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← Drei Ratschläge, wie aus gewöhnlichen Treffen lebensverändernde Begegnungen werden

Warum sind manche Treffen mitreißend, andere dagegen nicht? Die Autorin Priya Parker gibt drei einfache Ratschläge, wie Partys, Abendessen, Meetings und Urlaube bedeutungsvoll und bereichernd werden.

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Showing Revision 60 created 06/22/2020 by P Hakenberg.

  1. Als Kind verließ ich
    jeden zweiten Freitag
  2. das Haus meiner Mutter
    und meines Stiefvaters:
  3. Einen indisch-britischen,
    atheistischen, buddhistischen,
  4. agnostischen, vegetarischen,
    manchmal esoterischen
  5. Demokraten-Haushalt.
  6. Dann ging ich 2,3 km zum Haus
    meines Vaters und meiner Stiefmutter
  7. und war in einer weißen,
    christlich-evangelikalen,
  8. konservativen Republikaner-Familie,
  9. die jede Woche 2-mal
    zur Kirche ging und Fleisch aß.
  10. Es ist nicht weiter verwunderlich,
  11. dass ich mich mit
    Konfliktbewältigung beschäftige.
  12. (Lachen)

  13. Ob ich nun bei Dialogen
    in Charlottesville,

  14. Istanbul oder Ahmedabad vermittelte,
  15. die Herausforderung war immer gleich:
  16. Wie kann man,
    entgegen der Erwartungen
  17. und mit Integrität,
  18. Menschen helfen,
    sich aufeinander einzulassen,
  19. Risiken einzugehen
  20. und von dieser Erfahrung
    verwandelt zu werden?
  21. Ich erlebte in diesen Räumen
    eine besonders schöne Spannung.
  22. Dann verließ ich diese Räume
  23. und ging zu normalen Treffen,
    wie wir sie alle haben:
  24. Eine Hochzeit, eine Konferenz
    oder ein Schulstart-Picknick.
  25. Viele davon enttäuschten mich.
  26. Es gab einen himmelweiten Unterschied
  27. zwischen der extremen Intensität
    der Konfliktgruppen
  28. und meinen alltäglichen Treffen.
  29. Jetzt könnten Sie sagen:
  30. Klar, eine Geburtstagsfeier kann nicht
    mit einem Rassismus-Dialog mithalten.
  31. Aber darum ging es mir nicht.
  32. Als Vermittlerin lernt man,
    alles auszublenden
  33. und sich auf die Interaktion
    zwischen Menschen zu konzentrieren.
  34. Bei üblichen Treffen geht es aber
    darum, Dinge richtig zu machen,
  35. das Essen, die Blumen, die Fischmesser,
  36. und die Interaktion zwischen den Menschen
    wird meist dem Zufall überlassen.
  37. Ich begann mich zu fragen,
    wie wir unsere alltäglichen Treffen

  38. so ändern können,
    dass die menschlichen Beziehungen
  39. und nicht die Appetithäppchen
    im Vordergrund stehen.
  40. Ich sprach mit Dutzenden von
    mutigen und ungewöhnlichen Gastgebern,
  41. einem Olympia-Hockey-Coach,
    einem Cirque-du-Soleil-Choreographen,
  42. einem Rabbi, einem Lagerbetreuer,
  43. um besser zu verstehen,
    wie es zu bedeutsamen
  44. und sogar bereichernden Treffen kommt.
  45. Ich will Ihnen erzählen, was ich bis heute
  46. über neue Regeln für Treffen gelernt habe.
  47. Die meisten wählen für geplante Treffen
    einen vorgefertigten Rahmen:

  48. Geburtstagsfeier? Kuchen und Kerzen.
  49. Vorstandssitzung?
  50. Ein brauner Tisch, 12 weiße Männer.
  51. (Lachen)

  52. Bei einem offensichtlichen Zweck
    wird die Form schnell zu wichtig.

  53. So kommt es nicht nur zu
    langweiligen und monotonen Treffen,
  54. wir verpassen so auch die Gelegenheit,
  55. tatsächlich einmal unsere
    Bedürfnisse auszusprechen.
  56. Der erste Tipp für
    bedeutsamere, übliche Treffen ist,
  57. sich auf einen bestimmten,
    strittigen Zweck einzulassen.
  58. Einer Bekannten von mir, werdende Mutter,
    graute es vor ihrer Babyparty.

  59. "Zieh dem Baby die Windel an" zu spielen
    und Geschenke auszupacken,
  60. fand sie seltsam und belanglos.
  61. Also überlegte sie:
  62. Was ist der Sinn einer Babyparty?
  63. Welche Bedürfnisse habe ich im Moment?
  64. Ihr wurde klar, dass sie über
    die Ängste sprechen wollte,
  65. die sie und ihr Mann,
    den gibt's ja auch noch,
  66. zum Thema Eltern-Werden haben.
  67. Sie bat zwei Freunde, mit dieser
    Idee ein Treffen zu gestalten.
  68. Also trafen sich an einem
    sonnigen Nachmittag 6 Frauen.
  69. Zuerst gingen sie auf ihre
    schreckliche Angst vor den Wehen ein
  70. und erzählten Geschichten aus ihrem Leben,
  71. um sie an Eigenschaften
    zu erinnern, die sie bereits hatte,
  72. nämlich Tapferkeit, Neugier,
    Vertrauen und Hingabe,
  73. und die ihr auch bei
    der Geburt helfen könnten.
  74. Während sie sprachen, fädelten sie
    eine Perle pro Eigenschaft auf eine Kette.
  75. Diese Kette konnte sie
    im Kreißsaal tragen.
  76. Dann kam ihr Ehemann herein

  77. und sie notierten, was sie sich
    als Familie geloben wollten,
  78. und trugen es vor:
  79. Ihre Ehe würde das Wichtigste bleiben,
    auch wenn sie dann Eltern wären.

  80. Aber sie sprachen auch
    über ihren zukünftigen Sohn
  81. und darüber, was sie ihm von ihrer
    jeweiligen Familie mitgeben wollten
  82. und was mit dieser Generation enden würde.
  83. Dann kamen weitere Freunde,
    auch Männer, zu einer Dinnerparty vorbei.
  84. Es gab keine Geschenke,
  85. sondern jeder erzählte der Runde
    eine besonders schöne Kindheitserinnerung.
  86. Jetzt denken Sie vielleicht:

  87. Das ist ein bisschen viel
    für eine Babyparty.
  88. Das ist etwas seltsam
    oder ganz schön persönlich.
  89. Gut.
  90. Es ist etwas Eigenes.
    Man kann darüber streiten.
  91. Sie machen es auf ihre Art,
  92. genauso wie Sie Ihre Treffen
    auf Ihre Art machen sollten.
  93. Der nächste Tipp für
    bedeutsamere Treffen ist,

  94. für positive Kontroverse zu sorgen.
  95. Wahrscheinlich haben Sie wie ich gelernt,
  96. dass man bei Tisch nicht über Sex,
    Politik oder Religion spricht.
  97. Diese Regel ist gut, weil durch sie
    die Harmonie erhalten bleibt.
  98. So soll es zumindest sein.
  99. Aber damit geht eine Hauptzutat verloren:
  100. Bedeutsamkeit, die förmlich
    unter den Nägeln brennt.
  101. Bei den besten Treffen
  102. werden die Voraussetzungen für
    eine positive Kontroverse geschaffen,
  103. weil ungesunder Friede menschliche
    Beziehungen genauso sehr gefährdet
  104. wie ungesunde Konflikte.
  105. Ich arbeitete für ein Architekturbüro,
    in dem eine Entscheidung anstand.
  106. Sie mussten für sich klären,
    ob sie ein Architekturbüro bleiben

  107. und Bauwerke errichten wollten,
  108. oder ob sie eine neue,
    angesagte Design-Firma werden wollten,
  109. die sich nicht mehr nur
    mit Raumplanung befasst.
  110. Es gab große Uneinigkeit im Raum,
  111. aber das wusste man nicht,
    weil es keiner aussprach.
  112. Also sorgten wir für
    eine positive Kontroverse.
  113. Nach der Mittagspause
    kamen alle Architekten zurück
  114. und wir inszenierten einen Ringkampf.
  115. Als sie hereinkamen,
  116. musste ein Architekt in die eine Ecke,
    als Vertreter der Architektur,
  117. der andere vertrat das Design.
  118. Wir warfen ihnen weiße
    Handtücher um den Hals,
  119. die wir auf der Toilette
    geklaut hatten, sorry,
  120. spielten die Musik von Rocky auf dem iPad.
  121. Jeder bekam einen Manager wie Don King,
  122. der sie aufputschte
    und Gegenargumente lieferte.
  123. Dann musste jeder von ihnen
  124. das bestmögliche Argument
    jeder Zukunftsvision verteidigen.
  125. Die Regeln der Höflichkeit
    bremsten sie aus.
  126. Dann ließen wir alle anderen
    eine Seite wählen,
  127. und das vor ihren Kollegen.
  128. Da sie so physikalisch zeigen konnten,
  129. wo sie standen, war das Problem gelöst.
  130. Die Architektur hat gewonnen.
  131. Das war aus der Arbeitswelt.

  132. Wie sieht es mit einem hypothetischen,
    angespannten Weihnachtsfest aus?
  133. Kennt das jemand?
  134. (Lachen)

  135. Fragen Sie als Erstes nach dem Zweck.

  136. Was braucht diese Familie dieses Jahr?
  137. Wenn etwas positive Spannung
    ein Teil davon ist,
  138. dann sind einen Abend lang
    nur Geschichten erlaubt, keine Meinungen.
  139. Wählen Sie ein Thema aus,
    das mit dem Konflikt zu tun hat.
  140. Aber statt einer Meinung muss jeder
  141. eine Geschichte aus seinem Leben
    und Erfahrungsschatz erzählen,
  142. die noch niemand am Tisch gehört hat.
  143. Über Unterschiede oder Gemeinsamkeiten
  144. oder darüber, wie man
    seine Einstellung geändert hat.
  145. So kann jeder auf den anderen eingehen,
  146. ohne dass das Haus in Flammen aufgeht.
  147. Der letzte Rat für
    bedeutsamere Treffen ist:

  148. Schaffen Sie sich vorübergehend
    eine eigene Welt mit eigenen Regeln.
  149. Vor ein paar Jahren bemerkte ich,

  150. wie mit einer Einladung
    auch Regeln einhergehen.
  151. Eher langweilig und einschränkend, oder?
  152. Falsch.
  153. In unserer multikulturellen,
    interaktiven Gesellschaft,
  154. wo immer mehr Menschen zusammenkommen,
  155. die mit Benimmregeln erzogen wurden,
  156. die anders als die eigenen sind,
  157. sind unausgesprochene Regeln
    ein Stressfaktor.
  158. Spontan erfundenen Regeln
  159. machen es uns leichter,
    sich aufeinander einzulassen.
  160. Die Regeln gelten nur einmal
    für einen bestimmten Zweck.
  161. Eine Regel für ein
    Abendessen mit dem Team,
  162. wo mehrere Generationen anwesend sind
  163. und jeder anders mit seinem Handy umgeht:
  164. Wer als Erstes auf sein Handy schaut,
    zahlt die Rechnung.
  165. (Lachen)

  166. Probieren Sie es aus.

  167. (Applaus)

  168. Eine Besprechung mit Unternehmensberatern,
    alle sind sich fremd,

  169. man will vermeiden, dass alle nur
    dem einen Kapitalgeber im Raum zuhören --
  170. (Lachen)

  171. Ein wissendes Lachen.

  172. (Lachen)

  173. Da darf keiner sagen,
    was er beruflich macht.

  174. Eine Regel für ein Mütter-Treffen,

  175. bei dem nicht immer über
    die Dinge geredet werden soll,
  176. über die Mütter üblicherweise reden:
  177. Wenn Sie über Ihre Kinder reden,
    müssen Sie einen Schnaps trinken.
  178. (Lachen)

  179. Dieses Abendessen gab es wirklich.

  180. Regeln haben die Macht,

  181. unser Verhalten eine Zeit lang
    anders und harmonischer zu machen.
  182. In multikulturellen Gesellschaften
  183. haben spontane Regeln
    eine besondere Bedeutung.
  184. Mit ihnen lassen sich
    Unterschiede überwinden,
  185. Beziehungen herstellen,
  186. sie sind sinnstiftend,
  187. und dazu müssen wir
    nicht alle gleich sein.
  188. Als Kind wurde ich ein Chamäleon,

  189. um mich in meinen Welten zurechtzufinden.
  190. Wenn jemand im Haus meiner Mutter nieste,
  191. sagte ich "Gesundheit",

  192. bei meinem Vater
    sagte man "Helf dir Gott".
  193. Um mich zu schützen,
  194. versteckte ich mich.
  195. Wie so viele von uns es tun.
  196. Erst, als ich älter war
    und mit der Konfliktarbeit begann,
  197. versteckte ich mich nicht mehr.
  198. Mir wurde klar,
  199. dass Treffen mir
    im besten Fall ermöglichen,
  200. unter Leuten zu sein, und dabei
    so gesehen zu werden, wie ich bin,
  201. und selbst zu sehen.
  202. Wie wir unsere Treffen
    gestalten, ist wichtig,

  203. denn so, wie wir uns begegnen,
    so leben wir auch.
  204. Vielen Dank.

  205. (Applaus)