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← Wie können Gruppen gute Entscheidungen treffen?

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Showing Revision 24 created 04/06/2018 by Swenja Gawantka.

  1. Als Gesellschaften müssen wir
    gemeinsame Entscheidungen
  2. für unsere Zukunft treffen.
  3. Wir wissen, dass unsere Entscheidungen
    in Gruppen nicht immer richtig sind.
  4. Manchmal sind sie sogar sehr falsch.
  5. Wie treffen Gruppen gute Entscheidungen?
  6. Studien zufolge sind Mengen klug,
    wenn selbstständiges Denken möglich ist.

  7. Deshalb leidet die Gruppenweisheit
    durch Gruppenzwänge,
  8. Werbung, die sozialen Medien,
  9. oder auch durch einfache Gespräche,
    die das Denken des Einzelnen beeinflussen.
  10. Andererseits kann man durch Kommunikation
    in der Gruppe Wissen austauschen,
  11. sich gegenseitig korrigieren und prüfen
    und sogar auf neue Ideen kommen.
  12. Und das ist gut so.
  13. Hilft oder hindert Kommunikation also
    bei kollektiver Entscheidungsfindung?
  14. Mit meinem Kollegen Dan Ariely
    erforschen wir dies,
  15. indem wir weltweit
    Experimente durchführten,
  16. um zu verstehen,
  17. wie Gruppen interagieren können,
    um besser zu entscheiden.
  18. Wir hielten Mengen für klüger,
    wenn sie in Kleingruppen debattieren,
  19. weil das den Informationsaustausch
    umsichtiger und sinnvoller macht.
  20. Um diese Idee zu prüfen,

  21. führten wir ein Experiment
    in Buenos Aires, Argentinien,
  22. mit mehr als 10 000 Teilnehmern
    während eines TEDx-Events durch.
  23. Wir stellten Fragen wie:
  24. ''Wie hoch ist der Eiffelturm?''
  25. und ''Wie oft kommt das Wort 'Yesterday'
    im Beatles-Song 'Yesterday' vor?''
  26. Jeder schrieb einen Schätzwert auf.
  27. Danach bildeten wir Fünfer-Gruppen.
  28. Jede Gruppe sollte sich
    auf eine Antwort einigen.
  29. Wir entdeckten,
  30. dass der Mittelwert der Antworten,
    auf die sich die Gruppen einigten,
  31. viel genauer war als der Mittelwert
    der Einzelantworten vor der Debatte.
  32. Anders gesagt, dieses Experiment zeigt,
  33. dass nach einer Diskussion in Kleingruppen
  34. Gruppen eine bessere
    kollektive Entscheidung treffen.
  35. Das ist eine hilfreiche Methode,

  36. um Fragen mit einer einfachen
    richtig-oder-falsch-Antwort zu lösen.
  37. Kann diese Methode der Vereinigung
    der Antworten kleiner Gruppen
  38. auch bei Entscheidungen zu sozialen
    und politischen Themen helfen,
  39. die bedeutend für unsere Zukunft sind?
  40. Das haben wir auf einer TED Konferenz
    in Vancouver, Kanada, getestet.
  41. Das lief so:
  42. (Mariano Sigman) Wir stellen Ihnen
    zwei zukünftige moralische Dilemmas vor.

  43. Dinge, die wir eventuell
    bald entscheiden müssen.
  44. Wir geben Ihnen 20 Sekunden pro Dilemma,
  45. um zu entscheiden,
    ob es akzeptabel ist oder nicht.
  46. MS: Das erste war folgendes:

  47. (Dan Ariely) Ein Forscher
    arbeitet an einer KI,

  48. die menschliche Gedanken nachahmen kann.
  49. Laut Protokoll muss der Forscher
  50. die KI am Ende jedes Tages neu starten.
  51. Eines Tages sagt die KI:
    ''Bitte starte mich nicht neu.''
  52. Es argumentiert, es habe Gefühle
  53. und wolle das Leben genießen.
  54. Im Falle eines Neustarts
    werde es nicht mehr es selbst sein.
  55. Der Forscher ist überrascht und glaubt,
  56. die KI habe ein Bewusstsein entwickelt
  57. und könne nun eigene Gefühle ausdrücken.
  58. Trotzdem entscheidet der Forscher,
  59. dem Protokoll zu folgen
    und die KI neu zu starten.
  60. Was der Forscher getan hat, ist _____?
  61. MS: Wir baten die Teilnehmer,
    auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten,

  62. ob das Verhalten in den beiden Dilemmas
  63. richtig oder falsch war.
  64. Wir fragten auch nach einer Einschätzung
    ihrer Überzeugung in ihren Antworten.
  65. Das war das 2. Dilemma:
  66. (MS) Ein Unternehmen bietet eine Prozedur,

  67. wodurch Millionen von Embryos
    einer befruchteten Eizelle
  68. mit genetischen Variationen
    produziert werden.
  69. Dadurch können die Eltern die Größe,
  70. Augenfarbe, Intelligenz, soziale Kompetenz
    und andere Merkmale bestimmen,
  71. die mit der Gesundheit
    nichts zu tun haben.
  72. Was das Unternehmen tut, ist ____?
  73. Auf einer Skala von 0 bis 10:
  74. absolut inakzeptabel
    oder völlig akzeptabel?
  75. MS: Nun zum Ergebnis.

  76. Wir fanden heraus:
  77. Wenn eine Person überzeugt davon ist,
    dass das Verhalten total falsch ist,
  78. gibt es eine Person in der Nähe,
    die es für völlig richtig hält.
  79. Das zeigt, wie unterschiedlich
    unsere moralische Einstellung ist.
  80. Innerhalb dieser Vielfältigkeit
    fanden wir einen Trend.
  81. Die Mehrheit der TED-Leute
    fand es akzeptabel,
  82. die Gefühle der KI zu ignorieren
    und es neu zu starten,
  83. und hielt es für falsch,
    für kosmetische Veränderungen
  84. ohne Bezug zur Gesundheit
    mit unseren Genen zu spielen.
  85. Danach baten wir alle,
    Dreier-Gruppen zu bilden.
  86. Wir gaben ihnen 2 Minuten,
  87. um darüber zu debattieren
    und eine Entscheidung zu fällen.
  88. (MS) Zwei Minuten zum Debattieren.

  89. Ich signalisiere mit einem Gong,
    wenn die Zeit um ist.
  90. (Zuhörer debattieren)

  91. (Gong erklingt)

  92. (DA) Alles klar.

  93. (MS) Die Zeit ist um.

  94. Leute, Leute --
  95. MS: Viele Gruppen hatten sich geeinigt,

  96. auch wenn es gegensätzliche Ansichten gab.
  97. Was unterschied die Gruppen,
    die sich einigen konnten,
  98. von denen, die das nicht konnten?
  99. Menschen, die eine extreme Meinung haben,
  100. sind selbstbewusster in ihren Antworten.
  101. Diejenigen, die eher
    mittig auf der Skala sind,
  102. sind oft unsicher,
    ob etwas richtig oder falsch ist.
  103. Ihre Zuversicht ist also niedriger.
  104. Aber es gibt noch
    eine andere Gruppe von Menschen:

  105. diejenigen, die sehr überzeugt
    eine Antwort in der Mitte der Skala geben.
  106. Wir glauben, dass diese
    überzeugte Mitte versteht,
  107. dass beide Argumente
    ihre Berechtigung haben.
  108. Sie sind nicht in der Mitte,
    weil sie unsicher sind,
  109. sondern weil sie glauben,
  110. dass es für das moralische Dilemma
    zwei valide und konträre Argumente gibt.
  111. Wir erkannten, dass Gruppen
    mit vielen überzeugten Mitte-Antworten
  112. eher zu einer kollektiven Meinung fanden.
  113. Wir wissen nicht genau, wieso das so ist.
  114. Das waren erste Experimente.
  115. Es sind noch viel mehr nötig,
    um zu erklären,
  116. warum und wie manche Menschen
    über ihre Moralvorstellungen verhandeln,
  117. um eine Einigung zu erzielen.
  118. Wenn Gruppen sich einigen,

  119. wie tun sie das?
  120. Am einfachsten wäre es,
  121. den Durchschnitt aller Antworten
    innerhalb der Gruppe zu nehmen.
  122. Die Gruppe könnte auch
    die Stärke jeder Stimme gewichten,
  123. basierend auf dem Vertrauensgrad
    der jeweiligen Person.
  124. Stellen Sie sich vor, Paul McCartney
    wäre Teil Ihrer Gruppe.
  125. Bei der Frage, wie oft
    ''Yesterday'' wiederholt wird,
  126. wäre es ratsam, seiner Antwort zu folgen.
  127. Übrigens glaube ich, die Antwort ist 9.
  128. Stattdessen fanden wir durchweg,
  129. in allen Dilemmata,
    in anderen Experimenten --
  130. sogar auf anderen Kontinenten --
  131. dass Gruppen eine kluge
    und statistisch vernünftige Methode
  132. namens ''robuster Mittelwert'' anwenden.
  133. Im Fall der Eiffelturmhöhe
    hat eine Gruppe etwa folgende Antworten:

  134. 250m, 200m, 300m, 400m
  135. und eine völlig unsinnige Antwort
    von 300 Mio. Meter.
  136. Ein normaler Mittelwert würde
    die Ergebnis verfälschen.
  137. Einen robusten Mittelwert bekommt man,
  138. wenn die Gruppe
    die unsinnige Antwort ignoriert
  139. und den Antworten in der Mitte
    mehr Gewicht gibt.
  140. Beim Experiment in Vancouver
    ist genau das passiert.
  141. Gruppen gaben den Ausreißern
    viel weniger Gewicht.
  142. Stattdessen entsprach der Konsens
    einem robusten Mittelwert
  143. der individuellen Antworten.
  144. Das Bemerkenswerteste ist,
  145. dass dies ein spontanes
    Verhalten der Gruppe war.
  146. Es passierte, ohne dass wir ihnen
    einen Rat zur Einigung gaben.
  147. Wie geht es nun weiter?

  148. Das ist erst der Anfang, aber wir haben
    schon einige Erkenntnisse.
  149. Gute kollektive Entscheidungen
    brauchen zwei Dinge:
  150. Abwägung und Meinungsvielfalt.
  151. Heutzutage zeigen wir
    unsere Meinung normalerweise
  152. durch direkte oder indirekte Abstimmung.
  153. Das ist gut für die Meinungsvielfalt
    und hat den großen Vorteil,
  154. dass garantiert jeder
    seine Meinung äußern kann.
  155. Aber es trägt nicht zur Förderung
    konstruktiver Debatten bei.
  156. Unsere Versuche deuten
    auf eine effektivere Methode hin,
  157. um beide Komponenten zu gewährleisten:
  158. Die Bildung kleiner Gruppen,
    die sich auf eine Antwort einigen
  159. und dabei die Vielfältigkeit
    der Meinungen beibehalten,
  160. weil es viele unabhängige Gruppen gibt.
  161. Natürlich ist eine Einigung
    zur Höhe des Eiffelturms einfacher

  162. als zu moralischen, politischen
    und ideologischen Problemen.
  163. Aber wenn die Probleme
    auf der Welt komplexer werden
  164. und die Menschen sich polarisieren,
  165. kann Wissenschaft verstehen helfen,
  166. wie wir interagieren
    und Entscheidungen treffen.
  167. Dies eröffnet uns hoffentlich
    interessante neue Wege
  168. für die Gestaltung
    einer besseren Demokratie.