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Historisches Musical, das die Identität der Schwarzen auf der Weltausstellung 1901 untersucht

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    Das Archiv.
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    Man stelle sich Räume und Regale vor,
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    die mit Kisten und Kartons
    voll altem Zeug gefüllt sind.
  • 0:12 - 0:14
    Und doch bietet das Archiv für diejenigen,
  • 0:14 - 0:15
    die genug Geduld für Recherche haben,
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    die wertvolle Gelegenheit,
    die Vergangenheit zu berühren,
  • 0:20 - 0:24
    die Erfahrungen einst lebender Menschen
    zu spüren und daraus zu lernen,
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    die jetzt in diesem Archiv
    begraben scheinen.
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    Aber was, wenn es eine Möglichkeit gäbe,
    das Archiv zum Leben zu erwecken?
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    Jon Michael Reese: "Die Welt
    denkt falsch über die Rasse."
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    Melissa Joyner: "Dieses Land
    besteht darauf, den Neger zu richten."
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    JMR: "Weil es nicht weiß."
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    AYGTK: "Was wäre, wenn man
    es zum Atmen brächte?"
  • 0:42 - 0:45
    MJ: "Von seinen niedrigsten
    und bösartigsten Vertretern."
  • 0:45 - 0:46
    AYGTK: Sprechen.
  • 0:46 - 0:48
    JMR: "Eine ehrliche,
    einfache Ausstellung."
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    AYGTK: Oder sogar singen,
  • 0:49 - 0:51
    damit das Archiv allen zugänglich wird.
  • 0:51 - 0:54
    Wie würde das Archiv aufgeführt aussehen?
  • 0:54 - 0:57
    Eine Aufführung, die nicht nur
    auf einer wahren Geschichte beruht,
  • 0:58 - 1:02
    sondern die es ermöglicht,
    solche Dinge zu erleben,
  • 1:02 - 1:04
    die wir für längst tot
    und begraben hielten
  • 1:04 - 1:05
    (Klaviermusik)
  • 1:05 - 1:08
    Darum geht es bei
    "At Buffalo", einem Musical,
  • 1:08 - 1:09
    das wir entwickeln.
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    Unter Verwendung von Sammlungen
    aus über 30 Archivinstitutionen
  • 1:13 - 1:15
    repräsentiert "At Buffalo"
    das umfangreiche Archiv
  • 1:15 - 1:17
    der Pan-American Exposition 1901,
  • 1:17 - 1:20
    der ersten Weltausstellung
    des 20. Jahrhunderts,
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    die in Buffalo, NY, stattfand.
  • 1:21 - 1:24
    Wenn Sie bereits von
    dieser Ausstellung gehört haben,
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    dann wohl wegen des dortigen Mordes
    am damaligen US-Präsidenten
  • 1:27 - 1:28
    William McKinley.
  • 1:28 - 1:30
    Fast 17 Jahre
  • 1:30 - 1:33
    habe ich im Archiv
    dieser Austellung verbracht,
  • 1:33 - 1:35
    nicht nur wegen dieser Geschichte,
  • 1:36 - 1:39
    sondern auch wegen
    des echten Rassendramas,
  • 1:39 - 1:41
    das sich auf dem Messegelände abspielte.
  • 1:41 - 1:47
    Hier, an einem Ort wie Disney World,
    Olympische Spiele, Jahrmärkte und Museen,
  • 1:47 - 1:50
    wurde dreifach widersprechend
    dargestellt, was es bedeutete,
  • 1:50 - 1:53
    in den Vereinigten Staaten
    schwarz zu sein.
  • 1:53 - 1:56
    Laut dem Archiv
    präsentierten weiße Schausteller
  • 1:56 - 1:58
    eine wilde schwarze Herkunft
  • 1:58 - 2:00
    in Form von 98 West-
    und Zentralafrikanern,
  • 2:00 - 2:04
    die in einem nachgebildeten Dorf
    namens "Das dunkelste Afrika" lebten
  • 2:04 - 2:06
    und Kriegstänze aufführten.
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    Auf der anderen Straßenseite
  • 2:09 - 2:12
    wurde ein glückliches
    Sklavenleben präsentiert
  • 2:12 - 2:16
    durch 150 südliche schwarze Darsteller,
  • 2:16 - 2:17
    die Baumwolle pflückten,
  • 2:17 - 2:19
    sangen und tanzten Minstrel Shows
  • 2:19 - 2:24
    in einer nachgestellten
    Vorkriegsattraktion namens Alte Plantage.
  • 2:25 - 2:29
    Als Reaktion darauf verfocht
    die schwarze Gemeinde von Buffalo
  • 2:29 - 2:31
    die dritte Darstellung:
  • 2:32 - 2:33
    die Negerausstellung.
  • 2:33 - 2:37
    Mitgestaltet vom afroamerikanischen
    Gelehrten W.E.B. Du Bois
  • 2:37 - 2:41
    präsentierte die Ausstellung
    Fotografien, Diagramme, Bücher etc.
  • 2:41 - 2:45
    um schwarze Amerikaner
    als eine leistungsstarke Rasse zu zeigen,
  • 2:45 - 2:47
    die ausbildungs- und leistungsfähig ist.
  • 2:48 - 2:51
    Als ich zum ersten Mal
    auf diese Geschichte stieß,
  • 2:51 - 2:53
    verstand ich aus meiner Lebenserfahrung,
  • 2:53 - 2:54
    was auf dem Spiel stand,
  • 2:54 - 2:56
    wenn die Mitglieder
    der afrikanischen Diaspora
  • 2:56 - 2:58
    einander so sahen.
  • 2:58 - 3:02
    Als Kind zugewanderter Eltern
    aus Ghana, Westafrika,
  • 3:02 - 3:04
    geboren im Süden der USA,
  • 3:04 - 3:07
    aufgewachsen in Manhattan, Kansas,
  • 3:07 - 3:08
    (Lachen)
  • 3:08 - 3:12
    und Absolventin derselben
    Eliteschule wie Du Bois,
  • 3:12 - 3:14
    konnte ich sehen,
    dass die Buffalo-Ausstellung
  • 3:14 - 3:16
    den schwarzen Nordstaatler
    gegen den Südstaatler,
  • 3:16 - 3:18
    den Gebildeten gegen den Ungebildeten
  • 3:18 - 3:21
    und den Afroamerikaner
    gegen den Afrikaner stellte.
  • 3:22 - 3:23
    Ich wollte wissen:
  • 3:23 - 3:28
    Wie meisterten diese drei verschiedenen
    Gruppen von Schwarzen diese Erfahrung?
  • 3:29 - 3:32
    Leider hatte das Archiv
    die Antworten auf solchen Fragen
  • 3:32 - 3:36
    unter Rassenkarikaturen,
    widersprüchlichen Informationen
  • 3:36 - 3:39
    und -- noch schlimmer -- Schweigen.
  • 3:39 - 3:42
    (Klaviermusik)
  • 3:42 - 3:46
    Aber ich konnte Musicalmelodien hören,
  • 3:46 - 3:49
    Tanznummern und die Rhythmen
    der Wörter sehen,
  • 3:49 - 3:52
    die von den Seiten
    alter Zeitungsartikel kamen.
  • 3:52 - 3:53
    Als ich erfuhr,
  • 3:53 - 3:58
    dass auf dieser Weltausstellung überall
    auf dem Messegelände Musik gespielt wurde,
  • 3:58 - 4:02
    wusste ich, dass lebendiges,
    immersives und spektakuläres Musiktheater
  • 4:02 - 4:06
    mit den neuesten Technologien
    unserer Zeit die beste Erfahrung ist,
  • 4:06 - 4:12
    die die Archivgeschichte der Ausstellung
    1901 aus Kisten zum Leben bringen kann.
  • 4:13 - 4:15
    Geschichten wie die
    von Tannie und Henrietta,
  • 4:15 - 4:18
    einem verliebten Vaudeville-Duo-Ehepaar,
  • 4:18 - 4:22
    die sich über das Aufführen
    dieser Minstrel Shows streiten,
  • 4:22 - 4:23
    während sie in der Alten Plantage
  • 4:23 - 4:26
    nach ihrem Traum
    von fünf Dollar pro Woche streben.
  • 4:26 - 4:28
    Wie der afrikanische Geschäftsmann
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    John Tevi aus dem heutigen Togo,
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    der die wilden Regeln
    des menschlichen Zoos,
  • 4:34 - 4:36
    in dem er gefangen ist, überlisten muss.
  • 4:36 - 4:38
    Und Geschichten wie die von Mary Talbert,
  • 4:38 - 4:42
    einer wohlhabenden Anführerin
    der schwarzen Elite in Buffalo,
  • 4:42 - 4:45
    die sich mit der Rassenrealität
    ihrer Heimatstadt auseinandersetzen muss.
  • 4:45 - 4:49
    MJ: "Die dominierende Rasse
    in diesem Land besteht darauf,
  • 4:49 - 4:51
    den Neger nach seinen niedrigsten
  • 4:51 - 4:53
    und bösartigsten Vertretern
    zu beurteilen."
  • 4:53 - 4:55
    AYGTK: Wie Alte Plantage
    und das dunkelste Afrika.
  • 4:55 - 4:58
    MJ: "... anstelle der intelligenteren
    und würdigeren Klassen."
  • 4:58 - 5:01
    AYGTK: Als Ausstellungsdirektoren
    die Bitte von Mary Talbert
  • 5:01 - 5:04
    und der lokalen schwarzen Gemeinschaft,
    teilzunehmen, ignorierten,
  • 5:04 - 5:06
    berichteten die Zeitungen,
  • 5:06 - 5:09
    dass Maria Talbert und ihr Klub
    gebildeter afroamerikanischer Frauen
  • 5:09 - 5:11
    ein mitreißendes
    Protestversammlung abhielten.
  • 5:11 - 5:13
    Aber die Details dieses Treffens
  • 5:13 - 5:15
    und selbst ihre flammende Rede
  • 5:15 - 5:17
    wurden nicht vollständig archiviert.
  • 5:17 - 5:21
    "At Buffalo" greift also
    die Essenz von Marias Rede auf
  • 5:21 - 5:23
    und verwandelt sie in ein Lied.
  • 5:24 - 5:27
    (Alle singen)
    Wir müssen, wir sind einhellig.
  • 5:28 - 5:32
    Wir müssen, wir sind einhellig.
  • 5:32 - 5:34
    MJ: Wir haben etwas zu zeigen --
  • 5:34 - 5:38
    Wir werden in Buffalo eine Lehre erteilen.
  • 5:38 - 5:41
    Es würde der Nation zugute kommen,
  • 5:41 - 5:45
    unser Wachstum
    seit der Emanzipation zu sehen.
  • 5:45 - 5:51
    In dieser panamerikanischen Ausstellung
    sollten Farbige vertreten sein.
  • 5:51 - 5:55
    Es würde der Nation zugute kommen,
  • 5:55 - 5:59
    um unser Wachstum
    seit der Emanzipation zu sehen.
  • 6:00 - 6:06
    (Alle singen)
    Sie haben einen großen Fehler gemacht,
  • 6:06 - 6:12
    niemanden aus der Rasse zu ernennen.
  • 6:13 - 6:16
    Wir müssen, wir sind einhellig.
  • 6:17 - 6:20
    Wir müssen, wir sind einhellig.
  • 6:20 - 6:22
    Wir müssen, wir sind einhellig.
  • 6:22 - 6:25
    AYGTK: Maria Talbert fordert mit Erfolg,
  • 6:25 - 6:27
    dass die Negerausstellung
    auf die Messe kommt.
  • 6:27 - 6:30
    Die Negerausstellung in Buffalo
    zu haben, bedeutet,
  • 6:30 - 6:34
    dass das Musical die Geschichte erzählen
    muss, warum Du Bois es mitgestaltete ...
  • 6:36 - 6:40
    und warum Maria und die schwarze Elite
    es für dringend notwendig hielten.
  • 6:42 - 6:45
    JMR: "Die Welt denkt falsch über Rasse.
  • 6:47 - 6:51
    Sie töteten Sam Hose,
    weil sie ihn für jemand anderen hielten.
  • 6:52 - 6:54
    Jeden Tag werden mehr Menschen wie er,
  • 6:54 - 6:58
    mehr Neger wie er zerrissen.
  • 6:59 - 7:02
    Danach -- nach diesem roten Strahl ...
  • 7:03 - 7:05
    können wir nie mehr dieselben sein.
  • 7:06 - 7:09
    (Alle singen) Ein roter Strahl
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    [Eine Jagd in Georgia]
  • 7:11 - 7:12
    traf meinen Schreibtisch
  • 7:12 - 7:16
    [Prozess gegen Hose; er wird gelyncht,
    wenn er erwischt wird]
  • 7:16 - 7:17
    an jenem Tag,
  • 7:17 - 7:20
    an dem Sams Hände beigelegt wurden.
  • 7:22 - 7:29
    Können die Worte allein
    den ungerechten Gesetzen widerstehen?
  • 7:29 - 7:30
    [Flucht scheint unmöglich]
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    Können Worte allein
    der Gewalt widerstehen?
  • 7:38 - 7:43
    Oh nein, oh.
  • 7:43 - 7:44
    [Lebendig verbrannt]
  • 7:44 - 7:46
    [Sam Hose ist gelyncht]
  • 7:46 - 7:51
    Oh nein, oh.
  • 7:51 - 7:53
    [Sein Körper wurde in Stücke geschnitten]
  • 7:53 - 7:56
    Oh nein, oh.
  • 7:56 - 7:58
    [Auf dem Scheiterhaufen verbrannt]
  • 7:58 - 8:00
    [Zehn-Cent-Scheibe gekochte Leber]
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    [Kampf um Souvenirs]
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    (Beide singen) Wer las die Bücher?
  • 8:12 - 8:14
    Unsere Zahlen und Statistiken
  • 8:14 - 8:22
    sehen auf der Seite klein aus.
  • 8:22 - 8:26
    Die Krise hat sich vervielfacht.
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    Unsere Leute werden gelyncht und sterben.
  • 8:28 - 8:31
    Oh Gott.
  • 8:31 - 8:37
    Etwas muss sich ändern.
  • 8:39 - 8:43
    AYGTK: Etwas muss sich ändern.
  • 8:44 - 8:48
    "At Buffalo" zeigt,
    wie die Vereinigten Staaten heute
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    an einem ähnlichen Scheideweg
    stehen wie Amerika 1901.
  • 8:52 - 8:55
    So wie Sam Hoses Name
    damals die Zeitungen füllte,
  • 8:55 - 8:58
    tragen die heutigen Medien die Namen von:
  • 8:58 - 9:00
    JMR: Oscar Grant.
  • 9:00 - 9:02
    MJ: Jacqueline Culp.
  • 9:02 - 9:03
    Pianist: Trayvon Martin.
  • 9:04 - 9:05
    AYGTK: Sandra Bland.
  • 9:06 - 9:08
    Und zu vieler anderer.
  • 9:09 - 9:14
    Das Vermächtnis der Austellung 1901
    bleibt stärker bestehen,
  • 9:14 - 9:16
    als wir uns vorstellen können.
  • 9:18 - 9:19
    MJ: Maria Talbert
  • 9:20 - 9:22
    und die Nationale Vereinigung
    farbiger Frauen
  • 9:22 - 9:24
    starteten Bewegungen gegen Lynchen
  • 9:24 - 9:27
    und den Mythos der schwarzen Kriminalität,
  • 9:27 - 9:30
    genau wie schwarze Frauen heute
    "Black Lives Matter" starteten.
  • 9:31 - 9:34
    JMR: Und einige der Menschen,
    die für die Negerausstellung kämpften
  • 9:34 - 9:35
    und sie erschufen,
  • 9:35 - 9:37
    einschließlich Du Bois,
  • 9:37 - 9:40
    kamen vier Jahre nach
    der Austellung nach Buffalo,
  • 9:40 - 9:42
    um die Niagara-Bewegung
    ins Leben zu rufen,
  • 9:42 - 9:45
    die den Grundstein
    für die Schaffung der NAACP legte.
  • 9:45 - 9:47
    AYGTK: Es waren nicht nur die Schwarzen,
  • 9:47 - 9:50
    die auf der Austellung 1901
    ein besonderes Erlebnis hatten.
  • 9:50 - 9:53
    Ein offizielles Handbuch
    informiert die Messebesucher:
  • 9:53 - 9:55
    MJ: "Bitte denken Sie daran:"
  • 9:55 - 9:57
    JMR: "... sobald Sie durch das Tor treten"
  • 9:57 - 10:00
    AYGTK: "... sind Sie ein Teil der Show."
  • 10:01 - 10:04
    Durch die Aufführung
    des Archivs in "At Buffalo"
  • 10:04 - 10:06
    können sich die Zuschauer fragen:
  • 10:06 - 10:08
    "Sind wir immer noch innerhalb der Tore
  • 10:08 - 10:13
    und sind wir alle noch Teil der Show?"
  • 10:17 - 10:20
    (Musik endet)
  • 10:21 - 10:27
    (Beifall)
Title:
Historisches Musical, das die Identität der Schwarzen auf der Weltausstellung 1901 untersucht
Speaker:
Amma Y. Ghartey-Tagoe Kootin
Description:

In diesem lebhaften Gespräch und Auftritt gibt die Künstlerin und TED-Mitglied Amma Y. Ghartey-Tagoe Kootin einen kleinen Einblick in ihr bevorstehendes Musical "Auf Buffalo". Gestützt auf Archivmaterial der Panamerikanischen Ausstellung 1901, einer Weltausstellung in Buffalo, New York, untersucht die Show die widersprüchliche Darstellungen schwarzer Identität, die auf der Austellung ausgestellt wurden. Dabei werden beunruhigende Parallelen zwischen der amerikanischen Gesellschaft zur Jahrhundertwende und heute beleuchtet. Sind wir alle noch ein Teil der Show?

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Video Language:
English
Team:
TED
Project:
TEDTalks
Duration:
10:40

German subtitles

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