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← Einfache Lösungen für ein Leben mit Parkinson

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Showing Revision 27 created 10/06/2016 by Nadine Hennig.

  1. In Indien leben wir in Großfamilien.
  2. Das wissen Sie wahrscheinlich schon.
  3. Darum gibt es sehr viele Familienfeste.
  4. Als Kind schleppten mich meine Eltern
    immer zu solchen Familienfeiern.
  5. Ich freute mich darauf,
    mit meinen Cousins herumzutollen.

  6. Mein Onkel war auch immer dabei.
  7. Er war immer bereit,
    mit uns herumzuspringen,
  8. hatte Spiele für uns parat
  9. und bescherte uns Kindern
    eine schöne Zeit.
  10. Dieser Mann war äußerst erfolgreich.
  11. Er war selbstbewusst und stark.
  12. Doch dann sah ich, wie dieser
    herzliche Mann gesundheitlich abbaute.
  13. Er hatte Parkinson.
  14. Parkinson ist eine Krankheit,
    die das Nervensystem degeneriert.

  15. Für einen Menschen,
    der immer unabhängig war,
  16. wird plötzlich sogar Kaffee trinken
    aufgrund des Zitterns zum Problem.
  17. Mein Onkel fing an,
    eine Gehhilfe zu benutzen.
  18. Um eine Kurve zu machen,
  19. musste er buchstäblich einen Schritt
    nach dem anderen machen,
  20. was ewig dauerte.
  21. Dieser Mensch,
    der auf allen Familienfeiern
  22. im Mittelpunkt stand,
  23. versteckte sich plötzlich
    hinter anderen Leuten.
  24. Er versteckte sich vor den
    mitleidigen Blicken der anderen.
  25. Dabei ist er nicht allein.

  26. Jedes Jahr werden 60 000 Menschen
    mit Parkinson diagnostiziert --
  27. Anzahl steigend.
  28. Als Designer sollen unsere Designs
    diese vielschichtigen Probleme lösen.
  29. Wir träumen von der
    einen Lösung, die alles löst,
  30. aber es kann auch anders verlaufen.
  31. Man kann auch einfache Probleme anpeilen
  32. und kleine Lösungen
    mit großer Wirkung erzielen.
  33. Mein Ziel war nicht Parkinson zu heilen,
  34. sondern den Alltag
    der Kranken zu erleichtern
  35. und so etwas zu bewirken.
  36. Zuerst widmete ich mich dem Zittern.

  37. Mein Onkel hatte es aufgegeben,
    öffentlich Kaffee oder Tee zu trinken,
  38. aus Scham.
  39. Da entwarf ich die "Nichtklecker"-Tasse.
  40. Sie funktioniert wegen ihrer Form.
  41. Die Kurve an der Spitze leitet die
    Flüssigkeit bei jedem Zittern zurück
  42. und sie behält die Flüssigkeit
    im Gegensatz zu anderen Tassen drin.
  43. Der Clou dabei ist:
  44. Dieses Produkt ist nicht
    als Parkinson-Produkt gekennzeichnet.
  45. Die Tasse sieht aus, als könne sie
    von jedem benutzt werden
  46. und das macht sie liebenswerter.
  47. Ein Problem wäre gelöst,
  48. aber es gibt noch viele.
  49. In dieser Zeit sprach ich viel mit ihm,

  50. stellte ihm Fragen
  51. und stellte bald fest, dass ich
    nur oberflächliche Informationen bekam
  52. oder lediglich Antworten
    auf die gestellten Fragen.
  53. Ich musste gründlicher nachforschen.
  54. Also beobachtete ich ihn in seinem Alltag,
  55. beim Essen, beim Fernsehen etc.
  56. Als ich ihm einmal zusah, wie er
    zum Esstisch ging, fragte ich mich,
  57. wie dieser Mann, dem es so schwer fällt,
    auf ebenem Boden zu gehen,
  58. eine Treppe bewältigen kann.
  59. In Indien haben wir
    kein schickes Treppengeländer,
  60. wie in den Industrieländern.
  61. Man muss die Treppe
    buchstäblich erklimmen.
  62. Dann sagte er zu mir:
  63. "Komm, ich zeige dir, wie ich das mache."
  64. Das habe ich beobachtet.
  65. Er brauchte sehr lange,
    um diese Position zu erreichen,

  66. und ich fragte mich die ganze Zeit:
  67. "Macht er das jetzt wirklich?
  68. Schafft er das wirklich ohne Gehhilfe?"
  69. und dann...
  70. (Gelächter)

  71. Er wendet mit Leichtigkeit!

  72. Überrascht?

  73. Tja, das war ich auch.
  74. Diese Person, die in der Ebene
    kaum gehen konnte,
  75. war plötzlich gut im Treppensteigen.
  76. Ich lernte, dass es wegen der
    ununterbrochenen Bewegung möglich ist.

  77. Es gibt einen Mann mit denselben
    Krankheitserscheinungen.
  78. Er benutzt eine Gehhilfe,
  79. aber auf dem Fahrrad
  80. verschwinden all seine Symptome,
  81. weil die Bewegung fortlaufend ist.
  82. Ich wollte nun das Gefühl
    des Treppensteigens
  83. auf ebener Fläche erzeugen.
  84. Ich hatte viele Ideen
    und probierte Vieles mit ihm aus.
  85. Diese war der Durchbruch.
  86. (Lachen)

  87. (Applaus)

  88. Er ist schneller gelaufen.

  89. (Applaus)

  90. Ich nenne es die "Treppenhausillusion".

  91. Als die Treppenhausillusion
    abrupt endete, erstarrte er.
  92. Das nennt man "Freezing of Gait"
    [etwa "Gangstarre"]
  93. und es passiert oft.
  94. Warum nicht diese Treppenhausillusion
    durch alle Räume verlaufen lassen,
  95. um ihnen mehr Sicherheit zu geben?
  96. Technologie bringt es nicht immer.
  97. Wir brauchen Menschen zentrierte Lösungen.
  98. Ich hätte es leicht als Projektion
  99. z. B. auf einem Google Glas machen können,
  100. aber ich wählte den Aufdruck
    auf dem Boden.
  101. Das könnte man auch
    in Krankenhäusern machen,
  102. damit sich die Menschen
    angenommen fühlen.
  103. Ich möchte, dass sich jeder
    Parkinsonpatient so fühlen kann,

  104. wie mein Onkel sich
    an diesem Tag gefühlt hat.
  105. Er sagte, er fühle sich
    endlich wieder wie er selbst.
  106. "Smart" ist heutzutage
    ein Synonym für "High-Tech"

  107. und die Welt wird
    von Tag zu Tag "smarter".
  108. Aber warum kann "smart" nicht etwas
    Einfaches und doch Effektives sein?
  109. Alles, was wir brauchen,
    ist etwas mehr Empathie und Neugier,
  110. um die Welt da draußen zu betrachten.
  111. Aber halten wir nicht hier an.
  112. Gehen wir diese komplexen Probleme an
    und haben keine Angst vor ihnen.
  113. Teilen wir sie in viel
    kleinere Probleme auf,
  114. für die wir einfache Lösungen suchen.
  115. Testen wir sie.
  116. Fehler dürfen auch passieren,
    denn so bekommen wir neue Erkenntnisse.
  117. Was könnten wir nicht alles mit einfachen
    Lösungengsvorschlägen erreichen?
  118. Wie sähe die Welt aus, würden wir
    unsere einfachen Lösungen kombinieren?
  119. Gestalten wir eine intelligentere,
    aber einfachere Welt.
  120. Danke.

  121. (Applaus)