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← Was ist eigentlich analytische Philosophie? (Philosophisches Kopfkino)

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Showing Revision 3 created 06/01/2020 by Michel Smits.

  1. Was muss man sich unter
    einer Analytischen Philosophie vorstellen?
  2. Philosophen beim Analytiker?
  3. Philosophie im Labor?
  4. Philosophierende Computer?
  5. Die Analytische Philosophie ist eigentlich
    keine einheitliche Philosophie,
  6. sondern eine Vielzahl
    unterschiedlicher Richtungen,
  7. die eines gemeinsam haben:
  8. Mit Kontinentalphilosophie
    wollen sie nichts zu tun haben.
  9. Kein Platon, Augustinus,
  10. kein Descartes, Leibniz
    und auch kein Kant!
  11. Zum Glück stammen die Gründerväter
    Bertrand Russell und George Edward Moore
  12. nicht vom Kontinent sondern von der Insel.
  13. Und noch was haben sie gemeinsam:
    Sie sind überzeugt,
  14. dass die Untersuchung der Sprache
    eine zentrale Rolle
  15. bei der Lösung
    philosophischer Probleme hat.
  16. Diese Hinwendung zur Sprache,
    auch linguistic turn genannt,
  17. führt dazu, dass analytische Philosophie
    häufig auch schlicht
  18. als Sprachphilosophie bezeichnet wird.
  19. Ludwig Wittgensteins vertritt
    in seinem Frühwerk
  20. "tractatus logico-philosophicus",
    folgende Ansicht:
  21. Man kann philosophische Probleme
    nur verstehen, wenn man begreift,
  22. durch welche Fehlanwendung von Sprache
    sie überhaupt erzeugt werden.
  23. Ziel dieser Untersuchung
    ist die Unterscheidung
  24. von sinnvollen und unsinnigen Sätzen.
  25. 1911 verließ Wittgenstein zeitweise
    den Kontinent und ging nach Cambridge,
  26. um das damalige Mastermind
    der Sprachphilosophie,
  27. Bertrand Russel zu hören.
  28. Russel war zunächst wenig beeindruckt:
  29. "Nach der Vorlesung kam ein hitziger
    Deutscher, um mit mir zu streiten.
  30. Eigentlich ist es reine Zeitverschwendung,
    mit ihm zu reden."
  31. Doch bald änderte er sein Urteil.
  32. Der Tractatus hatte großen Einfluss
    auf den "Wiener Kreis".
  33. Und Wien liegt eindeutig
    auf dem Kontinent.
  34. Rudolf Carnap der Mitbegründer
    des Wiener Kreises
  35. findet, dass metaphysische Sätze
    sinnlose Scheinsätze sind.
  36. Das heißt, wenn in einem Satz
    Worte vorkommen wie "Gott",
  37. "das Unendliche", das "Wesen",
  38. dann kann man mit
    diesen Satz nichts anfangen.
  39. Ein Amerikaner mit dem schönen Namen
    Willard Van Orman Quine
  40. sorgte dann mit einem einzigen Aufsatz
  41. für eine Krise in
    der Analytischen Philosophie,
  42. in dem er mit "Zwei Dogmen
    des Empirismus" aufräumte:
  43. Theorien können nicht immer
  44. in empirisch überprüfbare
    Einzelaussagen zerlegt werden.
  45. Und die Unterscheidung zwischen
  46. analytischen und synthetischen
    Sätzen ist Quatsch.
  47. Synthetische Sätze?
  48. Was soll das denn wieder sein?
  49. Sätze aus dem Synthesizer?
  50. Nein!
  51. Ein analytischer Satz ist z. B.
    "Der Pudel ist ein Hund".
  52. Im Subjekt "Pudel" ist
    das Prädikat "Hund sein"
  53. als gedanklicher Inhalt schon enthalten.
  54. "Der Pudel ist frisiert."
  55. Hier ist die Eigenschaft
    nicht im Wort enthalten.
  56. Man kann nicht davon ausgehen,
    dass jeder Pudel frisiert ist.
  57. Also ist dies ein synthetischer Satz.
  58. Alles klar?
  59. Pudel Hin oder her,
  60. ob Quine damit überhaupt noch
    als analytischer Philosoph gelten darf,
  61. ist eine andere Frage ...
  62. Er lebte zumindest nicht auf
    dem Kontinent, sondern in den USA.
  63. Und unser Schlusszitat kommt
    von dem berühmten Philosophen Karl Popper:
  64. "Ein Philosoph, der sich sein Leben lang
    mit der Sprache beschäftigt,
  65. ist wie ein Zimmermann, der
    seine ganze Arbeitszeit damit verbringt,
  66. seine Werkzeuge zu schärfen."
  67. Das Wittgenstein einmal auf Popper
    mit einem Feuerhaken losgegangen ist,
  68. ist eine andere Geschichte …