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Mostrare Revisione 2 creata 05/28/2020 da Michel Smits.

  1. Vernunft und Verstand -
  2. ist das nicht dasselbe?
  3. Na ja, nicht immer.
  4. Verstand heißt ja nicht
    immer gleich „verstehen“
  5. und erst recht nicht
    vernünftig verstehen.
  6. Unverständlich??
  7. Immanuel Kant hat es
    jedenfalls so verstanden:
  8. Sachhaltige Erkenntnis
    vollzieht sich allein
  9. im Zusammenspiel von sinnlicher
    Wahrnehmung und dem Verstand.
  10. Ohne die Wahrnehmung würde uns
    kein Gegenstand gegeben,
  11. und ohne den Verstand
    keiner gedacht werden.
  12. Denn Gedanken ohne Inhalt sind leer,
    Anschauungen ohne Begriffe sind blind.
  13. Der Verstand ist also das Vermögen,
    Begriffe logisch wahrnehmen zu können,
  14. ihm gegenüber stehen Gefühle.
  15. Die Vernunft hingegen ist als früheres
    Vermögen noch eine Stufe darüber:
  16. Sie kontrolliert, setzt Schranken
  17. und fasst Verstand, Gefühl
    und Urteilskraft zusammen
  18. und wird somit zum wichtigsten Mittel
    der geistigen Reflexion
  19. und eine Art moralische Instanz.
  20. Verstand ist zum Beispiel sehr nützlich,
    uns vor Dummheit zu bewahren
  21. und unseren Willen im Zaum zu halten.
  22. Er ist eine Art, erste Selektion
  23. und liefert der Vernunft
    das Material geistiger Tätigkeit.
  24. Egal wie stark mein Wille ist,
  25. nach der Kneipentour
    angetütelt Auto zu fahren
  26. sollte mein Verstand nicht zulassen.
  27. Daher nennt man ihn ja auch
    den gesunden Menschenverstand.
  28. Aber eigentlich sollte
    dies selbstverständlich sein.
  29. Da müsste man gar nicht
    lange kombinieren.
  30. Und jetzt sind wir nämlich schon
    bei der Vernunft angelangt.
  31. Sie wird es nämlich gar nicht
    so weit kommen lassen,
  32. so eine unvernünftige Idee
    überhaupt in Betracht zu ziehen.
  33. Ganz nach dem Ausspruch
    des polnischen Schriftstellers Brudzinski:
  34. “Der Verstand sieht jeden Unsinn,
  35. die Vernunft rät,
    manches davon zu übersehen.“
  36. Verstanden?
  37. Wir sollten unser Handeln in Maßen zügeln
  38. damit wir unseren Verstand
    und die Vernunft nicht überfordern.
  39. Wie schön wäre es, wenn das in der Praxis
    häufiger zur Anwendung gelangte.
  40. Aber wie schon Oskar Wilde wusste,
  41. „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen,
    das immer dann die Ruhe verliert,
  42. wenn von ihm verlangt wird, dass es
    nach Vernunftgesetzen handeln soll.“