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← Welche Rolle spielt das Glück in Ihrem Leben?

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Showing Revision 8 created 11/08/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. Hallo zusammen.
  2. Es ist mir eine Ehre
    hier zu Ihnen zu sprechen.
  3. Und worüber ich heute sprechen werde
    ist Glück und Gerechtigkeit
  4. und die Beziehung zwischen beiden.
  5. Vor ein paar Jahren

  6. rief mich einer meiner
    ehemaligen Schüler an,
  7. um über seine Tochter zu sprechen.
  8. Es stellte sich heraus, dass seine
    Tochter Oberstufenschülerin war
  9. und sehr interessiert daran,
    sich in Swarthmore zu bewerben,
  10. wo ich lehrte.
  11. Und er fragte nach meiner Meinung,
    ob sie wohl akzeptiert würde.
  12. Es ist sehr schwer, in Smarthmore
    aufgenommen zu werden.
  13. Also sagte ich: "Erzähl' mir von ihr."
  14. Und er erzählte mir von ihr,
  15. welche Noten sie hatte,
  16. ihre außerschulischen Aktivitäten.
  17. Und es hörte sich an
    als sei sie ein Superstar,
  18. ein wundervolles, wundervolles Kind.
  19. Also sagte ich: "Sie klingt großartig.
  20. Es klingt als sei sie
    genau die Art von Student,
  21. die Swarthmore gerne hätte."
  22. Also sagte er: "Heißt das,
    dass sie aufgenommen wird?"
  23. Und ich sagte: "Nein.
  24. Es gibt einfach nicht genug Plätze
    in der Swarthmore Klasse
  25. für alle, die gut sind.
  26. Es gibt nicht genug Plätze in Harvard
    oder Yale oder Princeton oder Stanford.
  27. Es gibt nicht genug Plätze
    bei Google oder Amazon oder Apple.
  28. Es gibt nicht genug Plätze
    bei den TED-Konferenzen.
  29. Es gibt unglaublich viele gute Leute
  30. und manche werden es nicht schaffen."
  31. Er fragte: "Was sollen wir also machen?"
  32. Und ich sagte: "Das ist eine
    sehr gute Frage."
  33. Was sollen wir machen?

  34. Ich weiß, was Colleges
    und Universitäten getan haben.
  35. Was sie im Bemühen
    um Gleichberechtigung taten ist:
  36. Sie haben den Standard
    immer weiter angehoben,
  37. weil es nicht fair scheint,
    weniger qualifizierte Menschen zuzulassen
  38. und besser qualifizierte abzulehnen,
  39. also hebt man den Standard
    immer weiter und weiter
  40. bis er so hoch ist,
  41. dass man nur noch
    die Zahl von Studenten zulässt,
  42. die man unterbringen kann.
  43. Das verletzt bei vielen das Verständnis

  44. von Gerechtigkeit und Fairness.
  45. Menschen in der
    amerikanischen Gesellschaft
  46. haben unterschiedliche Ansichten davon
  47. was es heißt, dass ein Prozess fair ist.
  48. Aber ich glaube es gibt eine Sache,
    bei der sich so ziemlich alle einig sind:
  49. Dass in einem gerechten,
    einem fairen System
  50. Menschen das bekommen,
    was sie verdienen.
  51. Und was ich meinem
    ehemaligen Studenten sagte, ist,

  52. dass wenn es um College-Zulassungen geht
  53. es einfach nicht wahr ist,
    dass Leute bekommen was sie verdienen.
  54. Manche Menschen bekommen das,
    was sie verdienen, andere Menschen nicht
  55. und so ist es einfach.
  56. Wenn man die Anforderungen erhöht,
    wie es die Colleges getan haben,

  57. dann kreiert man
    einen verrückten Wettbewerb
  58. zwischen High School Schülern,
  59. weil es nicht ausreicht gut zu sein,
  60. es reicht nicht gut genug zu sein,
  61. man muss besser als alle anderen sein,
    die sich auch bewerben.
  62. Und das löste aus
  63. oder hat dazu beigetragen,
  64. dass es eine Art Epidemie
    von Angst und Depression gibt,
  65. die unsere Teenager kaputt macht.
  66. Wir verderben eine Generation
    mit dieser Art von Wettbewerb.
  67. Als ich darüber nachdachte

  68. fiel mir auf, dass es eine
    Möglichkeit gibt das Problem zu lösen.
  69. Wir könnten folgendes tun:
  70. Wenn sich Leute für das College bewerben,
  71. unterscheiden wir zwischen Bewerbern,
    die gut genug sind, um erfolgreich zu sein
  72. und denen die es nicht sind.
  73. Und wir lehnen die ab, die nicht
    gut genug sind, um erfolgreich zu sein
  74. Und dann nehmen wir alle anderen
    und legen ihren Namen in einen Hut
  75. und losen sie wahllos aus
  76. und lassen sie zu.
  77. Anders gesagt: Wir machen
    aus den College-Zulassungen eine Lotterie
  78. und vielleicht machen wir Job-Angebote
    von Tech-Firmen durch Lotterien
  79. und -- Gott bewahre -- vielleicht
    treffen wir sogar Entscheidungen
  80. wer als TED-Talks-Redner eingeladen wird,
  81. über ein Lotteriesystem.
  82. Verstehen Sie mich nicht falsch,

  83. eine solche Lotterie wird
    die Ungerechtigkeit nicht beseitigen.
  84. Es wird immer noch genug Leute geben,
    die nicht bekommen was sie verdienen.
  85. Aber wenigstens ist es ehrlich.
  86. Es zeigt die Ungerechtigkeit
    als das was sie ist,
  87. und versucht sie nicht zu verschleiern.
  88. Es nimmt den riesigen Druck,
  89. unter dem unsere
    High School Kinder jetzt leben.
  90. Warum also wird über
    diesen absolut vernünftigen Vorschlag,

  91. wenn ich das so sagen darf,
  92. nicht ernsthaft diskutiert?
  93. Ich denke ich weiß warum.
  94. Ich glaube, dass wir
    die Vorstellung hassen,
  95. dass wirklich wichtige Dinge im Leben
    durch Glück oder Zufall passieren könnten,
  96. dass wirklich wichtige Dinge in unserem
    Leben nicht in unserer Macht liegen.
  97. Ich hasse die Idee.
  98. Es ist keine Überraschung,
    dass Menschen diese Idee hassen,
  99. aber so sind die Dinge eben.
  100. Erstens sind College-Zulassungen
    schon jetzt eine Lotterie.

  101. Aber die Mitarbeiter der Zulassungsstelle
    tun so, als sei es nicht so.
  102. Lassen Sie uns also ehrlich sein.
  103. Zweitens glaube ich,

  104. wenn wir anerkennen würden,
    dass es eine Lotterie ist,
  105. würden wir auch
    die Wichtigkeit von Glück würdigen
  106. in fast jedem unserer Leben.
  107. Nehmen Sie mich.

  108. Fast alle der wichtigsten Ereignisse
    in meinem Leben
  109. traten in hohem Maß
    als Resultät von Glück auf.
  110. Als ich in der siebten Klasse war,
    verließ meine Familie New York
  111. und ging nach Westchester County.
  112. Gleich zu beginn der Schule
  113. begegnete ich einem jungen Mädchen
    mit der ich mich anfreundete,
  114. dann wurde sie meine beste Freundin,
  115. dann wurde sie meine Freundin
  116. und dann wurde sie meine Frau.
  117. Glücklicherweise ist sie
  118. seit 52 Jahren meine Frau.
  119. Ich hatte wenig damit zu tun.
    Es war ein glücklicher Unfall.
  120. Ich ging auf's College

  121. und in meinem ersten Semester
    schrieb ich mich
  122. für einen Einführungskurs
    in Psychologie ein.
  123. Ich wusste nicht mal was Psychologie war,
  124. aber es passte in meinen Stundenplan
    und ich erfüllte die Anforderungen,
  125. also belegte ich es.
  126. Und zum Glück wurde der Kurs
  127. von einem Superstar Psychologie-
    Einführungs-Lehrer gehalten. Eine Legende.
  128. Deswegen wählte ich
    Psychologie als Hauptfach,
  129. ging in die Graduiertenschule.

  130. Ich machte meinen Abschluss.
  131. Ein Freund von mir, der in Swarthmore
    unterrichtete beschloss,
  132. dass er nicht mehr Professor sein wollte
  133. und so kündigte er,
    um Medizin zu studieren.
  134. Der Job den er gehabt hatte wurde frei,
  135. ich bewarb mich um ihn und bekam ihn,
  136. den einzigen Job,
    für den ich mich je beworben habe.
  137. Ich lehrte 45 Jahre in Swarthmore,
  138. einer Institution, die einen
    enormen Einfluss darauf hatte,
  139. wie meine Karriere sich entwickeln würde.
  140. Und um nur noch
    ein letztes Beispiel zu nennen:

  141. Ich hielt einen Vortrag
    über einen Teil meiner Arbeit in New York
  142. und es war jemand im Publikum,
    der nach dem Vortrag zu mir kam.
  143. Er stelle sich vor,
  144. er sagte: "Mein Name ist Chris.
  145. Möchten Sie einen Vertrag bei TED halten?"
  146. Und meine Antwort war: "Was ist TED?"
  147. Nun, er sagte es mir
  148. und TED war nicht das, was es heute ist.
  149. Aber in den dazwischenliegenden Jahren
  150. wurden die Vorträge, die ich bei TED hielt
    von über 20 Millionen Menschen angeschaut.
  151. Das Fazit ist also:
    Ich bin ein Glückspilz.

  152. Ich habe Glück mit meiner Ehe.
  153. Ich hatte Glück mit meiner Ausbildung.
  154. Ich hatte Glück bei meiner Karriere.
  155. Und ich hatte Glück eine Plattform und
    eine Stimme bei etwas wie TED zu haben.
  156. Verdiente ich den Erfolg den ich hatte?

  157. Natürlich verdiene ich diesen Erfolg,
  158. genauso wie Sie wahrscheinlich
    Ihren Erfolg verdienen.
  159. Aber viele Menschen verdienen
    die gleichen Erfolge wie unseren
  160. und hatten sie nicht.
  161. Bekommen Menschen also das
    was sie verdienen?

  162. Ist die Gesellschaft fair?
  163. Natürlich nicht.
  164. Hart zu arbeiten
    und sich an die Regeln zu halten
  165. ist einfach keine Garantie
    für irgendetwas.
  166. Wenn wir die Unvermeidlichkeit
    dieser Art von Ungerechtigkeit
  167. und die zentrale Rolle von Glück
    annehmen würden
  168. könnten wir uns fragen,
  169. welche Verantwortung wir haben
  170. gegebenüber den Leute, die wir jetzt als
    Helden in dieser Zeit der Pandemie feiern,
  171. wenn eine ernste Krankheit
    ihre Familie befällt,
  172. um sicherzustellen,
    dass sie unversehrt bleiben
  173. und ihre Leben nicht ruiniert werden
  174. durch die Kosten,
    um diese Krankheit zu behandeln.
  175. Was schulden wir Menschen,
    die sich abrackern,
  176. hart arbeiten und
    weniger Glück haben als wir?
  177. Vor etwa einem halben Jahrhundert

  178. schrieb der Philosoph John Rawls
    ein Buch mit dem Titel
  179. "Eine Theorie der Gerechtigkeit".
  180. In dem Buch führte er ein Konzept ein,
  181. das er "Schleier des Nichtwissens" nannte.
  182. Die Frage die er stellte war:
  183. Wenn Sie nicht wüssten, was Ihre
    Position in der Gesellschaft sein würde,
  184. welche Gesellschaft
    würden Sie dann schaffen wollen?
  185. Und er schlug vor,
  186. dass wenn wir nicht wissen,
  187. ob wir in der Gesellschaft ganz oben
    oder ganz unten stehen,
  188. dass wir dann eine Gesellschaft wollen
    die verdammt gleich ist,
  189. so dass selbst die die Pech haben
  190. anständige, sinnvolle und
    zufriedenstellende Leben leben können.
  191. Also nehmen Sie das mit, Sie glücklichen,
    erfolgreichen Menschen, in Ihre Gemeinden,

  192. und tun Sie alles um sicherzustellen,
  193. dass wir Menschen würdigen
    und uns um sie kümmern,
  194. die es genauso verdienen,
    Erfolg zu haben, wie wir selbst,
  195. die aber einfach
    nicht so viel Glück haben.
  196. Danke.