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← Warum ich ein Land liebe, das mich einst verraten hat

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Showing Revision 20 created 09/10/2014 by Retired user.

  1. Ich bin ein Veteran
    des Raumschiffs Enterprise.
  2. Ich flog durch die Galaxis
  3. und lenkte ein gewaltiges Raumschiff
  4. mit einer Crew von Leuten
  5. aus der ganzen Welt --
  6. viele verschiedene Rassen,
    viele verschiedene Kulturen,
  7. viele verschiedene Traditionen --,
  8. die alle zusammenarbeiteten.
  9. Unsere Mission bestand darin,
    unbekannte neue Welten zu erforschen,
  10. neue Lebensformen und
    neue Zivilisationen zu entdecken,
  11. mutig an Orte vorzudringen,
    die nie zuvor ein Mensch gesehen hatte.
  12. Nun --

  13. [Applaus] --
  14. Ich bin der Enkel
    japanischer Einwanderer.
  15. Sie gingen nach Amerika
  16. und drangen mutig
    in eine fremde, neue Welt vor,
  17. auf der Suche nach neuen Möglichkeiten.
  18. Meine Mutter wurde in
    Sacramento, Kalifornien, geboren.
  19. Mein Vater stammte aus San Francisco.
  20. Sie lernten sich in Los Angeles
    kennen und heirateten,
  21. und ich wurde dort geboren.
  22. Ich war vier Jahre alt,

  23. als Pearl Harbour
    am 7. Dezember 1941
  24. von Japan bombardiert wurde.
  25. Über Nacht stürzte die Welt
    in einen Weltkrieg.
  26. Amerika wurde plötzlich von einer
    Welle der Hysterie erfasst.
  27. Japano-Amerikaner --
  28. amerikanische Bürger
    japanischer Abstammung --
  29. wurden mit Misstrauen, Angst
  30. und mit unverhohlenem Hass betrachtet,
  31. einfach weil wir zufällig
    wie jene Leute aussahen,
  32. die Pearl Harbour bombardiert hatten.
  33. Und die Hysterie wurde immer stärker,
  34. bis im Februar 1942
  35. der Präsident der Vereinigten Staaten,
  36. Franklin Delano Roosevelt,
  37. befahl, alle Japano-Amerikaner
    an der Westküste der USA
  38. kurzerhand zusammenzutreiben,
  39. ohne Anklage, ohne Prozess,
  40. ohne ordentliches Gerichtsverfahren.
  41. Das ordentliche Verfahren
    ist die Hauptsäule
  42. unseres Rechtssystems.
  43. Das alles verschwand.
  44. Wir sollten zusammengetrieben
  45. und in 10 Gefangenenlagern
    hinter Stacheldraht
  46. in einigen der trostlosesten
    Gegenden der USA inhaftiert werden:
  47. in der glühend heißen Wüste Arizonas,
  48. den schwülen Sümpfen Arkansas,
  49. den Einöden von Wyoming,
    Idaho, Utah, Colorado
  50. und an zwei der
    trostlosesten Orte Kaliforniens.
  51. Am 20. April feierte ich
    meinen 5. Geburtstag.

  52. Nur wenige Wochen nach meinem Geburtstag
  53. weckten meine Eltern
    meinen jüngeren Bruder,
  54. meine Schwester, die noch ein Baby war,
  55. und mich eines Morgens sehr früh auf.
  56. Eilig kleideten sie uns an.
  57. Mein Bruder und ich waren im Wohnzimmer
  58. und schauten aus dem vorderen Fenster.
  59. Wir sahen zwei Soldaten,
    die unsere Einfahrt hochmarschierten.
  60. Sie trugen Bajonette auf ihren Gewehren.
  61. Sie stampften die Veranda herauf
  62. und pochten heftig an die Tür.
  63. Man Vater öffnete,
  64. und die Soldaten befahlen uns,
    unser Haus zu verlassen.
  65. Mein Vater gab meinem Bruder und mir
  66. kleine Koffer zu tragen.
  67. Wir gingen hinaus,
    standen in der Einfahrt
  68. und warteten auf meine Mutter.
  69. Als sie schließlich herauskam,
  70. trug sie meine kleine
    Schwester auf einem Arm
  71. und eine große Reisetasche
    in der anderen Hand.
  72. Tränen liefen ihr über beide Wangen.
  73. Ich werde diese Szene
    nie vergessen können.
  74. Es ist in mein Gedächtnis eingebrannt.
  75. Man brachte uns fort
    von unserem Zuhause

  76. und lud uns in Waggons
  77. zusammen mit anderen
    japano-amerikanischen Familien.
  78. Man stationierte Wachen
  79. an beiden Enden jedes Waggons,
  80. als wären wir Kriminelle.
  81. Wir wurden zwei Drittel des Wegs
    quer durchs Land gebracht,
  82. vier Tage und drei Nächte lang,
    durchgerüttelt in einem Zug,
  83. zu den Sümpfen von Arkansas.
  84. Ich erinnere mich
    an den Stacheldrahtzaun,
  85. hinter dem ich eingesperrt war.
  86. Ich erinnere mich
    an den hohen Wachturm
  87. aus dem Maschinengewehre
    auf uns gerichtet waren.
  88. Ich erinnere mich an die Scheinwerfer,
    die mir folgten,
  89. wenn ich in der Nacht
  90. von meiner Baracke zur Latrine musste.
  91. Aber ich, der 5-Jährige,
  92. ich fand es irgendwie nett,
  93. dass sie mir den Weg
    zum Pinkeln beleuchteten.
  94. Ich war ein Kind,
  95. zu jung, um die Umstände
    zu verstehen,
  96. die mich dorthin geführt hatten.
  97. Kinder sind erstaunlich anpassungsfähig.

  98. Was sonst völlig grotesk wäre,
  99. wurde zu meiner Normalität
  100. in den Kriegsgefangenenlagern.
  101. Es wurde für mich zur Routine,
    mich drei Mal täglich
  102. für lausiges Essen in der
    lauten, chaotischen Kantine anzustellen.
  103. Ich gewöhnte mich daran,
    mich mit meinem Vater
  104. in der Gemeinschaftsdusche
    zu waschen.
  105. Das Leben in einem Gefangenenlager,
    umzäunt von Stacheldraht,
  106. wurde meine Normalität.
  107. Als der Krieg zu Ende war,

  108. wurden wir freigelassen.
  109. Wir erhielten eine einfache Fahrkarte
  110. an ein Ziel irgendwo in den USA.
  111. Meine Eltern kehrten nach Hause zurück,
  112. nach Los Angeles.
  113. Aber Los Angeles war abweisend zu uns.
  114. Wir besaßen keinen Pfennig.
  115. Man hatte uns alles genommen
  116. und die Feindseligkeit war groß.
  117. Unser erstes Zuhause war auf der Skid Row
  118. im heruntergekommensten
    Teil unserer Stadt,
  119. wo wir unter Obdachlosen, Trinkern
  120. und Verrückten lebten.
  121. Es stank überall nach Urin,
  122. auf den Straßen, in den Gassen,
  123. im Hausflur.
  124. Es war eine grässliche Erfahrung
  125. und für uns Kinder war sie furchterregend.
  126. Ich erinnere mich,
  127. als einmal ein Betrunkener
    heruntergetorkelt kam.
  128. Er fiel direkt vor uns zu Boden
  129. und erbrach sich.
  130. Mein kleine Schwester sagte:
    "Mama, gehen wir zurück nach Hause".
  131. Denn hinter Stacheldraht
  132. war für uns
  133. "zu Hause".
  134. Meine Eltern arbeiteten schwer,

  135. um wieder auf die Beine zu kommen.
  136. Wir hatten alles verloren.
  137. Sie standen in der Mitte ihres Lebens
  138. und fingen von vorne an.
  139. Sie arbeiteten sich die Finger wund,
  140. und schließlich
  141. bekamen sie das Geld zusammen,
  142. um in einer netten Nachbarschaft
    ein Haus mit 4 Zimmern zu kaufen.
  143. Ich war ein Teenager,
  144. und ich wurde sehr neugierig,
  145. was meine Gefangenschaft
    in der Kindheit anging.
  146. In Büchern zur Staatsbürgerkunde
  147. las ich von den Idealen der
    amerikanischen Demokratie.
  148. Alle Menschen sind als gleich geschaffen;
  149. wir haben ein unveräußerliches Recht
  150. auf Leben, Freiheit und
    das Streben nach Glück,
  151. und ich konnte das nicht
  152. mit meiner Kindheit im Gefangenenlager
    in Einklang bringen.
  153. Ich las Geschichtsbücher
  154. und konnte nichts darüber finden.
  155. So verwickelte ich meinen Vater
    nach dem Abendessen
  156. in lange, manchmal hitzige Gespräche.
  157. Wir hatten sehr viele solcher Gespräche.
  158. Was ich aus ihnen mitnahm,
  159. war die Weisheit meines Vaters.
  160. Er hatte unter den Haftbedingungen
  161. am meisten gelitten,
  162. aber er verstand
    die amerikanische Demokratie.
  163. Er sagte mir,
    dass unsere Demokratie
  164. die Demokratie eines Volkes ist.
  165. Sie kann so großartig sein,
    wie es ein Volk sein kann,
  166. aber sie ist auch so fehlbar,
    wie Menschen es sind.
  167. Er sagte mir, dass
    die amerikanische Demokratie
  168. ganz darauf angewiesen ist,
  169. dass gute Menschen die Ideale
    unseres Systems hochhalten
  170. und sich aktiv in den Prozess einbringen,
  171. unsere Demokratie zum
    Funktionieren zu bringen.
  172. Und er ging mit mir
    zu einem Wahlkampfbüro --
  173. der Gouverneur von Illinois
    kandidierte für die Präsidentschaft --
  174. und machte mich mit der
    amerikanischen Wahlpolitik bekannt.
  175. Und er erzählte mir auch
  176. von jungen Japano-Amerikanern
  177. im Zweiten Weltkrieg.
  178. Als Pearl Harbour bombardiert wurde,

  179. eilten junge Japano-Amerikaner
    wie alle jungen Amerikaner,
  180. zu ihrer Einberufungsbehörde,
  181. um als Freiwillige
    für unser Land zu kämpfen.
  182. Dieser Akt des Patriotismus
  183. wurde mit einem Schlag
    ins Gesicht beantwortet.
  184. Man verweigerte uns den Wehrdienst
  185. und stufte uns als
    "nicht ausländischer" Feind ein.
  186. Es war empörend,
    als Feind bezeichnet zu werden,
  187. wenn man sich freiwillig meldete,
    um für sein Land zu kämpfen.
  188. Noch schlimmer aber war
    der Zusatz "nicht ausländisch".
  189. Es ist eine Aussage,
  190. die das Gegenteil
    von "Bürger" bedeutet.
  191. Sie nahmen uns
    sogar das Wort "Bürger"
  192. und inhaftierten sie
    ein ganzes Jahr lang.
  193. Dann begriff die Regierung,

  194. dass ihr im Krieg
    die Soldaten ausgingen.
  195. Und genauso plötzlich, wie sie uns
    zusammengetrieben hatten,
  196. öffneten sie auch den Wehrdienst
  197. für junge Japano-Amerikaner.
  198. Es war völlig irrational,
  199. aber das Verblüffende,
  200. das Erstaunliche ist:
  201. Tausende junge
  202. japano-amerikanische
    Männer und Frauen,
  203. die hinter den Stacheldrahtzäunen
    wieder hervorkamen,
  204. zogen dieselbe Uniform
    wie die ihrer Wachen an
  205. und ließen ihre Familien
    in Gefangenschaft zurück,
  206. um für dieses Land zu kämpfen.
  207. Sie sagten, sie kämpften nicht nur dafür,

  208. ihre Familien hinter den
    Stacheldrahtzäunen hervorzuholen,
  209. sondern weil sie
    die Ideale hochhielten,
  210. für die unsere Regierung steht,
  211. stehen sollte,
  212. und die außer Kraft gesetzt wurden,
  213. durch das, was geschehen war:
  214. Alle Menschen sind gleich geschaffen.

  215. Und sie kämpften für dieses Land.
  216. Sie kamen in eine gesonderte
  217. rein japano-amerikanische Einheit.
  218. Man sandte sie auf
    die Schlachtfelder Europas,
  219. und sie stürzten sich hinein.
  220. Sie kämpften mit außergewöhnlichem,
  221. unglaublichem Mut und voll Tapferkeit.
  222. Man schickte sie auf die
    gefährlichsten Missionen.
  223. Sie erlitten anteilig
    die höchste Gefallenenrate
  224. unter allen Einheiten.
  225. Es gibt eine Schlacht,
    die das verdeutlicht.

  226. Es war die Schlacht um die Gotenstellung.
  227. Die Deutschen hatten
  228. in einer Bergwand Stellung bezogen.
  229. Es war eine felsige Bergwand
  230. mit unzugänglichen Höhlen.
  231. Drei Bataillone der Allierten
  232. hatten sie über sechs Monate hinweg
    immer wieder angegriffen.
  233. Es war eine Pattsituation.
  234. Das 442. [ Infanterieregiment ]
    erhielt den Befehl,
  235. die Angriffe zu unterstützen.
  236. Aber die Männer
    des 442. Regiments
  237. kamen auf eine außergewöhnliche,
  238. aber gefährliche Idee:
  239. Die Rückseite des Berges
  240. war eine kahle Felswand.
  241. Die Deutschen hielten
    einen Angriff von der Rückseite
  242. für unmöglich.
  243. Die Männer des 442. beschlossen,
    das Unmögliche zu wagen.
  244. In einer dunklen, mondlosen Nacht
  245. begannen sie die Felswand zu erklimmen,
  246. die über 300 Meter hoch war,
  247. in voller Kampfausrüstung.
  248. Die ganze Nacht kletterten sie
  249. über die nackte Felswand.
  250. In der Dunkelheit
  251. verloren manche den Halt
  252. oder traten daneben.
  253. Sie stürzten in den Tod
  254. in die Schlucht,
    die unter ihnen lag.
  255. Sie fielen lautlos.
  256. Nicht ein einziger schrie auf
  257. und verriet ihre Position.
  258. Die Männer kletterten
    acht Stunden lang ohne Pause.
  259. Diejenigen, die es auf
    den Kamm geschafft hatten,
  260. blieben dort bis zur Morgendämmerung.
  261. Mit dem ersten Licht
  262. griffen sie an.
  263. Sie überraschten die Deutschen,
  264. sie nahmen den Berg ein
  265. und durchbrachen die Gotenstellung.
  266. Eine sechsmonatige Blockade
  267. wurde vom 442.
  268. in 32 Minuten durchbrochen.
  269. Es war eine erstaunliche Leistung.

  270. Als der Krieg endete,
  271. kehrte das 442. Infanterieregiment
    in die USA zurück
  272. als die am häufigsten
    ausgezeichnete Einheit
  273. des gesamten Zweiten Weltkriegs.
  274. Sie wurden auf dem
    Rasen des Weißen Hauses
  275. von Präsident Truman begrüßt,
    der sagte:
  276. "Sie haben nicht nur
    gegen den Feind gekämpft,
  277. sondern gegen das Vorurteil,
    und Sie haben gesiegt."
  278. Sie sind meine Helden.

  279. Sie hielten an ihrem Glauben
  280. an die leuchtenden Ideale
    dieses Landes fest
  281. und bewiesen,
    dass Amerikaner zu sein,
  282. nicht nur wenigen Leuten vorbehalten ist.
  283. Ob man Amerikaner ist,
    wird nicht durch Rasse definiert.
  284. Sie erweiterten die Bedeutung
    des Wortes "Amerikaner"
  285. es bezog Japano-Amerikaner mit ein,
  286. die gefürchtet, verdächtigt
    und gehasst wurden.
  287. Sie waren Wegbereiter des Wandels
  288. und sie hinterließen mir
  289. ein Vermächtnis.
  290. Sie sind meine Helden,
  291. und mein Vater ist mein Held,
  292. der Demokratie verstand
  293. und mir den Weg durch sie wies.
  294. Sie hinterließen mir ein Vermächtnis,
  295. und dieses Vermächtnis
    birgt Verantwortung.
  296. Ich habe mich dem Ziel verschrieben,
  297. aus meinem Land
  298. ein noch besseres Amerika zu machen,
  299. unsere Regierung
  300. zu einer noch echteren
    Demokratie zu machen.
  301. Dank der Helden, die ich habe,
  302. und der Kämpfe,
    die wir überstanden haben,
  303. kann ich heute
  304. als schwuler Japano-Amerikaner
    vor Ihnen stehen.
  305. Aber mehr als das:
  306. Ich bin ein stolzer Amerikaner.
  307. Vielen Dank.

  308. [Applaus]