  • 15:01 - 15:06
    Sturm" das Urheberrecht dran wäre, was
    natürlich totaler Quatsch ist. Oder die
  • 15:06 - 15:10
    Bundesagentur für Arbeit, die irgendwie
    auf die Idee kam, das Jobbeschreibung,
  • 15:10 - 15:13
    also wenn ein Unternehmen bei denen sagt
    "Hey, wir haben diesen Job zu vergeben"
  • 15:13 - 15:17
    das sei irgendwie datenschutzrechtlich
    problematisch wäre, wenn jeder Zugang zu
  • 15:17 - 15:23
    diesen maschinenlesbaren Daten hätte. Und
    ich finde das schon krass, wie der Staat
  • 15:23 - 15:26
    oder die Verwaltung so mit der
    Zivilgesellschaft umgeht, wenn wir
  • 15:26 - 15:30
    versuchen, deren Daten zugänglicher zu
    machen und denen nichts anderes einfällt,
  • 15:30 - 15:34
    außer pöbeln oder sogar Leute anzuzeigen,
    was - wie gehabt - echt das Allerletzte
  • 15:34 - 15:39
    ist. Und im Fall von bund.dev haben wir
    es dann auch erlebt, dass eine Behörde
  • 15:39 - 15:43
    angefangen hat, also die Bundesagentur für
    Arbeit, in dem Fall einfach mal ihre
  • 15:43 - 15:47
    Schnittstelle umzubauen. Also dass sie
    dachten, dann haben wir keinen Zugriff
  • 15:47 - 15:50
    mehr auf die Daten. Aber völlig logisch,
    was wir irgendwie gemacht haben, ist, wir
  • 15:50 - 15:54
    haben einfach die Schnittstelle neu
    dokumentiert und wir waren in den letzten
  • 15:54 - 15:58
    Monaten über 100 Menschen, die sich
    hingesetzt haben und mittlerweile an die
  • 15:58 - 16:03
    30 verschiedene Dienste des Bundes
    dokumentiert haben. Und ich glaube, diese
  • 16:03 - 16:07
    Art von zivilgesellschaftlicher
    Basisinfrastruktur von einer gewissen Art
  • 16:07 - 16:10
    direkter Aktionen, die brauchen wir
    eigentlich noch mehr, damit wir einerseits
  • 16:10 - 16:14
    als Zivilgesellschaft effektiver arbeiten
    können, aber auch, weil uns die Geschichte
  • 16:14 - 16:19
    aus gerade den letzten zehn Jahren gezeigt
    hat, dass wir ohne so direkte Aktionen
  • 16:19 - 16:24
    irgendwie nicht so viel cooles Neues
    bekommen können. Das, ja, ist ein bisschen
  • 16:24 - 16:29
    schade, aber das kann sich ja jetzt gerade
    ändern, weil auch bei Open Data und
  • 16:29 - 16:33
    Open Government habe ich gerade
    ein bisschen Hoffnung. So ein kleiner
  • 16:33 - 16:36
    Lichtblick dieses Jahr ist nämlich der
    neue Koalitionsvertrag, der ja im
  • 16:36 - 16:41
    Digitalbereich zu einem ganz guten Teil
    auf den Formulierungshilfen des CCCs
  • 16:41 - 16:46
    basiert. Und weil ich davon echt zu wenig
    Ahnung habe und wir noch so ein bisschen
  • 16:46 - 16:49
    mehr positive Energie verbreiten wollen,
    deswegen schalte ich jetzt einmal zu
  • 16:49 - 16:52
    unserem Koalitionsvertragsexperten
    HonkHase.
  • 16:52 - 16:59
    HonkHase: lacht Ja, das fehlt noch, dass
    ich Koalitionsvertragsexperte bin. Früher
  • 16:59 - 17:05
    war es mal der Experte für kritische
    Infrastrukturen. Jetzt ist es so, dass der
  • 17:05 - 17:10
    Koa-Vertrag sozusagen kritisch wird und
    ich da mal kritisch drauf gucke. Das kann
  • 17:10 - 17:20
    ich ja besonders gut. Genau in dieser AG,
    professionell angepisst, bin ich nämlich
  • 17:20 - 17:26
    auch dabei. Ja, ich habe mir das mal
    angeschaut, das digital relevante Geraffel
  • 17:26 - 17:31
    in diesem Koa-Vertrag für die
    Zivilgesellschaft und mag euch mal ein
  • 17:31 - 17:37
    paar Highlights aufführen. Zunächst ist da
    dieses "Hackbacks lehnen wir als Mittel der
  • 17:37 - 17:44
    Cyber-Abwehr grundsätzlich ab". Also
    invasive Zugriffe auf fremde IT-Systeme
  • 17:44 - 17:50
    oder eben auch für die Nerdine unter uns:
    Der Staat will Hacker hacken. Ja, das
  • 17:50 - 17:56
    grundsätzlich daran muss noch weg, weil
    ich hätt' das gern so grundsätzlich nicht
  • 17:56 - 18:01
    und nicht als Option nicht, so gar nicht
    gar nicht. Aber es gibt immerhin eine
  • 18:01 - 18:08
    sinnvolle Marschrichtung vor. Und das geht
    in Richtung zivile, defensive
  • 18:08 - 18:13
    Cybersicherheit. Das ist doch eigentlich
    das, was wir haben wollen. Das ist
  • 18:13 - 18:17
    begrüßenswert. Dann sollen alle
    staatlichen Stellen verpflichtet werden,
  • 18:17 - 18:19
    ihnen bekannte Sicherheitslücken an das
    Bundesamt für Sicherheit in der
  • 18:19 - 18:23
    Informationstechnik zu melden. Und der
    springende Punkt dabei ist dieses "alle",
  • 18:23 - 18:27
    also wirklich alle staatlichen Stellen
    werden verpflichtet. Das heißt, niemand
  • 18:27 - 18:32
    von denen kann da irgendwie noch mal
    irgendwas zurückhalten oder sagen "Pfft,
  • 18:32 - 18:37
    melde ich nicht. Können wir ja nutzen für
    unsere Bevorteilungen." Also so sieht
  • 18:37 - 18:41
    wirklich ein gutes Schwachstellen-
    Management aus. Man geht an die Ursache
  • 18:41 - 18:46
    und sagt: "Alle müssen ran". Dann kann man
    auch wirklich an den Auswirkungen
  • 18:46 - 18:50
    profitieren, ohne temporäres Zurückhalten
    für ein Ausnutzen durch
  • 18:50 - 18:52
    Sicherheitsbehörden und
    Nachrichtendienste. Ich vermute mal, die
  • 18:52 - 18:57
    beiden Bereiche wird das ganz schön
    wurmen, aber die Zivilgesellschaft freut
  • 18:57 - 19:01
    sich jedenfalls darüber, dass Gehör
    gefunden wurde, was wir gerne im digitalen
  • 19:01 - 19:04
    Raum hätten und nicht, was die
    Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste
  • 19:04 - 19:09
    Dienste gern wünschen. Ja und es kommt
    sogar noch besser, nicht nur ein Recht auf
  • 19:09 - 19:13
    Verschlüsselung. Da erinnert sich
    tatsächlich die Regierung wieder dran. Das
  • 19:13 - 19:16
    hatten wir ja schon mal. Kriegen wir
    zurück, sondern auch ein wirksames
  • 19:16 - 19:20
    Schwachstellen-Management mit dem Ziel,
    Sicherheitslücken zu schließen. Ja und es
  • 19:20 - 19:25
    gibt sogar Vorgaben für Security-by-Design
    und Security-by-Default werden angestrebt.
  • 19:25 - 19:30
    Also das ist wirklich wieder so eine
    Ursprungsforderung, dass man an die
  • 19:30 - 19:35
    Ursache geht und sagt wir wollen an den
    Ursachen etwas verändern, damit die
  • 19:35 - 19:39
    Auswirkungen sich langfristig eben auch
    ändern. Das wird eine Herausforderung,
  • 19:39 - 19:45
    definitiv, aber absolut positiv und zu
    begrüßen. Und wir bekommen sogar das Recht
  • 19:45 - 19:51
    auf Interoperabilität und Portabilität,
    sozusagen, zurück. Das soll
  • 19:51 - 19:57
    Berücksichtigung finden. Der Staat will
    also kompatibel werden. Yay! So, darüber
  • 19:57 - 20:01
    hinaus wird es also auch noch eine
    Überwachungs-Gesamtrechnung geben, die
  • 20:01 - 20:06
    erstellt werden soll. Das finde ich
    persönlich auch sehr sehr sinnvoll, weil
  • 20:06 - 20:10
    man dann auch mal einen Überblick bekommt,
    dass immer mehr Gesetze in
  • 20:10 - 20:13
    Befugnisserweiterungen für
    Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste
  • 20:13 - 20:18
    gewandert sind. Und alles, was da temporär
    kam, wurde dauerhaft. Alles Dauerhafte
  • 20:18 - 20:24
    wurde nie hinterfragt und eigentlich immer
    als gesetzt gegeben. Das heißt, es geht
  • 20:24 - 20:27
    immer in diese Richtung und nicht zurück.
    Schlechte Entwicklung, will man jetzt mal
  • 20:27 - 20:33
    transparent damit machen. Und bis Ende
    2023 wird es auch eine unabhängige
  • 20:33 - 20:37
    wissenschaftliche Evaluation der
    Sicherheitsgesetze und ihrer Auswirkungen
  • 20:37 - 20:42
    auf Freiheit und Demokratie geben. Schöne
    Ansage, freue ich mich extrem auf die
  • 20:42 - 20:50
    Ergebnisse. Ich bin mega gespannt, ja.
    Leute, Leute, es sind auch darüber
  • 20:50 - 20:54
    hinaus noch Lernfortschritte bei der
    Regierung erkennbar. Während Distributed
  • 20:54 - 20:58
    Ledger aka Blockchain und
    Vorratsdatenspeicherung noch im frischen
  • 20:58 - 21:04
    Koalitionsvertrag stehen, hat man schon
    festgestellt, dass die
  • 21:04 - 21:08
    Vorratsdatenspeicherung sinnlos ist und
    man sie loswerden will. Die sind also in
  • 21:08 - 21:13
    einer Geschwindigkeit, die sozusagen dem
    Digitalen entspricht und machen
  • 21:13 - 21:18
    Fortschritte. Aber ich kann nur begrüßen,
    dass die sich so entwickeln. Bitte mehr
  • 21:18 - 21:23
    davon. Das ist schön. Und insofern bringt
    auch dieser Koalitionsvertrag viel
  • 21:23 - 21:30
    Hoffnung und Blick in die Zukunft, den wir
    lange Jahre aus dem CCC heraus, aus der
  • 21:30 - 21:34
    Sicherheitsforscher*innen-Community und
    vielen anderen NGOs immer wieder in diese
  • 21:34 - 21:38
    Richtung kommuniziert haben. Und jetzt
    findet es Einklang. Sofern auch sehr schön
  • 21:38 - 21:42
    zu sehen, dass das alles nicht für die
    Katz' war.
  • 21:42 - 21:48
    Lilith: Dankeschön, HonkHase. Und in den
    letzten Wochen hat uns als digitale
  • 21:48 - 21:53
    Zivilgesellschaft auch schon die nächste
    ziemlich gute Nachricht erreicht. Und
  • 21:53 - 21:57
    zwar, dass wir 10 Millionen Euro für Open-
    Source-Software in Deutschland bekommen.
  • 21:57 - 22:02
    Und daran hat ja unter anderem Julia Reda
    super lange gearbeitet. Und das ist
  • 22:02 - 22:04
    richtig cool, dass wir so einen Tech-Fund
    bekommen, der Open-Source-Projekte besser
  • 22:04 - 22:09
    finanziert. Leider hat das Ganze auch
    einen ganz kleinen Haken. Und zwar steht
  • 22:09 - 22:13
    das alles unter dem Titel Sovereign-Tech-
    Fund und jetzt fragt ihr euch vielleicht,
  • 22:13 - 22:18
    warum das irgendwie doof ist. Und naja,
    dieser digitale Souveränitätsbegriff, der
  • 22:18 - 22:22
    ist ein bisschen schwierig, weil unter
    digitaler Souveränität verstehen viele
  • 22:22 - 22:28
    Politiker*innen eher so was wie
    Digitalnationalismus vielleicht. Und
  • 22:28 - 22:31
    zumindest ich kann mit diesem
    Souveränitätsbegriff echt wenig anfangen.
  • 22:31 - 22:36
    Das ist echt das vollkommene Gegenteil von
    dieser Utopie, die zumindest ich mir für
  • 22:36 - 22:41
    unsere Community vorstelle, für so eine
    international digital vernetzte Community.
  • 22:41 - 22:47
    Und zumindest ich hänge an dieser Utopie
    auch noch irgendwie weiterhin. Und wir
  • 22:47 - 22:51
    sollten uns halt so cool es ist, dass wir
    jetzt dieses Geld bekommen, auch immer gut
  • 22:51 - 22:57
    überlegen, von wem wollen wir uns gerade
    wie vereinnahmen lassen? Weil ja also ich
  • 22:57 - 23:03
    finde es nicht so cool für digitale
    Souveränität stehen zu müssen oder so. Und
  • 23:03 - 23:06
    das ist halt so ein Ding mit dieser
    Interaktion zwischen Politiker*innen und
  • 23:06 - 23:11
    der Zivilgesellschaft. Dass ist häufig von
    Missverständnissen geprägt, würde ich fast
  • 23:11 - 23:17
    sagen. Und wir als Community müssen uns
    noch häufiger bewusst Gedanken darüber
  • 23:17 - 23:22
    machen, wie weit wir zum Beispiel die
    Sprache von denen übernehmen wollen und
  • 23:22 - 23:27
    inwieweit das nicht einfach dadurch dann
    zu so Missverständnissen kommt. Wie in dem
  • 23:27 - 23:30
    Fall, wo ich, glaube ich, häufig sehe, dass
    der Souveränitätsbegriff auf beiden Seiten
  • 23:30 - 23:35
    einfach komplett anders ausgelegt wird.
    Und gerade auf Basis von solchen
  • 23:35 - 23:40
    Missverständnissen und weil Leute gerade
    unter den Politiker*innen so ein bisschen
  • 23:40 - 23:43
    komisch sind, können diese
    Missverständnisse schnell zu verhärteten
  • 23:43 - 23:47
    Fronten führen und man dann mal angezeigt
    wird, so wie reg_nerd dieses Jahr, oder
  • 23:47 - 23:51
    auch wie ich das dieses Jahr erlebt habe,
    als die CDU mich irgendwie angezeigt hat.
  • 23:51 - 23:56
    Und zwar nicht, weil ich wie reg_nerd
    irgendwie dabei helfen wollte, öffentliche
  • 23:56 - 24:00
    Daten zu nutzen, sondern weil ich private
    Daten schützen wollte. Und zwar die von
  • 24:00 - 24:04
    CDU-Mitgliedern. Und natürlich auch weil
    es irgendwie krass ist, bei der CDU eine
  • 24:04 - 24:06
    Sicherheitslücke zu finden, wenn man die
    politisch nicht so cool findet, aber vor
  • 24:06 - 24:12
    allem um deren Daten zu schützen. Und ich
    hatte denen damals eine Sicherheitslücke in
  • 24:12 - 24:17
    deren CDU-Connect-App gemeldet und das war
    völlig absurd, dass sie mich dafür
  • 24:17 - 24:20
    angezeigt haben wegen des
    Hackerparagraphen, den sie irgendwie
  • 24:20 - 24:24
    selbst geschrieben haben und sie selber
    nicht verstanden haben, wann hackt
  • 24:24 - 24:28
    eigentlich jemand was und wann hilft man
    als Sicherheitsforscher*in? Der Paragraf
  • 24:28 - 24:33
    muss deswegen weg, das ist völlig klar.
    Aber auch diese ganze Situation mit der
  • 24:33 - 24:37
    CDU, als ich da angezeigt wurde. Das hat
    so im Nachhinein für mich was Positives,
  • 24:37 - 24:42
    denn ich habe ganz persönlich erlebt, wie
    unglaublich krass der Zusammenhalt in
  • 24:42 - 24:47
    unserer Community ist. Und als die Anzeige
    öffentlich wurde, erfuhr ich irgendwie so
  • 24:47 - 24:51
    eine unglaubliche Welle der Solidarität
    und Unterstützung, die ich mir so
  • 24:51 - 24:55
    überhaupt nie hätte vorstellen können. Und
    das macht mir natürlich Mut, weiter
  • 24:55 - 24:59
    irgendwie Sachen zu hacken, weiter
    irgendwie Daten zu befreien. Und ich
  • 24:59 - 25:03
    hoffe, das macht auch anderen Leuten Mut,
    einfach Sachen zu machen und mit diesem
  • 25:03 - 25:07
    gesellschaftlichen Druck, der da irgendwie
    aufgekommen ist, gerade mit der CDU-
  • 25:07 - 25:10
    Geschichte und gegenüber der
    Staatsanwaltschaft, die konnten echt gar
  • 25:10 - 25:14
    nicht anders, als dieses Verfahren sofort
    einzustellen. Und dafür will ich an der
  • 25:14 - 25:19
    Stelle auch einfach noch mal Danke sagen.
    Und ich hoffe, dass reg_nerd in dem Fall
  • 25:19 - 25:23
    einfach in den nächsten Monaten mindestens
    diese Unterstützung erfährt, die ich auch
  • 25:23 - 25:29
    erfahren habe. Und naja, was halt auch
    leider irgendwie zu dieser
  • 25:29 - 25:32
    zivilgesellschaftlichen Arbeit gehört, ist,
    wie ich vorhin schon so ein bisschen
  • 25:32 - 25:37
    gesagt habe: Häufig sind das einzelne
    Leute, die den coolen Scheiß machen und
  • 25:37 - 25:41
    das ist für diese Leute häufig krasse
    Selbstausbeutung, dass da Leute sich in
  • 25:41 - 25:45
    ihrer Freizeit hinsetzen und teilweise bis
    zur völligen Erschöpfung an ihren Themen
  • 25:45 - 25:48
    arbeiten, die ihnen irgendwie super
    wichtig sind und ich glaube, da müssen wir
  • 25:48 - 25:54
    noch mehr aufeinander achten. Und dazu
    gehört eben auch, dass diese Arbeit oft
  • 25:54 - 25:58
    nur von Leuten mit einer gewissen Menge an
    Privilegien überhaupt erledigt werden
  • 25:58 - 26:03
    kann. Privilegien, denen wir uns, glaube
    ich, auch manchmal noch deutlicher bewusst
  • 26:03 - 26:07
    werden müssen. Und Teil zumindest meiner
    Meinung nach unserer Utopie sollte auf
  • 26:07 - 26:12
    jeden Fall sein, dass wir irgendwann auch
    als digitale Zivilgesellschaft und als
  • 26:12 - 26:15
    Hacker*innen die gesamte Gesellschaft
    repräsentieren. Und dafür müssen wir,
  • 26:15 - 26:20
    glaube ich, unsere eigene Arbeit zum
    Beispiel noch mehr Leuten ermöglichen. Das
  • 26:20 - 26:23
    machen wir zum Beispiel, indem wir noch
    mehr und besser zugängliche digitale
  • 26:23 - 26:28
    Basisinfrastruktur der Zivilgesellschaft
    schaffen. Das bedeutet aber auch, dass wir
  • 26:28 - 26:31
    zum Beispiel mehr Fördermittel für Leute
    zugänglich machen. Und damit meine ich
  • 26:31 - 26:34
    jetzt nicht nur, damit Softwaredeveloper
    mehr Open-Source-Software bauen können,
  • 26:34 - 26:38
    sondern damit meine ich auch all die
    anderen Leute, die auch Teil der digitalen
  • 26:38 - 26:41
    Zivilgesellschaft sind und auch sehr
    wichtige Arbeit machen und nicht nur
  • 26:41 - 26:45
    Software bauen. Denn das ist häufig nur
    ein kleiner Teil von unserer politischen
  • 26:45 - 26:51
    Arbeit. Und natürlich müssen wir uns auch
    ständig unsere eigene Arbeit reflektieren,
  • 26:51 - 26:54
    uns Fragen stellen wie: Welche
    Minderheiten diskriminiere ich vielleicht
  • 26:54 - 26:58
    gerade mit den Forderungen, die ich da
    aufstelle? Oder arbeite ich gerade in
  • 26:58 - 27:02
    einer NGO und vereinbare mit der Meinung
    meiner NGO gerade die Meinung von anderen
  • 27:02 - 27:07
    Leuten? Und ich glaube, da müssen wir echt
    noch viel an uns arbeiten. Und ich meine,
  • 27:07 - 27:14
    wer außer uns sollte das auch tun? Es gibt
    also viel zu tun und es gibt mehr denn je
  • 27:14 - 27:21
    zu tun auf dem Weg zu unserer Utopie, zu
    einer freien, selbstbestimmten Welt. Wir
  • 27:21 - 27:24
    als digitale Zivilgesellschaft, wir müssen
    einfach noch deutlich mehr Leute werden.
  • 27:24 - 27:29
    Ich glaube, das ist der Weg, wie wir dahin
    kommen können. Und vielleicht habe ich
  • 27:29 - 27:33
    heute so ein paar Leute, die hier zuhören,
    dazu bekommen, das sie jetzt auch so Lust
  • 27:33 - 27:39
    haben, irgendwie Sachen zu hacken und
    Sachen zu bauen und Sachen zu machen. Und
  • 27:39 - 27:41
    wenn ihr darauf jetzt Lust bekommen hat,
    dann habe ich jetzt eine saugute Nachricht
  • 27:41 - 27:45
    für euch, denn hier auf diesem Kongress,
    das ist eigentlich der perfekte Moment
  • 27:45 - 27:49
    damit anzufangen. Denn hier auf dem
    Kongress könnt ihr irgendwie all die Tools
  • 27:49 - 27:53
    und Möglichkeiten der digitalen
    Zivilgesellschaft besser kennenlernen als
  • 27:53 - 27:58
    ich mir sonst irgendwie vorstellen könnte.
    Ihr könnt hier von zerforschung, die
  • 27:58 - 28:01
    HonkHase ja gerade gementioned hat und ich
    bin zufällig Teil von zerforschung, könnt
  • 28:01 - 28:04
    ihr lernen, wie man Sicherheitslücken
    richtig meldet und wie man einem
  • 28:04 - 28:09
    Unternehmen gut Bescheid sagt. Von einem
    Haufen Informationsfreiheits-Profis, könnt
  • 28:09 - 28:12
    ihr irgendwie lernen, wie man dem Staat
    gute Fragen stellt. Ich glaube allein dazu
  • 28:12 - 28:16
    gibt es irgendwie fünf Vorträge oder so.
    Ihr könnt lernen, wie ihr Daten analysiert
  • 28:16 - 28:20
    und so weiter und so weiter und so weiter.
    Also es gibt wirklich kaum einen besseren
  • 28:20 - 28:25
    Ort, damit anzufangen, sich aktivistisch
    in der digitalen Zivilgesellschaft zu
  • 28:25 - 28:29
    bewegen, als diesen Kongress. Und für all
    die Leute, die jetzt schon lange dabei
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    sind: Ich hoffe, ihr habt weiterhin Kraft,
    weil ich glaube so insgesamt haben wir in
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    2021 echt viel bewegt und ich glaube 2022
    könnte ziemlich cool werden. Und ja, ich
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    glaube, damit bleibt mir dann nur noch die
    üblichen Sachen zu sagen, die man zu
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    Beginn eines Kongresses sagen sollte. So
    was wie 6-2-1. Die schon länger dabei
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    sind, die kennen die Regel noch.
    Ich musste sie tatsächlich selber
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    wieder googlen. Schon so zu lange seit
    dem letzten Kongress. Also:
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    6 Stunden schlafen, 2× essen, 1× duschen.
    Das ist auch zu Hause eine gute Idee.
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    Seid exzellent zueinander und ich wünsche
    euch ganz viel Spaß auf dem Kongress.
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    Untertitel erstellt von c3subtitles.de
    im Jahr 2021. Mach mit und hilf uns!
Title:
#rC3 2021 Opening
Description:

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Video Language:
German
Duration:
29:08

German subtitles

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