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#rC3 - Globalisierung, Digitalisierung und die Wachstumsfrage

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    *rC3 Vorspannmusik*
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    Herald: ...und Beschleuniger von Krisen ist. Wohin wachsen wir also? Lasst uns
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    über den Rückbau Geld basierter Versorgungssysteme sprechen, über
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    Deglobalisierung und Technologieunabhängigkeit. An dieser
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    Stelle bitte begrüßt und mit allen nötigen Emojis im Chat Professor Dr. Niko Paech.
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    Prof. Dr. Niko Paech: Einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und
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    Herren. Ich möchte mich für die freundliche Einladung zur Remote Chaos
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    Experience ganz herzlich bedanken. Der Titel meiner Ausführungen lautet
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    "Globalisierung, Digitalisierung und die Wachstumsfrage". Und die Agenda meines
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    Vortrags hat folgendes Aussehen. Zunächst möchte ich auf eine ganz sporadische
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    Situationsanalyse und den Stand der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte eingehen,
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    um dann mit Ihnen einen kleinen Abstecher in die Welt der Wachstumskrisen, aber auch
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    der Wachstumskritik zu unternehmen. Das beides ohne Anspruch auf Vollständigkeit
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    das heißt, ich kann mich hier nur auf drei Ebenen der Wachstumskritik für heute
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    beschränken. Daran anknüpfend möchte ich Sie Einblick nehmen lassen in das von mir
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    in die Diskussion eingebrachte Konzept der sogenannten Postwachstumsökonomie. Dabei
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    handelt es sich um ein geordnetes Rückbauprogramm für Industrie- und
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    Konsumgesellschaften. Und dieser Rückbau muss natürlich, weil der Markt zwei Seiten
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    hat, eben auch auf zwei Ebenen erfolgen. Mit Suffizienz ist gemeint, eine völlig
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    neue Perspektive zu entwickeln für den Zusammenhang zwischen Konsum, Mobilität,
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    naja, Technologie auf der einen Seite und Lebensqualität auf der anderen Seite. Und
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    die Subsistenz markiert hier, dass wir eine ganz andere Güterproduktion brauchen,
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    eine, die graduell zumindest deglobalisiert und deindustrialisiert ist,
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    das heißt, die in gewisser Weise zur Konsequenz hat, dass aus Konsumenten,
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    sogenannte Prosumenten werden. Ich spreche hier in diesem Zusammenhang von
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    interaktiver Güterproduktion. Sollte die Zeit dann noch reichen, würde ich auf
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    mögliche Transformationsszenarien eingehen. Zur aktuellen Situation wäre zu
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    sagen, dass gemäß des Konzepts des Country Overshoot Days immer mehr Länder auf
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    diesem Planeten ökologisch brutalst über ihre Verhältnisse leben. Was ist damit
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    gemeint? Das ist ja eine sehr wertende Aussage. Nun, das Overshoot Day Konzept
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    beruht darauf, alle pro Jahr verfügbaren ökologischen Ressourcen, die natürlich
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    begrenzt sind, auf diesem Planeten, egalitär auf alle derzeit lebenden
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    Menschen gleich zu verteilen. Demnach hat dann jedes Land entsprechend seiner
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    Population ein ganz bestimmtes jährliches Budget an ökologischen Quellen- und
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    Senkenfunktionen und müsste mit diesem Budget 365 Tage auskommen. Wenn wir uns
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    nun aber anschauen, wann die Länder dieses Planeten bereits ihre Ressourcen, die
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    eigentlich bis zum 31.12. um 0 Uhr 0 reichen müssten, tatsächlich dann
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    verbraucht haben, dann sehen wir, dass die Bundesrepublik Deutschland schon am 3. Mai
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    diesen Tag erreicht hat und seit Aufzeichnung dieser Daten, die dann einmal
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    jährlich publiziert werden, rückt dieser Tag in Deutschland, aber auch in allen
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    anderen Ländern, immer näher an den Jahresanfang heran. Das Größte unter den
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    ökologischen Problemen, da erzähle ich Ihnen natürlich nichts Neues oder
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    Spannendes, ist der Klimawandel. Hier sehen Sie abgetragen über die Monate, wie
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    sich seit Aufzeichnung valider oder brauchbarer Klimadaten die
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    durchschnittliche Erdtemperatur entwickelt hat. Und Sie sehen auch, dass wir uns der
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    1,5 Grad Restriktion, die ja auf der inzwischen legendär verklärten Pariser
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    Klimaschutz Konferenz verkündet wurde, bedrohlich genähert haben. Wenn wir großes
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    Glück haben, erreichen wir vielleicht einen Wert zwischen 1,5 und 2 Grad. Dafür,
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    damit dies Realität wird., alles zu tun ist das Gebot der Stunde. Zwei Reaktionen
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    gibt es auf diese Gemengelage. Und damit beschreibe ich das Terrain der durchaus
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    kontrovers geführten Nachhaltigkeitsdebatte. Zum einen erleben
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    wir, dass das Konzept des sogenannten grünen Wachstums oder des Green Growths
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    oder der Green Economy die Debatte dominiert. Sowohl in der Politik als auch
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    in der Wissenschaft und natürlich erst recht in den Medien. Damit ist gemeint,
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    dass zeitgenössische Wohlstandsmodell, basierend auf Konsum, immer mehr Mobilität
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    und sonstiger Inanspruchnahme Industrie gemachter Bequemlichkeit nicht
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    einzuschränken oder strukturell zu verändern, sondern nur die Inhalte, d. h.
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    die Güter, die Technologien, die Science (?) so zu verändern, dass das selber auf
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    Wachstum beruhende Wohlstandsmodell neuerdings eben ökologisch verträglich
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    wird. Hier ist also der technische Fortschritt, wie man so sagen will, der
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    Dreh- und Angelpunkt einer Transformation mit Zielrichtung ökologische
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    Überlebensfähigkeit. Die ökologische Effizienz, auf die ich noch eingehe, ist
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    hier als eine Strategie oder Teilstrategie zu benennen, dann aber auch die
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    erneuerbaren Energieträger und 3. die geschlossenen, entweder technischen oder
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    biologischen Kreisläufe. Dem gegenübergestellt erleben wir im Moment,
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    wenngleich mehr in der Nische befindlich, eben auch eine nNachhaltigkeitsdebatte,
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    die wachstumskritisch ist. Das heißt also, hier ist der kulturelle Wandel, also ein
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    völlig neues Verständnis von dem, was gutes und vor allem verantwortbares Leben
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    ist. Hier erleben wir also den kulturellen Wandel als Schrittmacher der Wende. Und
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    hier haben wir dann kein Schnittmengen Modell, das suggeriert, dass die
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    Wirtschaft weiter wachsen kann und damit eben soziale Probleme gelöst werden können
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    und zugleich die Ökosphäre stabilisiert werden kann. Sondern hier haben wir eher
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    eine Logik, die dann als Teilmengenkonstruktionen dargestellt ist,
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    die kompatibel ist mit den Gesetzen der Thermodynamik, nämlich dass die Ökologie
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    nicht verhandelbar ist und auch nicht mit sich handeln lässt. D.h. technischer
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    Fortschritt kann nicht bewirken, dass die Wachstumsgrenzen nach außen verrückt
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    werden. Das bedeutet, dass also die Gesellschaft als Ganzes eingebettet sein
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    muss in die ökologischen Grenzen und nicht darüber hinaus wachsen kann. Und die
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    Ökonomie wiederum ist ein Teilsystem der Gesellschaft und stellt keinen Selbstzweck
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    dar, sondern ein Mittel zum Zweck, d. h. der Befriedigung der materiellen
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    Bedürfnisse jener Menschen, die innerhalb dieses Systems ihr Dasein fristen. Hier
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    sind vor allem maßvolle Lebensstile oft auch als Suffizienz bezeichnet, ein
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    relevanter Schrittmacher, ebenso aber wie die partielle und wohlgemerkt nur
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    punktuelle Selbstversorgung, d. h. der Ausstieg aus einer technisierten,
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    globalisierten, industrialisierten Güterversorgung. Wenn wir uns also vor
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    allem das Paradigma des grünen Wachstums und damit die sogenannte
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    Entkopplungungsstrategie näher anschauen, dann stellen wir fest, dass hier so viele
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    theoretische und empirische Widersprüche lauern, dass man diese Strategie nicht
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    ernsthaft in Erwägung ziehen kann. Aber eins nach dem anderen. Zunächst möchte ich
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    noch eine andere Ebene der Wachstumskritik mit Ihnen beschreiten, die aber dann
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    überleitet zu genau diesem Problem, nämlich der Unmöglichkeit eines
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    sogenannten grünen Wachstums. Und diese Ebene, die ich als erstes beschreiben
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    möchte, bezeichne ich von ihrer Funktionsweise her, wenn man so sagen
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    will, als Produktivitätsfalle. Wenn wir mal die Frage stellen, wie es überhaupt zu
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    diesem exorbitanten Reichtum kommen konnte, den wir derzeit auf dem Planeten
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    Erde erzielen und der noch vor wenigen Jahrzehnten selbst für die Reichsten der
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    Reichen Science-Fiction gewesen wäre, vor allem in Bezug auf die vielen technischen
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    mobilitätsbasierten Möglichkeiten, über die wir verfügen. Da gibt es verschiedene
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    Antworten, verschiedene Narrative, möchte ich fast sagen, die sich in den Sozial-
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    und damit auch Wirtschaftswissenschaften, aber auch in den Geisteswissenschaften
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    finden. Ein roter Faden, der sich durch all diese Narrative zieht ist, dass es
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    natürlich 4 industrielle Revolution waren, die also menschliche Gesellschaften aus
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    der Not befreit haben. Wobei dann unter Not zu verstehen war, dass jede Art der
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    Transformation von Materie in Güter sich eigentlich nur speisen konnte aus der
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    handwerklichen, der manuellen, der körperlichen Arbeit der Individuen einer
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    Gesellschaft. Und wenn dann alle arbeitsfähigen Menschen ausgelastet waren,
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    dann war damit auch ein Output Niveau erreicht, das über Jahrtausende hinweg
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    nicht wachsen konnte. Erst mit der industriellen Revolution Nr. 1, das war
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    die Etablierung der Dampfmaschine, mit der man dann Manufakturen, Werkstätten und zum
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    Teil auch die Agrarproduktion mechanisieren konnte, gelang es plötzlich,
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    aus diesem engen Korsett der begrenzten Produktion auszubrechen, indem die
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    menschliche Hand jetzt nicht mehr direkt den Spaten oder den Hobel anfasst, sondern
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    einen Schalter umlegt und damit Kräfte entfesselt, die weit über die
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    Energievorräte eines menschlichen Körpers hinausreichen. So konnte also bei gleicher
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    Beschäftigung also die Produktion potenziert werden. Und das setzte sich
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    sofort mit entsprechenden Wachstumsraten über die 2. industrielle Revolution, also
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    die Elektrifizierung, dann die 3., die vor allem die erste Welle der
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    Computerisierung, der Mikroelektronik und damit auch der Automatisierung mit sich
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    brachte. Und jetzt erleben wir gerade den Beginn einer noch viel furioseren
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    industriellen Revolution, nämlich der sogenannten Industrie 4.0, die darauf
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    beruht, absolut alles, was in irgendeiner Form in Verbindung mit Wertschöpfung
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    steht, zu digitalisieren. Das Ganze mündet ein, also alle 4 industriellen
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    Revolutionen, in die Erhöhung, teilweise sprunghafte Erhöhung, der
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    Arbeitsproduktivität. Das heißt, wir brauchen immer weniger Arbeitskräfte, um
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    ein bestimmtes Quantum an Produktion zu gewährleisten. Und das hat natürlich dann
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    verschiedene Nebenwirkungen, außer dass wir immens reich geworden sind. Mit wir
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    meine ich natürlich nicht den globalen Süden oder noch nicht den globalen Süden,
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    der noch dort ist, ja mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit
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    festzustellen, dass unser Industriemodell kopiert wird. Also das heikle Verhältnis,
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    das damit herauf beschworen wird, spielt sich ab zwischen technischen,
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    ökonomischen, ökologischen und schließlich auch sozialen Belangen. Denn genau
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    dieselbe Technologieentwicklung, die uns so reich hat werden lassen, bedingt ja
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    auch mit weniger Arbeitskraft in der Lage zu sein, ein bestimmtes Output Niveau zu
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    erreichen. Und dies, das hat schon Karl Marx sehr trefflich beschrieben, kann dann
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    eben auch zu sozialen Krisen führen, weil wir dann eben Massenarbeitslosigkeit
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    befürchten müssen. Aber die Grundidee eigentlich der Entwicklung aller
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    Industriestaaten und zwar ganz egal von sozialistischen Planwirtschaften oder
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    kapitalistischen Marktwirtschaften reden, ist, das hinreichendes Wachstum dafür
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    sorgt, dass die Früchte der Technisierung eben nicht einmünden in soziale Krisen.
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    Das heißt, wenn bei VW beispielsweise eine neue Generation der Robotik dafür sorgt,
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    dass man nur noch halb soviel Arbeiter braucht und Arbeiterinnen, um einen
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    bestimmten Output zu erzeugen und dann die Gefahr besteht, dass man die Hälfte der
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    Belegschaft freisetzen muss, dann müsste schlicht und ergreifend der Output nur
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    verdoppelt werden und schon würde trotz des technischen Fortschritts erreicht
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    werden, dass alle Menschen an Bord bleiben können, die dort bislang auch beschäftigt
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    waren. Aber was uns jetzt ins Haus steht an sprunghafter Steigerung der
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    Arbeitsproduktivität, das ist absolut epochal. Die sogenannte Industrie 4.0
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    beruht auf verschiedenen Paradigmen, die Sie alle wahrscheinlich besser kennen als
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    ich, als Teilnehmer dieser Konferenz. Also künstliche Intelligenz. Also ?
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    Intelligenz. Robotik. Ein sogenanntes. Ein sogenanntes Internet der Dinge Fab-Labing,
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    3D-Druck am BigData, vor allem in der wissensintensiven Wirtschaft und
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    Dienstleistungswirtschaft, Beratungswirtschaft, auch
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    Finanzwirtschaft. Dann eine völlig erweiterte Möglichkeit von Sensorik etwa
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    in Fertigungsstätten oder dort, wo Endfertigung stattfindet. Vor allem dann
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    eben dort auch digitale Endgeräte mit der sogenannten SLAM-Charakteristik und den
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    weiteren Entwicklungen, die sich daraus eben ergeben haben. Wenn wir nun also die
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    Frage stellen, wie es also aussieht mit dem Zusammenhang zwischen technischem
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    Fortschritt und der Stabilisierung einer modernen Gesellschaft, dann ist die Frage
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    relevant wie viel Arbeit braucht eine Volkswirtschaft? Und die Arbeitsnachfrage
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    hängt eben ab. 1. vom Output der Volkswirtschaft hier dargestellt als Y und
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    dem pro Output Einheit notwendigen Input an Arbeitskräften. Und dieser Quotient ist
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    eben der, der sich permanent verändert durch technischen Fortschritt. Und wir
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    stehen damit an einer Eskalationsstufe. Wenn wir hinreichendes Wachstum bei
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    technischem Fortschritt erzielen, dann haben wir zwei Pluspunkte, nämlich einmal
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    Vollbeschäftigung. Trotz der Automatisierung oder Rationalisierung
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    nennt man das ja auch oft so im Volksmund und einem höheren Einkommens- und
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    Konsumniveau. Denn wenn die Technik die Produktivität erhöht, dann sind
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    diejenigen, die einen Job haben, gesegnet damit, ein höheres Einkommen zu erhalten.
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    Das heißt, sie können dann auch das, was zusätzlich produziert wird, durch den
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    technischen Fortschritt, also die gewonnene Produktivität, eben auch kaufen
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    können. Und das ist das Märchen vom immerwährenden Wohlstand. Und dem
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    gegenübergestellt eben die Tragödie. Würde das Wachstum nicht hinreichen, um also
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    tatsächlich Beschäftigungslosigkeit zu vermeiden, dann drohen soziale Krisen. Ich
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    sag nochmal Karl Marx hat dazu schon als Pionier sehr viel geschrieben, was sich
  • 14:00 - 14:04
    daraus ergibt, lässt sich im Sinne einer Eskalation sehr gut darstellen, wenn wir
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    zwei Wachstumsraten mal unterscheiden . Wachstumsraten der volkswirtschaftlichen
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    Produktion. Oder Sie können auch sagen des Bruttoinlandsproduktes, das würde hier
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    rein heuristisch jetzt von der Argumentation her keinen Unterschied
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    machen, nämlich das mindestens erforderliche Wachstum, das bei einer ganz
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    bestimmten Automatisierung durch technischen Fortschritt also dann vonnöten
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    ist, um Vollbeschäftigung zu erhalten und das tatsächlich mögliche Wachstum. Das
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    hängt natürlich nicht von der Produktivität ab, sondern das hängt
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    einfach davon ab, welche limitierenden Faktoren dem Wachstum Grenzen setzen. Und
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    wenn wir mal so ein bisschen auf die Historie dieser 4 industriellen Revolution
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    schauen und mal zunächst nur das nötige Wachstum, um die Volkswirtschaft stabil zu
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    halten. Wenn wir uns mal dieses Wachstum näher anschauen, stellen wir fest, dass es
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    permanent natürlich höher gewesen als in der Epoche vorher. Das heißt je mehr
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    Technik einsetzen können, um die Produktivität zu steigern. Umso mehr muss
  • 15:01 - 15:05
    die Wirtschaft wachsen, um zu verhindern, dass auf diese Weise Arbeitskräfte
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    freigesetzt werden. Und die These, die ich hier schon, also über der Eintragung
  • 15:11 - 15:16
    Industrie 4.0 versuche, graphisch zu kommunizieren, lautet: Jetzt werden wir
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    ein noch viel, viel höheres Wachstum brauchen, um die immensen
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    Produktivitätsfortschritte bedingt durch die Digitalisierung sozial und politisch
  • 15:25 - 15:30
    aufzufangen. Wenn wir uns jetzt die andere Wachstumsrate angucken, also nicht die
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    theoretisch erforderliche, um Vollbeschäftigung trotz Automatisierung zu
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    haben, sondern jene, die überhaupt möglich war. Das ist die Rückschau bis zur dritten
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    industriellen Revolution oder die vermutlich möglich sein wird. Ab da haben
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    wir ja keine Empirie mehr, sondern das ist schlicht und ergreifend meine These, die
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    ich aufstelle. Dann stellen wir fest: Während der ersten 3 industriellen
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    Revolution haben wir mit der Brechstange und unter Plünderung des Planeten
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    irgendwie gerade erreichen können, dass das nötige, für die Vollbeschäftigung
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    nötige, Wachstum dem Möglichen entsprach. Wir haben sogar eine Phase erlebt, wo das
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    Wachstum in Deutschland so boomte, dass trotz anfänglicher 3. industrieller
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    Revolution sogar ein Arbeitskräftemangel vorlag. Das ist die Zeit, als sie viele
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    Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Türkei haben überreden können, in
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    Deutschland die Zelte aufzuschlagen und hier zu arbeiten. Wir sollten diese
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    Menschen vielleicht sogar dankbar dafür sein. Aber was uns jetzt droht, ist, dass
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    wir in ein doppeltes Dilemma schlingern. Erstens Noch nie zuvor war Mitteleuropa so
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    reich wie jetzt und stand noch nie unter einem solchen Wachstumsdruck, weil der
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    technische Fortschritt, den wir anstrengen durch die Digitalisierung, eben durch die
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    Freisetzung von Arbeitskräften eben eine Zerreißprobe bedeutet. Gleichzeitig
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    standen wir noch nie vor solch eklatanten Wachstumsgrenzen. Denken wir an den
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    Klimawandel, den Artenschwund, die Verringerung der Ressourcenvorräte, vieles
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    andere mehr. Das muss ich Ihnen hier überhaupt nicht näher erläutern. Und diese
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    Kluft wird nicht durchhaltbar sein. Oder doch? Oder gelingt es doch, das mögliche
  • 17:04 - 17:09
    Wachstum so zu steigern, dass wir trotz ökologischer Grenzen in der Lage sind, den
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    digitalen Fortschritt politisch und sozial integer zu meistern? Nun, damit komme ich
  • 17:14 - 17:18
    auf die zweite Ebene der Wachstumskritik, festgemacht an der Frage, ob es denn nicht
  • 17:18 - 17:22
    doch so etwas wie grünes Wachstum geben kann, mit dem wir in der Lage sein können,
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    tatsächlich die beste aller Welten zu erreichen. Eine bequeme, auf technischem
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    Fortschritt beruhende Güterproduktion und Vollbeschäftigung und damit eben auch eine
  • 17:33 - 17:36
    gerechtere Verteilung natürlich des Überschusses einer Volkswirtschaft. Nun
  • 17:36 - 17:42
    hier habe ich eine kleine Karikatur für Sie. Die stammt aus einem Medium, das in
  • 17:42 - 17:48
    Frankreich Verbreitung findet und den Namen "La décroissance" hat. Das ist die
  • 17:48 - 17:52
    Postille der wachstumskritischen Bewegung in Frankreich, also der Décrossance-
  • 17:52 - 17:57
    Bewegung. Und Sie können vielleicht ja am Stil dieser Karikatur erkennen, dass hier
  • 17:57 - 18:01
    die Macherinnen und Macher von Charlie Hebdo diejenigen sind, die auch dieses
  • 18:01 - 18:07
    Journal am grafisch gestalten. Jetzt mal weniger lustig, wie sieht grünes Wachstum
  • 18:07 - 18:11
    denn überhaupt in Theorie und Praxis aus? Eigentlich ist es ganz simpel Es gibt zwei
  • 18:11 - 18:15
    technologische Tricks. Der eine wird als Effizienz bezeichnet und was ich hier
  • 18:15 - 18:20
    mache, ist, dass ich diese Logik nur anwende auf den Klimawandel, zu mehr
  • 18:20 - 18:24
    reicht die Vortragszeit nicht. Und da geht es natürlich um Energie und die
  • 18:24 - 18:30
    ökologische Effizienz würde dann als eine der beiden Greengrowth-Strategien bedeuten
  • 18:30 - 18:34
    möglichst wenig Primärenergie pro Wertschöpfung Einheit, pro
  • 18:34 - 18:39
    Produktionsergebnis, können Sie auch sagen, einzusetzen. Und die zweite
  • 18:39 - 18:44
    Strategie als Teil oder als zweiter Stützpfeiler des grünen Wachstums ist die
  • 18:44 - 18:48
    sogenannte ökologische Konsistenz. Hier geht es nicht darum, Ressourcen in diesem
  • 18:48 - 18:53
    Fall Primärenergie einzusparen, sondern die Qualität der Umwandlung und der
  • 18:53 - 18:58
    Auswahl von Ressourcen so zu optimieren, dass die schadintensität einer
  • 18:58 - 19:02
    verbrauchten Input-Einheit, also Primärenergie-Einheit möglichst gering
  • 19:02 - 19:06
    ist. Das heißt hier konkret bezogen auf das Beispiel Klimaschutz die CO2
  • 19:06 - 19:10
    Intensität einer Primärenergie-Einheit zu minimieren und die erneuerbaren
  • 19:10 - 19:16
    Energieträger und das ist das Paradigma der deutschen Energiewende. Naja, das ist
  • 19:16 - 19:21
    natürlich dann alles nichts anderes als eine Strategie der Vermehrung der Nutzung
  • 19:21 - 19:24
    erneuerbarer Energieträger. Und der Gesamteffekt lässt sich dann als
  • 19:24 - 19:29
    verminderte CO2-Emission pro Wertschöpfung seiner darstellen. Und wenn Sie das
  • 19:29 - 19:32
    grafisch mal anschauen wollen, sieht das so aus wie hier rechts auf der Folie Das
  • 19:32 - 19:36
    Bruttoinlandsprodukt BIP abgekürzt soll weiter wachsen. Hurra! Unser Wohlstand
  • 19:36 - 19:40
    wird nicht eingeschränkt, aber die CO2-Emissionen sollen entweder nicht so
  • 19:40 - 19:45
    schnell wachsen, das nennt man relative Entkopplung, bringt aber gar nichts oder
  • 19:45 - 19:49
    sogar absolut gesenkt werden. Also das CO2 Niveau. Und das müssen wir auch, weil in
  • 19:49 - 19:53
    der Bundespolitik Deutschland verbrauchen die Menschen im Durchschnitt 12 Tonnen an
  • 19:53 - 19:58
    CO2 Äquivalenten pro Kopf und Jahr und wir müssten runter auf eine Tonne laut Angabe
  • 19:58 - 20:04
    des Umwelt Bundesamtes, dass ja im Auftrag der Bundesregierung eben auch tätig ist.
  • 20:04 - 20:08
    Das heißt, wir müssten also die Pro-Kopf Emission in Deutschland um den Faktor 12
  • 20:08 - 20:13
    verringern. Also gut, das ist eben dann das, was das grüne Wachstum, wenn es
  • 20:13 - 20:16
    diesen Namen verdienen wollte, leisten müsste. Und das scheitert doch mindestens
  • 20:16 - 20:20
    den folgenden vier Ebenen. Zunächst einmal scheint ja eine geradezu religiöse
  • 20:20 - 20:25
    Überschätzung des technischen Fortschritts vorzulegen, keineswegs nur in Politik und
  • 20:25 - 20:28
    Medien, sondern mehr noch eigentlich in den Universitäten, die ich inzwischen als
  • 20:28 - 20:34
    "churches of progress" bezeichnen würde. Zweitens vernachlässigen wir ein besonders
  • 20:34 - 20:39
    interessantes Phänomen in hoch modernen, aufgeklärten Konsumgesellschaft, nämlich
  • 20:39 - 20:42
    das, was ich unter ökologischem Versteckspiel oder auch ökologischem
  • 20:42 - 20:46
    Ablasshandel verstehe. Zu den Grundbedürfnissen des Homo sapiens zählt
  • 20:46 - 20:51
    nämlich nicht nur die Deckung essentieller Bedürfnisse und vielleicht noch einiger
  • 20:51 - 20:55
    Bedarfe, die darüber hinausgehen, sondern auch natürlich so etwas wie soziale und
  • 20:55 - 21:00
    psychische Integrität. Und das setzt voraus, kognitive Dissonanzen zu
  • 21:00 - 21:05
    verarbeiten oder in irgendeiner Form zu tilgen. Und die kognitive Dissonanz, die
  • 21:05 - 21:08
    einen besonders mit Umweltbewusstsein und Bildung ausgestatteter Homo sapiens
  • 21:08 - 21:13
    erleidet, wenn er eine Kreuzfahrt bucht sowie kauft oder sich jedes Vierteljahr
  • 21:13 - 21:17
    ein neues Smartphone leistet, ist beträchtlich. Was kann man tun, um diese
  • 21:17 - 21:23
    kognitive Dissonanz zu beseitigen? Indem ganz einfach das gelingt, indem zusätzlich
  • 21:23 - 21:26
    zu den bisherigen ruinösen ökologischen Aktivitäten dann eben auch noch die
  • 21:26 - 21:31
    Photovoltaikanlage aufs Dach gesetzt wird. Öko fairer Kaffee getrunken wird oder
  • 21:31 - 21:35
    Unterwäsche von Hess Natur gekauft wird. So wächst also beides um die Wette, dass
  • 21:35 - 21:39
    schmutzigste und weniger schmutzige und das kann natürlich innerhalb ökologischer
  • 21:39 - 21:42
    Grenzen auch nicht darstellbar sein. Und vor allem ist dieses ökologische
  • 21:42 - 21:48
    Versteckspiel eine Stabilisierung. Einer öko suizidalen Lebensweise dann drittens
  • 21:48 - 21:52
    haben wir eine massive Unterschätzung sogenannter Rebound-Effekte. Das sind also
  • 21:52 - 21:57
    die Nebenwirkungen der eingesetzten technologischen oder sonstigen Innovation
  • 21:57 - 22:02
    mit dem Ziel, immer die Wirtschaft von ökologischen Schäden zu entkoppeln. Da
  • 22:02 - 22:06
    haben wir einkommensbedingte Rebound- Effekte, die darauf beruhen, dass wenn wir
  • 22:06 - 22:10
    effizientere in diesem Fall also um beim Beispiel zu bleiben, energieeffizientere
  • 22:10 - 22:14
    Technologien einsetzen. Das wir dann ja auch am Geld sparen und dieses eingesparte
  • 22:14 - 22:18
    Geld kann dann wieder investiert werden für den, wenn's sein muss, schmutzigsten
  • 22:18 - 22:22
    Konsum. Muss nicht so sein, aber laut aller vorliegenden Studien ist es
  • 22:22 - 22:26
    teilweise schon der Fall und ein viel, viel eklatanter Rebound-Effekt. Das ist
  • 22:26 - 22:31
    der materielle Rebound-Effekt beruht darauf, dass bis heute noch nie eine
  • 22:31 - 22:35
    Technologie erfunden oder auch nur ersonnen oder geschweige denn praktiziert
  • 22:35 - 22:40
    wurde, die es vermochte, einen ökologischen Schaden zu beseitigen, ohne
  • 22:40 - 22:46
    ihn räumlich, stofflich, zeitlich oder systemisch zu verlagern. Das muss man sich
  • 22:46 - 22:51
    klarmachen. Auch Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen fallen ja nicht vom
  • 22:51 - 22:55
    Himmel. Und vor allem Sie kommen nicht ohne Platzbedarf aus. Das heißt, sie
  • 22:55 - 22:58
    verlagern eigentlich ein ökologisches Problem in einen bestimmten
  • 22:58 - 23:02
    Aggregatzustand, in diesem Fall gasförmig, einfach nur in einen anderen physischen
  • 23:02 - 23:06
    und damit ökologisch relevanten Aggregatzustand. Das ist alles. Das heißt
  • 23:06 - 23:09
    übrigens nicht, dass Wind und Sonne schlechte Energiequellen sind. Es heißt
  • 23:09 - 23:14
    nur, dass sie das Wachstumsproblem nicht lösen können. Das ist gemeint der 4.
  • 23:14 - 23:18
    Ebene, die ich auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit, noch kurz benenne. Geht
  • 23:18 - 23:22
    es mir darum, die Handlungsunfähigkeit und das Versagen moderner Politik
  • 23:22 - 23:25
    herauszustellen. Oft wird ja geklagt darüber. Der Markt ist böse und er schafft
  • 23:25 - 23:29
    das natürlich nicht. Eine ökologische Wende herbeizuführen. Völlig richtig. Das
  • 23:29 - 23:33
    würde ich sofort unterschreiben. Aber die Politik, die versagt, muss dann bitte auch
  • 23:33 - 23:36
    genannt werden. Also zur Techniküberschätzung. Hier sehen wir mal
  • 23:36 - 23:40
    das Wunderwerk der deutschen Energiewende. Und nochmal, die Bundesrepublik
  • 23:40 - 23:44
    Deutschland gilt auf dem internationalen Parkett als Musterschüler des
  • 23:44 - 23:48
    Klimaschutzes. Und nicht nur das, sondern auch vor allem als Musterschüler des
  • 23:48 - 23:51
    grünen Wachstums. Denn wir sind ja nicht nur Klimaschutzweltmeister, sondern wir
  • 23:51 - 23:56
    haben also, wenn wir mal von der Schweiz und vielleicht Neuseeland oder Schweden
  • 23:56 - 23:59
    absieht. Wir haben einen irre hohen Lebensstandard, vielleicht mit den
  • 23:59 - 24:04
    höchsten auf diesem Planeten halt. Und die Königsdisziplin der deutschen Energiewende
  • 24:04 - 24:08
    ist nichts anderes, als den Anteil der erneuerbaren Energieträger an der gesamten
  • 24:08 - 24:13
    Energieverbrauchsmenge kontinuierlich zu steigern. Und was in Deutschland geschehen
  • 24:13 - 24:16
    ist, vor allem auch mit der Brechstange gegen die letzten Landschaften. Wenn wir
  • 24:16 - 24:20
    von Windenergie vor allem reden und Biogas, aber auch Photovoltaik-
  • 24:20 - 24:23
    Freiflächenanlagen, das kann sich sehen lassen. Das ist auch gar nicht zu
  • 24:23 - 24:28
    verstecken. Ganze Landschaften sind umgewandelt worden und das Ergebnis ist,
  • 24:28 - 24:31
    dass an der gesamten Primärenergiemenge, die wir in Deutschland verbrauchen, gerade
  • 24:31 - 24:37
    mal 15 % regenerativ sind. Und das ist zum Teil sogar eine sehr katastrophale
  • 24:37 - 24:43
    Energieerzeugung, weil nämlich etwa die nicht mehr ganz, aber bis vor kurzem die
  • 24:43 - 24:46
    Hälfte davon Bioenergie ist. Und Bioenergie hat keine positive CO2-Bilanz,
  • 24:46 - 24:52
    erhöht die CO2 Mengen. Das wissen wir inzwischen auf Basis von vielen Studien
  • 24:52 - 24:56
    zur Öko-Bilanzierung der sogenannten Bioenergie. Also das ist die Elektrizität,
  • 24:56 - 25:00
    die aus Biomassekraftwerken kommt. Und Wind und Sonne sind dann also weitaus
  • 25:00 - 25:04
    kleiner als einfach nur 15 %: Da sagen viele, naja, man muss halt den
  • 25:04 - 25:09
    Endenergieverbrauch eher anschauen, weil der Endergieverbrauch im Vergleich zum
  • 25:09 - 25:13
    Primärenergieverbrauch schon die Umwandlungsverluste, vor allem thermischer
  • 25:13 - 25:16
    Art, bei der Nutzung fossiler Energieträger, weil dies alles
  • 25:16 - 25:20
    eingerechnet wird. Was wir sehen, ist wirklich kein Silberstreif am Horizont.
  • 25:20 - 25:24
    Also der Klimaschutz-Musterschüler verharrt auf einem irre hohen Niveau an
  • 25:24 - 25:28
    Endenergieverbräuchen, bei entsprechend kleinem Teil eben nur an erneuerbaren
  • 25:28 - 25:32
    Energieträgern. Und wenn wir das mal im europäischen Vergleich sehen, dann muss
  • 25:32 - 25:37
    man folgendes konstatieren: Deutschland ist das Klimaschutzschmuddelkind. Alle
  • 25:37 - 25:41
    Länder, die noch schlechter dastehen als Deutschland im im europäischen Vergleich.
  • 25:41 - 25:44
    Was den Anteil der erneuerbaren Energieträger am Endenergieverbrauch
  • 25:44 - 25:49
    anbelangt, sind also in gewisser Weise überhaupt nicht bestrebt, überhaupt
  • 25:49 - 25:54
    Klimaschutz zu betreiben. Wenn ich mir etwa Polen anschaue und ähnliche Länder.
  • 25:54 - 25:57
    Deutschland liegt unter dem europäischen Durchschnitt, also die meisten Länder
  • 25:57 - 26:02
    haben einen wesentlich höheren Anteil an erneuerbaren Energieträgern. Woran liegt
  • 26:02 - 26:06
    das? Dabei haben die nicht einmal so verschandelte Landschaften wie dort, wo in
  • 26:06 - 26:10
    Deutschland die Energiewende tobt, ganz einfach: sie sparen mehr Energie, sie
  • 26:10 - 26:14
    frönen möglicherweise nicht demselben Wachstumsdogma wie die Bundesrepublik
  • 26:14 - 26:18
    Deutschland. Wenn man sich dann die Bruttostromerzeugung anschaut, wird einem
  • 26:18 - 26:22
    schwindlig. Und Sie wissen ganz genau, warum die nach wie vor steigt, trotz
  • 26:22 - 26:27
    angeblicher Effizienz. Richtig, es ist die Digitalisierung. Wenn wir uns die
  • 26:27 - 26:31
    CO2-Emission anschauen, stellen wir fest, naja, es hat da so ein paar Einbrüche
  • 26:31 - 26:36
    gegeben. Im Hinblick auf die makroökonomisch betrachtete Höhe der CO2
  • 26:36 - 26:41
    Mengen Energie bedingt nur das hat nichts mit grünem Wachstum, auch nichts mit
  • 26:41 - 26:46
    technologischer Entkopplung zu tun. 1. Die energieintensivsten Bestandteile der
  • 26:46 - 26:51
    Produktionsketten, die für unseren Wohlstand in Deutschland maßgeblich sind,
  • 26:51 - 26:56
    werden nach und nach, Tendenz steigend, verlagert. Natürlich nach China, Indien
  • 26:56 - 27:00
    und in einige andere Länder auch. So kann man natürlich die eigene umweltökonomische
  • 27:00 - 27:05
    Gesamtrechnung in Bezug auf CO2 wunderbar aufhübschen. Aber es sind dann Fake News
  • 27:05 - 27:09
    zu behaupten, wir hätten es geschafft, in Deutschland irgendwie ein Fortschritt in
  • 27:09 - 27:13
    Sachen Klimaschutz zu erreichen. Dann gibt's den Honecker-Degrowth-Effekt. Nun,
  • 27:13 - 27:17
    der Zusammenbruch der DDR hat in den 90er Jahren der Bundesrat in Deutschland den
  • 27:17 - 27:22
    Ruf eingebracht, doch mal zu zeigen, wie es wirklich geht mit Klimaschutz auf der
  • 27:22 - 27:27
    einen Seite und der Bewahrung eines rekordverdächtigen Wohlstandsniveaus. Die
  • 27:27 - 27:30
    Lehman Brothers haben Ähnliches geleistet. Man müsste jetzt noch Klaus Wowereit
  • 27:30 - 27:34
    nennen, der der beste Klimaschutzmanager aller Zeiten, ist halt nicht so ein guter
  • 27:34 - 27:39
    Flughafenmanager anscheinend oder politischer Manager. Aber dass er den BER
  • 27:39 - 27:43
    so verzögert hat, heißt, dass er die schlimmsten CO2-Schleuder Berlins damit
  • 27:43 - 27:48
    eben auch verzögert hat. Aber noch wichtiger ist mir der 4. Aspekt das
  • 27:48 - 27:54
    legendäre, als Klimaschutzdurchbruch verklärte EEG in Deutschland. Bedeutet ja,
  • 27:54 - 27:58
    dass wenn ich Anlagen aufstelle und erneuerbaren Strom produziere, dann kriege
  • 27:58 - 28:00
    ich eine verdammt hohe Vergütung, nicht vom Staat, sondern von den
  • 28:00 - 28:05
    Energiekonzernen, die durch das EEG dazu verdonnert werden. Soweit so gut. Und wenn
  • 28:05 - 28:09
    ich dann jetzt plötzlich mehrere solcher Windparks eröffnet habe hoffentlich nicht
  • 28:09 - 28:12
    unbedingt im Mittelgebirge, wo ich noch mehr Landschaft nicht zerstöre, sondern an
  • 28:12 - 28:18
    geeigneter Stelle und ich damit so viel Energie erzeuge, dass ich Kohle oder
  • 28:18 - 28:23
    Braunkohlekraftwerke herunterfahren kann. Hurra, hab ich dann CO2 Emissionen
  • 28:23 - 28:28
    eingespart? Punkt 1: Das klappt ja schon deshalb nicht, weil die Übertragungsnetze
  • 28:28 - 28:32
    und die Speicherkapazitäten so weit davon entfernt sind, sich auf das Niveau zu
  • 28:32 - 28:37
    entwickeln, das wir bräuchten, um eventuell erneuerbare Energieträger
  • 28:37 - 28:42
    hernehmen zu können, damit etwa Braun- und Steinkohle ersetzen. Klammer zu. Aber
  • 28:42 - 28:45
    selbst wenn, dann haben wir folgendes Problem: Es gibt nämlich außer dem EEG
  • 28:45 - 28:50
    noch ein viel wichtigeres Rahmenwerk, was den gesetzlichen Klimaschutz anbelangt.
  • 28:50 - 28:54
    Und das ist der europäische Emissionshandel. Das heißt soviel wie,
  • 28:54 - 28:57
    dass jeder Betreiber eines fossilen Kraftwerks natürlich im Umfang der
  • 28:57 - 29:02
    durchschnittlichen jährlichen Emissionen Emissionszertifikate, also Lizenzen
  • 29:02 - 29:07
    braucht. Und die sind Geldwert. Wenn also jemand seine Emissionen senkt, dann unter
  • 29:07 - 29:11
    Umständen auch deshalb, um dann die Zertifikate, die nicht mehr benötigt
  • 29:11 - 29:15
    werden, auf dem dafür vorgesehenen Markt zu verkaufen. Wenn also in Deutschland
  • 29:15 - 29:21
    jemand ein Kohlekraftwerk runter fährt, weil es nicht mehr gebraucht wird durch
  • 29:21 - 29:25
    den Ausbau von Windkraft, dann werden die Zertifikate nicht verbrannt im Kamin,
  • 29:25 - 29:29
    sondern die werden schön hübsch verkauft. Und dann findet sich natürlich irgendwo in
  • 29:29 - 29:33
    Europa ein anderer Kraftwerksbetreiber, der sich freut, dass er diese Zertifikate
  • 29:33 - 29:37
    günstig kriegt. Denn wenn der bisherige Halter der Zertifikate sie nicht los wird,
  • 29:37 - 29:41
    dann wird der Preis solange gesenkt, bis die Zertifikate einen Käufer oder eine
  • 29:41 - 29:44
    Käuferin finden. Und wer sind die Käufer? Also sind diejenigen, die die
  • 29:44 - 29:48
    ineffizientesten Kraftwerke haben, weil für die ist es ja eine Option, lieber
  • 29:48 - 29:51
    Zertifikate zu kaufen, als durch technischen Fortschritt in irgendeiner
  • 29:51 - 29:56
    Form CO2 zurückzuhalten was übrigens, Klammer auf auch nicht wirklich klappt,
  • 29:56 - 29:59
    Klammer zu. Das heißt, das Ganze ist am Ende ein Nullsummenspiel. Deswegen können
  • 29:59 - 30:03
    wir an den Verläufen der CO2 Emissionen in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt
  • 30:03 - 30:07
    nicht erkennen, ob wir irgendeinen Fortschritt in Sachen Klimaschutz erzielt
  • 30:07 - 30:11
    haben. Und wenn wir uns dann eben anschauen, wie die Verlagerung der
  • 30:11 - 30:17
    energiebedingten CO2-Emissionen weltweit erfolgt, dann ist das wirklich exorbitant.
  • 30:17 - 30:22
    Das heißt, wir verlagern immer mehr nach außerhalb, auch Europas, also nicht nur
  • 30:22 - 30:30
    innerhalb Europas. Eine zweite Sollbruchstelle des Wachstumsdogmas liegt
  • 30:30 - 30:33
    dort, wo wir nochmal zurückkehren. Vielleicht zu der Frage, woher unser
  • 30:33 - 30:36
    Wohlstand kommt. Ich habe schon gesagt, es sind 4 industrielle Revolution, die
  • 30:36 - 30:40
    maßgeblich dafür sind. Aber die gehen natürlich einher mit einer entgrenzten
  • 30:40 - 30:46
    Produktion, d. h. die Technisierung der Produktion bedingt auch eine Zerlegung
  • 30:46 - 30:52
    jeglicher Produktionsprozesse in einzelne spezialisierte, isolierte und
  • 30:52 - 30:56
    standardisierte Einzelprozesse. Und die schieben wir dann auf der Erdoberfläche,
  • 30:56 - 31:02
    wieder zu einer globalen Produktionsstätte wird. Immer genau dahin, wo die geringsten
  • 31:02 - 31:06
    betriebswirtschaftlichen Kosten sind, wo keine Steuern gezahlt werden, wo es keine
  • 31:06 - 31:08
    Gewerkschaften gibt oder die Gewerkschafter gerade im Knast sitzen und
  • 31:08 - 31:12
    so weiter und so fort. Und so kann man natürlich die Gesamtkosten entlang der
  • 31:12 - 31:16
    Kette, an deren Ende dann die Wohlstandsartefakte baumeln, die wir uns
  • 31:16 - 31:20
    sozusagen gönnen, die Kosten natürlich senken. Und wenn dann diese gesenkten
  • 31:20 - 31:24
    Kosten noch über Märkte, auf den Konkurrenz herrscht, über Preissenkungen
  • 31:24 - 31:28
    weitergegeben werden Hurra! Man kann sich wirklich jeder Menschen Samsung Galaxy
  • 31:28 - 31:33
    leisten, was früher mal ein Wunderwerk der Technik war. Diese Art der Produktion hat
  • 31:33 - 31:37
    aber eben die Charakteristik eines Kartenhauses. Ist die Komplexität, die
  • 31:37 - 31:41
    Risiken, die Verletzlichkeit und der Verlust vor allem auch an Autonomie und
  • 31:41 - 31:47
    Kontrolle über das, was da wie produziert wird, bedeutet, dass wir eine immer höhere
  • 31:47 - 31:51
    soziale Fallhöhe erreicht haben. Das heißt, wenn auch noch so weit entfernt ein
  • 31:51 - 31:55
    Störereignis eintritt, kann passieren, dass die gesamte Kette, das gesamte Netz
  • 31:55 - 32:00
    plötzlich in Erosion versetzt wird. Und die letzten Krisen das Platzen der New
  • 32:00 - 32:04
    Economy, die Peak Oil Krise Mitte der Nullerjahre, dann die Lehman Brothers
  • 32:04 - 32:08
    Krise, jetzt die Corona Pandemie. Und mal sehen, was dann noch alles kommt an
  • 32:08 - 32:13
    Finanzkrisen, Inflationskrisen, vielleicht Eurokrisen und so weiter und so fort. Das
  • 32:13 - 32:18
    alles führt dazu, dass das Modell, in dem wir uns bewegen, eben immer fragiler wird.
  • 32:18 - 32:22
    Und einhergegangen mit dieser Art des Wirtschaftens ist eben auch eine
  • 32:22 - 32:27
    Verkümmerung der Fähigkeit, sich zumindest graduell selbst zu versorgen. Und Corona
  • 32:27 - 32:31
    ist in dieser Gemengelage für mich eigentlich eher so ein Prozess der
  • 32:31 - 32:34
    Aufdeckung. Was hier aufgedeckt wird, ist ein Zielkonflikt zwischen einer
  • 32:34 - 32:38
    technisierten und globalisierten Minimierung betriebswirtschaftlicher
  • 32:38 - 32:44
    Kosten, was sich dann niederschlägt in volkswirtschaftlichen Wachstum auf der
  • 32:44 - 32:48
    einen Seite und der Resilienz, d.h. der Krisenrobustheit auf der anderen Seite,
  • 32:48 - 32:53
    wenn alles mit allem verbunden ist. Und das ist das Resultat der Digitalisierung.
  • 32:53 - 32:56
    Dann geht eben auch alles den Bach runter, wenn an bestimmten Stellen eben die
  • 32:56 - 33:02
    exogenen Schocks oder Ereignisse für Schaden sorgen. Und das wirft uns zurück
  • 33:02 - 33:07
    auf die Ebene, da, wo gefragt wird, ob der Spatz in der Hand dann nicht vielleicht
  • 33:07 - 33:11
    besser ist als die Taube auf dem Dach. Denn der Spatz in der Hand heißt, etwas
  • 33:11 - 33:14
    bescheidener zu sein, aber dafür die Sicherheit zu haben, dass eine bestimmte
  • 33:14 - 33:21
    Versorgungsleistungen erbracht werden kann. Corona-Viren und CO2 Moleküle haben
  • 33:21 - 33:25
    da also tatsächlich eine ähnliche Eigenschaft. Sie sehen ... sie werfen uns
  • 33:25 - 33:29
    zurück vor die ursprüngliche Fragestellung, also am Vorabend der ersten
  • 33:29 - 33:34
    industriellen Revolution. Was geben wir alles auf? Was ist der Preis dafür, dass
  • 33:34 - 33:40
    wir diesen globalisierten, technisierten Wohlstand nutzen? Und diese
  • 33:40 - 33:47
    Wachstumsfrage, an die uns eben nicht nur der Corona-Effekt führt, lässt uns
  • 33:47 - 33:52
    natürlich auch einen ganz neuen Diskurs in Augenschein nehmen, der da überschrieben
  • 33:52 - 33:56
    ist mit Resilienz, also Krisenstabilität. Es gibt in der Tat so etwas wie eine
  • 33:56 - 34:01
    kleine Dogmenhistorie des Denkens in Kategorien von Resilienz, nämlich dass der
  • 34:01 - 34:05
    Spatz in der Hand, ich sage es nochmal, unter Umständen die bessere Lösung ist im
  • 34:05 - 34:09
    Vergleich zur Taube auf dem Dach. Ich will jetzt auf die einzelnen Autoren, die ich
  • 34:09 - 34:12
    abermals ohne Anspruch auf Vollständigkeit vermerkt habe, nicht eingehen. Will nur
  • 34:12 - 34:17
    sagen, dass resiliente Systeme natürlich kleinräumig, genügsamen, autonom,
  • 34:17 - 34:21
    flexibel, vielfältig sind und gekennzeichnet sind durch eine viel
  • 34:21 - 34:25
    geringere Komplexität und geringere Distanz zwischen Verbrauch und Produktion.
  • 34:25 - 34:30
    Was übrigens den Nebeneffekt hat, dass wir dann Produktionsbedingungen eventuell eben
  • 34:30 - 34:36
    auch demokratischer, selbsttätiger gestalten können. Genügsamkeit ist aber
  • 34:36 - 34:41
    eine Voraussetzung dafür, der die Abkehr von der großen globalisierten Wirtschaft
  • 34:41 - 34:46
    bedeutet immer, dass wir nicht dasselbe Wohlstandsniveau aufrechterhalten können.
  • 34:46 - 34:52
    Ja, damit sind wir letzten Endes schon an dem Punkt, wo es um einen Lösungsvorschlag
  • 34:52 - 34:57
    geht, den ich als Postwachstumsökonomie bezeichne und der sich aus einer zunächst
  • 34:57 - 35:03
    einmal groben oder makroökonomischen Perspektive folgendermaßen skizzieren
  • 35:03 - 35:07
    lässt. Wir sind also durch die 4 industriellen Revolution, vermittels eines
  • 35:07 - 35:13
    exponentiellen Anstiegs der Wohlstandsproduktion, immer reicher
  • 35:13 - 35:16
    geworden, haben aber tatsächlich die Belastungsgrenzen der Ökosphäre
  • 35:16 - 35:21
    durchbrochen und müssen jetzt durch einen Rückbau, weil die Technik nicht weiter
  • 35:21 - 35:25
    hilft. Das hab ich ja an Hand eines simplen Beispiels versucht grob zu
  • 35:25 - 35:31
    skizzieren und müssen durch einen Rückbau praktisch der Gütermenge der
  • 35:31 - 35:35
    Produktionskapazitäten dafür sorgen, dass wir wieder innerhalb ökologischer Grenzen
  • 35:35 - 35:41
    verbleiben können. Und in diesem Zusammenhang habe ich versucht, die
  • 35:41 - 35:45
    sogenannte Postwachstumsökonomik, eine ökologisch orientierte, auf den Grundlagen
  • 35:45 - 35:50
    der Thermodynamik basierende Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften zu
  • 35:50 - 35:54
    etablieren. Und hier will ich nur ganz kurz sagen, dass es hier um 3 wichtige
  • 35:54 - 35:59
    Aspekte geht. Um Wachstumskritik aus theoretischer und empirischer, also in
  • 35:59 - 36:03
    jeder Hinsicht wissenschaftlicher Sicht. Dann aber auch die Frage nach dem
  • 36:03 - 36:07
    Wachstumszwängen. Und 3. schließlich und darauf will ich jetzt ganz kurz noch
  • 36:07 - 36:11
    eingehen. 3. schließlich geht es in der Postwachstumsökonomk darum, was sind denn
  • 36:11 - 36:18
    dann zukunftstaugliche, nicht mehr auf Wachstum beruhende Versorgungssysteme, die
  • 36:18 - 36:28
    sich demokratisch, freiheitlich, friedlich auch wirklich umsetzen lassen? Und diese
  • 36:28 - 36:32
    verschiedenen Versorgungsmuster will ich heute nur ganz, ganz grob zusammenfassend
  • 36:32 - 36:39
    noch skizzieren und sie lassen sich unterteilen oder lassen sich erstrecken,
  • 36:39 - 36:43
    eigentlich auf die beiden Seiten eines Marktes, nämlich auf die Nachfrage und
  • 36:43 - 36:47
    Angebotsseite. Also die Angebotsseite nehme ich als nächstes, als übernächstes
  • 36:47 - 36:51
    dran. Erstmal möchte ich den Blick mit Ihnen werfen auf die Nachfrageseite. Es
  • 36:51 - 36:57
    gibt viel Wissen inzwischen darüber, weil wirklich multi-disziplinär dazu geforscht
  • 36:57 - 37:00
    wurde. Über den Zusammenhang zwischen individuellem Wohlbefinden, Sie können
  • 37:00 - 37:04
    auch sagen, Lebensqualität oder Lebenszufriedenheit auf der einen Seite
  • 37:04 - 37:09
    und der Verfügbarkeit von Konsum, Mobilität, Digitalisierung und sonstiger
  • 37:09 - 37:13
    Industrie gemachter Bequemlichkeit auf der anderen Seite. Was wir hier erkennen, ist
  • 37:13 - 37:19
    das eine ganz, ganz grobe extrakthafte Skizzierung der wesentlichen Inhalte oder
  • 37:19 - 37:24
    Ergebnisse dieser Forschung ist: Kein Konsum, ist auch keine Lösung, völlig
  • 37:24 - 37:28
    klar. Aber für Konsum gilt dasselbe wie für jede Medizin, nämlich dass die Dosis
  • 37:28 - 37:33
    das Gift macht. Wir erleben im Moment eine Sättigungserscheinung ausgerechnet in den
  • 37:33 - 37:36
    reichsten Konsum- und Industriegesellschaften. Die
  • 37:36 - 37:39
    durchschnittliche psychische Gesundheit geht zurück. Orientierungslosigkeit,
  • 37:39 - 37:45
    Stress, Burn-out, digitale Demenz oder eben auch Aufmerksamkeitsdefizite. Dies
  • 37:45 - 37:50
    alles greift um sich. Womit ich sagen will ist, dass der Großteil wir reden von 90 %
  • 37:50 - 37:54
    der Bevölkerung moderner Konsumgesellschaft Gesellschaften über
  • 37:54 - 37:59
    einen nutzensteigerndes, Lebensqualität erhöhen es Reduktionpotenzial verfügt, um
  • 37:59 - 38:06
    endlich stressfrei in der Lage zu sein, die nicht vermehrbare menschliche
  • 38:06 - 38:12
    Aufnahmekapazität und auch die nicht vermehrbaren psychischen Ressourcen auf
  • 38:12 - 38:16
    ein bestimmtes Quantum an Wohlstand zu richten, um das dann auch tatsächlich
  • 38:16 - 38:21
    ausschöpfen zu können, statt in einer Lawine der Multi-Optionalität zu
  • 38:21 - 38:26
    versinken. Das ist, um es ganz kurz und prägnant zu charakterisieren, der aktuelle
  • 38:26 - 38:31
    Zustand, den wir also durchleben. Dazu habe ich ein kleines Büchlein zusammen mit
  • 38:31 - 38:36
    Manfred Folkers vorgelegt. Hier geht es um eine buddhistische und eine eher
  • 38:36 - 38:42
    knallharte ökonomische Analyse der Möglichkeiten einer reduktiven Wende. Wenn
  • 38:42 - 38:46
    wir uns jetzt die Angebotsseite hingegen anschauen, dann müssen wir die Frage
  • 38:46 - 38:50
    stellen, wie denn das, was dann noch übrigbleibt, nach einer Entrümpelung der
  • 38:50 - 38:54
    Gesellschaft, wie das produziert werden kann? Und das verteilt sich auf 3
  • 38:54 - 39:00
    Produktionssysteme. Und zwar ist es so, dass derzeit ... dass diese 3
  • 39:00 - 39:04
    Produktionssysteme hinlänglich bekannt sind. Wir haben einmal die globalisierten,
  • 39:04 - 39:09
    kapitalintensiven, technisierten, industrialisierten Wertschöpfungsketten,
  • 39:09 - 39:13
    die uns, wie ich das ja heute grob beschrieben haben, so reich haben werden
  • 39:13 - 39:18
    lassen, uns aber auch an einen ökologischen Abgrund geführt haben. Und da
  • 39:18 - 39:22
    hilft uns die technologische Entwicklung eben nicht weiter. Dieser Teil der
  • 39:22 - 39:26
    Wirtschaft muss zurückgebaut werden, aber bitte nicht auf Null, sondern vielleicht
  • 39:26 - 39:31
    auf 50 %. Und das auch nicht von heute auf morgen im Sinne einer Rosskur, sondern
  • 39:31 - 39:34
    geordnet durch einen allmählichen kulturellen und hoffentlich auch
  • 39:34 - 39:39
    politischen Wandel. Dann müssen aber die beiden anderen Produktionssysteme, nämlich
  • 39:39 - 39:43
    die Regionalökonomie, die weniger komplex, weniger technisiert ist und natürlich
  • 39:43 - 39:48
    kürzere Distanzen zwischen Verbrauch und Produktion aufweist und die reine lokale
  • 39:48 - 39:52
    Subsistenzwirtschaft. Sie können sagen Eigenarbeit selber machen,
  • 39:52 - 39:55
    Selbstversorgung. Diese beiden Bereiche müssen dann eben auch ausgebaut werden.
  • 39:55 - 40:02
    Wenn wir diese Transformation unter dem Aspekt gelingender gesellschaftlicher,
  • 40:02 - 40:06
    sozialer Gerechtigkeit und Stabilität betrachten, haben wir sofort ein Problem.
  • 40:06 - 40:11
    Wie können wir denn Vollbeschäftigung Gewähren, wenn die Wirtschaft langsam aber
  • 40:11 - 40:17
    sicher um 50 % gemessen an ihrer Wertschöpfung zurückgebaut wird? Natürlich
  • 40:17 - 40:20
    durch Arbeitszeitverkürzung, durch eine gerechte Verteilung der dann noch
  • 40:20 - 40:25
    erforderlichen monetär entgoltenen Arbeitszeit. Nur mal angenommen, eine 20
  • 40:25 - 40:30
    Stundenwoche wäre tatsächlich zu etablieren, würde auf die Akzeptanz der
  • 40:30 - 40:34
    Gesellschaft stoßen. Dann hätten wir Vollbeschäftigung auch bei einem rapiden
  • 40:34 - 40:39
    Rückgang der Produktion und damit der ökolomischen Belastung. Und wir haben 20
  • 40:39 - 40:45
    Stunden, die dann sozusagen als ein Bonus verbleiben, die wir als Ressourcen Basis
  • 40:45 - 40:51
    betrachten können, um ergänzend zu herkömmlichen Erwerbsmodellen eigene
  • 40:51 - 40:56
    Leistung zu erbringen. In der Subsistenz. Also wir würden dann einen kulturellen
  • 40:56 - 41:00
    Wandel anzetteln müssten, der dazu führt, dass aus Konsumenten und Konsumentinnen,
  • 41:00 - 41:04
    Prosumenten und Prosumentinnen werden. Was sind das für Leute? Die sehen genauso aus
  • 41:04 - 41:07
    wie Sie und ich, sind gut gebildet, arbeiten aber nur noch im
  • 41:07 - 41:11
    Lebenszeitdurchschnitt und das ist wirklich nur ein ganz grober Richtwert und
  • 41:11 - 41:15
    nicht irgend so ein Rasenmäher-Prinzip oder sowas. Arbeiten eben nur noch 20
  • 41:15 - 41:19
    Stunden. Aber nutzen jetzt die freigewordene Zeit, die marktfreie Zeit
  • 41:19 - 41:22
    wie ich sie nenne, handwerkliche Kompetenzen, die auch durch ein
  • 41:22 - 41:27
    verändertes Bildungs- und Erziehungssystem wieder gefördert werden müssen. Und vor
  • 41:27 - 41:33
    allem neue soziale Netze, Verbindungen, Gebilde und Bewegung nutzen diese 3 Ebenen
  • 41:33 - 41:40
    um kollaborativ, gemeinschaftlich ein, man könnte sagen eine Nebenökonomie
  • 41:40 - 41:44
    aufzubauen, in der wir selbst gemeinschaftlich produzieren, Dinge
  • 41:44 - 41:50
    gemeinschaftlich nutzen. Dinge reparieren. Und damit natürlich auch vieles tun für
  • 41:50 - 41:53
    unsere Gesundheit und unsere Selbstwirksamkeit. Auch hier gibt es so
  • 41:53 - 41:57
    viele Studien aus der Bildungswissenschaft, auch aus der
  • 41:57 - 42:02
    Psychologie, die zeigen, dass die Entfremdung der hochtechnisierten, auch
  • 42:02 - 42:06
    digitalisierten Arbeit, die uns krank zu machen droht, allein dadurch rückgängig
  • 42:06 - 42:11
    gemacht werden kann, indem wir wieder auch Verrichtungen, die manueller
  • 42:11 - 42:16
    künstlerischer, handwerklicher oder agrarische Art sind, wieder tatsächlich
  • 42:16 - 42:20
    etablieren. Das heißt ja nicht, dass wir plötzlich nur so arbeiten, sondern das
  • 42:20 - 42:24
    Modell, um das es hier geht es ein duales Modell, das zwei Standbeine hat, das eine
  • 42:24 - 42:27
    Standbein ich wiederhole das nochmal, weil es so oft falsch verstanden wird, heißt:
  • 42:27 - 42:31
    Wir sind gebildet, wir haben eine Industrie und wir verteilen die damit
  • 42:31 - 42:35
    einhergehende Arbeitszeit gerecht auf alle, damit wir auch Geld verdienen und
  • 42:35 - 42:39
    die andere Hälfte, deswegen "duales Versorgungssystem" besteht darin, dass wir
  • 42:39 - 42:45
    die freigestellte Zeit benutzen, um mit anderen gemeinsam eben eine Ökonomie der
  • 42:45 - 42:49
    Selbstversorgung aufbauen. Stellen wir uns doch mal vor, wir würden dort, wo wir
  • 42:49 - 42:53
    leben, mit unserer Peergroup oder auch mit Nachbarinnen und Nachbarn zu fünft eine
  • 42:53 - 42:58
    Waschmaschine, ein Auto, einen Staubsauger, vielleicht einen Rasenmäher,
  • 42:58 - 43:02
    eine kleine Werkstatt und so weiter teilen. Dann denken sie erstmal, aja, das
  • 43:02 - 43:06
    schlägt der Wachstumskritiker vor, um den Planeten zu retten. Nein, das schlage ich
  • 43:06 - 43:09
    vor, um unseren Geldbeutel zu retten, weil ich dann natürlich sehr viel weniger Geld
  • 43:09 - 43:14
    brauche. Von allem nur ein Fünftel. Wenn wir dann noch über die Kapazität verfügen,
  • 43:14 - 43:19
    in eigenen Gärten oder in der solidarische Landwirtschaft und anderswo auf viel
  • 43:19 - 43:25
    günstigere, aber eben auch durch eigene Mitwirkung erzeugte Nahrungsmittel eben
  • 43:25 - 43:28
    auch Geld zu sparen, sogar noch qualitativ höhere Nahrungsmittel zu haben. Wenn wir
  • 43:28 - 43:33
    dann noch die Nutzungsdauer der Produkte, mit denen wir uns umgeben, verdoppeln
  • 43:33 - 43:37
    können durch Instandhaltung, durch Reparatur, durch Upgrading, Updating und
  • 43:37 - 43:42
    so weiter, dann sparen wir so viel Geld, dass es uns nicht weh tut. In einer Welt
  • 43:42 - 43:46
    zu leben, in der wir eben durchschnittlich ein geringeres Geld Einkommen haben. Dafür
  • 43:46 - 43:50
    haben wir aber ein anderes Einkommen. Eines, das man nicht in Geld messen kann.
  • 43:50 - 43:54
    Eines, das zu tun hat Lebensqualität mit Krisenresilienz und vor allem auch mit
  • 43:54 - 43:59
    einer Verantwortbarkeit für das 21. Jahrhundert. Ich möchte Ihnen an dieser
  • 43:59 - 44:04
    Stelle für die Aufmerksamkeit danken. Und möglicherweise gibt es ja noch die die
  • 44:04 - 44:07
    Chance, dass wir ins Gespräch miteinander kommen.
  • 44:07 - 44:14
    Herald: So Hallo, vielen Dank für den tollen Vortrag, Niko Paech. Dankeschön.
  • 44:14 - 44:20
    Wir machen jetzt noch ein Q&A. Das machen wir per Jitsi. Sorry, dass das heute
  • 44:20 - 44:23
    Mittag nicht direkt geklappt hat, aber das ist alles kein Problem, weil wir haben die
  • 44:23 - 44:25
    Fragen gesammelt und werden die jetzt stellen. Hallo Niko, schön, dass du da
  • 44:25 - 44:28
    bist. Niko: Hallo nochmal, vielen herzlichen
  • 44:28 - 44:32
    Dank für die Einladung. H: So, dann steigen auch direkt ein. Die
  • 44:32 - 44:38
    erste Frage ist: Was siehst du denn als Wege in eine Postwachstumsökonomie? Und
  • 44:38 - 44:40
    wie könnten diese global beschritten werden?
  • 44:40 - 44:46
    N: Zunächst einmal ist es so, dass die globale Ebene überhaupt erst verändert
  • 44:46 - 44:51
    werden kann, wenn es irgendwo auf diesem Planeten einen Staat gibt, der erstmal als
  • 44:51 - 44:58
    Beispiel vorlebt und vorführt, wie eine Postwachstumsökonomie funktioniert. Das
  • 44:58 - 45:04
    heißt, wir werden nicht Top-Down von irgendeiner Weltregierung ausgehend oder
  • 45:04 - 45:08
    auf Basis internationaler Vereinbarungen zu der Lösung kommen, dass sich jetzt
  • 45:08 - 45:11
    plötzlich alle mit einer Postwachstumsökonomie einverstanden
  • 45:11 - 45:16
    erklären, obwohl das der einzige Weg ist, die ökologische Überlebensfähigkeit der
  • 45:16 - 45:20
    menschlichen Zivilisation zu wahren. Nein, es wird so sein, dass der Wandel in
  • 45:20 - 45:24
    Richtung Postwachstumsökonomie genauso verläuft, wie jeder andere Wandel bisher
  • 45:24 - 45:27
    auch verlaufen ist. Es wird Nischen geben, es wird Avantgardisten geben und es wird
  • 45:27 - 45:31
    irgendwann ein Land geben, velleicht ja Deutschland, das wäre mein Wunsch, das
  • 45:31 - 45:36
    tatsächlich ernst macht mit der Umsetzung eines solchen Konzeptes. Und genau dann
  • 45:36 - 45:40
    und nur dann werden sich die Menschen anderswo, etwa in Afrika, Asien,
  • 45:40 - 45:46
    Lateinamerika werden sich damit vielleicht anfreunden können, weil sie dann sinnlich
  • 45:46 - 45:51
    erfahren können und nicht nur theoretisch. Dass es kein Gang nach Canossa oder in die
  • 45:51 - 45:56
    Höhle oder ins Mittelalter ist, eine ökologisch verantwortbare Daseinsform
  • 45:56 - 46:03
    tatsächlich auch zu praktizieren. H: ... Danke Dir! Dann, wie spielenden
  • 46:03 - 46:07
    psychologische Faktoren deiner Meinung nach eine Rolle? Also auch zum Thema
  • 46:07 - 46:11
    kognitive Dissonanz. N: Die Psychologie spielt in der
  • 46:11 - 46:14
    wachstumskritischen Nachhaltigkeitsforschung natürlich an 2
  • 46:14 - 46:19
    Stellen eine prominente Rolle. Zunächst einmal, wenn wir das Misslingen aller
  • 46:19 - 46:25
    bisherigen Versuche, eine nachhaltige Entwicklung zu initiieren, mal Revue
  • 46:25 - 46:29
    passieren lassen. Dann stellen wir fest, dass das Phänomen der kognitiven Dissonanz
  • 46:29 - 46:34
    hier maßgeblich ist. Das heißt, wir haben in der Bundesrepublik Deutschland ein
  • 46:34 - 46:39
    unglaublich prägnantes Phänomen, das, ich würde mal sagen gefühlt seit 30 Jahren
  • 46:39 - 46:43
    feststellbar ist, nämlich, dass wir jedes Jahr neue Rekorde aufstellen, was die
  • 46:43 - 46:49
    Verbreitung, die Nutzung und auch das Anpreisen nachhaltiger Lösungen anbelangt.
  • 46:49 - 46:52
    Alles, was irgendwie mit nachhaltiger Entwicklung, Klimaschutz oder dergleichen
  • 46:52 - 46:57
    zu tun hat, erreicht also ständig neue Höchstmarken. Gleichzeitig erreichen auch
  • 46:57 - 47:03
    die Pro-Kopf in Anspruch genommenen ökologischen Ressourcen immer weiter einen
  • 47:03 - 47:10
    neuen Rekord. Das heißt soviel wie, dass der Mensch als ein Wesen, das nicht alle
  • 47:10 - 47:15
    naturgegebenen Charakteristika überwinden kann, nicht nur Grundbedürfnisse hat, die
  • 47:15 - 47:20
    man als anthropologische Konstanten bezeichnen muss, sondern dass der Homo
  • 47:20 - 47:26
    Sapiens offensichtlich auch nach psychischer Stabilität strebt. Das heißt
  • 47:26 - 47:31
    soviel wie, dass je gebildeter ein Mensch ist und je ausgeprägter sein
  • 47:31 - 47:35
    Umweltbewusstsein ist, desto stärker ist die kognitive Dissonanz, wenn er ein
  • 47:35 - 47:40
    Flugzeug besteigt oder jedes Vierteljahr ein neues Smartphone kauft. Und um nun
  • 47:40 - 47:44
    tatsächlich ein psychisches Gleichgewicht wieder herzustellen, kauft derselbe Mensch
  • 47:44 - 47:49
    eben Demeter Brühewürfel oder eben Unterwäsche von Hess Natur oder trinkt nur
  • 47:49 - 47:56
    öko-fairen Latte Macchiato. Auf diese Weise wächst beides um die Wette. Einmal
  • 47:56 - 48:00
    das Zerstörerische und das nur etwas weniger Zerstörerische. An der 2. Stelle,
  • 48:00 - 48:04
    wo die Psychologie eine Rolle spielt. Da geht es einfach um
  • 48:04 - 48:09
    Nachhaltigkeitskommunikation. Wir stehen immer vor der Frage, wie können Menschen
  • 48:09 - 48:15
    motiviert werden, abzulassen von einer öko-suizidalen Lebensführung? Was
  • 48:15 - 48:18
    motiviert sie? Und hier haben wir natürlich in der kognitiven Psychologie
  • 48:18 - 48:24
    und auch sonst in der Umweltpsychologie unglaublich gute Hilfestellung. Auch aus
  • 48:24 - 48:28
    der Psychologie wissen wir, dass die Intention eines Menschen nicht im stillen
  • 48:28 - 48:34
    Kämmerlein entsteht oder alleine Folge von Vererbung oder von anderen prägenden
  • 48:34 - 48:39
    Merkmalen ist, die unabänderlich sind. Nein, der Mensch ist ein soziales Wesen,
  • 48:39 - 48:43
    das heißt, der Mensch lernt aus seiner Umgebung. Und das ist psychologisch
  • 48:43 - 48:47
    natürlich sehr relevant, wohl aber auch kulturwissenschaftlich. Deswegen bin ich
  • 48:47 - 48:52
    immer ein großer Freund. Wenn sich ... also der der Zusammenarbeit mit
  • 48:52 - 48:58
    Umweltpsychologen. H: Okay, danke. Wenn Politik und
  • 48:58 - 49:02
    Wirtschaft uns keine Lösungen bieten, wie kommen wir denn zu einer Lösung oder zu
  • 49:02 - 49:06
    einer Revolution? Wie erreichen wir rechtzeitig die breite Masse der
  • 49:06 - 49:09
    Bevölkerung? N: Also zunächst einmal, ich würde nicht
  • 49:09 - 49:13
    sagen, dass die Wirtschaft keine Lösung bietet. Ich kritisiere das Wachstum, aber
  • 49:13 - 49:18
    nicht irgendeine Wirtschaft. Alles, was mit der Produktion und der Nutzung und
  • 49:18 - 49:23
    Verteilung von knappen Gütern zu tun hat, ist irgendeine Form der Wirtschaft. Was
  • 49:23 - 49:28
    ich selber vorstelle unter dem Begriffsmantel Postwachstumsökonomie ist
  • 49:28 - 49:32
    auch eine Wirtschaft. Natürlich gibt es wirtschaftliche Lösungen, sonst wäre ich
  • 49:32 - 49:36
    nicht Ökonom geworden und auch die Politik könnte irgendwann handlungsfähig werden.
  • 49:36 - 49:42
    Aber beides, die Wirtschaft und die Politik, können nur eine Transformation in
  • 49:42 - 49:48
    Richtung Postwachstumsökonomie vollziehen. Wenn sich autonom in der Zivilgesellschaft
  • 49:48 - 49:54
    ein Plural an verschiedenen Bewegungen bildet, die nicht einfach nur labern und
  • 49:54 - 49:58
    kritisieren und fordern und die Welt scheiße finden, sondern die anfangen,
  • 49:58 - 50:02
    tatsächlich durch vorgelebte Beispieler, übrigens auch auf unternehmerischer Ebene,
  • 50:02 - 50:08
    und natürlich in Netzwerken, in neuen Institutionen, in neuen Projekten, in
  • 50:08 - 50:12
    neuen Reallaboren oder auch avantgardistischen Zirkeln, in Peer
  • 50:12 - 50:17
    Groups, in neuen Nachbarschaften usw., die anfangen, das vorzuleben, von dem sich
  • 50:17 - 50:20
    nach bestem Wissen und Gewissen sagen lässt, wenn der Rest der Welt dies auch
  • 50:20 - 50:27
    täte, dann würden wir würdig, demokratisch, frei, selbstbestimmt und
  • 50:27 - 50:31
    ökologisch verantwortbar leben. Nur über die horizontale Verbreitung und soziale
  • 50:31 - 50:36
    Interaktion des Neuen können wir eine kritische Masse erreichen, die auch von
  • 50:36 - 50:41
    den Medien, von anderen Institutionen wahrgenommen wird. Und erst dann kann die
  • 50:41 - 50:45
    Politik reagieren, und zwar in einer Demokratie. In China kann sie eher
  • 50:45 - 50:49
    regieren - reagieren, Entschuldigung - weil sie eben autoritär regiert. So wollte
  • 50:49 - 50:55
    ich das sagen. Aber ich bin ja überzeugter Demokrat. Und das heißt, dass eine
  • 50:55 - 51:01
    gewählte Regierung niemals etwas anderes sein kann als ein perfekter Spiegel der
  • 51:01 - 51:04
    Lebensrealität der Wählermehrheit. Und wer etwas anderes will, muss mir dann
  • 51:04 - 51:08
    erklären, was sein oder ihr Demokratieverständnis ist. Das heißt, ich
  • 51:08 - 51:12
    kann nicht die Politik von hier aus verändern. Ich muss die Gesellschaft als
  • 51:12 - 51:17
    solche verändern, damit die Politik tatsächlich den Mut aufbringen kann, ohne
  • 51:17 - 51:21
    abgestraft zu werden, tatsächlich auch Rahmenbedingungen für eine Wirtschaft ohne
  • 51:21 - 51:26
    Wachstum zu etablieren. H: Ja, darauf aufbauend Wie könnten denn
  • 51:26 - 51:29
    politische Szenarien in Richtung Postwachstum aussehen?
  • 51:29 - 51:36
    N: Also wie gesagt, jede Politik, die noch verhelfen kann dazu, dass wir ökologisch
  • 51:36 - 51:41
    überleben, kann nur eine Politik der Restriktion sein. Eine Politik der
  • 51:41 - 51:45
    Verminderung unserer Ansprüche. Das sagt man nicht gern in der Öffentlichkeit, aber
  • 51:45 - 51:49
    ich hab ja in dieser Hinsicht auch nichts mehr zu verlieren. Deswegen glaube ich,
  • 51:49 - 51:55
    dass wenigstens einige das sagen müssen. Das heißt also, bevor die Politik das tun
  • 51:55 - 52:00
    kann, muss die Bevölkerung zumindest in Teilen das schon eingeübt haben, denn
  • 52:00 - 52:05
    niemand ist so schizophren. Da sind wir übrigens wieder bei der Psychologie, eine
  • 52:05 - 52:09
    Politik zu wählen, die einen dazu zwingt, das zu tun, was Mann oder Frau freiwillig
  • 52:09 - 52:14
    nicht zu tun gedenkt. Ok. Aber wenn tatsächlich solche Mehrheiten da wären,
  • 52:14 - 52:19
    ist es ganz einfach. Jeder Mensch hätte am 1.1. eines neuen Jahres ein bestimmtes
  • 52:19 - 52:25
    Budget z.B. an CO2-Emissionen, die er oder sie noch freisetzen dürfte, an Abfall, an
  • 52:25 - 52:29
    Flächenbeanspruchung usw.. Mit diesem Budget muss gewirtschaftet werden. Was die
  • 52:29 - 52:34
    Politik auch tun kann ist, sie muss unbedingt es den öffentlichen und privaten
  • 52:34 - 52:39
    Unternehmen leichter machen, Arbeitszeit zu verkürzen. Denn wir können soziale
  • 52:39 - 52:44
    Gerechtigkeit, Freiheit und Stabilität am Ende auch die Demokratie nur bewahren,
  • 52:44 - 52:49
    wenn der Rückbau der Wirtschaft einhergeht mit Verteilungsgerechtigkeit. Und das
  • 52:49 - 52:53
    vollzieht sich am ehesten auf der Ebene der Verteilung der knapper gewordenen
  • 52:53 - 52:58
    Arbeitszeit. Wenn die Wirtschaft kleiner wird. 3. muss die Politik das
  • 52:58 - 53:03
    Bildungssystem umgestalten. Universitäten müssen geschlossen und teilweise
  • 53:03 - 53:07
    zurückgebaut werden. Wir haben einen viel zu großen Hochschulbereich, der aus
  • 53:07 - 53:11
    Menschen, Konsumenten und Weltreisende macht. Wir brauchen eine Bildung, die
  • 53:11 - 53:15
    Menschen dazu befähigt, wieder handwerklich, manuell, substanziell zu
  • 53:15 - 53:19
    arbeiten. Und natürlich brauchen wir Universitäten, aber nicht so viele wie
  • 53:19 - 53:23
    jetzt. Das heißt, der Bildungsbereich muss Menschen dazu befähigen, auch
  • 53:23 - 53:29
    deindustrialisiert und deglobalisiert mit weniger Technologie in die Lage zu kommen.
  • 53:29 - 53:34
    Also eben auch, sich zu versorgen. H: Ja, super. Danke. Sorry, ich hatte kurz
  • 53:34 - 53:34
    technisch Schwierigkeiten. *Gerede im Hintergrund*
  • 53:34 - 53:43
    Gibt es denn zu dem Thema detaillierte Vorlesungen online von dir?
  • 53:43 - 53:46
    *Gerede im Hintergrund* N: Es gibt von mir natürlich eine Menge
  • 53:46 - 53:51
    Vorlesungen, aber ... und die sind natürlich jetzt während der Corona-
  • 53:51 - 53:57
    Pandemie logischerweise online. Aber die sind jetzt nicht öffentlich, weil sonst
  • 53:57 - 54:00
    natürlich alle, die sich bei uns einschreiben, fragen, warum sie sich den
  • 54:00 - 54:03
    Einschreiben, wenn alles was an den Universitäten läuft, öffentlich ist. Aber
  • 54:03 - 54:08
    wissen... Aber weißt du, ich bin nicht jemand, der da so eine Art Wächterfunktion
  • 54:08 - 54:11
    hat. Also wer einfach in eine Veranstaltung von mir kommt, wird nicht
  • 54:11 - 54:15
    gefragt, wer er ist, wie er heißt und welche Berechtigung er oder sie hat. Ich
  • 54:15 - 54:19
    habe das erlebt in der Präsenzzeit in der Pre-Corona-Zeit, dass plötzlich Leute in
  • 54:19 - 54:23
    Vorlesungen kamen und sich da verstohlenen irgendwohin setzten aus Neugierde. Und die
  • 54:23 - 54:28
    waren herzlich willkommen, diese Leute. Aber ich meine, ich kann hier und da mal
  • 54:28 - 54:33
    einen Vortrag beisteuern, der sicherlich auch Inhalte aus Vorlesungen mit aufgreift
  • 54:33 - 54:40
    im Kontext von Postwachstumsökonomik. H: Okay, wir haben jetzt tatsächlich gar
  • 54:40 - 54:47
    nicht mehr so viel Zeit. Ich würde aber gerne noch die Frage stellen: Also die
  • 54:47 - 54:50
    Klimakrise ist ja auch eine soziale Krise und den Wachstumszwang
  • 54:51 - 54:54
    gesamtgesellschaftlich aufzugeben, scheint unumgänglich zu sein.
  • 54:54 - 54:59
    *Gerede im Hintergrund* Aber wie kann dabei noch ein gutes Leben
  • 54:59 - 55:03
    für alle gewährleistet werden? Also gibt's ... Stichwort Umverteilung z.B.
  • 55:03 - 55:11
    N: Also jede Art von Gerechtigkeit, die sich als Konzeption nicht in unheilbare
  • 55:11 - 55:15
    Widersprüche verwickeln will, muss eine globale Gerechtigkeit sein. Und
  • 55:15 - 55:20
    Gerechtigkeit heißt, die knappsten Güter, also jene, von denen unsere Existenz
  • 55:20 - 55:26
    abhängt, zuvorderst global gerecht zu verteilen. Und das heißt eben, dass der
  • 55:26 - 55:30
    Verteilungsschlüssel des 21. Jahrhunderts sich nicht festmachen lässt an der
  • 55:30 - 55:33
    Einkommens oder Vermögenssteuer, obwohl ich für ein ganz anderes und viel
  • 55:33 - 55:36
    gerechteres Einkommens- und Vermögenssteuerrecht bin. Das ist gar
  • 55:36 - 55:39
    keine Frage. Aber es geht um die Verteilung der ökologischen Ressourcen.
  • 55:39 - 55:44
    Wer darf sich noch mit welchem Recht wieviel an materiellen Freiheiten nehmen,
  • 55:44 - 55:48
    wohl wissend, dass es keine materielle Freiheit ohne ökologischen Verschleiß oder
  • 55:48 - 55:52
    ohne ökologischen Schaden gibt? Bezogen auf das wichtigste ökologische Problem
  • 55:52 - 55:56
    diskutieren wir doch nun seit 30 Jahren darüber und das ist der Klimawandel. Und
  • 55:56 - 56:01
    es ist vollkommen klar. Wollen wir überleben, wollen wir dass 1,5 und 2 Grad
  • 56:01 - 56:04
    Klimaschutzziel erreichen, dann gibt es gemessen an einem bestimmten
  • 56:04 - 56:08
    Planungshorizont, nehmen wir mal das Jahr 2050 als Ende dieses ersten
  • 56:08 - 56:14
    Planungshorizont, dann gibt es ein bestimmtes irdisches Budget an CO2
  • 56:14 - 56:17
    Äquivalenten, die wir noch freisetzen dürfen, ohne eben diese ökologische
  • 56:17 - 56:22
    Reißleine zu kappen. Und wenn wir dann dieses Budget auf alle derzeit lebenden
  • 56:22 - 56:27
    7,7 Milliarden Menschen egalitär, also gerecht verteilen, hat jeder Mensch von
  • 56:27 - 56:32
    uns noch ungefähr eine Tonne an CO2 Äquivalenten. Damit sparsam umzugehen
  • 56:32 - 56:38
    heißt nicht in der Hölle zu leben, sondern heißt, dekadenten Luxus links liegen zu
  • 56:38 - 56:43
    lassen und sich mehr zu konzentrieren auf die basalen Grundbedürfnisse und ein
  • 56:43 - 56:47
    Augenmerk zu legen auf das, was ich in meiner letzten Buchpublikation als den
  • 56:47 - 56:50
    kleinen Luxus bezeichnet habe. Es gibt so viele schöne Dinge im Leben, die
  • 56:50 - 56:55
    wahnsinnig Spaß machen, die überflüssig sind, die man nicht begründen kann, die
  • 56:55 - 56:59
    man trotzdem gerne tut, die aber überhaupt keinen ökologischen Rucksack haben, der
  • 56:59 - 57:03
    nennenswert ist. Warum also richten wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf diese
  • 57:03 - 57:07
    Dinge? H: Könntest du da mal 2, 3 Beispiele
  • 57:07 - 57:10
    nennen? Gerne? N: Ja, z.B. das, was ich heute Abend
  • 57:10 - 57:14
    wieder nicht tun kann, aber bald wieder tun werde. Nämlich Wirtshäuser zu
  • 57:14 - 57:18
    besuchen, auf Konzerte zu gehen natürlich solche, wo ich nicht hin fliegen muss. Ich
  • 57:18 - 57:21
    lebe in einem Land, ich lebe in Mitteleuropa. Ich kann ohne Flugzeug die
  • 57:21 - 57:25
    geilsten Bands erleben. Ich kann selber Musik mache. Ich spiele zwei Bands. Ich
  • 57:25 - 57:28
    kann im Garten arbeiten. Ich kann spazieren gehen. Ich kann mit meinen
  • 57:28 - 57:32
    Freunden, mit meiner Peergroup die wildesten Geschichten veranstalten. Ich
  • 57:32 - 57:36
    kann basteln. Ich kann lesen. Ich kann auch Musik hören. Alles Mögliche. Es gibt
  • 57:36 - 57:43
    1000 verschiedene Varianten eines kleinen Luxus, der einen so geringen ökologischen
  • 57:43 - 57:48
    Rucksack hat, dass ich also quasi in einem Wohlstand schwelge, der mir gut tut und
  • 57:48 - 57:51
    der der Ökosphäre auch keinen Schaden zufügt.
  • 57:51 - 58:00
    H: Ja, danke dir. Wie ist es denn, wenn jetzt nur Deutschland diese Vorschläge
  • 58:00 - 58:03
    umsetzen kann? Was passiert denn dann mit dem Rest der Welt? Wir haben jetzt...
  • 58:03 - 58:08
    N: Da passiert eine ganze Menge. Deutschland ist eine kulturelle
  • 58:08 - 58:13
    Kolonialmacht. Das hasse ich, weil ich was gegen Kolonialismus habe. Aber da es so
  • 58:13 - 58:18
    ist, frage ich mich, wenn wir das, was wir derzeit durch unsere kulturelle Hegemonie
  • 58:18 - 58:24
    in die Köpfe und in die Orientierung und Erwartungshorizonte anderer Menschen
  • 58:24 - 58:28
    implementieren sozusagen, wenn wir das verändern. Ja, wenn wir das verändern,
  • 58:28 - 58:32
    indem wir das Land sind auf diesem Planeten, das sagt wir machen mal den 1.
  • 58:32 - 58:36
    Schritt. Wir versuchen mal vorzuführen, wie es ist, so zu leben, dass wenn alle so
  • 58:36 - 58:40
    leben, dass wir dann die ökologischen Grenzen einhalten können. Das hätte einen
  • 58:40 - 58:45
    total großen Effekt. Ich kann die Menschen in Afrika, die mir sehr am Herzen liegen,
  • 58:45 - 58:49
    die kann ich nur dann dazu bringen, unsere Fehler zu vermeiden, wenn wir als erste
  • 58:49 - 58:53
    diese Fehler erkennen und uns davon verabschieden. Wir tun aber genau das
  • 58:53 - 58:58
    Gegenteil. In Deutschland wird jedes Jahr in allen Bereichen ein neuer Rekord
  • 58:58 - 59:02
    erzielt, was ökologische Zerstörung anbelangt. Leider auch im Klima Bereich.
  • 59:02 - 59:06
    Und so können wir keine Politik machen. So können wir auch niemanden auf diesem
  • 59:06 - 59:10
    Planeten anstiften oder inspirieren, endlich ökologische Verantwortung
  • 59:10 - 59:16
    anzunehmen. Das, was ich nicht vor der eigenen Haustür hinbekomme, das kann ich
  • 59:16 - 59:22
    auch nicht auf anderem Wege Menschen auf anderen Kontinenten nahelegen. Etwas mehr
  • 59:22 - 59:26
    Glaubwürdigkeit und etwas weniger Heuchelei in der Politik, in der
  • 59:26 - 59:30
    Nachhaltigkeitskommunikation, ja sogar in der Wissenschaft täte uns also gut.
  • 59:30 - 59:35
    H: Ja, super. Das ist ja ein großartiges Abschlusswort. Vielen Dank dir für die
  • 59:35 - 59:40
    Beantwortung der Fragen, für den tollen Vortrag und mach's gut. Dankeschön.
  • 59:40 - 59:42
    N: Ich danke euch vielmals. Aus.
  • 59:42 - 59:42
    *Abspannmusik*
  • 59:42 - 59:54
    Untertitel erstellt von c3subtitles.de im Jahr 2021. Mach mit und hilf uns!
Title:
#rC3 - Globalisierung, Digitalisierung und die Wachstumsfrage
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Video Language:
German
Duration:
01:00:23

German subtitles

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