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← Der Klimawandel wird Millionen vertreiben. So bereiten wir uns vor

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Showing Revision 7 created 05/10/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. Etwa zwei Jahre nach Hurrikan Katrina
  2. sah ich zum ersten Mal
    die Flutkarten von Louisiana.

  3. Diese Flutkarten zeigen
    bereits verlorenes Land
  4. und Land, welches in der Zukunft
    verloren gehen wird.
  5. An diesem speziellen Tag,
    bei einem Gemeindetreffen,
  6. wurden diese Karten genutzt,
    um zu erklären,
  7. wie eine Gegend wie meine
    in Süd-Louisiana
  8. und weitere an der Küste
    von Mississippi und Alabama
  9. von einer 9 Meter hohen Flutwelle,
    hervorgerufen durch Hurrikan Katarina,
  10. überschwemmt werden kann.
  11. Das Land, das wir verloren,
    war unser Puffer zum Meer.
  12. Ich meldete mich freiwillig,
    um mit diesen Grafiken zu arbeiten.
  13. Und in dieser Sekunde änderte sich
    mein Leben zum zweiten Mal in zwei Jahren.
  14. Die Grafik zeigte massiven Landverlust
    in Süd-Louisiana
  15. und ein sich näherndes Meer.
  16. Die Grafik zeigte
    das Verschwinden meiner Heimat

  17. und vieler weiterer Gegenden,
    vor dem Ende des Jahrhunderts.
  18. Ich stand nicht alleine vor diesen Leuten.
  19. Ich war dort mit anderen Vertretern
    aus Gemeinden Süd-Louisianas --

  20. Schwarze, Indigene, Arme.
  21. Wir dachten, wir waren nur verbunden
    durch die Erholung von der Katastrophe
  22. aber wir verstanden, wir waren verbunden
    durch die unmögliche Aufgabe
  23. sicherzustellen, dass unsere Gemeinden
    nicht ausgelöscht werden
  24. vom Anstieg des Meeres,
    hervorgerufen vom Klimawandel.
  25. Freunde, Nachbarn, Familie,
    meine Gemeinde:
  26. Ich ging davon aus,
    sie würden immer da sein.
  27. Land, Bäume, Moore, Sumpfgebiete:
  28. Ich ging davon aus, sie sind immer da,
    genau wie Jahrtausende vorher.
  29. Ich lag falsch.
  30. Um zu verstehen,
    was mit meiner Gemeine passierte,
  31. musste ich mit anderen Gemeinden,
    überall auf der Welt, sprechen.

  32. Ich begann mit der United Houma Nation
    in Süd-Louisiana.
  33. Ich sprach mit jungen Engagierten
    in Shishmaref, Alaska.
  34. Ich sprach mit Fischerinnen
    von der Küste Vietnams,
  35. mit Gerechtigkeitskämpfern in Fidschi,
  36. neuen Generationen von Führern
  37. der uralten Kulturen
    der Torres-Strait-Inseln.
  38. Gemeinden, die hier seit
    Jahrtausenden lebten,
  39. erlitten das gleiche Schicksal
    und wir überlegten alle,
  40. wie wir die nächsten 50 Jahre
    überleben können.
  41. Es wird vorausgesagt,
  42. dass Ende des Jahrhunderts,
    mehr als 180 Millionen Menschen

  43. wegen des Klimawandels umziehen müssen.
  44. Und in Süd-Louisiana,
    ziehen die bereits weg,
  45. die es sich leisten können.
  46. Sie ziehen um, weil
    Süd-Louisiana Land verliert,
  47. schneller als viele andere
    Gegenden der Welt.
  48. Das Verschwinden ist es,
    was meine Sumpfgegend am Flussarm
  49. mit anderen Küstengegenden gemeinsam hat.
  50. Gemeinden überall auf der Welt
    kämpfen gegen die Auslöschung,
  51. eine reale Folge der Auswirkungen
    des Klimawandels.
  52. In den letzten 14 Jahren, habe ich mich
    für Gemeinden eingesetzt,

  53. die unmittelbar von
    der Klimakrise betroffen sind.
  54. Diese Gemeinden kämpfen
    gegen Diskriminierung
  55. beim Wiederaufbau nach Klimakatastrophen.
  56. Sie versuchen außerdem,
    einen Ausgleich zu erreichen,
  57. zwischen der massiven
    Umsiedlung von Menschen
  58. und dem Zuzug von anderen Menschen,
    die neu anfangen wollen.
  59. Seit 2005 werden Menschen
    "Flüchtlinge" genannt,
  60. wenn sie wegen des Klimawandels
    umziehen mussten,
  61. auch wenn sie keine internationale
    Grenze übertreten haben.
  62. Diese falsch verwendeten Begriffe
  63. sollen den Anderen identifizieren,
  64. als das Opfer,
  65. die Person, die nicht hier sein sollte.
  66. Diese Begriffe sind Barrieren
  67. gegen wirtschaftliche Erholung
  68. gegen soziale Integration
  69. und gegen die nötige Heilung
    von Schäden durch die Klimakrise.
  70. Wörter spielen eine Rolle.

  71. Es ist relevant, wie wir Menschen
    behandeln, die Grenzen überwinden.
  72. Es sollte uns wichtig sein,
    wie Menschen behandelt werden,
  73. die Grenzen überwinden, um
    Zuflucht und Sicherheit zu suchen.
  74. Sei es nur aus dem einen Grund,
    dass Sie oder Ihre Lieben eines Tages
  75. von ihrem Menschenrecht der Freizügigkeit
  76. Gebrauch machen müssen.
  77. Wir müssen anfangen, uns auf
    eine globale Umsiedlung vorzubereiten.

  78. Das ist die Realität heute.
  79. Unsere Städte und Gemeinden
    sind nicht vorbereitet.
  80. Unsere Wirtschaft und unser Sozialsystem
    sind nur darauf vorbereitet,
  81. Profite zu machen,
    mit Menschen, die umsiedeln müssen.
  82. Dies wird zu einer
    Klima-Gentrifizierung führen.
  83. Es wird Menschen benachteiligen,
    die umsiedeln müssen,
  84. normalerweise durch ausbeuterische Arbeit
  85. und häufig durch Kriminalisierung.
  86. Wir sehen Klima-Gentrifizierung
    in Städten wie Miami,
  87. wo in Erwartung
    des steigenden Meeresspiegels,
  88. Menschen von der Küste wegziehen,
    und jene Menschen vertreiben,
  89. die sich die nun steigenden Preise
    der höher gelegenen Gebiete,
  90. in die sie einst vertrieben wurden,
  91. nicht mehr leisten können.
  92. Diese Leute sind gezwungen wegzuziehen,
  93. sie verlassen das soziale
    und wirtschaftliche Umfeld,
  94. das sie zum überleben brauchen.
  95. Klima-Gentrifizierung entsteht auch
    als Folge von Klima-Katastrophen.

  96. Wenn eine große Anzahl von Menschen
    für unbestimmte Zeit
  97. eine Gegend verlässt,
  98. ziehen andere Menschen dorthin.
  99. Klima-Gentrifizierung entsteht auch,
  100. wenn beschädigte Häuser
    nachhaltig wieder aufgebaut werden
  101. und nun hochwertiger sind
  102. und somit unbezahlbar für schwarze,
    braune und arme Menschen,
  103. die zurück nach Hause möchten.
  104. Der Preisunterschied in Mieten oder
    Wohneigentum ist der Maßstab dafür,
  105. ob man von seinem Recht
    Gebrauch machen kann.
  106. Dem Menschenrecht, als Gemeinschaft
    nach Hause zurückzukehren
  107. oder gezwungen zu sein, umzusiedeln,
  108. in klima-gefährdetere Gebiete,
  109. die günstiger sind,
  110. und wo man allein ist.
  111. Die Klimakrise ist viel mehr als
    die Reduzierung von CO2

  112. und es geht um etwas ganz anderes
  113. als nur extremes Wetter.
  114. Wir sehen eine globale Veränderung
    in allen Aspekten des täglichen Lebens.
  115. Und die Umsiedlung aus Klimagründen
    ist nur ein kleiner Teil davon.
  116. Aber er erzeugt Domino-Effekte
  117. sowohl in Küstenstädten,
    als auch im Inland.
  118. Was können wir dagegen tun?

  119. Ich habe ein paar Ideen.
  120. (Gelächter)

  121. Zuerst müssen wir unseren Blick
    auf das Problem ändern.

  122. Der Klimawandel ist nicht das Problem.
  123. Der Klimawandel ist das schlimmste Symptom
  124. eines Wirtschaftssystems,
  125. welches für einige Wenige gemacht wurde,
  126. um die wertvollen Schätze des Planeten
    und der Menschen auszubeuten.
  127. Von unseren natürlichen Ressourcen,
  128. bis zu den Früchten menschlicher Arbeit.
  129. Dieses System hat diese Krise
    hervorgebracht.
  130. (Applaus)

  131. Wir müssen den Mut haben, zuzugeben,
    dass wir zu viel genommen haben.

  132. Wir können nicht die Augen
    davor verschließen,
  133. dass die ganze Welt dafür bezahlt,
  134. dass einige wenige Menschen
    mit Privilegien und Komfort leben.
  135. Es ist an der Zeit,
    die gesamte Gesellschaft zu verändern.
  136. Ein System, das Konsum ausreizt,
  137. bis es zu globalem Ungleichgewicht führt.
  138. Unsere sozialen, politischen und
    ökonomischen Systeme der Ausbeutung
  139. müssen umgeformt werden,
    zu Systemen, die den Planeten regenerieren
  140. und weltweit menschliche Freiheit fördern.
  141. Es ist arrogant zu glauben,
    dass Technologie uns retten wird.
  142. Es ist egoistisch, zu denken,
    wir könnten so weitermachen,
  143. auf diese ungerechte und
    ausbeuterische Weise
  144. und auf diesem Planeten überleben.
  145. (Applaus)

  146. Um die nächste Phase der
    menschlichen Existenz zu überleben,

  147. müssen wir unser Sozialsystem
    und die Wirtschaft umstrukturieren,
  148. um unsere gemeinsame
    Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
  149. Die soziale Umstrukturierung
    muss sicherstellen,
  150. dass der Planet und die Gemeinden,
    die wir ausgebeutet haben,
  151. kriminalisiert haben,
  152. und für Generationen geschädigt haben,
  153. repariert und wiederaufgebaut werden.
  154. Das steht an erster Stelle.
  155. Hier fangen wir an.
  156. Wir müssen eine Einstellung etablieren,
    die Umsiedlung als Vorteil sieht,

  157. als Notwendigkeit für
    unser globales Überleben.
  158. Nicht als Bedrohung
    unserer individuellen Privilegien.
  159. Gemeinschaftliche Widerstandsfähigkeit
    heisst, Städte zu entwickeln,
  160. die Menschen aufnehmen
    und Wohnraum bereitstellen können,
  161. sowie Wasser und Krankenversicherung
  162. und ein Leben ohne
    massive Polizeiüberwachung.
  163. Dies gilt für alle Menschen,
  164. egal wer sie sind,
  165. egal woher sie kommen.
  166. Wie können wir heute schon
    für die Klima-Umsiedlung vorauszuplanen?

  167. Wachsende und schrumpfende Städte
    könnten die Gelegenheit nutzen,
  168. eine soziale Infrastruktur zu entwickeln,
    die auf Gerechtigkeit und Fairness baut.
  169. Wir könnten öffentliche Krankenhäuser
    mit Geld ausstatten,
  170. um sich auf Veränderungen vorzubereiten
  171. die durch Klima-Umsiedlungen entstehen,
  172. inklusive psychologischer Schäden
    durch Verlust und Entwurzelung.
  173. Wir können uns mehr
    für Gerechtigkeit einsetzen,
  174. aber nicht für einen kurzfristigen Nutzen,
  175. nicht, um Budgetkürzungen abzufedern,
  176. sondern für einen langfristigen Wandel
  177. und für den Ausbau von Gerechtigkeit.
  178. Das ist jetzt schon möglich, Leute.
  179. Nach Hurrikan Katrina,
    haben überall in den USA

  180. Universitäten und Gymnasien
    Studenten aufgenommen,
  181. damit sie ohne Unterbrechung
    die Ausbildung fortsetzen konnten.
  182. Diese Studenten sind jetzt
    nützliche Mitglieder unserer Gemeinden,
  183. und das ist es, was die Gemeinden,
    unsere Unternehmen und Einrichtungen
  184. benötigen, um jetzt bereit zu sein.
  185. Es ist jetzt soweit.
  186. Wenn wir also das Problem
    korrekt umformulieren,

  187. und unser Sozialsystem
    gerechter umstrukturieren,
  188. müssen wir nur noch neu heimisch werden
  189. und eine ganz ursprüngliche
    Macht heraufbeschwören.
  190. Das bedeutet notwendigerweise,
    dass wir lernen, einer Führung
  191. und traditionellem Wissen zu folgen,
    die einer bestimmten Gegend entsprechen,
  192. ohne es zu banalisieren,
    ohne es als exotisch zu sehen
  193. und ohne es abzuwerten.
  194. Wir müssen uns zu Standards für
    ökologische Gerechtigkeit verpflichten,
  195. sowie für Klima-Gerechtigkeit
    und Menschenrechte,
  196. als Basis, als Grund-Standard,
  197. als Ausgangspunkt dafür
  198. wie unsere neue Gesellschaft
    aussehen soll.
  199. Wir müssen erkennen, dass es eine
    größere Macht als uns selbst gibt

  200. und ein Leben, das länger ist als unseres.
  201. Wir müssen an Dinge glauben,
    die wir privilegiert genug sind,
  202. nicht sehen zu müssen.
  203. Wir müssen die Gesetze
    der Natur anerkennen.
  204. Wir müssen Menschrechte für Alle fördern.
  205. Wir müssen von einer Wegwerfgesellschaft,
  206. die das Individuum zum Mittelpunkt hat,
  207. zu einer gemeinschaftlichen,
    lange währenden Menschlichkeit finden,
  208. oder wir werden aussterben.
  209. Wir müssen verstehen, dass auch die Besten
    von uns in einem ungerechten System leben,
  210. und wir müssen zugeben,
  211. dass die einzige Chance zu überleben,
  212. darin besteht,
  213. eine gemeinsame Befreiung zu erreichen.
  214. Die gute Nachricht ist,

  215. wir sind widerstandsfähige Menschen.
  216. Wir stammen von Menschen ab,
    die überlebt haben,
  217. so dass wir heute hier sein können.
  218. Das ist Grund genug, um zu kämpfen.
  219. Glauben Sie Ihrer
    Freundin aus Süd-Louisiana:
  220. die schwersten Kämpfe sind die,
    die gefeiert werden müssen.
  221. Lassen Sie uns die nächste Phase
    unserer Existenz wunderschön gestalten,
  222. und wenn wir schon dabei sind,
  223. machen wir sie gerecht und fair für alle.
  224. Wir können es schaffen, Leute.

  225. Wir können es,
  226. weil wir es müssen.
  227. Wir müssen, weil wir sonst
    unseren Planeten verlieren,
  228. und uns selbst.
  229. Die Arbeit beginnt jetzt.
  230. Beginnen wir die Arbeit gemeinsam.
  231. Das ist mein Angebot.
  232. Danke, dass Sie es
    angenommen haben. Merci.

  233. (Applaus)