YouTube

Got a YouTube account?

New: enable viewer-created translations and captions on your YouTube channel!

German subtitles

← Das Versteckspiel beenden: Ash Beckham bei TEDxBoulder

Get Embed Code
15 Languages

Showing Revision 10 created 05/20/2014 by Angelika Lueckert Leon.

  1. Ich spreche heute Abend darüber,
  2. sich zu bekennen.
  3. Und nicht im herkömmlichen Sinne,
  4. nicht nur zu bekennen,
    dass man homosexuell ist.
  5. Ich denke, dass jeder
    etwas zu bekennen hat.
  6. Ihr Bekenntnis könnte sein,
  7. ihr zum ersten Mal
    "Ich liebe Dich" zu sagen;
  8. jemandem zu sagen,
    dass man schwanger ist;
  9. oder dass man Krebs hat,
  10. oder irgendeines dieser
    schwierigen Gespräche,
  11. denen wir im Leben begegnen.
  12. Jedes Bekenntnis ist
    ein schwieriges Gespräch.
  13. Und obwohl unsere Themen
    sich sehr unterscheiden,
  14. ist die Erfahrung, sich zu verstecken
    und sich zu bekennen
  15. doch universal.
  16. Es ist beängstigend, wir hassen es
  17. und es muss dennoch getan werden.
  18. Vor einigen Jahren habe ich im
    Southside Walnut Café gearbeitet
  19. -- (Lachen) --
  20. einem Imbiss hier in der Stadt,
  21. und während meiner Zeit dort
  22. durchlief ich Phasen
    militant-lesbischer Gesinnung.
  23. (Lachen)
  24. Ich rasierte meine Achseln nicht,
  25. zitierte Texte von Ani DiFranco
    als mein Evangelium
  26. und je nach dem, wie tief ich
    meine Cargo Shorts trug
  27. und wie lange meine letzte
    Kopfrasur zurück lag,
  28. wurde ich oft mit der Frage konfrontiert,
  29. meist durch ein kleines Kind:
  30. "Mmmm, bist du ein Junge
    oder ein Mädchen?"
  31. Darauf herrschte
    eine peinliche Stille am Tisch,
  32. ich biss die Zähne zusammen,
  33. griff die Kaffeekanne etwas resoluter.
  34. Der Vater blätterte peinlich berührt
    in seiner Zeitung
  35. und die Mutter warf ihrem Kind
    einen warnenden Blick zu.
  36. Aber ich sagte nichts
  37. und kochte innerlich.
  38. Und es ging soweit, dass jedes Mal,
  39. wenn ein Kind am Tisch saß,
  40. zwischen 3 und 10 Jahre alt,
  41. ich zum Kampf bereit war.
  42. (Lachen)
  43. Das ist ein furchtbares Gefühl.
  44. Also schwor ich mir,
    dass ich beim nächsten Mal
  45. etwas erwidern würde.
  46. Ich würde mich diesem
    unangenehmen Gespräch stellen.
  47. Innerhalb weniger Wochen
    geschah es erneut:
  48. "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?"
  49. Darauf die gewohnte Stille.
  50. Doch dieses Mal war ich vorbereitet
  51. und drauf und dran, das Einmaleins
    der Frauenstudien
  52. an diesem Tisch durchzugehen.
  53. (Lachen)
  54. Ich hatte meine
    Betty-Friedan-Zitate griffbereit,
  55. und meine Gloria Steinem-Zitate,
  56. sogar einen kleinen Auszug
    aus den "Vagina-Monologen".
  57. Ich holte also tief Luft,
    schaute runter
  58. und sah
  59. ein 4-jähriges Mädchen
    in einem rosa Kleid.
  60. Kein würdiger Gegner
    für ein Feministen-Duell,
  61. nur ein Kind mit einer Frage:
  62. "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?"
  63. Ich holte noch einmal tief Luft,
  64. hockte mich neben sie und sagte:
  65. "Hey, ich weiß,
    das ist etwas verwirrend,
  66. mein Haar ist so kurz wie bei einem Jungen
  67. und ich trage Jungensklamotten,
  68. aber ich bin ein Mädchen.
  69. Weißt du, wie Du manchmal
    lieber ein rosafarbenes Kleid trägst
  70. und manchmal lieber
    einen bequemen Pyjama?
  71. Ich bin eben ein Mädchen
    von der Pyjama-Sorte."
  72. (Lachen)
  73. Das Kind schaute mich geradeheraus an,
  74. ohne ein Zögern und sagte:
  75. "Mein Lieblingspyjama ist lila
  76. mit Fischen drauf.
    Kann ich bitte einen Pfannkuchen haben?"
  77. (Lachen)
  78. Und das war es, einfach nur:
  79. "Ach so, du bist ein Mädchen.
    Krieg' ich einen Pfannkuchen?"
  80. (Lachen)
  81. Es war das einfachste schwierige Gespräch,
    das ich je hatte.
  82. Und warum?
  83. Weil das Pfannkuchenmädchen und ich
  84. ehrlich zueinander waren.
  85. Wie so viele von uns
  86. habe ich mich in meinem Leben
    einige Male versteckt
  87. und meist waren die Wände
    meines Verstecks regenbogefarben.
  88. Aber wenn man im Dunkeln sitzt,
  89. sieht man die Farbe des Verstecks nicht.
  90. Man weiß nur, wie es sich anfühlt,
  91. in einem Versteck zu leben.
  92. Also unterscheidet sich
    mein Versteck nicht von Ihrem,
  93. oder Ihrem
  94. oder Ihrem.
  95. Sicher kann ich Ihnen
    100 Gründe nennen,
  96. warum mein Outing
  97. schwerer war als das Ihre,
  98. aber der Punkt ist:
  99. Schwer ist nicht relativ,
  100. schwer ist schwer.
  101. Wer kann mir sagen,
  102. dass jemandem zu erklären,
  103. dass man bankrott ist
  104. schwerer ist, als zu gestehen,
  105. dass man fremdgegangen ist.
  106. Wer kann sagen,
  107. dass ein Coming-Out schwerer ist
  108. als seinem 5-jährigen Kind zu sagen,
  109. dass man sich scheiden lässt.
  110. Es gibt kein "schwerer",
  111. es gibt nur "schwer".
  112. Wir müssen aufhören, unser "schwer"
  113. mit dem "schwer" der anderen
    zu vergleichen,
  114. um uns in unserem Versteck
    besser oder schlechter zu fühlen,
  115. und einfach anerkennen,
  116. dass es für uns alle ein "schwer" gibt.
  117. An einem gewissen Punkt im Leben
  118. leben wir alle in einem Versteck
  119. und das mag sicher erscheinen;
  120. zumindest sicherer,
  121. als sich zu bekennen.
  122. Ich bin hier, um Ihnen zu sagen,
  123. dass egal, welche Farbe
    Ihr Versteck auch haben mag,
  124. ein Versteck kein Platz zum Leben ist.
  125. (Jubel)
    (Applaus)
  126. Danke.
  127. Warum ist sich zu bekennen,
  128. warum ist dieses Gespräch
  129. so schwer?
  130. Weil es uns stresst.
  131. Wir sorgen uns so sehr
    über die Reaktion
  132. der anderen Person,
    verständlicherweise.
  133. Werden sie wütend sein?
  134. Traurig?
  135. Enttäuscht?
  136. Verlieren wir einen Freund?
  137. Einen Elternteil?
  138. Jemand Geliebtes?
  139. Diese Gespräche sorgen für Stress.
  140. Lassen Sie uns kurz
    den Stress betrachten.
  141. Stress ist eine natürliche
    Reaktion des Körpers.
  142. Wenn man einer vermeintlichen
    Bedrohung begegnet,
  143. -- wohlgemerkt: "vermeintlich" --
  144. schlägt der Hypothalamus Alarm
  145. und Adrenalin und Cortisol
  146. geraten in die Blutbahn.
  147. Das nennt man
  148. "Kampf oder Flucht".
  149. Manchmal kämpft man,
  150. manchmal rennt man weg.
  151. Das ist eine völlig normale Reaktion;
  152. die aus einer Zeit stammt,
  153. als einem drohte, von einem
    Wollhaarmammut gejagt zu werden.
  154. Das Problem ist,
  155. dass der Hypothalamus nicht weiß,
  156. ob man von einem
    Riesenmammut gejagt wird,
  157. ob der Computer abgestürzt ist,
  158. ob die Schwiegereltern
    vor der Tür stehen,
  159. ob man aus einem
    Flugzeug springt
  160. oder einem geliebten Menschen gestehen muss,
  161. dass man einen Gehirntumor hat.
  162. Der Unterschied ist:
  163. Das Mammut jagt einen
  164. für vielleicht zehn Minuten.
  165. Schwierigen Gesprächen auszuweichen,
  166. kann sich über Jahre hinziehen
  167. und damit kann der Körper nicht umgehen.
  168. Ständig Adrenalin und
    Cortisol ausgesetzt zu sein,
  169. beeinträchgt fast jedes System im Körper
  170. und kann zu Angstzuständen,
  171. Depression und Herzproblemen führen,
  172. um nur einiges zu nennen.
  173. Wenn man sich diesen
    schweren Gespräche nicht stellt,
  174. wenn man die Wahrheit
    über sich geheim hält,
  175. hält man im Grunde
    eine Granate in der Hand.
  176. Denken Sie 20 Jahre zurück.
  177. Ich,
  178. mit einem Pferdeschwanz,
  179. einem schulterfreien Kleid
  180. und hohen Absätzen.
  181. Ich war nicht die militante Lesbe,
  182. bereit jedes 4-jährige Kind,
    das ins Café kam, herauszufordern.
  183. (Lachen)
  184. Ich war von Angst gelähmt,
  185. zusammengerollt in einer Ecke
  186. meines stockdunklen Verstecks,
  187. meine "homosexuelle" Granate umklammernd;
  188. und einen einzigen Muskel zu bewegen
  189. war das beängstigendste,
  190. das ich je getan habe.
  191. Meine Familie,
  192. meine Freunde,
  193. völlig fremde Leute:
  194. Ich hatte mein Leben damit zugebracht,
  195. diese Leute nicht zu enttäuschen.
  196. Und nun stellte ich die Welt
    absichtlich auf den Kopf.
  197. Ich verbrannte die Seiten des Drehbuches,
  198. dem wir alle so lange gefolgt waren,
  199. aber wenn man diese
    Granate nicht wirft,
  200. bringt sie einen selbst um.
  201. Einer meiner denkwürdigsten Granatwürfe
  202. war auf der Hochzeit meiner Schwester.
  203. (Lachen)
  204. Erstmals wussten viele der Anwesenden,
  205. dass ich lesbisch war.
  206. Ich ging meiner Pflicht als Trauzeugin nach,
  207. in meinem schwarzen Kleid
    und Stöckelschuhen.
  208. Ich ging von Tisch zu Tisch,
  209. und kam schließlich zum Tisch
    der Freunde meiner Eltern,
  210. Leuten, die mich seit Jahren kannten.
  211. Nach einem kurzen Small-Talk
  212. rief eine der Frauen:
  213. "Ich liebe Nathan Lane!"
    [schwuler Schauspieler]
  214. Und das Ringen um
    den persönlichen Umgang
  215. mit Homosexualität hatte begonnen.
  216. "Ash, warst Du schon mal im Castro?"
    [Lesben- und Schwulenviertel]
  217. "Ja, wir haben Freunde in San Francisco."
  218. "Wir waren noch nie dort,
  219. aber man sagt, es sei 'fa-bel-haft'!"
  220. "Ash, kennst Du meinen Friseur Antonio,
  221. er ist wirklich gut und er hat nie
    eine Freundin erwähnt."
  222. "Ash, welche ist
    deine Lieblings-TV-Sendung?
  223. Unsere ist Will und Grace
  224. und weißt Du,
    wen wir toll finden? Jack.
  225. Jack ist unser Liebling."
    (schwuler Charakter)
  226. Dann eine andere Frau,
  227. etwas verlegen,
  228. aber sie wollte unbedingt
    ihre Unterstützung zeigen,
  229. damit ich wüsste, dass sie
    auf meiner Seite ist.
  230. Schließlich platzte sie heraus:
  231. "Also, mein Mann trägt manchmal
    rosafarbene Hemden."
  232. (Lachen)
  233. In diesem Moment stand ich vor einer Wahl,
  234. wie alle Granatenwerfer.
  235. Ich konnte zurück zu meiner Freundin
  236. und meinen Freunden gehen
  237. und mich über ihre Antworten
    lustig machen;
  238. sie für ihre Weltfremdheit strafen
  239. und ihre Unfähigkeit,
    sich ob der Herausforderung,
  240. vor die ich sie stellte,
  241. politisch korrekt zu verhalten;
  242. oder
  243. ich konnte Mitgefühl zeigen
  244. und anerkennen, dass dies vielleicht
  245. eines der schwierigsten Dinge war,
    die sie je getan hatten.
  246. Den Anfang zu machen
  247. und dieses Gespräch zu führen,
  248. war ihre Art, sich zu bekennen.
  249. Sicher wäre es leicht gewesen,
  250. ihnen ihre Verfehlung vorzuhalten.
  251. Es ist viel schwerer,
  252. ihnen auf Augenhöhe zu begegnen
  253. und die Tatsache anzuerkennen,
  254. dass sie sich bemühten.
  255. Was sonst kann man
    von jemandem verlangen,
  256. außer sich zu bemühen.
  257. Wenn man ehrlich zu jemandem sein will,
  258. muss man auf eine ehrliche Erwiderung
    gefasst sein.
  259. Schwierige Gespräche sind
    noch immer nicht meine Stärke.
  260. Fragen Sie alle, mit denen
    ich ausgegangen bin.
  261. Aber ich werde besser.
  262. Ich halte mich an das,
  263. was ich die
    "Pfannkuchenmädchen-Prinzipien" nenne.
  264. Betrachten sie dies aus
    Sicht der Schwulen und Lesben,
  265. aber bedenken Sie:
  266. Was einem jedes Bekenntnis abverlangt,
  267. ist im Grunde dasselbe.
  268. Nummer eins:
  269. Seien Sie authentisch,
  270. nehmen Sie die Rüstung ab,
    seien Sie Sie selbst.
  271. Das Kind im Café
  272. hatte keine Rüstung,
  273. aber ich war zum Kampf bereit.
  274. Dummer Hypothalamus.
  275. Wenn Sie wollen, dass andere
    ehrlich zu Ihnen sind,
  276. müssen Sie ihnen klar machen,
    dass auch Sie bluten.
  277. Nummer zwei:
  278. Seien Sie direkt,
  279. reißen Sie das Pflaster ab.
  280. Wenn Sie wissen,
    dass Sie homosexuell sind,
  281. dann sagen Sie es einfach.
  282. Wenn Sie Ihren Eltern sagen,
    dass Sie vielleicht homosexuell seien,
  283. werden sie hoffen,
    dass es sich ändert.
  284. Machen Sie ihnen
  285. keine falschen Hoffnungen.
  286. (Lachen)
  287. Und Nummer drei,
  288. das allerwichtigste:
  289. (Lachen)
  290. Entschuldigen Sie sich nicht.
  291. Sie sprechen Ihre Wahrheit aus.
  292. Entschuldigen Sie sich niemals dafür.
  293. Einige Leute sind im Verlauf
    vielleicht verletzt worden.
  294. Entschuldige Sie sich für das,
    was Sie getan haben,
  295. aber niemals dafür, wer Sie sind.
  296. Und ja, einige Leute
    mögen enttäuscht sein.
  297. Aber das ist deren Sache, nicht Ihre.
  298. Das sind deren Erwartungen
    von Ihnen, nicht Ihre.
  299. Das ist deren Geschichte, nicht Ihre.
  300. Die einzige Geschichte, die zählt
  301. ist die, die Sie schreiben wollen.
  302. Wenn Sie sich nächstes Mal
  303. in einem stockdunklen Versteck wiederfinden,
  304. Ihre Granate umklammernd,
  305. seien Sie sich bewusst, dass wir alle
    schon dort gewesen sind.
  306. Sie mögen sich
    ganz und gar allein fühlen,
  307. aber das sind Sie nicht.
  308. Wir wissen, dass es schwer ist,
  309. aber wir brauchen Sie hier draußen,
  310. ganz egal, woraus Ihre Wände gemacht sind.
  311. Denn ich garantiere Ihnen:
  312. Da sind andere, die
    durch das Schlüsselloch
  313. Ihres Verstecks linsen
  314. und darauf warten,
    dass eine mutige Seele
  315. eine Tür aufsprengt.
  316. Also seien SIE diese Person
  317. und zeigen Sie der Welt, dass wir größer sind
    als unser Versteck
  318. und dass ein Versteck kein Ort
  319. für einen Menschen ist,
    um wahrhaftig zu leben.
  320. Danke Boulder, genießen Sie den Abend.
  321. (Jubel)
    (Applaus)