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← Philosophisches Kopfkino - Hermeneutik

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Mostrare Revisione 2 creata 05/29/2020 da Michel Smits.

  1. Wie schwer ist es doch, zu verstehen...
  2. Die Gesetze der Welt,
    was ein Elfmeter ist, -
  3. warum das Konto schon wieder überzogen
    und die Banane krumm ist.
  4. "Du verstehst mich einfach nicht!" -
  5. das hat mancher schon mal
    von seinem Partner gehört
  6. und damit ist nicht die schlechte
    Handyverbindung gemeint.
  7. Verstehen ist eine Kunst!
  8. Und eine Wissenschaft für sich.
  9. Damit sich das auch so anhört,
    dachten sich die Gelehrten
  10. einen schicken Namen aus:
  11. Hermeneutik.
  12. Der Name leitet sich von einem ganz
    besonders flinken Griechen ab:
  13. Hermes.
  14. Im Gegensatz zu heute hat
    der aber keine Pakete ausgeliefert,
  15. sondern göttliche Nachrichten überbracht.
  16. Und weil die Götter immer nur
    unverständliche Fachchinesisch
  17. – oder besser Fachgriechisch
    – von sich gaben,
  18. war es nicht nur Hermes Aufgabe,
    diese Botschaften zu überbringen,
  19. sondern sie auch zu deuten.
  20. In der Philosophie bedeutet
    die Hermeneutik
  21. das Verstehen von Sinnzusammenhängen
    in menschlichen Lebensäußerungen aller Art.
  22. Sie hilft, die Fehler
    der Kommunikation aufzuzeigen
  23. und wenn möglich zu umschiffen.
  24. Denn wir meinen ja nicht immer,
    was wir sagen!
  25. Beim Kommunizieren
    verwendet der Mensch Symbole.
  26. Nur wenn wir die Symbole kennen
    oder sie uns an etwas anderes erinnern,
  27. können wir daraus Rückschlüsse
    auf die Funktion ziehen.
  28. Den Grundstein für die Entwicklung
    der Hermeneutik
  29. legte der Theologe Friedrich
    Schleiermacher im 19. Jahrhundert
  30. in dem er den einzelnen Gedanken
    nicht mehr aus sich heraus
  31. sondern aus dem Gesamtzusammenhang deutet.
  32. Ihm zufolge, gibt es in jedem Text
    oder Satz zwei Ebenen:
  33. die grammatische und psychologische.
  34. Erst, wenn es dem Interpreten
    gelingt beide zu verstehen,
  35. sich also auch in den Gemütszustand
    des Autors hinein zu versetzen,
  36. kann er richtig deuten.
  37. Diese psychologische Ebene wurde
    Anfang des 20. Jahrhunderts
  38. von dem Deutschen
    Wilhelm Dilthey noch verfeinert.
  39. Für besonders wichtig hielt er
    die Situationen und Einflüsse,
  40. die unseren Verfasser geprägt haben.
  41. Denn es ist ein Unterschied
    ob ein Tourist,
  42. der auf der Suche nach
    der nächsten Frittenbude ist, sagt:
  43. "Ich bin am verhungern"
  44. oder ein afrikanisches Kind
    aus der Sahelzone!
  45. Allerdings kann das dazu führen
    dass wir plötzlich glauben,
  46. den Autor besser verstehen
    zu können, als er sich selbst...
  47. Und das führt bei Gadamer
  48. - Nein, das ist kein holländischer
    Stinkekäse sondern sondern Hans-Georg -
  49. dazu, dass er die Lehre quasi umdrehte.
  50. Hermeneutik ist für Gadamer
    mehr Geschehen als Verstehen.
  51. Sie ist die besondere Art und Weise,
    in der Überlieferungen,
  52. Traditionen und Werte erhalten
    und weiterentwickelt werden.
  53. Durch das Lesen und Auslegen
    von überlieferten Texten,
  54. vor allem auch durch
    ihre Neuinterpretation,
  55. können wir wertvolle Erkenntnisse
    für die Gegenwart gewinnen.
  56. Damit hört der Prozess
    des Verstehens nie auf.
  57. Wir schon! Und zwar jetzt.