< Return to Video

Die „Todeszone“ im Golf von Mexiko

  • 0:01 - 0:04
    Guten Abend, willkommen in New Orleans.
  • 0:04 - 0:06
    Vielleicht wissen Sie es noch nicht,
  • 0:06 - 0:12
    aber Sie sitzen 15 Minuten von einem
    der größten Flüsse der Welt entfernt,
  • 0:12 - 0:14
    dem Mississippi.
  • 0:14 - 0:17
    „Old Man River“ -- „Big Muddy“.
  • 0:18 - 0:22
    Er fließt nördlich aus Minnesota,
  • 0:22 - 0:26
    im Osten bis in den Staat New York,
  • 0:26 - 0:30
    im Westen bis nach Montana.
  • 0:30 - 0:35
    100 Flussmeilen von hier
    entleert er sein Frischwasser
  • 0:35 - 0:38
    und das Sediment in den Golf von Mexiko.
  • 0:39 - 0:42
    So weit das kleine Einmaleins
    der Geographie.
  • 0:42 - 0:43
    (Lachen)
  • 0:43 - 0:47
    Sehen wir uns nun die
    Zusammensetzung des Wassers an.
  • 0:47 - 0:51
    Neben dem Sediment
    enthält es gelöste Moleküle,
  • 0:51 - 0:54
    Stickstoff und Phosphor.
  • 0:54 - 0:57
    Diese formen durch
    einen biologischen Prozess
  • 0:59 - 1:04
    sogenannte Todeszonen.
  • 1:04 - 1:09
    „Todeszone“ ist ein bedrohliches Wort,
  • 1:10 - 1:13
    falls Sie ein Fisch oder eine Krabbe sind.
  • 1:13 - 1:13
    (Lachen)
  • 1:14 - 1:16
    Sogar für einen kleinen Wurm im Sediment.
  • 1:17 - 1:20
    Es bedeutet, dass nicht
    genug Sauerstoff enthalten ist,
  • 1:20 - 1:22
    damit diese Lebewesen überleben.
  • 1:24 - 1:25
    Aber wie kann das passieren?
  • 1:25 - 1:31
    Der Stickstoff und Phosphor stimulieren
    das Wachstum von Mikropflanzen,
  • 1:31 - 1:33
    Phytoplankton genannt.
  • 1:34 - 1:39
    Kleine Tiere namens Zooplankton
    fressen den Phytoplankton,
  • 1:39 - 1:43
    kleine Fische fressen den Zooplankton,
    große Fische fressen die kleinen
  • 1:43 - 1:46
    und so geht es die Nahrungskette entlang.
  • 1:46 - 1:51
    Leider ist die aktuelle Konzentration
    an Stickstoff und Phosphor zu hoch.
  • 1:51 - 1:54
    Dadurch fällt zu viel Phytoplankton
    auf den Meeresboden
  • 1:54 - 1:59
    und wird von Bakterien kompostiert,
    die den Sauerstoff verbrauchen.
  • 1:59 - 2:01
    Das ist Biologie.
  • 2:02 - 2:05
    Dieses Phänomen sieht man
    von der Wasseroberfläche nicht,
  • 2:05 - 2:08
    auch nicht auf Satellitenbildern,
  • 2:08 - 2:10
    woher wissen wir also davon?
  • 2:10 - 2:15
    Wenn ein Trawler
    sein Schleppnetz auswirft
  • 2:15 - 2:19
    und es nach 20 Minuten
    immer noch leer wieder einholt,
  • 2:19 - 2:21
    dann weiß er, er ist in der Todeszone.
  • 2:21 - 2:24
    Und er muss woanders hinfahren.
  • 2:24 - 2:29
    Aber wohin fährt man in einem Gebiet
    von 20.000 Quadratkilometern?
  • 2:30 - 2:32
    Das ist ungefähr die Größe von New Jersey.
  • 2:33 - 2:39
    Man fischt also entweder weiter,
    ohne einen großen Fang zu machen,
  • 2:39 - 2:41
    oder man fährt zurück zum Hafen.
  • 2:42 - 2:46
    Als Forscherin habe ich Zugang
    zu Hightech-Ausrüstung.
  • 2:46 - 2:49
    Ich kann einfach ein Messgerät
    von Bord ins Wasser abseilen
  • 2:49 - 2:52
    und damit Sauerstoff
    und vieles andere messen.
  • 2:52 - 2:54
    Wir starten am Mississippi,
  • 2:54 - 2:59
    fahren den Golf von Mexiko
    in Zickzacklinien ab bis nach Texas.
  • 2:59 - 3:03
    Manchmal schleiche ich mich auch
    nach Texas und messe deren Wasser.
  • 3:05 - 3:12
    Anhand des Bodensauerstoffs
    kann man alles unter 0,2 mg/l kartieren,
  • 3:12 - 3:17
    das ist die magische Grenze,
    ab der Fische das Gewässer verlassen.
  • 3:18 - 3:20
    Ich tauche auch in der Todeszone.
  • 3:21 - 3:25
    Manche Sauerstoffmessgeräte
    müssen wir küstennah anbringen.
  • 3:25 - 3:30
    Sie melden uns stetige Messungen der hohen
    oder geringen Sauerstoffkonzentration.
  • 3:30 - 3:34
    Wenn man im Wasser taucht,
    sieht man viele Fische:
  • 3:34 - 3:36
    Tonnenweise Fische, alle möglichen Arten,
  • 3:36 - 3:40
    so auch meinen Freund, den Barrakuda,
    den ich eines Tages entdeckte.
  • 3:40 - 3:42
    Alle schwammen in eine Richtung
  • 3:42 - 3:45
    und ich schwamm in die andere
    mit meiner Kamera.
  • 3:45 - 3:46
    (Lachen)
  • 3:46 - 3:50
    Bei neun Metern werden es weniger Fische.
  • 3:50 - 3:52
    Und dann ist man am Meeresgrund.
  • 3:52 - 3:55
    Kein einziger Fisch zu sehen.
  • 3:55 - 3:59
    Es gibt kein Leben auf der Plattform;
    nichts Lebendiges schwimmt herum.
  • 3:59 - 4:02
    Und man weiß, man ist in der Todeszone.
  • 4:03 - 4:07
    Was ist also die Verbindung
    zwischen dem Herzen der USA
  • 4:07 - 4:09
    und dem Golf von Mexiko?
  • 4:09 - 4:13
    Die Wasserscheide besteht
    großteils aus Ackerland,
  • 4:14 - 4:17
    besonders aus Feldern
    mit Mais-Soja-Fruchtfolge.
  • 4:19 - 4:25
    Der Stickstoff und Phosphor
    aus den Düngemitteln versickert im Boden,
  • 4:25 - 4:28
    fließt in den Mississippi
  • 4:28 - 4:30
    und landet letztendlich
    im Golf von Mexiko.
  • 4:30 - 4:37
    Das Wasser des Mississippi enthält
    heute dreimal so viel Stickstoff
  • 4:37 - 4:39
    wie in den 1950ern.
  • 4:39 - 4:41
    Dreimal so viel.
  • 4:41 - 4:43
    Der Phosphorgehalt hat sich verdoppelt.
  • 4:43 - 4:48
    Das führt zu mehr Phytoplankton,
    mehr Bakterien und weniger Sauerstoff.
  • 4:49 - 4:53
    Das ist kein natürlicher Effekt des Golfs,
    er ist vom Menschen verursacht.
  • 4:54 - 4:57
    Die Landschaft hat sich verändert.
  • 4:57 - 5:02
    Früher waren hier Prärien, Wälder, Tümpel,
  • 5:02 - 5:06
    Entenbiotope und vieles mehr.
  • 5:06 - 5:08
    Aber jetzt gibt es nur noch Reihenkultur.
  • 5:09 - 5:14
    Es gibt Wege zur Verbesserung
    dieser Landwirtschaft,
  • 5:14 - 5:19
    indem wir weniger düngen
    oder Präzisionsdünger einsetzen
  • 5:19 - 5:23
    und nachhaltige Landwirtschaft betreiben,
  • 5:23 - 5:27
    wie mehrjähriges Weizengras,
    das viel längere Wurzeln hat
  • 5:27 - 5:30
    als die 15 Zentimeter der Maispflanze
  • 5:30 - 5:35
    und damit den Stickstoff im Boden
    und den Boden festhalten kann.
  • 5:35 - 5:39
    Und wie überzeugen wir
    unsere Nachbarn im Norden,
  • 5:39 - 5:43
    über 1.000 Meilen entfernt,
  • 5:43 - 5:49
    dass ihr Handeln das schlechte Wasser
    im Golf von Mexiko verursacht?
  • 5:50 - 5:53
    Zu Anfang könnten wir ihnen
    ihren eigenen Hinterhof zeigen.
  • 5:53 - 5:59
    Wenn Sie im Sommer in Ihrem Lieblingssee
    in Wisconsin schwimmen wollen,
  • 5:59 - 6:02
    könnten Sie so etwas finden,
  • 6:02 - 6:07
    das wie grüne Farbe aussieht und riecht
  • 6:07 - 6:09
    und auf der Wasseroberfläche wächst.
  • 6:10 - 6:13
    Das ist ein giftiger Blaualgenbefall
  • 6:13 - 6:17
    und das ist nicht gut für Sie.
  • 6:17 - 6:22
    Im Eriesee gab es Ähnliches
    vor einigen Jahren.
  • 6:22 - 6:26
    Diese Blaualge breitete sich
    hunderte Meilen aus
  • 6:26 - 6:29
    und die Stadt Toledo in Ohio
    konnte ihr Trinkwasser
  • 6:29 - 6:32
    über mehrere Tage nicht abpumpen.
  • 6:32 - 6:35
    Wenn Sie den Nachrichten folgen,
  • 6:35 - 6:39
    wissen Sie, dass viele Gemeinden
    Trinkwasserprobleme haben.
  • 6:41 - 6:43
    Ich bin Wissenschaftlerin.
  • 6:43 - 6:45
    Ich weiß nicht, ob man mir das ansieht.
  • 6:45 - 6:47
    (Lachen)
  • 6:50 - 6:54
    Ich betreibe fundierte Forschung,
    ich publiziere meine Ergebnisse,
  • 6:54 - 6:58
    meine Kollegen lesen sie,
    ich werde von anderen zitiert.
  • 6:59 - 7:03
    Aber ich glaube fest daran,
    dass ich es als Forscherin,
  • 7:04 - 7:09
    die häufig öffentliche Fördermittel nutzt,
  • 7:09 - 7:12
    der Öffentlichkeit schuldig bin,
  • 7:12 - 7:15
    mit den Behörden und Abgeordneten
  • 7:15 - 7:18
    mein Wissen zu teilen,
  • 7:18 - 7:24
    damit sie es für bessere Entscheidungen
    über unsere Umwelt nutzen können.
  • 7:24 - 7:26
    (Applaus)
  • 7:26 - 7:28
    Ich danke Ihnen.
  • 7:28 - 7:31
    (Applaus)
  • 7:31 - 7:36
    Eine Möglichkeit dazu ist
    die Verbreitung über die Medien.
  • 7:36 - 7:40
    Joby Warrick von der „Washington Post“
  • 7:40 - 7:46
    setzte dieses Bild zu einem Artikel
    auf der Titelseite der Sonntagsausgabe,
  • 7:46 - 7:48
    fünf Zentimeter über dem Falz.
  • 7:48 - 7:50
    Das ist eine große Sache.
  • 7:50 - 7:54
    Senator John Breaux aus Louisiana sagte:
  • 7:54 - 7:58
    „Oh mein Gott, sieht so etwa
    der Golf von Mexiko aus?“
  • 7:58 - 8:01
    Ich antwortete ihm:
    „Nun ja, hier ist der Beweis.
  • 8:01 - 8:03
    Wir müssen zweifellos etwas dagegen tun.“
  • 8:03 - 8:08
    Zur gleichen Zeit hatte
    Senator Olympia Snowe aus Maine
  • 8:08 - 8:12
    Ärger mit schädlichen Algenblüten
    im Golf von Maine.
  • 8:12 - 8:16
    Sie schlossen sich zusammen
    -- es war parteiübergreifend --
  • 8:16 - 8:17
    (Lachen)
  • 8:17 - 8:20
    (Applaus)
  • 8:20 - 8:23
    und fragten mich, ob ich
    vor dem Kongress aussagen wollte.
  • 8:23 - 8:26
    Ich sagte: „Ich habe doch nur
    nach Krabben in Südtexas gesucht,
  • 8:26 - 8:27
    wie soll ich das machen?“
  • 8:27 - 8:28
    (Lachen)
  • 8:28 - 8:30
    Aber ich machte es.
  • 8:30 - 8:33
    Und schließlich wurde
    das Gesetz verabschiedet.
  • 8:33 - 8:35
    Man nannte es -- ja, juhu! --
  • 8:36 - 8:40
    „Gesetz zur Erforschung und Eindämmung
  • 8:40 - 8:43
    von schädlichen Algen
    und Hypoxie von 1998“.
  • 8:43 - 8:45
    (Lachen)
  • 8:45 - 8:48
    (Applaus)
  • 8:48 - 8:49
    Danke.
  • 8:49 - 8:52
    Deswegen nennen wir es
    das Snowe-Breaux-Gesetz.
  • 8:52 - 8:54
    (Lachen)
  • 8:55 - 9:01
    Außerdem hielten wir 2001 eine Konferenz
  • 9:02 - 9:05
    auf Initiative der Nationalen
    Akademie der Wissenschaften ab,
  • 9:05 - 9:09
    auf der wir uns mit Düngern, Stickstoff
    und der Wasserqualität beschäftigten.
  • 9:10 - 9:12
    Unsere Plenarsprecherin
  • 9:12 - 9:16
    war die frühere Gouverneurin
    des Bundesstaats New Jersey.
  • 9:17 - 9:19
    Und sie ...
  • 9:19 - 9:23
    Man merkte ihr den Ernst beim Sprechen an
  • 9:23 - 9:25
    und ich dachte:
  • 9:25 - 9:27
    „Sicher schaut sie gerade auf mich.“
  • 9:27 - 9:31
    Wissen Sie, ich habe es satt,
    nur New Jersey zu hören.
  • 9:31 - 9:35
    Nehmen Sie irgendeinen Staat,
    ich kann es nicht mehr hören.
  • 9:35 - 9:38
    Doch sie brachte den Aktionsplan
  • 9:38 - 9:44
    über den Schreibtisch
    von Präsident George H.W. Bush,
  • 9:44 - 9:47
    sodass die Umweltziele festgelegt waren
  • 9:48 - 9:51
    und wir an ihrer Lösung arbeiten konnten.
  • 9:52 - 9:55
    Der Mittlere Westen
    ernährt nicht die ganze Welt.
  • 9:56 - 10:02
    Er ernährt vor allem viele Hühner,
    Schweine und Rinder
  • 10:02 - 10:06
    und produziert viel Ethanol
    für unser Benzin,
  • 10:06 - 10:09
    was durch Bundesgesetze geregelt wird.
  • 10:10 - 10:12
    Wir können das besser.
  • 10:13 - 10:16
    Wir müssen neue Entscheidungen treffen,
  • 10:17 - 10:21
    die unseren Konsum reduzieren
  • 10:23 - 10:27
    und unsere Abhängigkeit
    von Stickstoff verringern.
  • 10:28 - 10:30
    Es ist wie die Klimabilanz.
  • 10:30 - 10:33
    Aber jeder von uns kann
    seine Stickstoffbilanz verbessern.
  • 10:33 - 10:38
    Ich tue das, indem ich
    weniger Fleisch esse --
  • 10:38 - 10:41
    dann und wann esse ich
    doch gerne ein wenig --,
  • 10:41 - 10:42
    ich benutze kein Maisöl,
  • 10:43 - 10:47
    ich fahre ein Auto ohne Ethanoltreibstoff
  • 10:47 - 10:50
    und erreiche einen
    besseren Benzinverbrauch.
  • 10:51 - 10:53
    Solche einfachen Dinge
    verändern unsere Welt.
  • 10:53 - 10:57
    Ich fordere nicht nur Sie auf,
  • 10:57 - 11:00
    sondern viele Menschen,
    vor allem im Mittleren Westen:
  • 11:00 - 11:03
    Denken Sie über Ihren Umgang
    mit Ihrem Land nach
  • 11:03 - 11:06
    und darüber, wie Sie etwas ändern können.
  • 11:06 - 11:09
    Ich mache kleine Schritte.
  • 11:10 - 11:14
    Eine Veränderung
    der Landwirtschaft in den USA
  • 11:14 - 11:17
    benötigt viele große Schritte.
  • 11:17 - 11:21
    Und es braucht politischen
    und sozialen Willen.
  • 11:21 - 11:23
    Aber wir können es schaffen.
  • 11:23 - 11:27
    Ich glaube fest, dass wir
    die Erkenntnisse aus der Wissenschaft
  • 11:27 - 11:32
    in die Politik einbringen können,
    um die Umwelt zu schützen.
  • 11:33 - 11:35
    Wir alle wollen eine saubere Umwelt.
  • 11:35 - 11:38
    Und wir können durch Zusammenarbeit
  • 11:38 - 11:42
    die Todeszonen
    im Golf von Mexiko auflösen.
  • 11:42 - 11:44
    Danke schön.
  • 11:44 - 11:45
    (Applaus)
Title:
Die „Todeszone“ im Golf von Mexiko
Speaker:
Nancy Rabalais
Description:

Die Meeresexpertin Nancy Rabalais erforscht die bedrohlich klingende „Todeszone“ im Golf von Mexiko, die nicht mehr genug Sauerstoff im Wasser enthält, um das Unterwasserleben zu erhalten. Der Golf verfügt über die zweitgrößte Todeszone der Welt und vernichtet neben den darin lebenden Fischen und Krustentieren auch die Fischer dieser Gewässer. Rabalais erklärt uns die Ursache – und wie wir die schädliche Wirkung umkehren und einen der bedeutendsten Naturschätze Amerikas wiederherstellen können.

more » « less
Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TEDTalks
Duration:
12:02

German subtitles

Revisions