YouTube

Got a YouTube account?

New: enable viewer-created translations and captions on your YouTube channel!

German subtitles

← Paywall: The Business of Scholarship (CC BY 4.0)

Get Embed Code
10 Languages

Showing Revision 11 created 08/13/2019 by liblis.

  1. Willkommen bei "The State of Things".
    Ich heiße Frank Stasio.
  2. Akademische Forschung wird meistens
    durch öffentliche Mittel finanziert,
  3. aber der öffentliche Zugang wird
    oft durch teure Paywalls eingeschränkt.
  4. Währenddessen haben einige Wissenschaftsverlage höhere
  5. Gewinnspannen als private Konzerne wie
    Walmart, Google und Apple.
  6. Doch es ist eine Bewegung im Gange,
    die das Blatt wenden könnte.
  7. Paywall
    Das Geschäft mit der Wissenschaft
  8. Universitäten haben die Aufgabe
    Menschen zu bilden
  9. und es gibt buchstäblich keinen Grund
    den Menschen Wissen vorzuenthalten.
  10. Daraus gewinnt man nichts, außer
    Geld, Macht
  11. und Dinge gegen die wir,
    als Menschen, vorgehen sollten.
  12. Viel Geld?
  13. Sehr viel Geld!
  14. Sehr viel Geld. Es ist ein riesiges
    Geschäft. Ein milliardenschweres
    Geschäft.
  15. Die akademische Verlagsbranche erzielt
    25,2 Milliarden Dollar pro Jahr.
  16. Diese Fachzeitschrift von
    Elsevier, Biomaterials,
  17. kostet im Schnitt 10.702$ für ein jährliches digitales Abonnement.
  18. Ist dieses Geld gut investiert?
    Schwer zu sagen.
  19. 1995 sagte das Forbes-Magazin voraus,
    dass die akademische Forschung
    das erste Opfer des Internets sein würde.
  20. Akademiker sind progressiv und
    sicherlich würden Fachzeitschriften
  21. mit der Einführung des digitalen
    Vertriebs Verluste verzeichnen.
  22. 23 Jahre später könnte diese Aussage
    nicht ferner von der Wirklichkeit sein.
  23. Eines, das wir aus der Geschichte lernen können, ist,
  24. dass Menschen sehr schlecht darin sind, die Zukunft vorherzusagen.
  25. Und das ist etwas, was die Medien gerne tun
  26. und Leute, die Medien nutzen,
    lesen es gern. Es macht Spaß ...
  27. [Fehlersignal]
  28. Entschuldigung.
  29. Sie haben keine Zugriffsberechtigung für diese Dokumentation.
  30. Die Zahlungsmöglichkeiten finden Sie unten.
  31. [biep]
  32. Wissenschaftliche Verlage haben Gewinnspannen von etwa 35-40%.
  33. Und in verschiedenen Jahren, in denen
    ich mir das angesehen habe,
  34. erzielte Walmart etwa 3 Prozent,
  35. und Walmart ist für viele dieser böse Riese
  36. Aber 3% ist nichts im Vergleich zu 35%.
  37. Ich meine, ich hätte meine eigene
    Ansicht jetzt ändern können und sagen
  38. "Walmart ist nicht so schlimm im Vergleich zu
  39. manch anderen Akteuren
    in anderen Branchen."
  40. Die Vermögensverwaltungsbranche
    erzielt etwa 21%, Toyota etwa 12%.
  41. Wie kann es in Ordnung sein, dass diese
    gesamte Branche so hohe Gewinne erzielt,
  42. wenn es eigentlich nichts gibt, wofür sie bezahlen müssen?
  43. (Jason) Welche Unternehmen vergleichen Sie hier,
  44. die eine derartige Gewinnspanne
    von 32-35% haben?
  45. Ich habe ehrlich gesagt noch nie
    von Unternehmen gehört,
  46. die derart hohe Gewinnspannen erzielen.
  47. In den meisten anderen Sparten
  48. ist eine derartige Gewinnspanne ein Zeichen für eine Art Monopol.
  49. Obwohl Menschen außerhalb der Wissenschaft
    vielleicht viele dieser Artikel nicht lesen,
  50. sie nicht nützlich finden,
    bezahlen sie dennoch dafür.
  51. Sie zahlen Steuern an den Staat,
    der dann Universitäten mitfinanziert,
  52. die den Bibliotheken Mittel bereitstellen,
    die Abonnementzahlungen an Verlage zahlen.
  53. Die Zeitschriften und die Verlage
    bekommen Ihr Geld.
  54. Sie oder Ihr Nachbar,
    jeder finanziert das System mit.
  55. Und am meisten profitieren die Verlage.
  56. Jeder verdient eine Gewinnspanne.
  57. Aber wie können Zeitschriften - Zeitschriften! -
  58. mehr Gewinn erzielen als einige der
    größten Hightech-Unternehmen?
  59. Nun, Verlegen ist so gewinnbringend,
    weil die Arbeiter nicht bezahlt werden.
  60. In welcher anderen Branche -
    mir fällt keine ein -
  61. werden diejenigen, die den Großteil der Arbeit leisten,
  62. also in diesem Fall Autoren und Gutachter,
    nicht bezahlt?
  63. Im Verlagswesen sind Gewinnspannen
    in vielerlei Hinsicht unübertroffen,
  64. vor ein paar Jahren habe ich sie
    mit Facebook verglichen und festgestellt,
  65. dass sie, was Profite anbelangt, den
    erfolgreichsten Software-Unternehmen entsprechen.
  66. Und natürlich hat Facebook
    eine praktisch unendliche Skala [????]
  67. und es gab wohl in den letzten 5-10 Jahren
    kein erfolgreicheres Unternehmen.
  68. Veröffentlichen ist also unverschämt profitabel
  69. und deshalb haben es die Verleger nicht eilig,
    etwas daran zu ändern.
  70. Die berechtigte Frage ist,
    warum die Gewinnspannen so hoch sind,
  71. etwa 35 % höher als bei Google;
    was ist da los?
  72. Nun, das liegt einfach an der
    Preissetzungsmacht.
  73. Wenn Sie beispielsweise Elsevier sind,
    haben Sie proprietären Zugang;
  74. Sie verkaufen ein vielfältiges Angebot
    an eine Universität.
  75. Und es ist nicht wie ein Einkauf
    im Supermarkt,
  76. wo Sie, wenn ein Bier zu teuer ist,
    einfach ein anderes nehmen.
  77. Als Universitätsbibliothek kann
    man nicht einfach sagen,
  78. "Hm, Elsevier ist uns zu teuer, wir
    nehmen dieses Jahr einfach Wiley."
  79. Man ist irgendwie auf
    alle angewiesen.
  80. Und damit kann ein Verlag so viel
    verlangen, wie er mag,
  81. die Universitäten werden sich
    selten widersetzen.
  82. Sie tun vielleicht so als würden sie sich sträuben,
    aber tatsächlich brauchen die Wissenschaftler den Zugang
  83. und das ist eine sehr mächtige Position
    für die Unternehmen.
  84. Wir haben ein Problem mit dem Markt.
  85. Der Markt zeigt, was jemand als
    'moral hazard' bezeichnet hat,
  86. was nichts mit Moral zu tun hat,
    es ist ein Begriff aus der Wirtschaft.
  87. 'Moral hazard' entsteht,
    wenn die Käufer einer Ware
  88. nicht die Verbraucher sind.
  89. Was also ist hier die Ware,
    im traditionellen Verlagswesen?
  90. Es ist der Zugang,
    Zugang für die Leserschaft.
  91. Die Verbraucher sind Menschen wie ich,
    die die Artikel lesen wollen,
  92. aber dennoch bin ich nicht der Käufer,
    ich abonniere keine Fachzeitschriften.
  93. Die Harvard Library gibt Unmengen von Geld
    für eine Vielzahl von Zeitschriftenabonnements aus.
  94. Mir sind die Preise dieser Zeitschriften egal,
    weil ich sie nicht bezahlen muss.
  95. Es geht um richtig viel Geld.
  96. Das wissenschaftliche Publikationswesen
    produziert im Zeitschriftenbereich
  97. jährlich einen Umsatz von
    10 Milliarden Dollar.
  98. Das ist kein Kleingeld.
    Das sind erhebliche Summen.
  99. Wenn Sie an eine Gewinnspanne von
    30-40 % denken, die daraus
  100. zurück in die Forschung
    fließen könnte,
  101. zur Unterstützung von weiterer Wissenschaft,
  102. zur Unterstützung von Universitäten
  103. zur Finanzierung neuer Stellen
    in Forschung und Lehre,
  104. um Studieren erschwinglicher zu machen;
  105. dieser finanzielle Aspekt ist ein Symptom
  106. der Fehlausrichtung dieses Geschäftsmodells
  107. in Bezug auf seine Relevanz
    für den Forschungsprozess.
  108. Wir denken in der Regel nicht
    an das Verhältnis
  109. zwischen dem Gewinn
    solcher Unternehmen auf der einen
  110. und den steigenden Studien-
    gebühren auf der anderen Seite,
  111. aber es ist auch Teil der Geschichte.
  112. Wir sprechen hier nicht über
    ein Randproblem.
  113. Wis sprechen nicht über interne Fragen
    der Wissenschaftler.
  114. Wir sprechen über ganz grundsätzliche
    soziale Probleme.
  115. Was ist die Zukunft unserer Gesellschaft?
  116. Zeitschriftenpreise steigen
    weit über das Inflationsniveau
  117. und weit über die Wachstums-
    rate von Bibliotheksetats.
  118. Nicht erst seit Jahren,
    sondern seit Jahrzehnten.
  119. Und es ist eine Katastrophe.
  120. Erst vor zehn Stunden wurde
    das Anthem-College geschlossen.
  121. Das Saint-Joseph-College wird folgen.
  122. Genauso das Dowling-College,
    das hochverschuldet ist.
  123. Durch die plötzliche Schließung
    stehen die Mitarbeiter auf der Straße
  124. und tausende Studenten rangeln um
    Plätze an anderen Einrichtungen.
  125. Akademiker, wie sie im Buche stehen,
    haben noch nicht die
  126. ganzen Kosten der wissenschaftlichen
    Kommunikation hinterfragt.
  127. Im Grunde waren es bisher die Budgets
    der Bibliotheken die das Meiste abbekamen
  128. und oft mussten wir mit dem sprich-
    wörtlichen Hut in der Hand, zur Verwaltung
  129. und um mehr Budget für Abonnements fragen,
  130. vor allem für die Naturwissenschaften,
    Technologie und Medizin.
  131. Jene Gebiete die in kürzester Zeit
    immens teurer wurden,
  132. während die Verlage beliebige
    Gründe dafür vorbringen konnten.
  133. Damit der Profit wächst,
    muss die Verfügbarkeit sinken.
  134. Willkommen in der Welt der "paywalls",
    die Wissenschaft verhindern.
  135. - Bist du schon einmal vor einer "paywall" gestanden?
    - Absolut
  136. Ich bin definitiv "paywalls" begegnet.
  137. Ich stehe regelmäßig vor einer "paywall"
  138. - Jemals schon vor einer "paywall" gestanden?
    - Oh, pff, ja!
  139. Ich war schon vor einer "paywall".
  140. Ziemlich oft eigentlich, stehe ich vor einer "paywall"
  141. Während meiner Zeit als Student,
    stand ich definitiv vor "paywalls".
  142. Ich begegne "paywalls" sehr oft.
  143. - Wie fühlst du dich dabei?
    - Ich bin wirklich wütend
  144. Studenten machen ihren Abschluss
  145. und fangen Jobs in neuen Firmen an
  146. und bemerken auf einmal,
  147. dass sie keinen Zugang zu den
    wissenschaftlichen Erkenntnissen haben
  148. die sie brauchen, weil sie nicht
    mehr Teil der Universität sind.
  149. Sie kamen dann zu mir und ich musste,
    obwohl ich Bibliothekar bin, sagen,
  150. dass Außenstehende keinen Zugang
  151. zu öffentlich finanzierten
    Arbeiten haben.
  152. Und das ist natürlich absolut konträr
    zur Grundidee einer Bibliothek.
  153. Und das hat mir die Augen geöffnet.
  154. Möchtest du uns ein bisschen
    über dich selbst erzählen?
  155. Ich bin Dwight Parker,
  156. Ich mache gerade mein Doktorat
    in Bildungspsychologie.
  157. Ich stellte fest, dass ich
    eine Pause brauchte
  158. und jetzt verkaufe ich Autos.
  159. Während meiner Ausbildung hatte
    ich Zugang zu allem Möglichen
  160. aber sobald du draußen bist
  161. sind diese Ressourcen auf
    einmal nicht verfügbar.
  162. Zumindest waren sie es
    nicht für mich.
  163. In der Bildungspsychologie
    wird ein Großteil
  164. der Forschung von der
    öffentlichen Hand finanziert,
  165. sprich Steuergeld finanziert die
    Forschung, für welche sie
  166. dann wiederum Geld verlangen.
    Es ist absurd.
  167. - Es ist absurd!
    - Absolut.
  168. Die Forschung ist
    öffentliches Gut.
  169. Also zumindest ein Teil der Forschung.
  170. Ich muss die Möglichkeit haben,
    diese Ergebnisse auch abzurufen.
  171. Naja, ich kann mir nicht $79.99
    leisten um das zu tun...
  172. Nicht als Autohändler.
  173. Nicht einmal mit dem coolsten
    Auto das existiert.
  174. Würde ich für Elsevier arbeiten
    könnte ich mir das leisten.
  175. Oder für irgendeinen anderen
    von denen... Es ist so...
  176. Egal... Du weißt.
  177. Geld verdirbt alles.
  178. Du hast das Geld, du hast die
    Regierung und alle anderen sind...
  179. als ob die Forschung verloren ginge.
    Wirklich, verloren.
  180. Meine Frau hatte eine
    Lungenembolie.
  181. Sie wissen nicht wieso.
  182. Und nach wie vor weiß
    niemand was die Ursache war.
  183. Es könnten verschiedene Dinge sein,
    also tat ich was ich ansonsten auch tue,
  184. nämlich ins Internet gehen
    und recherchieren.
  185. Und dann sind die ganzen
    medizinischen Artikel
  186. und Studien über Lungenembolien
    hinter diesen "paywalls" und
  187. ich kann mir einfach nicht leisten
    einen dieser Artikel zu lesen um
  188. dann zu erfahren, dass er nicht relevant
    für unsere Situation ist.
  189. Es könnte sein. Aber vielleicht auch nicht.
  190. Aber es ist nicht genug Information
    da um ein Urteil zu fällen,
  191. aber es könnte ihr Leben retten!
  192. Wir betreiben Forschung,
    um Probleme zu lösen.
  193. Wir versuchen, Krankheiten zu heilen,
  194. wir wollen das Armutsproblem lösen.
  195. Wir versuchen, bestimmte Krankheitsbilder
    ein für allemal auszulöschen.
  196. Und, wenn wir das tun wollen, müssen wir
    sicherstellen, dass jeder Zugang hat.
  197. Nicht nur reiche Länder,
    Nicht nur Menschen mit Doktortitel,
  198. jeder Mensch darf
    wissenschaftliche Forschung lesen,
  199. darüber nachdenken und
    seine Ideen beitragen.
  200. Und wenn große Teile der Bevölkerung
    keinen Zugang zu Forschung haben,
  201. sind unsere Chancen, große Probleme zu lösen,
    signifikant kleiner.
  202. Die Verlage haben über Jahrhunderte
    eine Rolle im wissenschaftlichen Dialog gespielt.
  203. Diesbezüglich sind sie wesentlich.
  204. Gleichzeitig haben wir eine Weltbevölkerung,
    deren große Mehrheit
  205. keinen Zugang zu aktuellen
    Forschungsergebnissen
  206. in Naturwissenschaft, Medizin, Kultur,
    Technik und Umwelt hat.
  207. Und die mit der Herausforderung konfrontiert
    ist, die Welt zu verstehen ohne Zugang
  208. zum besten Wissen über sie zu haben.
    Und das ist in mancherlei Hinsicht tragisch.
  209. Westliche Universitäten haben erhebliche
    Mittel für ihre Bibliotheken,
  210. also sind sie...
  211. sie haben die Möglichkeit, die Zeitschriften
    zu erwerben, ihren Studenten Zugang zu verschaffen.
  212. In Entwicklungsländern sind
    Bibliotheken sehr arm.
  213. Letztendlich macht man dort alles
    allein, ohne irgendeine Unterstützung
  214. von der Universität oder Hochschule.
  215. Und selbst wenn man versucht, auf
    Fakultäten oder Professoren zuzugehen,
  216. bekommt man die immer gleichen Antworten,
    dass "wir es genauso gemacht haben,
  217. und man es auch so schaffen muss."
  218. Es geht also immer so weiter,
    ohne konkrete Ergebnisse.
  219. Meine Forschung war eher in
    sehr grundlegender Physik.
  220. Spezielle Relativitätstheorie.
  221. Und bei vielen dieser Artikel hieß es
  222. "du musst dafür zahlen."
  223. Ich würde das nie für einen Artikel zahlen,
  224. besonders bei der Wirtschaft in Venezuela,
    jetzt ist es leider noch schlimmer.
  225. Aber als ich dort Student war,
    man nimmt einfach
  226. die Kreditkarte
    und kauft etwas im Internet.
  227. Durch den mangelnden Zugang
    hat sich eine Bewegung entwickelt.
  228. Und diese Bewegung heißt Open Access.
  229. In seiner einfachsten Form
    ist Open Access
  230. freier und ungehinderter Zugang zu Information
  231. Ein ganz einfacher Weg,
    Information zu demokratisieren.
  232. Ungleichkeit zu mindern
    und Gleichberechtigung zu fördern.
  233. Viele Wissenschaftler können
    auf Forschung aufbauen,
  234. die bereits verschwunden ist,
    bevor sie Zugang zur gesamten Forschung haben.
  235. Einige der besten Köpfe
    unserer Generation
  236. leben möglicherweise in Zentralafrika
    und haben keinen Zugang zu irgendwelchen Inhalten.
  237. Und ich denke darum geht es bei Open Access.
  238. Nämlich darum, denjenigen Zugang
    zu Wissen zu gewähren,
  239. die ihn möchten und die
    das Wissen voranbringen.
  240. Es ist toll, für Open Access zu brennen.
  241. Ich finde es bedenklich, wenn Open Access
    zur Religion wird
  242. oder wenn es zu einem
    Heiligenschein wird,
  243. der von uns verlangt, alles toll zu finden,
    was darunter steht.
  244. Wenn wir unsere Fähigkeit, oder schlimmer,
    unseren Willen zum kritischen Denken verlieren,
  245. so kritisch und analytisch über das
    Modell Open Access zu denken,
  246. wie wir es über ein Bezahl-Modell tun,
    dann handeln wir nicht mehr
  247. in der Welt von Vernunft und Wissenschaft,
    sondern im Reich von Religion,
  248. Und, ich bin selbst religiös,
    ich habe nichts gegen Religion,
  249. aber es ist wichtig, sie nicht
    mit der Wissenschaft zu verwechseln.
  250. Ich verstehe, besonders wenn man
    auf der anderen Seite steht,
  251. dass es religös erscheint.
    Es ist sicherlich viel Glaube dabei.
  252. Es ist für viele eine glaubensbasierte
    Bewegung.
  253. Aber einige der möchtigsten Stücke der Bewegung
    stammen aus der biomedizinischen Literatur.
  254. Von Eltern, die keinen Zugang haben.
    Von Familienmitgliedern, die keinen Zugang haben.
  255. Und die sind es, die zu diesem religiösen
    Element des Zeugnisses werden,
  256. zumindest im Beiklang.
  257. Und es gibt eine echte Macht im Zeugnis,
    das Teil evangelikaler Bewegungen ist.
  258. Wir können eine nerdige Unterhaltung
    über Innovation führen,
  259. oder ich erzähle eine emotionale Geschichte;
    welche davon geht eher viral?
  260. wenn sie funktionieren,
    sind sie größer als die Meschen.
  261. Darum funktionieren sie: sie werden
    zu einer rollenden Lawine.
  262. Ich tue das wegen der Vorteile
  263. für die Forschungseffizienz.
  264. Ich möchte übergreifend eine
    gesteigerte Forschungseffizienz sehen.
  265. Das ist mein übergeordnetes Ziel.
  266. Wenn Sie sagen würden, der Weg dahin führe
    über "geschlossene Wissenschaft", würde ich diese unterstützen.
  267. Aber diese Forschungseffizienz
    kommt mit Qualitätssteigerungen,
  268. Inklusivitätssteigerungen, Diversitäts-
    steigerungen, Innovationssteigerungen.
  269. Mehr Menschen zu haben, die etwas
    können, ist von Nutzen.
  270. Wir müssen große Probleme lösen.
  271. Ich war sehr involviert, tief involviert
  272. in den frühen Tagen von
    Open Access in den Lebenswissenschaften.
  273. Und unsere Hoffnung war, dass Open Access
    nicht nur bedeutenden Wandel im Zugang bringen würde;
  274. es schien absolut verrückt, dass der
    Großteil der Forschung den meisten
  275. Menschen, die sie brauchen,
    nicht zugänglich ist.
  276. Ich war vor ein paar Jahren an der
    Universität Belgrad zu Besuch
  277. und habe mich vor meiner Vorlesung
    mit Promotionsstudenten getroffen.
  278. Reihum hat jeder erzählt,
  279. war er tat, woran er
  280. für seine Doktorarbeit arbeitete.
  281. Und fast jeder im Raum
    forschte zu
  282. Im Jahr 2016 erhielt Elsevier
    42 Millionen Pfund von britischen Universitäten.
  283. Der zweitgrößte Verlag war Wiley
    mit jetzt 19 Millionen [Pfund].
  284. Elsevier, Wiley, Springer,
    Taylor and Francis und Sage
  285. - Nein, können wir nicht. Können wir nicht.
  286. Man brauch keine Zugangsdaten;
    jeder hat Zugriff
  287. Sie können diesen Preis mit jeder
    einzelnen Institution aushandeln.
  288. Bibliotheken müssen diese Verträge
    nicht unterzeichnen.
  289. Und staatliche Universitäten wie die
    Universität Michigan haben
  290. es zu ihrem Prinzip gemacht, transparenter zu sein
    darüber, was sie für Dinge zahlen.
  291. - Nein, würden wir nicht. Nein.
    - Weil Sie vertraglich zum Schweigen verpflichtet sind?
  292. Mein Name ist Johan Rooryck,
  293. ich bin Professor
    für französische Sprachwissenschaft
  294. an der Universität Leiden.
  295. Und ich bin Herausgeber
    einer Zeitschrift.
  296. Zunächst war ich 16 Jahre lang Herausgeber
    der Zeitschrift Lingua bei Elsevier
  297. Im Jahr 2015 haben wir uns entschieden, Elsevier zu verlassen
    und die Open-Access-Zeitschrift Glossa zu gründen,
  298. im Prinzip einfach die griechische Übersetzung
    des lateinischen Namens, um die Kontinuität zu zeigen.
  299. Diese Art von Wettbewerb ist
    ohne Open Access nicht möglich.
  300. Das ist ein verdammtes Grundsatzproblem.
  301. Die Leute nutzen Webseiten wie Sci-Hub,
    die "Piraten" des wissenschaftlichen Publizierens.
  302. Es ist wie das Napster
    des wissenschaftlichen Publizierens.
  303. Ich weiß, dass sie Rechtsstreite mit Elsevier geführt haben,
    die sie abgeschaltet haben,
  304. sie öffnen einfach auf einer anderen Website.
    Es ist immer noch in Betrieb und beliebter denn je.
  305. Sci-Hub ist illegal.
    Es ist eine absolut kriminelle Handlung;
  306. und warum jeder denkt, es sei in Ordnung,
    geistiges Eigentum von jemand anderem
  307. zu nehmen und es im Prinzip zu stehlen?
  308. Das beunruhigt mich.
  309. "Wisst ihr was? Niemand von uns hat
    auch nur die leiseste Ahnung, was
  310. in den nächsten 15-20 Jahren passieren wird."
  311. Was wir wissen ist, dass wir am
    Rande der Klippe stehen,
  312. die die Musik mit Napster schon hinuntergestürzt ist.
    Das ist es, was Sci-Hub mir zeigt.
  313. Es gäbe keine Nachfrage nach Sci-Hub,
    wenn wir erfolgreich gewesen wären
  314. oder wenn die Verlagsindustrie
    erfolgreich gewesen wäre.
  315. Prioritäten werden sich ändern.
  316. Und ich glaube, dass Elsevier ein Unternehmen
    voller kluger Leute ist, die Erkenntnisgewinn wollen,
  317. jedoch keine bessere Idee haben,
    wie man dabei Geld machen kann.
  318. Und leider ist das Internet selbst die Geschichte,
    Torwächter zu überwinden.
  319. Sie sind der Torwächter, der in manchen
    Fällen zwischen Forschung und Entdeckung steht.
  320. Wenn jemands Forschung hinter einer Paywall steht
    und mich zeitlebens davon abhält,
  321. in diesem Bereich zu forschen,
    wie viele Leben müssen wir abwarten,
  322. bis jemand anderes
    diesen evolutionären Schritt macht?
  323. Manchmal bedeutet Innovation die richtige Person
    am rechten Ort, zur rechten Zeit,
  324. und was eine Paywall macht ist, sicherzustellen,
    dass die richtige Persion sehr viel unwahrscheinlicher
  325. am rechten Ort zur rechten Zeit ist,
    um etwas zu erledigen.