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← Sam Richards: Ein radikales Experiment in Empathie

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Showing Revision 1 created 05/30/2011 by Anja Lehmann.

  1. Meine Studenten fragen mich oft,
  2. "Was ist Soziologie?"
  3. Ich sage ihnen, "Es ist die Lehre
  4. von der Art, in der Menschen von
  5. den Dingen geformt werden, die sich nicht sehen."
  6. Sie fragen, "Wie kann ich ein Soziologe sein?
  7. Wie kann ich diese unsichtbaren Kräfte verstehen?"
  8. Und ich sage, "Empathie.
  9. Fangt mit Empathie an.
  10. Es beginnt alles mit Empathie.
  11. Tretet heraus aus euren Fußstapfen,
  12. und tretet in die Fußstapfen einer anderen Person."
  13. Also, ich gebe Ihnen ein Beispiel.

  14. Ich stelle mir mein Leben vor,
  15. wenn vor hundert Jahren
  16. China die mächtigste Nation auf der Welt gewesen wäre
  17. und sie auf der Suche nach Kohle
  18. in die Vereinigten Staaten gekommen wären,
  19. und sie sie gefunden hätten, und sie in Wahrheit jede Menge davon hier gefunden hätten.
  20. Und sehr bald hätten sie begonnen, diese Kohle abzutransportieren,
  21. Tonne um Tonne,
  22. Zugwagon um Zugwagon, Bootsladung um Bootsladung,
  23. zurück nach China und überall in die Welt.
  24. Und sie würden unglaublich reich während sie das täten.
  25. Sie bauten schöne Städte,
  26. die alle von dieser Kohle betrieben würden.
  27. Und hier vor Ort in den Vereinigten Staaten
  28. erlebten wir wirtschaftliche Verzweiflung, Entbehrung.
  29. Das würde ich sehen.
  30. Ich sähe Menschen, kämpfen um zurecht zu kommen,
  31. nicht wissend, was was ist und was als nächstes kommt.
  32. Und ich würde mir selbst die Frage stellen.
  33. Ich dächte, "Wie kann es sein, dass wir hier in den Vereinigten Staaten so arm sind,
  34. denn Kohle ist so ein wertvoller Rohstoff,
  35. es ist so viel Geld?"
  36. Und mir würde klar,
  37. dass das so wäre, weil die Chinesen dich bei der
  38. kleinen herrschenden Klasse hier in Amerika eingeschmeichelt hätten,
  39. die das ganze Geld und diesen ganzen Wohlstand für sich selbst stählen.
  40. Und der Rest von uns, die große Mehrheit von uns,
  41. kämpft, um über die Runden zu kommen.
  42. Und die Chinesen gäben dieser kleinen herrschenden Elite
  43. jede Menge militärischer Waffen und ausgeklügelte Technologie,
  44. um sicher zu stellen, dass Menschen wie ich
  45. nicht gegen diese Art von Beziehung demonstrierten.
  46. Klingt das bekannt?
  47. Und sie täten Dinge, wie den Amerikanern

  48. beizubringen, beim Beschützen der Kohle zu helfen.
  49. Und überall, wären Symbole der Chinesen –
  50. überall, eine permanente Erinnerung.
  51. Und drüben in China,
  52. was sagen sie in China?
  53. Nichts. Sie sprechen nicht über uns. Sie sprechen nicht über die Kohle.
  54. Wenn Sie sie gefragt würden,
  55. dann würden sie sagen, " Nun, wissen Sie, wir brauchen die Kohle.
  56. Ich meine, kommen Sie schon, ich werde doch mein Thermostat nicht runterdrehen.
  57. Das können Sie nicht erwarten."
  58. Und so werde ich wütend, und ich werde stocksauer,
  59. wie es viele durchschnittliche Menschen werden.
  60. Und wir kämpfen dagegen, und es wird wirklich hässlich.
  61. Und die Chinesen antworten in wirklich hässlicher Weise.
  62. Und bevor wir es sehen, schicken sie Panzer
  63. und dann schicken sie Truppen
  64. und eine Menge Menschen sterben,
  65. und es ist eine sehr, sehr schwierige Situation.
  66. Können Sie sich vorstellen, wie Sie sich fühlen würden,

  67. wenn Sie an meiner Stelle wären?
  68. Können Sie sich vorstellen, aus diesem Gebäude zu gehen
  69. und einen Panzer draußen stehen zu sehen
  70. oder einen LKW voller Soldaten?
  71. Und stellen Sie sich nur vor, wie Sie sich fühlen würden.
  72. Denn Sie wissen, warum sie hier sind, und Sie wissen, was sie hier tun.
  73. Und Sie fühlen gerade diese Wut und Sie fühlen diese Angst.
  74. Wenn Sie das können, dann ist es Empathie -- das ist Empathie.
  75. Sie haben Ihre Position verlassen und Sie haben an meiner gestanden.
  76. Und Sie müssen das fühlen.
  77. Okay, das war also das Aufwärmen.

  78. Das war das Aufwärmen.
  79. Jetzt werden wir das wirklich
  80. radikale Experiment angehen.
  81. Und für den Rest meines Vortrages möchte ich, dass Sie sich
  82. in die Position einen durchschnittlichen
  83. arabischen Moslem versetzen,
  84. der im Mittleren Osten lebt --
  85. um genau zu sein, im Irak.
  86. Um Ihnen zu helfen,
  87. vielleicht sind Sie ein Mitglied dieser Familie der Mittelschicht aus Baghdad --
  88. und Sie wollen das beste für Ihre Kinder.
  89. Sie wollen, dass Ihre Kinder ein besseres Leben haben.
  90. Und Sie sehen die Nachrichten, Sie sind aufmerksam,
  91. Sie lesen die Zeitung, Sie gehen mit Ihren Freunden ins Café,
  92. und Sie lesen die Zeitungen aus allen Teilen der Welt.
  93. Und manchmal sehen Sie sogar Satellitenfernsehen,
  94. CNN aus den Vereingten Staaten.
  95. Sie haben also ein Gefühl dafür, was die Amerikaner denken.
  96. Aber eigentlich wollen Sie einfach ein besseres Leben für sich selbst.
  97. Das ist es, was Sie wollen.
  98. Sie sind ein arabischer Moslem, der im Irak lebt.
  99. Sie möchten ein besseres Leben für sich.
  100. Also gut, lassen Sie mich Ihnen helfen.

  101. Lassen Sie mich Ihnen helfen mit einigen Dingen,
  102. die Sie vielleicht denken.
  103. Nummer eins: dieses Einfallen in Ihr Land,
  104. in den letzten 20 Jahren und davor,
  105. der Grund, warum irgendjemand -- und die USA besonders -- an Ihrem Land
  106. interessiert ist, ist Öl.
  107. Es geht nur ums Öl; Sie wissen das, alle wissen das.
  108. Die Menschen in den Vereinigten Staaten wissen, dass es ums Öl geht.
  109. Denn jemand anderes
  110. hat einen Plan für Ihre Ressource.
  111. Es sind Ihre Ressourcen, und nicht die Ressourcen von anderen.
  112. Es ist Ihr Land, es sind Ihre Ressourcen.
  113. Jemand anderes hat einen Plan dafür.
  114. Und wissen Sie, warum sie einen Plan haben?
  115. Wissen Sie, warum sie ein Auge drauf geworfen haben?
  116. Weil sie ein ganzes Wirtschaftssystem haben,
  117. das von dem Öl abhängig ist --
  118. fremdem Öl,
  119. Öl aus Teilen der Welt, die sie nicht besitzen.
  120. Und was denken Sie außerdem noch über diese Menschen?

  121. Die Amerikaner, die sind reich.
  122. Kommen Sie schon, sie leben in großen Häusern, sie haben große Autos,
  123. sie haben alle blonde Haare, blaue Augen, sie sind glücklich.
  124. Das denken Sie. Es ist natürlich nicht wahr,
  125. aber das ist Eindruck aus dem Medien, das was sie verstehen.
  126. Und sie haben große Städte,
  127. und die Städte sind alle abhängig vom Öl.
  128. Und zu Hause, was sehen Sie?
  129. Armut, Verzweiflung, Kampf.
  130. Sehen Sie, Sie leben nicht in einem wohlhabenden Land.
  131. Dies ist der Irak.
  132. Dies ist, was Sie sehen.
  133. Sie sehen Menschen, die kämpfen um über die Runden zu kommen.
  134. Ich meine, es ist nicht einfach; Sie sehen eine Menge Armut.
  135. Und Sie haben eine Meinung darüber.
  136. Diese Menschen haben einen Plan für Ihre Ressource,
  137. und dies ist was Sie sehen?
  138. Und da ist noch was, worüber Sie reden --

  139. die Amerikaner reden darüber nicht, aber Sie tun das.
  140. Da ist diese Sache, die Militarisierung der Welt,
  141. und die stammt direkt aus der Mitte der Vereinigten Staaten.
  142. Und die Vereinigten Staaten
  143. verantworten fast die Hälfte
  144. der weltweiten Ausgaben für das Militär --
  145. 7
  146. Und Sie spüren das, Sie sehen das jeden Tag.
  147. Es ist Teil Ihres Lebens.
  148. Sie reden mit Ihren Freunden darüber.
  149. Sie lesen darüber.
  150. Und früher, als Saddam Hussein an der Macht war,
  151. interessierten sich die Amerikaner nicht für seine Verbrechen.
  152. Als er die Kurden vergast hat und Iran vergast hat,
  153. hat es sie nicht interessiert.
  154. Als das Öl in Gefahr war,
  155. waren die Dinge plötzlich irgendwie wichtig.
  156. Und Sie sehen noch etwas anderes,
  157. die Vereinigten Staaten,
  158. der Mittelpunkt der Demokratie auf der Welt,
  159. scheinen nicht wirklich die demokratischen Länder
  160. der Welt zu unterstützen.
  161. Es gibt eine Menge Länder, Öl produzierende Länder,
  162. die nicht besonders demokratisch sind, aber von den Vereinigten Staaten unterstützt werden.
  163. Das ist seltsam.
  164. Oh, diese Einmärsche, diese zwei Kriege,

  165. die 10 Jahre Sanktionen,
  166. die acht Jahre Besatzung,
  167. der Aufstand, der über Ihre Menschen gebracht wurde,
  168. diese hunderttausenden
  169. von zivilen Toten,
  170. alles wegen des Öls.
  171. Sie können nicht anders, als so zu denken.
  172. Sie reden darüber.
  173. Es ist immer an vorderster Stelle in Ihren Köpfen.
  174. Sie sagen, "Wie ist das möglich?"
  175. Und dieser Mann, er ist jeder Mann --
  176. Ihr Großvater, Ihre Onkel,
  177. Ihr Vater, Ihr Sohn,
  178. Ihr Nachbar, Ihr Lehrer, Ihr Schüler.
  179. Früher ein Leben voll Glück und Freude,
  180. und plötzlich Schmerz und Sorgen.
  181. Jeder in Ihrem Land
  182. wurde von der Gewalt betroffen,
  183. dem Blutvergießen, dem Schmerz,
  184. dem Horror, jeder einzelne.
  185. Es gibt keine einzige Person in Ihrem Land,
  186. die nicht davon betroffen wurde.
  187. Aber da ist noch was.

  188. Da ist noch was mit diesen Menschen,
  189. diesen Amerikanern, die da sind.
  190. Es gibt da noch etwas mehr, das Sie sehen – sie selbst sehen das nicht.
  191. Und was sehen Sie? Sie sind Christen.
  192. Sie sind Christen.
  193. Sie ehren den christlichen Gott, sie haben Kreuze, sie tagen Bibeln.
  194. Ihre Bibeln haben kleine Abzeichen
  195. auf denen "U.S. Army" steht.
  196. Und Ihre Führer, ihre Führer:
  197. bevor sie ihre Söhne und Töchter in
  198. Krieg in Ihrem Land schicken --
  199. und Sie kennen den Grund --
  200. bevor sie sie entsenden,
  201. gehen sie in eine christliche Kirche, und sie beten zu ihrem christlichen Gott,
  202. und sie bitten diesen Gott um Schutz und Hilfe.
  203. Warum?
  204. Denn offensichtlich, wenn Menschen in dem Krieg sterben,
  205. sind sie Moslems, sind sie Iraker --
  206. sind sie keine Amerikaner.
  207. Sie möchten nicht, dass Amerikaner sterben. Gott, schütze unsere Truppen.
  208. Und Sie haben eine Meinung darüber --
  209. natürlich haben Sie die.
  210. Und sie tun wundervolle Dinge.
  211. Sie lesen davon, Sie hören davon.
  212. Sie sind da um Schulen zu bauen und Menschen zu helfen, das wollen sie tun.
  213. Sie tun wundervolle Dinge, aber sie tun auch schlechte Dinge,
  214. und Sie können den Unterschied nicht sehen.
  215. Und dieser Mann, da kommt ein Mann wie Lt. Gen. William Boykin.

  216. Ich meine, da ist ein Mann der sagt, dass Ihr Gott ein falscher Gott ist.
  217. Ihr Gott ist ein Götze, sein Gott ist der wahre Gott.
  218. Die Lösung des Konflikte im Mittleren Osten ist, nach seiner Ansicht,
  219. Sie alle zum Christentum zu konvertieren --
  220. werden Sie einfach Ihre Religion los.
  221. Und Sie wissen das. Die Amerikaner lesen nichts über diesen Mann.
  222. Sie wissen nichts über ihn, aber Sie schon.
  223. Sie geben es weiter. Sie geben seine Worte weiter.
  224. Ich meine, das hier ist ernst.
  225. Er war einer der führenden Kommandeure bei der zweiten Invasion des Iraks.
  226. Und Sie denken, "Gott, wenn dieser Mann das sagt,
  227. dann müssen alle Soldaten das sagen."
  228. Und dieses Wort,
  229. George Bush hat diesen Krieg einen Kreuzzug genannt.
  230. Mann, die Amerikaner, sind irgendwie so, "Ah, Kreuzzug.
  231. Was auch immer. Ich weiß es nicht."
  232. Aber Sie wissen, was das heißt.
  233. Es ist ein heiliger Krieg gegen Moslems.
  234. Marschiere ein, unterdrücke sie, nimm ihre Ressourcen.
  235. Wenn sie sich nicht unterwerfen, töte sie.
  236. Darum geht es doch.
  237. Und Sie denken,"Mein Gott, diese Christen kommen, um uns zu töten."
  238. Das ist beängstigend.
  239. Sie haben Angst. Natürlich haben Sie Angst.
  240. Und dieser Mann, Terry Jones:

  241. Ich meine, hier ist ein Mann, der Koranbücher verbrennen will.
  242. Und die Amerikaner: "Ah, er ist ein Schwachkopf.
  243. Er ist ein ehemaliger Hotel Manager;
  244. er hat drei Dutzend Mitglieder in seiner Kirche."
  245. Die lachen über ihn. Sie lachen nicht über ihn.
  246. Denn im Zusammenhang mit allem anderen,
  247. passt das alles zusammen.
  248. Ich meine, natürlich sehen die Amerikaner das so,
  249. also protestieren die Menschen im gesamten Mittleren Osten,
  250. nicht nur in Ihrem Land.
  251. "Er will Koranbücher verbrennen, unser heiliges Buch.
  252. Diese Christen, wer sind diese Christen?
  253. Sie sind so böse, sie sind so gemein --
  254. darum geht es ihnen."
  255. So denken Sie als arabischer Moslem,
  256. als ein Iraker.
  257. Natürlich werden Sie das denken.
  258. Und dann sagt

  259. Ihr Cousin, "Hey, schau dir mal diese Internetseite an.
  260. Das musst du sehen -- Bibel Trainingslager.
  261. Diese Christen sind bekloppt.
  262. Sie trainieren ihre kleinen Kinder, um sie zu Soldaten für Jesus zu machen.
  263. Sie nehmen diese kleinen Kinder und lassen sie durch diese Dinger rennen,
  264. bis sie ihnen beigebracht haben, "Jawohl, Jawohl." zu sagen
  265. und sie lehren sie Dinge wie Handgranaten zu werfen, Waffenkunde und -pflege.
  266. Und gehen Sie zu der Internetseite.
  267. Da steht gross "U.S. Army" drauf.
  268. Ich meine, diese Christen, die sind verrückt. Wie können sie ihren kleinen Kindern das antun?"
  269. Und Sie lesen diese Internetseite.
  270. Natürlich sagen die Christen in den Vereinigten Staaten oder alle anderen,
  271. "Ah, das ist eine winzig kleine Kirche mitten im Nirgendwo."
  272. Sie wissen das nicht.
  273. Für Sie klingt das nach allen Christen.
  274. Es ist überall im Netz, Bibel Trainingslager.
  275. Schauen Sie sich das hier an:
  276. sie bringen ihren Kindern sogar bei --
  277. sie trainieren sie auf die gleiche Weise, wie die U.S. Marine trainiert.
  278. Ist das nicht interessant?
  279. Es macht Ihnen Angst, und es beunruhigt Sie.
  280. Diese Männer also, die sehen Sie.

  281. Sehen Sie, ich, Sam Richards, ich weiss wer diese Männer sind.
  282. Sie sind meine Studenten, meine Freunde.
  283. Ich weiss, was sie denken: "Sie wissen es nicht."
  284. Wenn Sie sie sehen,
  285. sind sie jemand anderes, sie sind etwas anderes.
  286. Das sind sie für Sie.
  287. Wir sehen es nicht auf diese Weise in den Vereinigten Staaten,
  288. aber Sie sehen es so.
  289. Hier also.
  290. Natürlich, haben Sie das alles falsch verstanden.
  291. Sie verallgemeinern. Das ist falsch.
  292. Sie verstehen die Amerikaner nicht.
  293. Es ist keine christliche Invasion.
  294. Wir sind nicht nur wegen dem Öl da; wir sind aus ganz vielen Gründen da.
  295. Sie sehen das falsch. Sie haben es nicht verstanden.
  296. Natürlich, die meisten von Ihnen unterstützen die Aufstände nicht;
  297. Sie unterstützen es nicht, Amerikaner zu töten;
  298. Sie unterstützen die Terroristen nicht.
  299. Natürlich tun Sie das nicht. Nur wenige Menschen tun das.
  300. Aber einige von Ihnen tun das.
  301. Und das ist eine Perspektive.
  302. Okay, nun werden wir folgendes tun.
  303. Verlassen Sie den Standpunkt

  304. auf dem Sie gerade stehen
  305. und nehmen Sie Ihren normalen Standpunkt wieder ein.
  306. Nun sind wieder alle zurück im Raum, gut.
  307. Jetzt kommt das radikale Experiment.
  308. Wir sind alle zurück zuhause.
  309. Dieses Bild: diese Frau,
  310. Mann, ich fühle mit ihr,
  311. Ich fühle mit ihr.
  312. Sie ist meine Schwester,
  313. meine Frau, meine Kusine, meine Nachbarin.
  314. Sie ist jemand für mich.
  315. Diese Männer, die da stehen, jeder auf diesem Bild.
  316. Ich fühle dieses Bild, Mensch.
  317. Nun möchte ich, dass sie folgendes tun.
  318. Lassen Sie uns zurück zu dem ersten Beispiel mit den Chinesen gehen.

  319. Ich möchte, dass Sie sich hinein versetzten.
  320. Es dreht sich also alles um die Kohle, und die Chinesen sind hier in den Vereinigten Staaten.
  321. Und ich möchte, dass Sie sie sich als chinesische Frau vorstellen,
  322. die eine chinesische Flagge erhält,
  323. weil ihr Geliebter in Amerika gestorben ist,
  324. während des Kohleaufstands.
  325. Und die Soldaten sind Chinesen,
  326. und alle anderen sind Chinesen.
  327. Als Amerikaner, wie fühlen Sie sich bei diesem Bild?
  328. Was halten Sie von dieser Szene?
  329. Gut, versuchen Sie es. Kommen Sie zurück.

  330. Das ist diese Szene hier.
  331. Es ist ein Amerikaner, Amerikanische Soldaten,
  332. eine amerikanische Frau, die ihren Geliebten
  333. im Mittleren Osten verloren hat -- im Irak oder Afghanistan.
  334. Jetzt, nehmen Sie wieder
  335. der Standpunkt eines
  336. arabischen Moslems im Irak ein.
  337. Was fühlen Sie bei diesem Bild,
  338. was denken Sie
  339. über diese Frau?
  340. Gut.

  341. Folgen Sie mir hierbei,
  342. denn ich gehe hier ein großes Risiko ein.
  343. Und ich lade Sie ein, dieses Risiko mit mir einzugehen.
  344. Diese Herren hier, sie sind Rebellen.
  345. Sie wurden von amerikanischen Soldaten gefangen
  346. als sie versuchten, Amerikaner zu töten.
  347. Und vielleicht hatten sie Erfolg. Vielleicht hatten sie Erfolg.
  348. Nehmen Sie den Standpunkt
  349. des Amerikaners ein, der sie gefangen genommen hat.
  350. Können Sie die Wut fühlen?
  351. Können Sie nachvollziehen, dass sie es den Männern heimzahlen
  352. und ihre Hälse umdrehen wollen?
  353. Können Sie das empfinden?
  354. Es sollte nicht so schwierig sein.
  355. Sie müssen nur – oh, Mann.
  356. Jetzt, versetzten Sie sich in ihre Lage.
  357. Sind sie brutale Mörder
  358. oder patriotische Verteidiger?
  359. Was von beidem?
  360. Können Sie ihre Wut fühlen,
  361. ihre Angst,
  362. ihren Zorn
  363. über das, was in ihrem Land passiert?
  364. Können Sie sich vorstellen,
  365. dass sich vielleicht einer von ihnen am Morgen
  366. zu seinem Kind herunter gebeugt und es umarmt hat
  367. und sagte, "Schatz, ich bin nachher zurück.
  368. Ich werde eure Freiheit verteidigen, eure Leben.
  369. Ich werde für uns sorgen,
  370. für die Zukunft unseres Landes."
  371. Können Sie sich das vorstellen?
  372. Können Sie sich vorstellen, das zu sagen?
  373. Können Sie sich hinein versetzen?
  374. Was glauben Sie, was sie fühlen?
  375. Sehen Sie, das ist Empathie.
  376. Es ist auch Verstehen.
  377. Jetzt, werden Sie vielleicht fragen,

  378. "Okay, Sam, warum machen Sie sowas?
  379. Warum nehmen Sie gerade dieses von allen Beispielen?"
  380. Und ich sage, darum ... darum.
  381. Sie dürfen diese Menschen hassen.
  382. Sie dürfen Sie einfach mit
  383. jedem Bisschen Ihres Seins hassen.
  384. Und wenn ich Sie dazu bewegen kann,
  385. sich ein Stückchen,
  386. eine kleines Stückchen
  387. in ihre Situation hinein zu versetzen,
  388. dann stellen Sie sich das Ausmaß der soziologischen Analyse vor,
  389. dass Sie in allen Bereichen Ihres Lebens vornehmen können?
  390. Sie können große Brücken überqueren,
  391. wenn es darum geht, zu verstehen,
  392. warum diese Person auf der Überholspur
  393. 50 Kilometer pro Stunde fährt
  394. oder Ihren pubertierenden Sohn,
  395. oder Ihren Nachbarn, der Sie nervt,
  396. weil er Sonntags morgens den Rasen mäht.
  397. Was immer es ist, Sie können sehr weit kommen.
  398. Dies sage ich meinen Studenten:
  399. Verlassen Sie Ihre klitzekleine Welt.
  400. Treten Sie ein in die klitzekleine Welt
  401. von jemand anderem.
  402. Machen Sie das dann wieder und wieder und wieder.
  403. Und plötzlich werden all diese klitzekleinen Welten
  404. zusammen zu einem komplexen Netz.
  405. Sie bilden eine große, komplexe Welt.
  406. Und plötzlich, ohne dass Sie es merken,
  407. sehen Sie die Welt anders.
  408. Alles hat sich verändert.
  409. Alle in Ihrem Leben hat sich verändert.
  410. Und das ist es natürlich, worum es geht.
  411. Nehmen Sie an anderen Leben teil,

  412. anderen Visionen.
  413. Anderen Menschen zuzuhören,
  414. bereichert uns selbst.
  415. Ich sage nicht,
  416. dass ich die Terroristen im Irak unterstütze,
  417. aber als Soziologe,
  418. sage ich,
  419. dass ich verstehe.
  420. Und jetzt tun Sie das vielleicht -- vielleicht -- auch.
  421. Vielen Dank.

  422. (Applaus)