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← Warum wir offensichtliche Probleme ignorieren – und wie wir das ändern können

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Showing Revision 49 created 10/05/2019 by Angelika Lueckert Leon.

  1. Was wäre, wenn ein sehr
    offensichtliches Problem
  2. direkt vor Ihrer Nase auftaucht?
  3. Eins, über das jeder spricht
  4. und das Sie direkt betrifft.
  5. Würden Sie alles in Ihrer Macht
    Stehende tun, um es zu beheben,
  6. bevor es sich verschlimmert?
  7. Seien Sie sich nicht allzu sicher.
  8. Wir übersehen alle viel eher,
    als jeder von uns zugeben möchte,
  9. was direkt vor unseren Augen ist.
  10. In Wahrheit
  11. schauen wir manchmal genau dann weg,
  12. wenn wir vor einer Bedrohung stehen.
  13. Im Geschäftsleben,
    im Leben allgemein, in der Welt.
  14. Ich gebe Ihnen ein Beispiel
    aus meiner Welt der Wirtschaftspolitik.

  15. Als Alan Greenspan
    Präsident der US-Notenbank war,
  16. drehte sich sein Job nur um das Erkennen
    von Wirtschaftproblemen in den USA

  17. und darum sicherzustellen,
    dass nichts außer Kontrolle gerät.
  18. Nach 2006,
  19. als die Immobilienpreise
    ihren Höchststand erreichten,
  20. haben bei immer mehr angesehenen
    Geschäftsführern und Institutionen
  21. die Alarmglocken geläutet,
  22. über gewagtem Geldverleih
    und gefährlichen Marktblasen.
  23. Wie Sie wissen,
    ist in 2008 alles zerfallen.
  24. Banken kollabierten,
  25. die weltweiten Aktienmärkte haben
    fast die Hälfte ihren Werten verloren.
  26. Millionen von Menschen haben ihre
    Häuser durch Zwangsvollstreckung verloren
  27. und am Ende
  28. verlor fast 1 von 10 Amerikanern
    seinen Arbeitsplatz.
  29. Als die Lage sich etwas entspannte,

  30. machten Greenspan und viele andere
    eine nachträgliche Analyse und sagten:
  31. "Niemand sah die Krise kommen".
  32. Sie nannten es "Der schwarze Schwan".
  33. etwas Unvorstellbares,
  34. nicht Vorhergesehenes und
    gänzlich Unwahrscheinliches.
  35. Eine völlige Überraschung.
  36. Aber es war in Wirklichkeit
    gar nicht immer so eine Überraschung.
  37. Zum Beispiel, meine Wohnung
    in Manhattan, verdoppelte seinen Wert
  38. in weniger als vier Jahren.
  39. Ich erkannte die Warnzeichen
    und verkaufte es.
  40. (Lachen)

  41. (Applaus)

  42. Viele andere Menschen sahen
    diese Warnung auch,

  43. haben das in der
    Öffentlichkeit kundgetan
  44. und wurden ignoriert.
  45. Wir wussten also nicht genau,
    wie die Krise aussehen sollte,
  46. kannten nicht die genauen Parameter,
  47. aber wir konnten alle sagen,
    dass da was auf uns zukommt,
  48. was gefährlich, sichtbar
    und vorhersehbar ist
  49. wie ein gigantisches graues Nashorn,
    das uns ins Visier genommen hat.
  50. Der schwarze Schwan gibt uns das Gefühl,

  51. keine Macht über unsere Zukunft zu haben.
  52. Leider ist es so, dass
    je weniger Kontrolle wir haben,
  53. desto mehr tendieren wir dazu
    es herunterzuspielen
  54. oder komplett zu ignorieren.
  55. Diese gefährliche Dynamik
    verbergt ein anderes Problem
  56. nämlich, dass viele Probleme,
    denen wir begegen,
  57. überaus wahrscheinlich
    und offensichtlich sind.
  58. Es sind Dinge, die wir sehen können,
    aber gegen die wir nichts unternehmen.
  59. Also erfand ich die Nashorn-Metapher,

  60. um ein dringendes Bedürfnis auszudrücken.
  61. Nämlich einen neuen
    Blickwinkel zu erschaffen,
  62. die wie die Leidenschaft der Menschen
    zum schwarzen Schwan,
  63. diesmal sich, für die Dinge öffnet,
    die hoch offensichtlich
  64. und höchstwahrscheinlich sind
    und trotzdem ignoriert werden.
  65. Das sind die grauen Nashörner,
    die ich meine.
  66. Wenn Sie einmal anfangen,
    nach ihnen Ausschau zu halten,

  67. begegnen sie Ihnen jeden Tag
    in den Schlagzeilen.
  68. Diesmal sehe ich in den Schlagzeilen
    ein anderes großes, graues Nashorn,
  69. eine neue hoch wahrscheinliche
    finanzielle Krise.
  70. Ich frage mich, ob wir was gelernt haben,
    in den letzten 10 Jahren.
  71. Wenn Sie zuhören, was Washington
    oder Wall Street zu sagen haben,

  72. könnte man Ihnen fast dafür vergeben,
    wenn Sie glauben, dass alles glatt läuft.
  73. Aber in China, wo ich eine
    Menge Zeit verbracht habe,
  74. ist die Diskussion total anders.
  75. Das gesamte Wirtschaftsteam
  76. von ganz unten
    bis zum Präsidenten Xi Jinping,
  77. reden sehr klar und spezifisch
  78. über finanzielle Risiken
    als graue Nashörner
  79. und wie sie diese zähmen können.
  80. Nun, zur Klarstellung, China und die USA
  81. haben gänzlich andere Regierungssysteme,
  82. die bestimmen, was getan
    werden kann und was nicht.

  83. Viele Ursachen
    ihrer wirtschaftlichen Probleme
  84. sind komplett anders.
  85. Aber es ist kein Geheimnis,
    dass beide Länder Schwierigkeiten haben
  86. mit Schulden, Ungleichheit
    und mit wirtschaftlicher Produktivität.
  87. Wie kann es dann sein, dass
    beide Diskurse so verschieden sind?

  88. Diese Frage kann man nicht nur
    in Bezug auf Länder stellen,

  89. sondern eigentlich
    auf jeden einzelnen von uns.
  90. Die Autokonzerne, die die
    Sicherheit an erste Stelle stellen
  91. und diejenigen, die ihre Schrottautos
    nicht zurückzurufen
  92. bis Menschen sterben.
  93. Die Großeltern, die sich
    auf das Unvermeidbare vorbereiten,
  94. diejenigen, die ihre Grabrede
    verfasst haben ...
  95. das Menü für den Leichenschmaus.
  96. (Lachen)

  97. Meine Großeltern taten es.

  98. (Lachen)

  99. Alles, bis auf das Todesdatum
    war in den Grabstein gemeißelt.

  100. Aber dann gibt es die anderen Großeltern,
  101. die ihre letzte Angelegenheit
    nicht in Ordnung bringen,
  102. die ihren ganzen Krempel nicht loswerden,
  103. den sie über Jahre hinweg gehortet haben
  104. und ihren Kindern
    das Problem hinterlassen.
  105. Was ist nun der Unterschied
    zwischen der einen und der anderen Seite?

  106. Warum sehen manche Leute
    die Dinge und packen sie an,
  107. während andere nur wegschauen?
  108. Die erste Seite hat etwas
    mit Kultur und Gesellschaft zu tun
  109. und den Menschen Ihrer Umgebung.
  110. Wenn Sie glauben,
    dass jemand in Ihrem Kreis
  111. Ihnen helfen wird, wenn Sie fallen,
  112. sind Sie eher dazu geneigt,
    Gefahren als viel kleiner einzustufen.
  113. Dies erlaubt uns, gute Entscheidungen
    zu treffen, nicht nur schlechte.
  114. Zum Beispiel, Kritik zu riskieren
  115. wenn Sie über Gefahren sprechen,
    die keiner hören möchte.
  116. Oder Chancen wahrzunehmen,
    die ein wenig Angst einflößen,
  117. die auf ihre Art graue Nashörner sind.
  118. Die USA hat eine sehr
    individualistische Kultur -- Alleingänger.
  119. Paradoxerweise
  120. sorgt das dafür, dass viele Amerikaner
    für Neuerungen nicht so offen sind
  121. und keine Risikobereitschaft haben.
  122. In China hingegen glauben Menschen,
  123. dass die Regierung Probleme
    von ihnen abhalten wird,
  124. was nicht immer der Fall sein wird,
    aber die Menschen glauben das.
  125. Sie glauben, sich auf
    ihre Familien verlassen zu können
  126. und das macht sie risikofreudiger.
  127. Wie zum Beispiel eine Immobilie
    in Peking zu kaufen
  128. oder offener dafür zu sein, dass
    die Richtung geändert werden muss.
  129. In der Tat ist das Tempo der Veränderungen
    in China absolut erstaunlich.
  130. Zweitens:

  131. Wie viel wissen Sie über eine Situation,
  132. Wie viel wollen Sie lernen?
  133. Sind Sie bereit auch Dinge zu sehen,
    die Sie nicht sehen wollen?
  134. Viele von uns werden nie
    bereit sein, Dinge zu beachten,
  135. die wir eigentlich nur ausblenden wollen,
  136. wir mögen sie nicht.
  137. Wir beachten Dinge, die wir sehen wollen,
    mit denen wir einverstanden sind,
  138. aber wir haben
    die Möglichkeit und die Fähigkeit,
  139. diese blinden Flecke zu korrigieren.
  140. Ich verbrachte eine Menge Zeit,
    mit Leuten aus allen Schichten
  141. und den grauen Nashörner ihres Lebens
    und ihre Haltung dazu.
  142. Sie denken bestimmt,
  143. dass Menschen, die die größte Angst
    vor Risiken haben,
  144. die sensibler auf sie reagieren,
    diejenigen sind,
  145. die weniger offen für Veränderungen sind,
  146. aber das Gegenteil ist der Fall.
  147. Ich habe herausgefunden,
    dass die Menschen,
  148. die bereit sind, die Probleme
    um sich herum zu akzeptieren,
  149. und Pläne machen,
  150. die sind, die geringen Risiken
    gegenüber toleranter sind,
  151. und mit hohen Risiken fertig werden.
  152. Denn wenn wir uns schlaumachen,
  153. können wir Dinge besser angehen,
    vor denen wir Angst haben.
  154. Das bringt mich
    zu meinem dritten Punkt

  155. Wie viel Kontrolle, meinen Sie
  156. über die grauen Nashörner
    in Ihrem Leben zu haben?
  157. Einer der Gründe, warum
    wir nicht aktiv werden ist,
  158. weil wir uns oft viel zu hilflos fühlen.
  159. Denken Sie an den Klimawandel,
    es kann so überwältigend sein,
  160. dass kein einzelner von uns
    etwas bewirken kann.
  161. Deshalb gehen manche Leute
    durchs Leben und leugnen ihn.
  162. Andere Menschen geben jedem
    die Schuld, außer sich selbst.
  163. Wie mein Freund, der meint
    er würde auf seinen SUV verzichten,
  164. wenn in China keine Kohlekraftwerke
    mehr gebaut werden.
  165. Aber wir haben die Möglichkeit,
    etwas zu verändern.
  166. Niemand gleicht dem anderen.
  167. Jeder Einzelne von uns hat die
    Möglichkeit seine Haltung zu ändern:
  168. die eigene und die gegenüber anderen.
  169. Heute, möchte ich Sie
    allesamt dazu auffordern,

  170. sich mir anzuschließen und ein ehrliches
    und offenes Gespräch zu eröffnen
  171. mit all den Menschen
    aus Ihrem Umfeld
  172. über die grauen Nashörner in unserer Welt
  173. und dabei brutal ehrlich zu sein,
    ob wir gut mit ihnen umgehen.
  174. Ich höre so oft in den Staaten:
  175. "Natürlich sollten wir mit offenkundigen
    Problemen umgehen können,
  176. aber wenn Sie nicht sehen,
    was vor Ihnen passiert,
  177. sind Sie entweder dumm oder ignorant."
  178. Das sagen sie, und ich bin da
    ganz und gar anderer Meinung.
  179. Wenn Sie nicht sehen, was vor Ihnen ist,
  180. sind Sie weder dumm noch ignorant.
  181. Sie sind ein Mensch.
  182. Wenn wir einmal diese
    geteilte Verletzlichkeit erkennen,
  183. gibt uns das die Kraft,
    unsere Augen zu öffnen,
  184. zu sehen, was vor uns liegt,
  185. und zu handeln bevor wir
    zertrampelt werden.
  186. (Applaus)