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Mostrar Revisión13 creada 06/14/2020 por Sonja Maria Neef.

  1. Als Kind hatte ich viele Ängste.
  2. Ich hatte Angst vor Blitzen, Insekten,
  3. lauten Geräuschen und Figuren in Kostümen.
  4. Ich hatte auch zwei sehr starke Phobien:
  5. vor Ärzten und Injektionen.
  6. Wenn ich versuchte unserem
    Hausarzt zu entkommen,
  7. wehrte ich mich so stark,
  8. dass er mich tatsächlich ohrfeigte,
    um mich zu überraschen.
  9. Ich war sechs Jahre alt.
  10. Es gab für mich nur Kämpfen oder Fliehen.
  11. Um mich für eine Impfung ruhig zu halten,
  12. waren drei oder vier Erwachsene nötig,
    meine Eltern mit eingerechnet.
  13. Später zog unsere Familie
    von New York nach Florida,

  14. als ich gerade in die High School kam.
  15. Als Neue an der Gemeindeschule,
  16. die niemanden kannte
  17. und unbedingt dazugehören wollte,
  18. kam am aller ersten Tag
  19. eine Lehrerin und rief:
    "Anne Marie Albano",
  20. worauf ich antwortete:
    [in Staten Island Akzent] "Hier!"
  21. Sie lacht und sagt: "Oh, Liebes, steh auf.
  22. Sag D-O-G."
  23. Ich antworte [in einem
    Staten Island Akzent]: "Dog?"
  24. Die Klasse brach samt Lehrerin
    in schallendes Lachen aus.
  25. Und so ging es weiter,
  26. weil sie noch viel mehr Wörter hatte,
    mit denen sie mich demütigen konnte.
  27. Ich ging weinend nach Hause.

  28. Ich war aufgelöst
  29. und bettelnd zurück nach
    New York zu können
  30. oder in irgendein Frauenkloster.
  31. Ich wollte keinesfalls
    in diese Schule zurück.
  32. Mein Eltern hörten mir zu

  33. und sagten sie würden mit dem Bischof
    in New York sprechen,
  34. aber ich müsse jeden Tag hin, damit ich
    die Anwesenheitspflicht erfülle
  35. und auf Staten Island
    in die neunte Klasse wechseln kann.
  36. Das war alles noch vor Emails und Handys,
  37. also wurden über die nächsten Wochen
  38. angeblich Briefe verschickt zwischen
    den Erzdiözesen von Manhattan
  39. und Miami
  40. und dem Vatikan
  41. und jeden Tag ging ich weinend
    zur Schule und kam weinend nach Hause,
  42. worauf meine Mutter mir Neuigkeiten
    eines Kardinals oder Bischof brachte,
  43. dass sie "mich in der Schule halten soll,
    während sie einen Platz für mich finden."
  44. War ich naiv, oder was?

  45. (Lachen)

  46. Nach ein paar Wochen,
    als ich auf den Schulbus wartete,

  47. traf ich ein Mädchen namens Debbie
  48. und sie stellte mich ihren Freunden vor.
  49. Und sie wurden meine Freunde
  50. und der Papst war aus dem Schneider.
  51. (Lachen)

  52. Ich begann mich zu beruhigen
    und mich einzuleben.

  53. Die letzten drei Jahrzehnte, in denen ich
    Angststörungen bei Kindern studiert habe,

  54. kommen teilweise von meiner eigenen Suche
    nach Selbst-Verständnis.
  55. Und ich habe viel gelernt.
  56. Für junge Leute sind Angststörungen
    der häufigste psychiatrische Zustand.
  57. Diese Störungen beginnen früh,
    im Alter von vier Jahren,
  58. und einer von 12 Jugendlichen ist
    stark in seiner Fähigkeit beeinträchtigt,
  59. zu Hause, in der Schule und
    mit Gleichaltrigen zu funktionieren.
  60. Diese Kinder sind so verängstigt,
  61. besorgt,
  62. fühlen sich körperlich unwohl,
    wegen ihrer Angst.
  63. Es ist schwierig für sie,
    in der Schule aufzupassen,
  64. zu entspannen und Spaß zu haben,
  65. Freunde zu finden
  66. und all die Dinge zu tun,
    die Kinder tun sollten.
  67. Angst kann Elend für das Kind bringen
  68. und die Eltern sind die ersten Zeugen
    der Verzweiflung ihres Kindes.
  69. Als ich mehr und mehr Kinder mit
    Angststörungen traf durch meine Arbeit,

  70. musste ich zu meinen Eltern zurück
    und ihnen ein paar Fragen stellen.
  71. "Warum habt ihr mich festgehalten,
  72. als ich solche Angst
    vor Injektionen hatte,
  73. und sie mir aufgezwungen?
  74. Und warum habt ihr mir all diese Märchen
    erzählt, damit ich in die Schule gehe,
  75. als ich solche Sorge hatte
    wieder bloßgestellt zu werden?"
  76. Sie sagten: "Unsere Herzen brachen
    jedes Mal für dich,
  77. aber wir wussten, es waren Dinge,
    die du tun musstest.
  78. Wir mussten riskieren,
    dass du dich unwohl fühlst,
  79. während wir warteten, dass du dich
    an die Situation gewöhnst,
  80. mit der Zeit und mehr Erfahrung.
  81. Du musstest geimpft werden.
  82. Du musstest in die Schule."
  83. Meine Eltern hatten ja keine Ahnung,

  84. aber sie taten mehr als mich
    gegen die Masern zu impfen.
  85. Sie impften mich gegen ein Leben
    mit einer Angststörung.
  86. Übermäßige Angst ist wie ein
    Superbakterium in Kindern.
  87. Es ist ansteckend,
    es vermehrt sich sogar so sehr,
  88. dass viele der Kinder, die ich sehe,
  89. mit mehr als nur einer Angststörung
    zur selben Zeit kommen.
  90. Zum Beispiel haben sie
    eine spezifische Phobie
  91. plus Trennungsangst,
    plus einer Sozialphobie.
  92. Wenn sie unbehandelt bleiben,
  93. können Angststörungen in der Kindheit
    zu Depressionen in der Adoleszenz führen.
  94. Sie können auch zu Drogenmissbrauch
    und Suizid-Risiko führen.
  95. Meine Eltern waren keine Therapeuten.

  96. Sie kannten keine Psychologen.
  97. Sie wussten nur, dass die Situationen
    für mich unangenehm sein könnten,
  98. aber sie waren nicht schädlich.
  99. Meine übermäßige Angst hätte mich
    auf Dauer mehr gefährdet,
  100. wenn sie mich diese Situationen
    hätten vermeiden lassen,
  101. anstatt zu lernen, wie ich den
    gelegentlichen Kummer tolerieren kann.
  102. Grundsätzlich, hatten Mama und Papa
    ihre selbstgemachte Version
  103. von Konfrontationstherapie,
  104. welche der zentrale Bestandteil
  105. für kognitive Verhaltenstherapie
    von Angststörungen ist.
  106. Meine Kollegen und ich haben die größte
    randomisierte kontrollierte Studie

  107. für Behandlungen von Angststörungen
    bei Kindern zwischen 7 und 17 durchführt.
  108. Wir fanden heraus, dass kindorientierte
    kognitive Konfrontationstherapie
  109. oder Medikamente mit einem selektiven
    Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  110. für 60% der behandelten
    Jugendlichen effektiv ist.
  111. Kombiniert helfen sie 80% der Kinder
    innerhalb von drei Monaten.
  112. Das sind alles gute Nachrichten.
  113. Wenn sie die Medikamente weiter nehmen,
  114. oder monatliche Konfrontationstherapien,
    wie in der Studie, haben,
  115. könnten für mindestens
    ein Jahr wohlauf sein.
  116. Nach dem Ende der Behandlungsstudie
  117. führten wir allerdings eine Folgestudie
    mit den Teilnehmern durch
  118. und fanden heraus, dass viele
    dieser Kinder rückfällig wurden.
  119. Trotz der besten
    evidenzbasierten Behandlungen,
  120. fanden wir auch heraus, dass etwa 40%
    der Kinder mit Angststörung
  121. über die Zeit weiterhin krank blieben.
  122. Wir haben viel über diese
    Ergebnisse nachgedacht.

  123. Was hatten wir übersehen?
  124. Wir hatten die Hypothese, dass wir uns nur
  125. auf Kinder-fokussierte
    Intervention konzentrierten,
  126. obwohl es vielleicht wichtiger war,
    die Eltern mit anzusprechen
  127. und sie in die Behandlung einzubeziehen.
  128. Studien aus meinem Labor
    und von Kollegen weltweit

  129. haben einen einheitlichen Trend gezeigt:
  130. Eltern, die es gut meinen,
    werden oft ungewollt
  131. Teil des Angst-Zyklus.
  132. Sie geben nach, kommen ihrem Kind entgegen
  133. und lassen ihr Kind den herausfordernden
    Situationen entkommen.
  134. Stellen Sie sich vor:
  135. Ihr Kind kommt weinend nach Hause,
    in Tränen aufgelöst.
  136. Es ist 5 oder 6 Jahre alt.
  137. "Niemand in der Schule mag mich!
    Diese Kinder sind so gemein!
  138. Keiner wollte mit mir spielen."
  139. Wie fühlt es sich an, sein Kind
    so verletzt zu sehen?
  140. Was tun Sie?
  141. Der natürliche Eltern-Instinkt ist
    das Kind zu trösten, es zu beruhigen,
  142. es zu beschützen und
    die Situation zu verbessern.
  143. Einen Lehrer anrufen, damit er eingreift,
    oder Eltern, um Verabredungen zu planen,
  144. was im Alter von 5 Jahren
    vielleicht funktioniert.
  145. Aber was tun, wenn das Kind Tag für
    Tag weinend nach Hause kommt?
  146. Bringen Sie auch alles für es in Ordnung,
    wenn es 8, 10 oder 14 ist?
  147. Kinder werden während ihres Aufwachsens
  148. unweigerlich immer wieder
    herausfordernden Situationen begegnen:

  149. Übernachtungen woanders,
    mündliche Präsentationen,
  150. ein schwieriger Überraschungstest,
  151. Aufnahmeprüfungen für eine
    Sport-Mannschaft oder das Schultheater,
  152. Konflikte mit Gleichaltrigen ...
  153. All diese Situationen bergen Risiken:
  154. Das Risiko nicht gut genug zu sein,
    das nicht zu bekommen, was man will,
  155. das Risiko, vielleicht
    einen Fehler zu machen
  156. oder bloßgestellt zu werden.
  157. Kinder mit Angststörungen,

  158. die keine Risiken eingehen
    und sich nicht beteiligen,
  159. lernen nicht, wie sie mit diesen
    Situationen umgehen können.
  160. Nicht wahr?
  161. Denn Fähigkeiten entwickeln sich durch
    Auseinandersetzung über die Zeit,
  162. sich wiederholende Konfrontation, zu
    Situationen, die Kinder täglich erleben:
  163. selbstberuhigende Fähigkeiten
  164. oder sich selbst beruhigen zu können,
    nachdem man in Rage war;
  165. Probleme zu lösen,
  166. genauso die Fähigkeit, Konflikte
    mit anderen zu lösen;
  167. Belohnungsaufschub,
  168. oder sich weiter zu bemühen,
  169. obwohl man auf das Ergebnis warten muss.
  170. Diese und andere Fähigkeiten
    entwickeln sich in Kindern,
  171. die Risiken eingehen und teilnehmen.
  172. Und Selbstwirksamkeit nimmt Form an,
  173. der Glaube an sich selbst,
  174. dass man schwierige Situationen
    bewältigen kann.
  175. Für Kinder mit Angststörungen,
    die Situationen vermeiden,

  176. und andere Leute dazu bringen,
    sie für sie zu lösen,
  177. werden mit der Zeit immer ängstlicher
  178. und haben weniger Selbstvertrauen.
  179. Im Gegensatz zu Kindern, die nicht
    unter Angststörungen leiden,
  180. beginnen sie zu glauben, sie seien nicht
    fähig solche Situationen zu bewältigen.
  181. Sie denken, sie brauchen jemanden,
    zum Beispiel ihre Eltern,
  182. der Dinge für sie übernimmt.
  183. Zwar ist der natürliche Instinkt,
    sein Kind zu trösten und beschützen,

  184. es zu beschwichtigen,
  185. jedoch hat schon in den 1930ern
    der Psychologe Alfred Adler
  186. Eltern gewarnt,
  187. dass sie ihr Kind so sehr
    lieben sollen, wie sie wollen,
  188. aber sie dürfen das Kind nicht
    von sich abhängig machen.
  189. Er gab den Rat, das Kind
    von Anfang an daran zu gewöhnen,
  190. auf eigenen Beinen zu stehen.
  191. Er warnte auch, dass wenn Kinder
    den Eindruck bekommen,
  192. dass ihre Eltern nichts besseres zu tun
    haben, als für sie auf Abruf zu stehen,
  193. würden sie ein falsches Verständnis
    für Liebe bekommen.
  194. Kinder mit Angststörungen
    in der heutigen Zeit

  195. rufen ständig ihre Eltern an
  196. oder schreiben Hilferuf-SMS
    zu jeder Tages- und Nachtzeit.
  197. Lernen Kinder mit Angststörung im jungen
    Alter keine Bewältigungsmechanismen,
  198. was passiert, wenn sie erwachsen werden?
  199. Ich leite Gruppen für Eltern junger
    Erwachsener mit Angststörung.

  200. Diese jungen Menschen sind
    zwischen 18 und 28 Jahren alt.
  201. Sie leben meist zu Hause,
  202. abhängig von ihren Eltern.
  203. Viele waren in der Schule und Universität.
  204. Manche haben Abschlüsse.
  205. Fast alle haben keine Arbeit,
  206. bleiben zu Hause und machen
    nicht wirklich etwas.
  207. Sie haben keine bedeutungsvollen
    Beziehungen zu anderen
  208. und sie verlassen sich sehr stark darauf,
  209. dass ihre Eltern alles
    mögliche für sie machen.
  210. Ihre Eltern vereinbaren
    Arzttermine für sie.
  211. Sie rufen alte Freunde ihrer Kinder an
    und betteln, dass sie vorbei kommen.
  212. Sie machen die Wäsche und kochen für sie.
  213. Und sie haben einen großen Konflikt
    mit ihrem erwachsenen Kind,
  214. weil die Angststörung erblüht ist,
    aber der Mensch nicht.
  215. Diese Eltern spüren enorme Schuld,
  216. doch dann Groll,
  217. und dann noch mehr Schuld.
  218. Wie wäre es mit ein paar
    guten Nachrichten?

  219. Wenn Eltern und Schlüsselfiguren
    im Leben eines Kindes
  220. dem Kind helfen können, mit ihnen
    ihre Ängste zu konfrontieren
  221. und zu lernen, wie man Probleme löst,
  222. dann ist es wahrscheinlicher,
    dass die Kinder
  223. ihre eigenen Bewältigungsmechanismen,
    um mit ihrer Angst umzugehen, lernen.
  224. Wir bringen Eltern bei, in diesen
    Momenten achtsam zu sein
  225. und über ihre Reaktion auf die Angst
    ihres Kindes nachzudenken.
  226. Wir bitten sie:
  227. "Sehen Sie sich die Situation an und
    fragen: "Was ist die Grundsituation?
  228. Wie bedrohlich ist sie für mein Kind?
  229. Und was möchte ich, dass es
    am Ende daraus lernt?"
  230. Natürlich wollen wir, dass Eltern
    besonders gut zuhören,

  231. denn wenn das Kind gemobbt wird
    oder in Gefahr ist,
  232. wollen wir, dass Eltern einschreiten,
  233. auf jeden Fall.
  234. Aber in typischen, alltäglichen
    angstauslösenden Situationen,
  235. können Eltern ihren Kindern
    am meisten helfen,
  236. wenn sie ruhig und sachlich
    und warm bleiben,
  237. wenn sie die Gefühle
    ihres Kindes anerkennen,
  238. aber ihm dann helfen,
  239. zu planen, wie es selbst
    mit der Situation umgehen kann.
  240. Und das Wichtigste --
  241. das Kind auch tatsächlich selbst
    die Situation regeln lassen.
  242. Natürlich ist es herzzerreißend,
    ein Kind leiden zu sehen,

  243. das haben mir auch meine Eltern
    Jahre später deutlich gemacht.
  244. Wenn man sein Kind leiden sieht,
  245. aber man denkt man könnte einfach
    eingreifen und ihnen den Schmerz nehmen,
  246. das wär's, nicht wahr?
  247. Das ist alles, was wir wollen.
  248. Aber egal ob wir alt oder jung sind,
  249. übermäßige Angst bringt uns dazu, Risiken
    zu überschätzen und es peinigt uns,
  250. während wir unsere Fähigkeit damit
    klarzukommen unterschätzen.
  251. Wir wissen, dass die Konfrontation
    mit den Ängsten Angststörungen mildert,
  252. während wir Ressourcen und
    Widerstandsfähigkeit aufbauen.
  253. Meine Eltern waren da an was dran.

  254. Der heutigen hyper-nervösen Jugend
  255. kann nicht von überfürsorglichen
    Eltern geholfen werden.
  256. Ruhe und Selbstvertrauen
    sind nicht nur Gefühle.
  257. Sie sind Bewältigungsmechanismen,
    die Eltern und Kinder erlernen können.
  258. Danke.

  259. (Applaus)