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← Welches Wahlsystem ist am besten? - Alex Gendler

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Mostrar Revisión5 creada 08/03/2020 por Sonja Maria Neef.

  1. Stell dir vor, wir bauen
    eine neue Raumstation
  2. auf einer der 4 kürzlich
    besiedelten Mars-Basen,
  3. und man stimmt darüber ab,
    wo sie stehen soll.
  4. Von den 100 Mars-Siedlern leben 42
    in der West-Basis, 26 in der Nord-Basis,
  5. 15 in der Süd-Basis
    und 17 in der Ost-Basis.
  6. Stellen wir uns also vor, jeder von ihnen
    möchte, dass die Raumstation
  7. so nahe wie möglich an ihrer Basis ist
    und wählen dementsprechend.
  8. Wie kann man diese Wahl
    am fairsten abhalten?
  9. Die einfachste Lösung wäre,

  10. jedem Wähler einfach
    eine Einzelstimme zu gewähren
  11. und dann den Ort mit
    den meisten Stimmen auszuwählen.
  12. Dies nenn man Mehrheitsrecht
    oder "Erster durchs Ziel."
  13. In diesem Falle gewinnt
    die West-Basis spielend leicht,
  14. weil dort die meisten Wähler leben.
  15. Dennoch würde die Mehrheit aller Siedler
    dieses Ergebnis am schlechtesten befinden,
  16. weil die Station von ihnen allen
    sehr weit entfernt wäre.
  17. Ist also ein Mehrheitswahlrecht
    wirklich das fairste Wahlsystem?
  18. Wie wäre es, wenn wir ein System
    wie die Rangfolgewahl ausprobieren?

  19. welche die gesamte Bandbreite
    der Wünsche eines Volkes abbildet?
  20. statt nur ihren Hauptwunsch?
  21. Das würde so gehen:
  22. Zu ersten reihen die Wähler
    jede Option von 1 bis 4
  23. und wir vergleichen alle Hauptwünsche.
  24. Süden hat am wenigsten Stimmen
    als Platz 1, also scheidet das aus.
  25. Ihre 15 stimmen werden dem 2. Wunsch
    dieser Wähler zugerechnet --
  26. Ost-Basis -- damit kommen 32 Stimmen raus.
  27. Wir vergleichen wieder die Hauptwünsche
    und lassen den Letzten ausscheiden.

  28. Dieses Mal scheidet die Nord-Basis aus.
  29. Deren Einwohner 2. Wunsch
    wäre die Süd-Basis gewesen,
  30. aber weil die schon raus ist, kommen
    die Stimmen beim 3. Wunsch dazu.
  31. Damit bekommt Osten 58 Stimmen
    und Westen als 2. Platz nur 42 Stimmen.
  32. Aber auch das scheint nicht fair.
  33. Osten hat als Vorletzter gestartet,
  34. aber die Mehrheit hat diese Basis
    als 1 von 2 unliebsten Optionen gewählt.
  35. Statt den Reihungen könnten wir es
    mit mehreren Wahlrunden probieren,

  36. mit zwei Gewinnern, die dann
    eine Stichwahl erhalten.
  37. Eigentlich würde das heißen,
    West und Nord gewinnen die 1. Runde
  38. und Norden die 2. Runde.
  39. Aber die Ost-Siedler bemerken,
  40. dass wenn sie auch nicht genügend
    Stimmen zum Gewinnen haben,
  41. können sie dennoch
    das Ergebnis beeinflussen.
  42. In der 1. Runde wählen sie
    die Süd-Basis statt ihrer eigenen,
  43. und nehmen damit Norden
    seinen Vorsprung weg.
  44. Weil die Ost-Siedler
    "taktisch" gewählt haben,
  45. gewinnt Süden die 2. Runde leicht,
    obwohl sie die wenigsten Einwohner haben.
  46. Kann ein System gut und fair sein,
    wenn es zum Lügen
  47. über deine Vorlieben motivieren kann?
  48. Vielleicht müssen wir
    den Wählern eine Vorliebe

  49. bei jeder möglichen Stichwahl erlauben.
  50. Das nennt man die "Condorcet-Methode".
  51. Stell dir eine Stichwahl vor:
    Westen gegen Norden.
  52. Alle 100 Sieder stimmen über ihre
    Vorlieben zwischen den beiden ab.
  53. Das wäre Westen mit 42 gegen
    58 von Norden, Süden und Osten,
  54. die alle Norden gewählt haben.
  55. Jetzt machen wir das Gleiche mit
    den anderen 5 möglichen Stichwahlen.
  56. Sieger ist, wer am öftesten gewinnt.
  57. Hier gewinnt Norden 3x
    und Süden gewinnt 2x.
  58. Diese Gebiete sind tatsächlich
    am zentralsten gelegen,
  59. und Norden hat den Vorteil, nicht von
    allen am schlechtesten gewertet zu sein.
  60. Ist also die Condorcet-Methode
    generell ein ideales Wahlsystem?

  61. Nicht unbedingt.
  62. Stell dir eine Wahl mit 3 Kandidaten vor.
  63. Die Wähler finden A besser als B,
    B besser als C, aber C besser als A.
  64. In diesem Fall gibt es keinen Gewinner.
  65. Über Jahrzehnte haben Forscher
    und Statistiker Dutzende

  66. komplizierte Systemen zur Durchführung
    und Zählung bei Wahlen erfunden
  67. und manche davon wurden sogar
    in die Praxis umgesetzt.
  68. Aber egal, welches System man auswählt,
  69. es ist immer möglich, dass das System
    ein unfaires Ergebnis bringt.
  70. Es zeigt sich also, dass unser intuitives
    Konzept von Fairness

  71. eigentlich einige bestimmte Annahmen
    enthält, die sich widersprechen können.
  72. Für einige Wähle ist es unfair,
    mehr Einfluss zu haben als andere.
  73. Oder es scheint unfair, die Vorlieben
    von Minderheiten zu ignorieren,
  74. oder Leute zu motivieren,
    das System zu manipulieren.
  75. Mathematische Beweise zeigen tatsächlich,
    dass es bei jeder Wahl
  76. mit mehr als 2 Optionen UNMÖGLICH ist,
  77. ein Wahlsystem zu entwickeln,
    das nicht mindestens
  78. 3 theoretisch wünschenswerte
    Punkte verletzt.
  79. Während wir also oft denken,
    Demokratie bedeutet nur Stimmen zählen,
  80. sollte man auch bedenken, welche Seite
    von welchem Zählsystem profitiert.