German sottotitoli

← Voices on the rise: Wiederbeleben indigener Sprache in Alberta - Folge 1

Ottieni il codice di inserimento
11 Lingue

Mostrare Revisione 105 creata 08/14/2020 da Anna Foltanska.

  1. ♪ New Age Musik ♪
  2. [Eli] Mich fasziniert
    der zentrale Einfluss von Sprache
  3. auf unsere Weltsicht
    als indigene Völker.
  4. Ich bin ein Néhiyaw Künstler und Kurator.
  5. Ich lebe auf dem Gebiet der Lekwungen
    in British Colombia.
  6. Im Mittelpunkt meiner Forschungen
    steht das Wiederbeleben von Sprache
  7. und wie sie uns mit unserer Kultur
    und unserem Land verbindet.
  8. In den letzte Jahren
  9. habe ich mich aufgemacht,
    die Cree-Sprache zu erlernen.
  10. Das war eine große Herausforderung
    und eine bereichernde Erfahrung.
  11. Ich möchte nun nach Alberta reisen,
    ins Land meiner Vorfahren,
  12. um herauszufinden,
    wie verschiedene Gemeinden
  13. ihre Sprachen wiederbeleben.
  14. Folge 1:
    Heimkehr
  15. Meine Mutter und ich wussten
    nichts über unsere Cree-Familie,
  16. weil sie nach der Geburt
    adoptiert wurde.
  17. Im Rahmen des Sixties Scoop.
  18. Vor 12 Jahren
    trafen wir unsere Cree-Familie.
  19. Seitdem habe ich Kontakt zu
    der Gemeinde in Wabasca, Alberta.
  20. Dort wurde meine Kôhkom,
    meine Großmutter Florence, geboren.
  21. Vor Kurzem traf ich Nora Yellowknee
    aus der Verwaltung der örtlichen Schule
  22. Oski Pasikoniwew Kamik.
  23. Als uns klar wurde,
    dass wir Cousins zweiten Grades sind,
  24. half sie mir dabei, mehr über
    meinen Stammbaum zu erfahren.
  25. [Nora] Hier ist deine Großmutter.
  26. Florence.
  27. Ihre Mutter war Isabelle.
  28. Und ich ... bin hier.
  29. Hier deine Großmutter.
    Und deine Mutter?
  30. Fancine.
  31. [Nora] Sie sind Cousins
    ersten oder zweiten Grades.
  32. Okay.
    - Und du ...
  33. bist hier unten.
  34. [Eli] Hier unten?
  35. Nun, ich weiß jetzt viel mehr ...
  36. Viel mehr als vorher.
  37. Bevor ich herkam und wir uns trafen.
  38. [Nora] Ja, das hier ist Isabelle.
  39. Nôhkom Isabelle.
  40. Ja ...
  41. Es bedeutet mir sehr viel,
    dies zu sehen ...
  42. Denn je mehr ich sehe,
    je mehr ich darüber erfahre,
  43. je mehr ich darüber spreche ...
  44. All das macht es fassbarer.
  45. Ich verstehe nun vieles besser
    und habe viel Neues erfahren.
  46. [Nora] Ich wünsche mir,
    dass die Sprache hier,
  47. angefangen in der Schule,
    von unseren Leuten gesprochen wird.
  48. Im Alltag. Jeden Tag.
  49. Denn dem ist nicht so.
  50. Viele Mitarbeiter beherrschen Cree,
    aber es wird hier nicht gesprochen.
  51. Die Leute heutzutage, junge Familien,
  52. junge Mütter,
    sprechen Cree mit ihren Kindern.
  53. Und die anderen werden ihnen folgen.
  54. [Eli] Ein Foto
    meiner Kôhkom Florence
  55. als junge Frau zu sehen,
    gab mir das Gefühl von
  56. Versöhnung und Verbundenheit.
  57. Etwas, das mir mein Leben lang
    gefehlt hat.
  58. Mehr über die Geschichte
    meiner Familie zu erfahren
  59. erlaubte es mir, mich tieferer
    mit meinen Ahnen zu verbinden.
  60. Es gibt noch viel zu entdecken,
    aber wie das Erlernen der Sprache,
  61. braucht es seine Zeit.
  62. Das kulturelle Bildungszentrum
    Kapaskwatinak ist ein Ort
  63. für die Kinder von Wabasca,
  64. an dem sie mit ihrem Land
    und ihrer Kultur in Verbindung treten.
  65. Wissenshüterin Lorraine Cardinal
    lehrt die Kinder Wissen,
  66. das aus dem Land hervorgeht.
  67. Es umfasst auch Initiationsrituale.
  68. Ich freue mich darauf,
    mehr darüber zu erfahren,
  69. da ich bisher
    keine Gelegenheit dazu hatte.
  70. Denn ich wuchs ohne Kontakt
    zur Familie und zur Gemeinde auf.
  71. Ich tue diese Dinge ...
  72. das Initiationsritual zum Beispiel,
  73. weil ich als Teil einer Naheo Schule,
    die Verantwortung dafür trage,
  74. die Kinder zu beschützen,
    Kinder des Schöpfers.
  75. Und um die Kinder des Schöpfers
    zu beschützen,
  76. müssen wir sie diese Rituale lehren.
  77. Wir müssen sie diese Werte lehren.
  78. Sie müssen sie kennen,
    damit sie in Zukunft
  79. nicht verletzt werden.
  80. Und diese Scham
    gegenüber unserer Sprache,
  81. dem wer wir sind
    und unserer ritueller Traditionen.
  82. Der Verlust all dessen
    hat große Zerstörung angerichtet
  83. in unseren Gemeinden.
  84. Doch unsere Kinder
    wissen wer sie sind,
  85. wenn sie aufwachsen.
  86. Sie haben das Glück,
    zu wissen wer sie sind.
  87. Ich habe die Pflicht,
    dieses Wissen an sie weiterzugeben.
  88. Auch an andere Kinder.
  89. Denn so können sie
    damit experimentieren
  90. und es erforschen.
  91. Und ... wir wollen verhindern,
  92. dass sie einander
    oder sich selbst verletzen, nicht?
  93. [Trommelmusik und Gesang]
  94. [Kinder sprechen unverständlich]
  95. [Lorraine] Sie nennen es
    Oskeskwew und Oskinîkiskwew,
  96. der Eintritt ins Leben als
    junger Mann und junge Frau.
  97. [Lorraine] Ich möchte
    dich ehren und dir dafür danken,
  98. dass du in diese Welt gekommen bist.
  99. Du bist ein Segen für uns.
  100. Wir sind sehr geehrt,
    dass du ein Teil von uns bist,
  101. in der Naheo Schule.
  102. Gehe immer erhobenen Hauptes
    durch die Welt,
  103. schäme dich nicht
  104. und akzeptiere dich wie du bist.
  105. Halte die Gaben,
    die du mitbringst, in Ehren.
  106. Sei willkommen im Leben als Frau.
  107. Willkommen.
  108. Es ist eine Ehre und ein Segen,
    dich hier zu empfangen
  109. als junge Naheo Iskwêw.
  110. Als junge Naheo Frau.
    Willkommen.
  111. [Kinder sprechen unverständlich]
  112. [Lorraine]
    Irgendwie hat sich ...
  113. Angst in uns festgesetzt.
    In uns indigenen Völkern.
  114. Scham hat sich
    in uns indigenen Völkern festgesetzt.
  115. Was unsere Kinder hier heute erleben,
  116. lehrt sie, wie gesegnet sie sind,
  117. wie wichtig sie sind,
  118. wie schön sie sind.
  119. Und nicht nur ... äußerlich schön.
  120. Sie sind auch
    auf spirituelle Weise schön.
  121. Wir müssen nur an sie glauben,
  122. sie lieben und ihnen sagen,
  123. dass sie wichtig sind.
  124. Das gibt ihnen ein gutes Gefühl.
  125. Ich bin stolz auf sie.
    Ihr Geist ist lebendig und wohlauf.
  126. [Eli] Was meinst du?
    Was ist wegweisend,
  127. damit die jungen Menschen
    in der Gemeinde
  128. nicht nur die Sprache verstehen,
  129. und deren Beziehung zu ihrem Geist,
  130. ihre Beziehung zum Land,
  131. zu einander und zu sich selbst,
  132. sondern die Sprache auch sprechen?
  133. Wie denkst du
    über die Zukunft der Sprache
  134. in den kommenden Generationen?
  135. [Lorraine] Wir müssen an uns glauben,
    um das zu ermöglichen.
  136. Und wir müssen uns ...
  137. ein Ziel setzen.
  138. Und wenn es das Wiederbeleben
    der Sprache ist, lasst es uns tun.
  139. Wie haben wir Cree gelernt?
  140. Wir haben es gelernt,
  141. indem wir mit älteren Menschen
    zusammen saßen,
  142. einander besucht haben.
  143. Und unsere Eltern
    mit uns gesprochen haben, nicht wahr?
  144. Und ... das können wir wiederhaben.
    Wir müssen es einfach ...
  145. nur tun.
  146. [Unverständliche Gespräche]
  147. [Mystische Musik]
  148. [Eli] John Bigstone
    ist ein Wabascaw Ältester,
  149. der über großes spirituelles
    und rituelles Wissen verfügt.
  150. Er lud mich auf das Land ein,
  151. wo er Rituale
    in Schwitzhütten abhält,
  152. um sein Wissen über den Geist
    in unserer Sprache zu teilen.
  153. [Mystische Musik]
  154. [Atmet tief ein]
  155. Es befreit die Sinne,
    wenn man die ...
  156. Erde einatmet.
  157. Die englische Sprache
    ist unzureichend,
  158. um den Geist zu beschreiben.
  159. Alles spirituelle.
    Sie ist unzureichend.
  160. Sie benannten die Dinge im Einklang
    mit ihrer Verbindung zu den Pflanzen.
  161. Denn sie sprachen mit den Pflanzen.
    Sie hatten einen Verbindung zu ihnen.
  162. Sie hatten eine Verbindung
    zu allem Leben.
  163. Sie haben ihre Umwelt verstanden.
  164. Sie haben verstanden,
    dass Leben in allem ist
  165. und dass der Geist eine Verbindung
    zum Geist von Mutter Erde hat.
  166. Und allem,
    was auf ihrem Körper wächst.
  167. Vor dem Kontakt wurde alles
    auf spirituelle Weise beschrieben.
  168. Mîtos
  169. hat spirituelle Bedeutung.
  170. Sihta hat spirituelle Bedeutung.
  171. Das sind die Pappel und die Fichte.
  172. [Eli] Wir,
    die zur Sprache zurückkehren,
  173. Familien die diesen Bruch hatten ...
  174. Wegen der Residential School
    oder des Sixties Scoop ...
  175. Ich würde gerne wissen,
    wie du über uns denkst,
  176. über das Blut,
    das in unseren Adern fließt,
  177. und darüber, dass unsere Ahnen
    diese Sprache sprachen.
  178. Meinst du es steckt in uns
    und wartet nur darauf hervorzutreten?
  179. Die Erinnerung unserer Knochen
    und unseres Blutes an die Sprache?
  180. Klar, es ist ein eurer DNA.
  181. Das ist vorprogrammiert,
    in deinem Inneren.
  182. Es muss nur aktiviert werden.
  183. Deshalb bist du hier.
  184. Deswegen und wegen
    deiner spirituellen Wegweiser ...
  185. Denk daran, dass all dem
    ein spiritueller Aspekt hinzukommt.
  186. Du bist nie allein,
    du gehts nie allein.
  187. Deine Ahnen,
    deine Cree-Ahnen gehen mit dir.
  188. Sie sind dir zugeschrieben,
  189. um dich dort hinzuführen,
    wo du sein sollst.
  190. Darin liegt die Schönheit
    dieser Vorstellung vom Geist.
  191. Es passiert im Geist.
  192. Wir sind das Resultat
    eines handelnden Geistes.
  193. Wir werden zu Materie.
  194. Das ist eine tiefere Lehre.
  195. Aber Fakt ist, dass jeder von uns
    von spirituellen Führern umgeben ist.
  196. [Eli] Ich fühlte ziemlich verloren,
  197. bevor ich den Weg
    zu einer Heilhütte gefunden habe.
  198. Und ...
  199. Es ist interessant
    darüber nachzudenken,
  200. wie europäische
    oder akademische Ansätze
  201. die Welt erklären.
  202. Und ich erkläre es den Leuten so:
  203. „Ich weiß nicht, wie es funktioniert.
  204. Ich weiß nur,
    dass es für mich Sinn macht.“
  205. Ich muss darüber
    nicht hier oben nachdenken.
  206. Es kommt einfach von hier unten.
  207. Ich denke,
  208. es hat meinen Geist
    mit meinem Herzen verbunden,
  209. wie ich es zuvor nicht erlebt habe.
  210. [John] Wenn ich in Gemeinschaft
    ein Gebet spreche,
  211. spreche ich es in Cree.
  212. Es wäre beleidigend für meine Ahnen,
    auf Englisch zu beten.
  213. Denn das ist es,
    was mich als Kind unterdrückt hat.
  214. Das kann ich nicht machen.
  215. Ich muss auf Cree sprechen und beten.
  216. Genau das tue ich.
    Und ich erkläre dir warum.
  217. Denn ich bete nicht zu den Leuten,
    nur zu den Geistern die mich leiten.
  218. Die Leute müssen es nicht verstehen.
  219. Doch wenn die Geister es hören,
    dann werden sie kommen.
  220. Und sie verstehen meine Sprache,
    die Sprache der Cree.
  221. Sobald ich mich zu erkennen gebe,
    sagen sie:
  222. „Oh, unser Enkel betet.
    Unterstützen wir ihn.“
  223. Das ist das Schöne an unserer Sprache.
  224. Was mit unserer Sprach passiert ist,
  225. geht zurück auf die Zeit
    der Resident Schools.
  226. Als sie eingeführt wurden ...
  227. Nicht nur bei den Cree,
    auch bei anderen Völkern im Süden.
  228. Als sie uns unsere Kinder wegnahmen.
  229. Sie entrissen die Kinder ihrem Land,
  230. ihrer Sprache, ihrer Ahnen,
  231. ihrer Großväter, ihrer Großmütter,
  232. ihrer Lehrer, ihrer Eltern,
    ihrer Tanten und Onkel.
  233. Das war der Zeitpunkt der Trennung.
  234. Sie haben die Verbindung unterbrochen.
  235. Als sie uns fortbrachten,
  236. haben sie die Verbindung
    zu all diesen Dingen getrennt.
  237. Uns wurde
    eine fremde Art zu denken auferlegt.
  238. Ich wurde als Kind programmiert.
  239. Nun muss ich das rückgängig machen.
    Man nennt das auch „Dekolonisation“,
  240. denn sie haben uns diese
    kolonisierte Mentalität auferlegt.
  241. Und die passt einfach nicht
    in unser Paradigma
  242. und dazu, wie wir unseren Platz
    in der Schöpfung betrachten.
  243. Irgendwann muss jemand aufwachen.
  244. Eines Tage musst du sagen:
    „Hey, hier stimmt was nicht!“
  245. Dieser Moment ist gekommen.
    Darum sind wir hier.
  246. Um die Leute aufzuwecken.
  247. Um selbst aufzuwachen.
  248. Um anderen
    ein wegweisendes Licht zu sein.
  249. Es gibt einen anderen Weg.
  250. Verbindung, darum geht es.
  251. Das ist es, was unterbrochen wurde
    zu Zeiten der Resident Schools.
  252. Wir haben die Verbindung
    zu unseren Geistern verloren.
  253. Dadurch trat der Schöpfer
    in die Ferne, statt hier drin zu sein.
  254. Wir versuchen dieses Loch zu flicken.
  255. Genaus das tust du.
  256. Das Loch, das geflickt wird ...
  257. Du bist der Nadelstich und bringst
    diese zwei Weltanschauungen ...
  258. Aber dorthin, wo sie anfangen
    unsere Bräuche zu respektieren.
  259. Die Bräuche der Cree.
  260. Wenn du Liebe in dir trägst,
    wenn du Liebe fühlst
  261. und jemand sagt dir etwas,
    das deine Geister hören möchten,
  262. so wie: „Willkommen zu Hause!”
  263. Wo fühlst du es?
  264. Genau hier. Du hast eine Verbindung.
  265. Du wirst immer diese Gefühl
    von Zugehörigkeit haben,
  266. weil du nach Hause kommst.
  267. Bist du einmal zu Hause,
    weiß du wohin du kommen kannst,
  268. wenn du wieder umherwanderst ...
  269. Du hast eine Verbindung
    zu diesem Ort.
  270. Du hast hier bereits
    Verbindungen aufgebaut.
  271. Du bist nicht länger
    von hier getrennt.
  272. [Eli] Nach dem Gespräch mit John
    fühlte ich eine Zugehörigkeit,
  273. wie ich sie bisher
    noch nie gefühlt habe.
  274. Durch diese
    unglaublich intensive Erfahrung
  275. fühle ich eine stärkere Verbindung
    zu meinem Geist.
  276. [Eli] Erzähl mir nochmal
    von deiner Familiengeschichte.
  277. In Wabasca.
  278. [Dusty] Meiner Mutter wuchs dort auf.
    Mein Vater wuchs in Grouard auf.
  279. Ein paar Stunden davon entfernt.
  280. Sie wollte mich nicht
    im Reservat großziehen.
  281. Also sind sie weggezogen,
    als sie von mir erfuhren.
  282. Erst als junger Erwachsener,
    als wir nach Edmonton zogen,
  283. entstand eine richtige Verbindung
  284. und ich begann
    regelmäßig nach Hause zu gehen.
  285. Davor kam ich nur hin und wieder
    in den Ferien zu Besuch.
  286. [Eli] Dusty Legrand ist der Gründer
    des Modelabels Mobilize Waskawēwin.
  287. In seinen Designs benutzt er Silben
    des alten Schriftsystem der Cree
  288. und macht so die Sprache
    für neue Generationen sichtbar.
  289. [Dusty] Ja, also auf dem sind ...
    [Eli] Oh, ja!
  290. [Dusty] ... verschieden Sprachen
    der Völker aus dem Norden.
  291. Es erzählt die Geschichte
    einer großen Gruppe von Menschen.
  292. Es war wirklich etwas besonderes,
    Feedback von den Leuten zu hören,
  293. die noch nie ihr Volk
    auf einem T-Shirt gesehen haben.
  294. Für einige war es das erste mal.
    Und sie sagten:
  295. „Ich kaufe es, weil ich mein Volk
    noch nie auf einem Shirt gesehen habe.“
  296. Und auf dem Ärmel steht „Revolution“,
    damit alle Bescheid wissen.
  297. [Lacht]
  298. Ich wollte schon immer
    ein Modelabel gründen,
  299. um etwas zu schaffen,
    das die indigene Jugend bestärkt
  300. und ihnen die Geschichte
    indigener Völker nahebringt.
  301. Deren Zukunft, deren Werte
    und was es heißt, indigen zu sein.
  302. Durch Mobilize gab es einen Weg,
    den Stimmlosen eine Stimme zu geben.
  303. Der Jugend eine Stimme zu geben.
  304. Auf eine andere Art und Weise,
    die ich bisher kannte.
  305. Das war mir sehr wichtig.
  306. Es ganz anders zu machen.
  307. Die unkonventionellen Leute
  308. und die alternativen Leute
    zu repräsentieren.
  309. Alle die ausgegrenzt werden,
    vor allem als Indigene.
  310. So wie man es mit uns gemacht hat.
  311. Also gut.
  312. Das war der erste Entwurf dieses T-Shirts.
  313. Viele Elemente kommen mir
  314. in ganz bestimmten Situationen
    in den Sinn.
  315. Wenn ich Auto fahre
    oder etwas bestimmtes höre.
  316. Und wenn ich es nicht exakt notiere,
    bleibt die Idee nicht hängen.
  317. Ich möchte ganz Kanada erreichen.
  318. Ich möchte so viele Menschen
    wie nur möglich erreichen.
  319. Dafür musste ich einiges lernen.
    Ich musste viel recherchieren,
  320. um zu sehen wie weit ich
    in den Osten gehen kann.
  321. Und um zu sehen,
    welche Völker es dort gibt.
  322. Das ist das Besondere an der Sprache.
  323. Die Geschichten, der Sinn,
  324. alles wohnt der Sprache inne.
  325. Als wäre es ein Ort,
    an dem es verwahrt wird.
  326. Und dort bleibt es.
  327. Obwohl wir durch Assimilation
    vieles verloren haben.
  328. Unsere Verbindung zur Gemeinde,
    unsere Zeremonien, unsere Rituale.
  329. Die Sprache hat all das erhalten.
  330. [Eli] Wie bist du
    zu dem Cree-Wort gekommen?
  331. [Dusty] Nun ja, das Wort in Cree
    ist hier auf der Rückseite.
  332. Okay.
  333. Für mich ist Mobilize
  334. der englische Begriff
  335. und Waskawēwin,
    was auf Cree “Bewegung“ bedeutet,
  336. stellt das Cree-Element dar.
  337. Es gab für Mobilize
    keine Übersetzung ins Cree.
  338. Aber ich wollte Mobilize
    auch nicht einfach übersetzen.
  339. Ich wollte Bewegung
    als Cree-Wort benutzen.
  340. Und was mir an dem Wort Waskawēwin
    besonders gefallen hat,
  341. waren die dreieckigen Symbole,
    die es enthält.
  342. Für mich stellen sie zwei Tipis dar
  343. und die wiederum
    symbolisieren die Völker.
  344. An Reubens Kurs teilzunehmen,
    war eine besondere Weise,
  345. die Grundlagen zu erlernen.
    Die Geschichte der Sternkarte
  346. und die Geschichte der Silbenschrift.
  347. Es war, als lerne man
    indigene Geschichte
  348. durch die Spirit Marker.
    Das war wirklich außergewöhnlich.
  349. Er nimmt dich einfach mit zurück
    und erzählt dir Geschichten.
  350. Er nimmt dich mit auf eine Reise
    durch die Geschichte
  351. von der Bedeutung der Zahlen,
    von den Richtungen des Großvaters,
  352. von den Richtungen der Großmutter.
  353. ÎNÎW - INDIGENER KUNSTPARK
  354. [Reuben] Ja, înîw.
  355. [Eli] Was bedeutet înîw?
  356. [Reuben] Es ist ein zerfallenes Wort.
  357. Îyîniw sagt man eigentlich richtig.
  358. Îyîniw.
  359. Nach meinem Verständnis
  360. spricht es ein wenig
    von Kolonisierung
  361. und vom Besetzen der Länder.
  362. Die Länder der ursprünglichen Völker.
  363. So wie ich das sehe,
    muss man sich zuerst
  364. der Gottheiten der Völker
    und deren Namen entledigen,
  365. um sie mit den eignen zu ersetzen,
    wenn man Völker kolonisiert.
  366. Wir Néhiyaw nannten uns auch Ayi.
  367. Unser Paradigma
    steht ganz anders zu Dogmen.
  368. Du bist Ayis, ich bin Ayis.
  369. Also ein Diminutiv von Ayi.
  370. Daher Ayis-înîw-ak.
  371. Aber das ist
    eine zerfallene Version von iyiniw.
  372. Înîw.
  373. Wow, in 3D!
  374. Iskotew.
  375. Iskotew.
  376. Fantastisch.
  377. Nun, wir haben
    eine Beziehung zur Erde.
  378. Und zwar sehen wir sie
    als unsere Mutter an.
  379. Sie bringt verschiedene
    Wesen hervor.
  380. Die Pflanzenwesen, die Andersartigen.
  381. Das ist Sâkipakaw, es kommt
    aus den Bäumen, aus dem Gras.
  382. Und sie zeigt uns was Liebe ist.
  383. Auf praktische Weise.
  384. Sie gibt uns all das hier.
  385. Wir werden davon ernährt.
  386. Dort irgendwo ist Löwenzahn
    und andere Gräser.
  387. Die vierbeinigen Wesen
    werden davon essen.
  388. Und wir wiederum ernähren uns
    von den vierbeinigen Wesen.
  389. Sie gibt uns all das,
    zeigt uns diese Liebe.
  390. Und sâkih ist die Vorsilbe
    von diesem Wort.
  391. Wenn ich dir sagen möchte
    „ich liebe dich“, würde ich sagen:
  392. Ki-sâ-kih-itin.
  393. Kisâkihitin.
  394. Manche Leute sagen Kisâkihitin.
  395. Ich sage Kisâkihitin.
  396. So hat man es mir beigebracht,
    Kisâkihitin.
  397. „Ich liebe dich“ oder
    „du wirst von mir geliebt“.
  398. Es ist ein schönes Wort,
    um es geliebten Menschen zu sagen.
  399. Es ist eines der wenigen Wörter,
    das ich meiner Partnerin sagen kann.
  400. [Lachen]
  401. Kisâkihitin, ja ...
    Und schau mal wie es dort blüht.
  402. Es fängt an zu blühen dort.
  403. Es wird wachsen
    und dann seinen Zyklus durchlaufen.
  404. Genau wie wir mit anderen
    in Beziehung treten.
  405. [Eli] Also, ich weiß auch nicht ...
  406. Dieser Ort fasziniert mich,
  407. seit ich letztes Jahr
    im Sommer hier war.
  408. Ein besonderer Ort.
  409. Nicht nur Amys Werk ...
    All die Kunstwerke
  410. und ihre Lage entlang des Flusses.
  411. [Beide schweigen]
  412. [Eli] Wann hast du begonnen,
  413. das Spirit Marker System und
    die Silbenschrift und zu studieren?
  414. Als ich aus der
    Residential School entlassen wurde.
  415. Etwa 1970 oder 1971.
    Ich bin mir nicht mehr sicher.
  416. Ich war noch jung.
  417. Rosana Hola und Caroline Hunter,
    beide sind schon verstorben,
  418. kamen und unterrichteten uns darin,
    mich und meine Mitschüler.
  419. Da lernte ich das System kennen,
    von dem ich nun einiges weiß.
  420. Es wurde mir so einfach gemacht,
    es zu erlernen,
  421. dass ich es so weitergebe,
    wie es mir beigebracht wurde.
  422. Und ich versichere den Leuten,
    dass sie das Schriftsystem
  423. beherrschen werden.
  424. Denen die kommen um es zu lernen,
    sage ich immer folgendes:
  425. Also ... das hier ...
  426. „Nimm dein Blatt und gehe zur Mitte“,
    sage ich ihnen.
  427. „Da fangen wir an.“
  428. Eigentlich sind wir daran gewöhnt,
    von oben nach unten
  429. und von links nach rechts
    zu schreiben.
  430. Aber in diesem Fall
    fangen wir in der Mitte an.
  431. Und wir beginnen von innen.
  432. Also gehen wir von der Mitte aus
    ein Stück nach links
  433. und schreiben das erste Zeichen.
  434. Und zwar dieses hier.
  435. Es handelt sich
    um eine phonetische Sprache.
  436. Das hier ist â.
  437. Es ist der gleiche Laut,
    der erste Laut,
  438. den die Menschen ...
  439. beim Gebet
    oder einer Anbetung aussprechen.
  440. Sie sagen dann so etwas wie:
    Â-Kisemanito.
  441. Sie beschreiben damit das Höhere Wesen.
  442. Und der Name des Höhere Wesen
    wohnt diesem â ebenfalls inne.
  443. Â ... Manche werde sagen:
    Â-Mâmaw-ôhtâwîmâw.“
  444. Was es wiederum beschreibt.
  445. Sie untergeben sich
    diesem Höheren Wesen,
  446. indem sie es
    den „Vater von allem“ nennen.
  447. Â Mâmaw-ôhtâwîmâw.
  448. Ich sage also ah-hay
    und erkenne damit an,
  449. dass es dich, mich
    und das Höhere Wesen gibt.
  450. [Eli] Ay-hay.
    [Reuben] Ay-hay.
  451. Viele Leute sagen „hi hi“.
    - So habe ich es gelernt.

  452. So hast du es
    sicher oft gehört.
  453. Also das hier wäre â,
    das hier ist wa.
  454. Hier wäre das pa und ta.
  455. Dann geht es so: wa, pa, ta, la.
  456. Und es gibt vier davon
    und sie gehen in Richtung Osten.
  457. Mi, ni, yi, si, ki, ji, ri.
  458. Von denen gibt es sieben.
    Wie die sieben Kontinentalplatten.
  459. Und geht man in den Süden,
    gibt es den selben Vokallaut.
  460. Richtung Südwesten, gibt es
    eine Anomalie, wie ich sie nenne.
  461. Es ist ein e Vokallaut.
  462. Me, ne, ye, se, ke, je, re.
  463. Und dann der Vokallaut o.
  464. Und ein Dank an Dr. James Makokis,
    der mich korrigiert hat.
  465. Ich sagte früher „ouh“,
  466. aus dem Englischen entlehnt.
  467. Und er sagte mir:
    „ist es nicht eher ein ‚uoh‘?“
  468. Und ich antwortete:
    „Oh ja, das stimmt!“
  469. O, wo, po, to, lo.
  470. Und dann gibt es noch
    die kleineren ...
  471. Diese sind viel kleiner
    als die großen Spirit Markers,
  472. die kleine Spirit Markers hier.
  473. Jetzt sind wir fertig.
  474. Das hier ...
  475. wurde von Dr. Marilyn Shirt,
  476. als "Sternkarte" bezeichnet.
  477. Das ist das Wort,
    worüber wir gesprochen haben:
  478. Ki-sâ-kih-itin.
  479. Das heißt
  480. „du wirst von mir geliebt“
    oder „ich liebe dich“.
  481. Kisâkihitin.
  482. Genau, „Ki“ - Kisâkihitin.
  483. Das ist es, das Schriftsystem.
  484. Ich hoffe es trägt dazu bei,
    die jungen Leute mit Stolz erfüllen.
  485. Denn, nun ja ...
  486. Denn dieses Land ist rassistisch,
    entstanden aus Rassismus.
  487. Und natürlich
    spaltet Rassismus die Menschen.
  488. Und das hier verbindet uns.
  489. Jeder kann daran teilhaben,
    unabhängig von ... seiner Abstammung.
  490. Das ist für jedermann.
    Es ist für jeden nachvollziehbar.
  491. Es ergibt für jeden Sinn
    und verbindet uns miteinander.
  492. In den Residential Schools
    haben sie uns gelehrt,
  493. dass wir weniger wert sind
    als Europäer.
  494. Und das hier lehrt uns:
    Pahpeyakwan iyikohk.
  495. Alle Menschen unterliegen den
    gleichen Maßstäben.
  496. Alle werden danach bewertet.
  497. Unsere DNA zeigt uns,
    dass wir alle gleich sind.
  498. Ich möchte dir danken,
    dass du all das mit mir teilst.
  499. Denn ...
  500. Ich erkenne die Genialität
    und Perfektion in all dem,
  501. was du mir veranschaulicht hast.
  502. Dank deiner Art
    es mir zu zeigen und zu erklären.
  503. Es macht mich neugierig.
    Ich möchte mehr davon erfahren.
  504. Ich würde gerne hierherkommen,
    um Unterricht bei dir zu nehmen.
  505. [Reuben] Ja ...
  506. Vielen Dank,
    dass du all das mit mir teilst.
  507. Es ist mir eine große Ehre.
  508. ♪ New Age Musik ♪
  509. Übersetzt von: Anna Paula Foltanska