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Wie Geschichten die Realität verändern können – Jessica Wise

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    Emily Dickinson sagte vor über einem Jahrhundert,
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    dass uns keine Fregatte
    so mit ins Weite nähme wie ein Buch,
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    und das ist wahr.
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    Wenn wir ein Buch lesen,
    den Fernseher anschalten oder einen Film schauen,
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    werden wir durch den Lauf der Geschichte
    in unsere Vorstellungswelt mitgenommen.
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    Wenn wir am Strand landen, ist alles neu,
    aber auch vertraut.
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    Etwas Seltsames geschieht.
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    Sobald wir am Strand landen,
    haben wir uns verändert.
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    Wir verfolgen die Fußabdrücke der Schriftsteller
    oder Figuren, denen wir hierher gefolgt sind,
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    nicht zurück: Nein. Stattdessen laufen wir
    zwei Kilometer in ihren Schuhen.
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    Psychologen, Neurologen, Biologen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kindesentwicklung
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    erlangen endlich viele
    wissenschaftliche Beweise,
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    die belegen, was Schriftsteller und Leser
    bereits gezeigt haben,
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    nämlich dass Geschichten die einzigarte Fähigkeit haben, den Standpunkt einer Person zu ändern.
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    Gelehrte entdecken Beweise,
    dass Geschichten die Kultur formen,
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    und dass vieles, woran wir im Leben glauben,
    nicht von Fakten,
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    sondern von Fiktion stammt;
    dass unsere Vorstellungen
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    von Klasse, Heirat
    und sogar dem Geschlecht
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    relativ neu sind; und dass viele Ideologien,
    an denen jahrhundertelang festgehalten wurde,
  • 1:12 - 1:17
    in der Mitte des 18. Jahrhunderts überdacht
    und in Romanen neu entworfen wurden.
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    Stellt euch eine Welt vor, in der die Klasse,
    und nicht harte Arbeit, den Wert einer Person bestimmt.
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    Eine Welt, in der Frauen einfach
    die ungezähmtere Version der Männer sind.
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    Eine Welt, in der eine Liebesheirat
    eine ganz neue Vorstellung ist.
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    Das war die Welt, in der Samuel Richardsons
    „Pamela“ zuerst erschien.
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    In Richardsons Liebesgeschichte gibt es
    die Heldin, ein armes Dienstmädchen,
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    das moralisch überlegen und klüger
    als ihr Verehrer aus der Oberschicht ist.
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    Dieses Buch, das viele Traditionen
    kritisch hinterfragte,
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    sorgte für ziemlichen Aufruhr.
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    Die Presse berichtete mehr über „Pamela“
    als über das Parlament.
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    Es löste eine lebhafte Debatte aus
    und einige Anti-Romane wurden veröffentlicht,
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    für diejenigen, die „Pamela“ einfach
    nicht akzeptieren konnten.
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    Andere wollten eifrig diese
    neue fiktive Welt entdecken.
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    Dieser Bestseller und all seine
    literarischen Erben,
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    „Stolz und Vorurteil“, „Jane Eyre“
    und selbst „Twilight“
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    erzählen immer die gleiche Geschichte
    und lehren uns ähnliche Dinge,
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    die heute zu den Konventionen gehören
    und Normalität sind.
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    Auf ähnliche Weise
    haben Romane das Denken
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    bedeutender Persönlichkeiten
    der Geschichte geformt.
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    Einige Gelehrte sagen, dass Darwin
    seine Evolutionstheorie
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    besonders den Geschichten,
    die er las und liebte, verdankt.
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    Seine Theorie bevorzugt Intelligenz,
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    Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit –
    alles Haupteigenschaften eines Helden.
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    Ob ihr nun „Harry Potter“
    oder „Große Erwartungen“ lest,
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    diese von Art Geschichten haben Darwin inspiriert.
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    Jedoch zeigen jüngste Studien, dass seine Theorie
    nicht die ganze Geschichte erzählen.
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    Unsere Vorstellung eines Helden –
    Mann oder Frau, oder sogar eine Spezies,
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    die sich den Herausforderungen der Welt stellt,
    könnte falsch sein.
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    Anstatt auf Konkurrenten
    programmiert zu sein,
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    um der einzige Held in
    unserer Geschichte zu sein,
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    könnten wir auch gemeinsam
    auf der Suche sein.
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    Mehr Hobbit als Harry.
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    Manchmal nutzen sich natürlich die Schuhe,
    in denen wir gelaufen sind, einfach ab.
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    Wir sind schließlich in Jane Austens oder
    Mark Twains Schuhen nicht nur 2 km,
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    sondern hunderte Millionen Kilometer gelaufen.
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    Das heißt nicht, dass wir nicht die Klassiker
    lesen und genießen können.
  • 3:04 - 3:06
    Wir sollten mit Charles Dickens reisen
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    und uns von Pip erklären lassen,
    was wir von uns selbst erwarten können,
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    und ein Gespräch mit Jane Austen und Elizabeth
    über Stolz und Vorurteile führen.
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    Wir sollten mit Mark Twain
    über den Mississippi schippern
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    und uns von Jim zeigen lassen,
    was es bedeutet gut zu sein.
  • 3:17 - 3:20
    Aber auf unserer Reise sollten wir
    jedoch nicht vergessen,
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    dass sich das Terrain verändert hat.
    Wir suchen nach Stiefeln,
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    die dafür gemacht wurden,
    eine neue Ära zu betreten.
  • 3:25 - 3:29
    Nehmen wir zum Beispiel Katniss Everdeen
    und ihren Kampf gegen das Kapitol.
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    Können uns „Die Tribute von Panem“ dazu
    bringen, anders über Kapitalismus zu denken?
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    Können sie uns lehren, warum sich das Individuum
    nicht vor die Gruppe stellen sollte?
  • 3:37 - 3:40
    Wird die „Ugly“-Trilogie die Gefahren des
    Strebens nach einem perfekten Körper widerspiegeln
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    und die Medien definieren lassen,
    was Schönheit ist?
  • 3:42 - 3:45
    Wird die „Seekers“-Reihe uns auf einen Weg
    jenseits der globalen Erwärmung führen?
  • 3:45 - 3:48
    Werden uns die Kämpfe von Toklo,
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    Kallik, Lusa und der anderen Bären
    um Leben und Tod einen Weg aufzeigen,
  • 3:51 - 3:53
    die Tiere und unsere Stellung
    in ihrer Welt zu verstehen?
  • 3:53 - 3:56
    Nur die Zukunft kann uns sagen,
    welche Geschichten uns in den Bann ziehen,
  • 3:56 - 4:00
    welche uns glauben machen,
    dass wir ein neues Morgen schaffen.
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    Die gute Nachricht ist:
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    Es gibt jeden Tag neue Geschichten
    zu entdecken.
  • 4:05 - 4:09
    Neue Geschichten, die versprechen, den Wandel
    zu beeinflussen, herbeizuführen und einzuleiten.
  • 4:09 - 4:12
    Geschichten, die sogar
    von euch stammen könnten.
  • 4:12 - 4:15
    Also ist die letzte Frage wohl:
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    An welche Geschichte
    macht ihr euch als Nächstes?
Title:
Wie Geschichten die Realität verändern können – Jessica Wise
Description:

Die ganze Lektion unter: http://ed.ted.com/lessons/jessica-wise-how-fiction-can-change-reality

Geschichten zu lesen kann eine Flucht aus der Realität sein, ein Fenster in eine andere Welt – aber habt ihr einmal daran gedacht, wie neue fiktive Erfahrungen eure Perspektive auf das alltägliche Leben verändern können? Von „Stolz und Vorurteil“ zu „Harry Porter“ – lernt wie Literatur einen öffentlichen Dialog auslösen und die Kultur formen kann.

Lektion von Jessica Wise, Gesprochen von Emilie Soffe, Animation von Augenblick Studios.

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Video Language:
English
Team:
closed TED
Project:
TED-Ed
Duration:
04:30
  • Hallo David! Vielen Dank für den Review und die Verbesserungen. Vier Augen sehen halt doch besser. Lg, Nadine

German subtitles

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