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Wie macht man eine Geschichte spannend? - Victoria Smith

  • 0:01 - 0:04
    ["Die Spannung ist schrecklich.
    Ich hoffe, sie dauert an."
  • 0:04 - 0:06
    Oscar Wilde, "Bunbury
    oder Ernst sein ist alles"]
  • 0:08 - 0:10
    Was macht eine gute Horrorgeschichte aus?
  • 0:10 - 0:12
    Klar kann man grässliche Monster,
  • 0:12 - 0:15
    Blutfontänen und aus der Ecke
    springende Wesen einsetzen,
  • 0:15 - 0:19
    aber wie der klassische Horrorautor,
    H.P. Lovecraft, bereits schrieb:
  • 0:19 - 0:24
    "Die älteste und stärkste Angst
    ist die vor dem Unbekannten."
  • 0:24 - 0:27
    Schriftsteller schüren diese Angst nicht,
    indem sie das Grauen preisgeben,
  • 0:27 - 0:31
    sondern sie schreiben so, dass
    der Leser denkt, gleich passiert's.
  • 0:31 - 0:35
    Sie beschwören die Spannung herauf.
  • 0:35 - 0:37
    Die bekanntesten Beispiele für Spannung
  • 0:37 - 0:39
    kennen wir aus Horrorfilmen
    und Kriminalromanen.
  • 0:39 - 0:41
    Was ist im Spukhaus drin?
  • 0:41 - 0:44
    Welcher der Gäste ist der Mörder?
  • 0:44 - 0:47
    Aber Spannung gibt es auch
    in anderen Genres.
  • 0:47 - 0:49
    Wird der Held die Rettung sein?
  • 0:49 - 0:51
    Werden die Liebenden
    am Ende beisammen sein?
  • 0:51 - 0:56
    Welches dunkle Geheimnis
    schmerzt die Hauptfigur so sehr?
  • 0:56 - 1:00
    Der Schlüssel ist, dass die Geschichte
    eine oder mehrere Fragen aufwirft,
  • 1:00 - 1:02
    sodass die Leser hoffen,
    eine Antwort zu bekommen.
  • 1:02 - 1:05
    Die Antwort wird jedoch hinausgezögert,
  • 1:05 - 1:08
    während das Interesse beim Leser
    aufrechterhalten wird.
  • 1:08 - 1:10
    Welche Techniken kannst du benutzen,
  • 1:10 - 1:13
    um dies bei deinen eigenen
    Geschichten zu erreichen?
  • 1:13 - 1:15
    Begrenze das Wissen.
  • 1:15 - 1:19
    Anstelle eines Erzählers, der alles sieht
    und immer weiß, was passiert,
  • 1:19 - 1:23
    erzähle die Geschichte
    aus dem Blickwinkel der Figuren.
  • 1:23 - 1:26
    Sie wissen anfangs
    nicht mehr als der Leser
  • 1:26 - 1:29
    und erfahren mehr,
    je mehr auch der Leser erfährt.
  • 1:29 - 1:33
    Klassische Romane wie Dracula werden durch
    Briefe und Tagebucheinträge erzählt,
  • 1:33 - 1:36
    in denen Figuren schildern,
    was sie erlebt haben,
  • 1:36 - 1:38
    und wovor sie Angst haben,
    was als Nächstes kommt.
  • 1:38 - 1:41
    Als Nächstes musst du
    den richtigen Handlungsort auswählen.
  • 1:41 - 1:44
    Alte Villen oder Schlösser
  • 1:44 - 1:47
    mit verwinkelten Fluren
    und Geheimwegen legen nahe,
  • 1:47 - 1:51
    dass beunruhigende Dinge verborgen werden.
  • 1:51 - 1:54
    Nacht, Nebel und Stürme
    spielen alle ähnliche Rollen
  • 1:54 - 1:56
    in der Einschränkung der Sichtverhältnisse
  • 1:56 - 1:59
    und der Bewegungsfreiheit der Figuren.
  • 1:59 - 2:03
    Deshalb ist das viktorianische London
    so ein beliebter Handlungsort.
  • 2:03 - 2:07
    Selbst gewöhnliche Orte und Objekte
    können unheimlich gemacht werden,
  • 2:07 - 2:10
    wie im Schauerroman "Rebecca",
  • 2:10 - 2:17
    in dem im neuen Haus der Hauptfigur
    die Blumen als blutrot beschrieben werden.
  • 2:17 - 2:20
    Drittens: Spiel mit Stil und Formen.
  • 2:20 - 2:24
    Du kannst Spannung aufbauen, indem
    du nicht nur darauf achtest, was passiert,
  • 2:24 - 2:28
    sondern auch wie es vermittelt wird
    und in welchem Tempo.
  • 2:28 - 2:31
    Edgar Allan Poe lässt
    den geistigen Zustand des Erzählers
  • 2:31 - 2:32
    in "Das verräterische Herz"
  • 2:32 - 2:36
    mit bruckstückhaften Sätzen,
    die plötzlich abbrechen, deutlich werden.
  • 2:36 - 2:39
    Andere kurze Aussagesätze
    in der Geschichte
  • 2:39 - 2:43
    kreieren einen Mix aus atemlosem Tempo
    und schwerwiegenden Pausen.
  • 2:43 - 2:46
    Bei Leinwand-Verfilmungen ist
    Alfred Hitchcocks Kameraführung
  • 2:46 - 2:51
    für die Verwendung der verlängerten Stille
    und der Aufnahme von Treppen bekannt,
  • 2:51 - 2:54
    um ein Gefühl des Unwohlseins zu schaffen.
  • 2:54 - 2:56
    Viertens: Verwende dramatische Ironie.
  • 2:56 - 2:59
    Du kannst die Leserschaft nicht
    nur im Dunkeln tappen lassen.
  • 2:59 - 3:02
    Manchmal dient es der Spannung,
  • 3:02 - 3:05
    den Lesern wichtige Teile
    des großen Geheimnisses zu verraten,
  • 3:05 - 3:08
    nicht aber den Figuren.
  • 3:08 - 3:11
    Diese Technik bezeichnet man
    als dramatische Ironie,
  • 3:11 - 3:15
    bei der das Geheimnisvolle
    nicht darin besteht, was geschehen wird,
  • 3:15 - 3:18
    sondern wann und wie
    es die Figuren erfahren werden.
  • 3:18 - 3:20
    In dem klassischen Stück "Oedipus Rex"
  • 3:20 - 3:23
    ist sich die Hauptfigur nicht bewusst,
    dass sie den eigenen Vater getötet
  • 3:23 - 3:25
    und die eigene Mutter geheiratet hat.
  • 3:25 - 3:27
    Aber die Leser wissen es.
  • 3:27 - 3:30
    Ödipus dabei zuzuschauen,
    wie er allmählich die Wahrheit erfährt,
  • 3:30 - 3:34
    verleiht der Geschichte
    einen qualvollen Höhepunkt.
  • 3:34 - 3:36
    Und zum Schluss: Das offene Ende.
  • 3:36 - 3:38
    Aber verwende diese Technik nicht zu oft.
  • 3:38 - 3:41
    Manche betrachten sie
    als billigen und einfachen Trick,
  • 3:41 - 3:43
    aber es ist schwer,
    ihre Wirkung zu leugnen.
  • 3:43 - 3:47
    Dabei hört ein Kapitel, eine Folge,
    ein Band oder eine Saison
  • 3:47 - 3:51
    genau an der Stelle auf,
    bevor etwas Wichtiges enthüllt wird,
  • 3:51 - 3:55
    oder inmitten einer gefährlichen Situation
    mit geringer Hoffnung auf Besserung.
  • 3:55 - 3:58
    Die Erwartung,
    seien es Momente oder Jahre,
  • 3:58 - 4:02
    lässt uns fantasieren,
    was als nächstes passiert,
  • 4:02 - 4:04
    und baut noch einmal
    zusätzliche Spannung auf.
  • 4:04 - 4:07
    Die schlimmste Sache
    ist meist immer schon vorbei
  • 4:07 - 4:11
    und es wird ein Gefühl des Abschlusses
    und der emotionalen Erlösung geschaffen.
  • 4:11 - 4:14
    Aber das hält uns nicht davon ab,
    uns das nächste Mal wieder zu sorgen,
  • 4:14 - 4:18
    wenn die Hauptfiguren
    Beinahe-Katastrophen ins Auge sehen.
Title:
Wie macht man eine Geschichte spannend? - Victoria Smith
Description:

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Die ganze Lektion unter: https://ed.ted.com/lessons/how-to-make-your-writing-suspenseful-victoria-smith

Was macht eine gute Horrorgeschichte aus? Schreckliche Monster oder Blutfontänen brauchen einen gelungenen Einstieg, aber wie der Horrorgeschichtenautor H.P. Lovecraft bereits schrieb: "Die älteste und stärkste Angst ist die vor dem Unbekannten." Schriftsteller schüren diese Angst nicht, indem sie das Grauen preisgeben, sondern sie schreiben so, dass der Leser denkt, gleich passiert's. Victoria Smith gibt dir einige Tipps, damit deine Geschichten noch spannender werden.

Lektion von Victoria Smith, unter Regie von Silvia Prietov.

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Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TED-Ed
Duration:
04:36

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