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← Die verborgenen Schätze von Timbuktu - Elizabeth Cox

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Showing Revision 15 created 12/27/2020 by Andrea Hielscher.

  1. Am Rande der großen Sahara-Wüste
  2. schlichen sich Bewohner
    aus der Stadt Timbuktu
  3. und machten sich auf in die Wildnis.
  4. Sie begruben Truhen im Sand,
    versteckten sie in Höhlen
  5. und schlossen sie in Geheimräumen ein.
  6. In diesen Truhen befanden sich
    Schätze wertvoller als Gold:
  7. die uralten Bücher der Stadt.
  8. Die Sadt Timbuktu, gegründet
    1100 n. Chr. im heutigen Mali,

  9. war zunächst ein einfacher Handelsposten.
  10. Durch ihre einzigartige Lage
    änderte sich das jedoch bald.
  11. Timbuktu lag an der Kreuzung
    zweier wichtiger Handelsrouten.
  12. Dort trafen Karawanen,
    die Salz durch die Wüste transportierten,
  13. auf Goldhändler
    aus dem afrikanischen Inland.
  14. Bis Ende des 14. Jh. wurde Timbuktu
    dank dieser Handelsrouten reich.
  15. Die Herrscher der Stadt,
    die Könige des Malireichs,
  16. bauten Monumente und Akademien,
    die Gelehrte anzogen.
  17. Sie kamen aus Ägypten,
    Spanien und Marokko.
  18. Die gute Lage der Stadt zog auch
    Kriegsherren und Eroberer an.

  19. Als das Malireich verfiel,
  20. gewann eines seiner Gebiete,
    Songhai, an Macht.
  21. 1468 wurde Timbuktu
    vom König von Songhai erobert.
  22. Gebäude wurden verbrannt
    und Gelehrte ermordet.
  23. Dennoch erblühte das intellektuelle Leben
    nach einiger Zeit erneut.

  24. Die Herrschaft des zweiten Königs
    des Songhai-Reichs, Askia Mohammad Touré,
  25. läutete in Timbuktu
    ein Goldenes Zeitalter ein.
  26. Er hob die rückschrittliche Politik
    seines Vorgängers auf
  27. und förderte die Bildung.
  28. Die Songhai-Herrscher und die meisten
    Einwohner Timbuktus waren Muslime;

  29. die Gelehrten Timbuktus
    studierten den Islam
  30. sowie weltliche Themen
    wie Mathematik und Philosophie.
  31. In den Bibliotheken von Timbuktu
  32. standen Abhandlungen
    über griechische Philosophie
  33. neben den Schriften örtlicher Historiker,
    Wissenschaftler und Dichter.
  34. Der berühmteste Gelehrte
    der Stadt, Ahmed Baba,
  35. hinterfragte gängige Meinungen
    zu vielen Themen
  36. vom Rauchen bis zur Sklaverei.
  37. Gold- und Salzhandel förderten
    die Verwandlung der Stadt

  38. in ein Zentrum der Bildung.
  39. Nun wurden die Produkte
    dieser intellektuellen Kultur
  40. zur meistbegehrten Ware.
  41. Mit Papier aus dem fernen Venedig
  42. und strahlender Tinte
    aus heimischen Pflanzen und Mineralien
  43. verfassten die Schreiber Timbuktus Texte
  44. in arabischer sowie örtlichen Sprachen.
  45. Dank Kalligrafie und
    kunstvoller geometrischer Muster
  46. waren die Bücher Timbuktus
    bei der wohlhabenden Elite heiß begehrt.
  47. 1591 kam das Goldene Zeitalter
    zu einem abrupten Ende,

  48. als der marokkanische König
    Timbuktu einnahm.
  49. Marokkanische Kämpfer nahmen Ahmed Baba
    und andere bekannte Gelehrte fest
  50. und beschlagnahmten ihre Bibliotheken.
  51. In den folgenden Jahrhunderten
    wurde die Stadt mehrere Male erobert.
  52. Mitte des 19. Jh. wurde Timbuktu
    von Sufi-Dschihadisten besetzt,
  53. die viele nicht-religiöse
    Manuskripte zerstörten.
  54. 1894 wurde Timbuktu von
    französischen Kolonialtruppen erobert,
  55. die weitere Manuskripte stahlen
    und nach Europa brachten.
  56. Nun wurde in den Schulen
    auf Französisch unterrichtet,
  57. und die folgenden Generationen
  58. konnten die verbliebenen
    arabischen Schriften nicht lesen.
  59. Die literarische Tradition Timbuktus
    starb trotzdem nicht:

  60. Sie tauchte unter.
  61. Manche Familien bauten
    Geheimbibliotheken in ihren Häusern
  62. oder begruben die Bücher in ihren Gärten.
  63. Andere verbargen sie in verlassenen Höhlen
    oder Löchern in der Wüste.
  64. Die wertvollen Manuskripte von Timbuktu
    waren in benachbarten Dörfern zerstreut,
  65. wo ganz normale Bürger
    sie über die Jahrhunderte bewahrten.
  66. Als die Region durch das Vordringen
    der Wüste und Krieg verarmte,
  67. behielten Familien die alten Bücher,
  68. selbst wenn sie unter extremer Armut
    und großem Hunger litten.
  69. Die Bemühungen um die Bewahrung
    der Bücher hält bis heute an.

  70. Von den 1980ern
    bis ins frühe 21. Jahrhundert
  71. rettete der Gelehrte Abdel Kader Haidara
    in mühevoller Kleinarbeit
  72. in ganz Nordmali verstreute Manuskripte
    und brachte sie zurück nach Timbuktu.
  73. 2012 gefährdete der Bürgerkrieg in Mali
    die Manuskripte jedoch erneut.
  74. Die meisten wurden in das
    nahe gelegene Bamako gebracht.
  75. Ihre Zukunft ist ungewiss,
  76. da sowohl von Menschen
    als auch von der Umwelt Gefahr ausgeht.
  77. Diese Bücher sind unsere besten --
    und oft einzigen -- Quellen
  78. über die vorkoloniale
    Geschichte der Region.
  79. Viele wurden nie
    von heutigen Gelehrten gelesen
  80. und viele weitere sind noch
    in der Wüste verschollen oder versteckt.
  81. Bei ihrer Bewahrung
    geht es um ihren historischen Inhalt --
  82. und um die Bemühungen
    unzähliger Generationen,
  83. diese Geschichte
    vor dem Untergang zu retten.