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← Neil Gaiman hält eine Rede vor der "University of the Arts"- Klasse 2012.

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Subtitles translated from English Showing Revision 6 created 06/05/2012 by Corinna_Symann.

  1. Danke
  2. [Gelächter]
  3. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich einmal Leuten, die
  4. einen Abschluss an einer höheren Schule machen, Ratschläge erteilen würde.
  5. Ich habe nie einen Abschluss an solch einer Institution gemacht.
  6. Ich habe nicht einmal mit so etwas angefangen.
  7. Ich bin so bald ich konnte aus der Schule abgehauen,
  8. als die Aussicht auf vier Jahre weiterer Büffelei
  9. ehe ich der Schriftsteller, der ich sein wollte, werden konnte, mich zu ersticken schien.
  10. Ich ging hinaus in die Welt, ich schrieb
  11. und ich wurde ein besserer Schriftsteller je mehr ich schrieb.
  12. Und ich schrieb mehr
  13. und niemandem schien es etwas auszumachen,
  14. dass ich mir alles einfach so ausdachte.
  15. Sie haben nur gelesen, was ich geschrieben habe und sie haben mich dafür bezahlt
  16. oder auch nicht.
  17. [Gelächter]
  18. Und oft bekam ich von ihnen Aufträge
  19. noch etwas für sie zu schreiben, was in mir
  20. einen gesunden Respekt und ein herzliches Gefühl für die höhere Bildung hervorgerufen hat,
  21. dass diejenigen meiner Freunde und Familienangehörigen, die Universitäten besucht haben,
  22. schon lange verloren hatten.
  23. Im Rückblick hatte ich einen bemerkenswerten Lebensweg.
  24. Ich bin nicht sicher, ob ich es als Karriere bezeichnen kann,
  25. weil Karriere impliziert, dass Ich eine Art Karriereplan hatte,
  26. und das war nie der Fall.
  27. Was dem am nächsten kommt, war eine Liste, die ich gemacht habe als ich etwa 15 war -
  28. von allen den Dingen, die ich tun wollte.
  29. Ich wollte einen Roman für Erwachsene schreiben,
  30. ein Kinderbuch
  31. einen Comic, einen Film,
  32. ein Hörbuch aufnehmen,
  33. eine Folge von Dr. Who schreiben und so weiter.
  34. Ich hatte keine Karriere,
  35. ich habe nur die nächste Sache auf der Liste gemacht.
  36. Deshalb dachte ich, dass ich euch alles darüber erzähle, von dem ich wünschte, dass ich es gewusst hätte als ich angefangen habe
  37. und ein paar Dinge, von denen ich, wenn ich so zurückblicke,
  38. glaube, dass ich sie wusste.
  39. Und ich gebe euch den besten Rat, den ich je bekommen habe
  40. und dem ich absolut nicht gefolgt bin.
  41. Erstens:
  42. wenn ihr eine künstlerische Karriere beginnt,
  43. habt ihr keine Ahnung davon, was ihr gerade tut.
  44. Das ist großartig.
  45. Leute, die wissen was sie tun, kennen die Regeln
  46. und sie wissen was möglich und was unmöglich ist.
  47. Ihr wisst das nicht und das solltet ihr auch nicht.
  48. Die Regeln darüber was in der Kunst möglich und unmöglich ist,
  49. werden von Leuten gemacht, die die Grenzen des Möglichen nicht getestet haben,
  50. indem sie versuchten sie zu überschreiten.
  51. Und ihr könnt das.
  52. Wenn ihr nicht wisst, dass es unmöglich ist,
  53. ist es einfacher.
  54. Und weil niemand es vorher getan hat,
  55. gibt es keine Regeln, die einen davon abhalten
  56. diese spezielle Sache wieder zu machen.
  57. [Applaus]
  58. Zweitens: wenn ihr eine Ahnung davon habt, was ihr tun wollt,
  59. warum ihr hier seid,
  60. dann geht und tut das.
  61. Und das ist viel schwieriger als es klingt
  62. und manchmal am Ende so viel einfacher als ihr es euch vielleicht vorstellen konntet.
  63. Denn normalerweise gibt es Dinge, die ihr tun müsst
  64. ehe ihr zu dem Ort kommen könnt zu dem ihr hinwollt.
  65. Ich wollte Comics und Romane und Geschichten und Filme schreiben,
  66. deshalb wurde ich Journalist,
  67. weil Journalisten Fragen stellen und einfach losziehen dürfen,
  68. um herauszufinden wie die Welt funktioniert.
  69. Und außerdem, um die Dinge zu tun, die ich brauchte, um zu schreiben
  70. und gut zu schreiben.
  71. Und ich wurde dafür bezahlt, dass ich lernte wie man schreibt
  72. sparsam, knackig, manchmal unter widrigen Umständen
  73. und mit einer Deadline.
  74. Manchmal ist die Art wie man etwas tut, was man tun möchte klar.
  75. Und manchmal scheint es fast unmöglich
  76. eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man das richtige tut,
  77. weil man seine Ziele und Hoffnungen abwägen muss,
  78. man muss essen
  79. Rechnungen zahlen, Arbeit finden,
  80. nehmen was man kriegen kann.
  81. Etwas das bei mir geklappt hat, war
  82. mir vorzustellen, wo und was ich sein wollte
  83. - das war ein Autor, vorzugsweise für Fiktion,
  84. gute Bücher machen, gute Comics machen,
  85. gutes Theater machen
  86. und mich selbst durch meine Worte finanzieren -
  87. ich stellte mir vor, das da ein Berg wäre
  88. ein weit entfernter Berg, mein Ziel.
  89. Und ich wusste, dass solange ich in Richtung des Berges ging
  90. alles in Ordnung wäre.
  91. Und wenn ich wirklich nicht sicher war, was ich tun sollte,
  92. konnte ich anhalten und darüber nachdenken,
  93. ob es mich zum Berg hin oder weg von ihm
  94. führen würde.
  95. Ich sagte nein zu Redakteurjobs bei Zeitschriften
  96. - anständige Jobs, die mir anständiges Geld eingebracht hätten -
  97. weil ich wusste, dass sie, wie anziehend sie auch waren, für mich
  98. hätten sie bedeutet in die falsche Richtung - vom Berg weg - zu gehen.
  99. Und wenn diese Jobangebote früher gekommen wären,
  100. hätte ich sie vielleicht angenommen,
  101. weil sie da noch näher am Berg gelegen hätten,
  102. als zu dem Zeitpunkt als ich sie bekam.
  103. Ich lernte durch Schreiben zu schreiben.
  104. Ich tendierte dazu alles zu tun, was sich für mich wie ein Abenteuer anfühlte
  105. und damit aufzuhören, wenn es sich wie Arbeit anfühlte,
  106. was bedeutete, dass das Leben sich nicht wie Arbeit anfühlte.
  107. Drittens: wenn ihr anfangt, müsst ihr euch mich Fehlschlägen herumschlagen.
  108. Ihr müsst ein dickes Fell haben,
  109. lernen, dass nicht jedes Projekt ein Erfolg ist.
  110. Das Leben als Selbstständiger, als Künstler
  111. ist manchmal wie Flaschenpost auf einer einsamen Insel zu verschicken
  112. und zu hoffen, dass jemand eine deiner Flaschen findet
  113. und sie öffnet und liest
  114. und etwas in eine Flasche steckt, die den Weg zurück zu dir findet
  115. - Anerkennung oder einen Auftrag oder Geld oder Liebe.
  116. Und man muss akzeptieren, dass man vielleicht hunderte von Sachen losschicken muss
  117. für eine einzige Flasche, die den Weg zurück zu dir findet.
  118. Misserfolge, Enttäuschungen,
  119. Hoffnungslosigkeit, Hunger.
  120. Man wünscht sich, dass alles passiert und am besten sofort
  121. und die Dinge laufen schief.
  122. Mein erstes Buch, ein journalistisches Werk, dass ich nur wegen des Geldes geschrieben habe
  123. und das mir bereits im Voraus eine elektrische Schreibmaschine eingebracht hatte,
  124. hätte ein Bestseller sein sollen.
  125. Es hätte mir eine Menge Geld einbringen sollen,
  126. wenn der Verlag nicht pleite gegangen wäre -
  127. zwischen der ersten ausverkauften Auflage
  128. und der zweiten Auflage, die es dann nie gab
  129. und bevor irgenwelche Tantiemen bezahlt werden konnten.
  130. Es wäre gut gegangen.
  131. Und ich zuckte mit den Schultern
  132. und ich hatte immer noch meine elektrische Schreibmaschine
  133. und genug Geld, um die Miete für einige Monate zahlen zu können.
  134. Und ich beschloss, dass das beste, was ich in der Zukunft tun könnte, wäre
  135. keine Bücher nur wegen des Geldes zu schreiben.
  136. Wenn man das Geld nicht bekam, dann hatte man gar nichts.
  137. Und wenn ich an etwas arbeitete auf das ich stolz war und wenn ich das Geld nicht bekam,
  138. dann hätte ich immer noch die Arbeit,
  139. Hin und wieder
  140. vergesse ich diese Regel
  141. und immer, wenn das passiert, kriege ich einen harten Tritt vom Universum
  142. zur Erinnerung.
  143. Ich weiß nicht, ob das ein Thema für sonst jemanden ist,
  144. aber es ist wahr, dass nichts von dem was ich gemacht habe,
  145. und bei dem der einzige Grund das Geld war,
  146. war es jemals wert,
  147. höchstens als negative Erfahrung.
  148. Normalerweise
  149. [Gelächter]
  150. Die Sachen, die ich gemacht habe, weil ich begeistert war
  151. und wollte, dass sie real werden,
  152. haben mich nie enttäuscht und ich habe niemals
  153. die Zeit bedauert, die ich in sie investiert habe.
  154. Misserfolge sind hart.
  155. Erfolge können härter sein,
  156. weil niemand einen davor warnt.
  157. Das erste Problem bei jeglich geartetem, selbst bei geringem Erfolg
  158. ist die unerschütterliche Überzeugung, dass man mit etwas davon kommt
  159. und dass man jeden Moment demaskiert wird.
  160. [Gelächter]
  161. Das ist das Betrüger-Syndrom,
  162. etwas, dass meine Frau Amanda als "Die Betrugs-Polizei" getauft hat.
  163. Ich jedenfalls war davon überzeugt, dass es an die Tür klopfen
  164. und ein Mann mit einem Klemmbrett
  165. - ich weiß nicht, warum er ein Klemmbrett hatte,
  166. aber in meinem Kopf hatte er immer ein Klemmbrett -
  167. würde da stehen und mir sagen, dass alles vorbei sei
  168. und dass sie mich einholen würden
  169. und jetzt würde ich los und mir einen richtigen Job besorgen müssen,
  170. einer der nicht darin bestand, sich Dinge auszudenken und sie aufzuschreiben
  171. und ide Bücher zu lesen, die ich lesen wollte.
  172. Und dann würde ich leise weggehen
  173. und diese Art von Job bekommen
  174. Ich würde morgens früh aufstehen müssen
  175. und eine Kravatte tragen
  176. und mir keine Dinge mehr ausdenken.
  177. Die Probleme des Erfolges sind real
  178. und mit etwas Glück werdet ihr sie erleben.
  179. Der Moment in dem man aufhört, zu allem ja zu sagen,
  180. weil die Flaschen, die man ins Meer wirft alle zurückkommen.
  181. Und man muss lernen "Nein" zu sagen.
  182. Ich betrachtete Gleichaltrige, meine Freunde und diejenigen, die älter als ich waren
  183. und ich sah wie unglücklich einige von ihnen waren.
  184. Ich hörte, wie sie erzählten, dass sie sich keine Welt vorstellen konnten,
  185. in der sie taten, was sie schon immer tun gewollt hätten.
  186. weil sie jetzt jeden Monat eine gewisse Summe verdienen mussten,
  187. um zu bleiben wo sie waren.
  188. Sie konnten nicht losziehen und die Dinge tun, die wichtig waren
  189. und die sie wirklich tun wollten
  190. und das schien eine genauso große Tragödie zu sein wie der Misserfolg.
  191. Und danach ist das größte Problem, dass der Erfolg mit sich bringt, dass
  192. die Welt sich verschwört, um
  193. dich dabei zu stoppen die Dinge zu tun, die du tust,
  194. weil du erfolgreich bist.
  195. Es gab einen Tag, an dem ich aufsah und mir klar wurde,
  196. dass ich zu jemandem geworden war,
  197. der beruflich auf E-Mails antwortete
  198. und er schrieb als Hobby.
  199. Ich begann weniger E-Mails zu beantworten
  200. und war erleichtert, festzustellen, dass ich viel mehr schrieb.
  201. Viertens: Ich hoffe, dass ihr Fehler machen werdet.
  202. Wenn man Fehler macht, dann bedeutet das, dass ihr etwas tut
  203. und die Fehler selbst können sehr nützlich sein.
  204. Ich habe einmal in einem Brief Caroline falsch geschrieben,
  205. das A und das O vertauscht,
  206. und ich dachte "Coraline
  207. sieht fast wie ein echter Name aus".
  208. Denkt daran, was auch immer eurer Gebiet ist,
  209. ob ihr ein Musiker oder ein Fotograf seid,
  210. ein bildender Künstler oder ein Cartoonist,
  211. ein Schriftsteller, ein Tänzer, ein Sänger, ein Designer,
  212. was auch immer ihr tut, ihr besitzt eine Sache, die einzigartig ist:
  213. Ihr habt die Fähigkeit, Kunst zu schaffen.
  214. Und für mich und für so viele Leute, die ich kennengelernt habe,
  215. ist das eine letzte Rettung gewesen.
  216. Der ultimative Rettungsring.
  217. Es hilft euch durch die guten Zeiten und auch durch
  218. die anderen.
  219. Manchmal ist das Leben schwer, Dinge gehen schief
  220. im Leben und in der Liebe und im Geschäft und in der Freundschaft
  221. und in der Gesundheit und in all den anderen Bereichen des Lebens in denen etwas schief gehen kann.
  222. Und wenn es hart wird, solltet ihr folgendes tun.
  223. Macht gute Kunst.
  224. Ich meine es ernst.
  225. [Gelächter]
  226. Der Ehemann haut mit einem Politiker ab?
  227. Macht gute Kunst.
  228. [Gelächter]
  229. Bein gebrochen und dann von einer mutierten Boa Constriktor gefressen?
  230. Macht gute Kunst.
  231. Die Steuerbehörde ist euch auf den Fersen? Macht gute Kunst.
  232. Katze explodiert? Macht gute Kunst.
  233. Jemand im Internet denkt, das was ihr tut,
  234. ist dumm oder böse oder wurde alles schon mal gemacht?
  235. Macht gute Kunst.
  236. Wahrscheinlich werden die Dinge irgendwie klappen,
  237. vielleicht wird die Zeit ihnen den Stachel nehmen
  238. und selbst das ist egal.
  239. Tut was nur ihr am besten könnt.
  240. Macht gute Kunst.
  241. Macht sie an schlechten Tagen
  242. und auch an den guten Tagen.
  243. Und fünftens: Wenn ihr schon dabei seid,
  244. macht eure Kunst.
  245. Macht die Dinge, die nur ihr tun könnt.
  246. Der Drang, anfangs, ist zu kopieren
  247. und das ist nicht schlimm.
  248. Die meisten von uns finden ihre eigenen Stimmen erst,
  249. nachdem wir wie eine Menge anderer Leute geklungen haben.
  250. [Gelächter]
  251. Aber eine Sache, die nur ihr habt, die niemand sonst hat,
  252. seid ihr, eure Stimme, euer Geist, eure Geschichte, eure Vision.
  253. Deshalb schreibt und zeichnet und baut und spielt
  254. und tanzt und lebt wie nur ihr es könnt.
  255. Der Moment in dem ihr den Eindruck habt, dass ihr möglicherweise
  256. nackt die Straße entlanglauft,
  257. zu viel von eurem Herzen und eurem Geist entblößt
  258. und was in euch drin ist, zu viel von euch selbst zeigt,
  259. das ist der Moment, in dem ihr vielleicht anfangt, es richtig zu machen.
  260. Die Dinge, die ich getan habe und die am besten funktioniert haben,
  261. waren die Dinge deren ich am wenigsten sicher war.
  262. Die Geschichten bei denen ich sicher war, dass sie entweder funktionieren würden
  263. oder, wahrscheinlicher, sich zu peinlichen Mißerfolgen entwickeln würden,
  264. deretwegen sich die Leute versammeln und bis zum Ende aller Zeiten diskutieren würden.
  265. Sie hatten immer eins gemein: Im Rückblick
  266. erklären die Leute, warum sie unvermeidliche Erfolge waren
  267. und als ich sie machte, hatte ich keine Ahnung davon.
  268. Habe ich immer noch nicht.
  269. Und wo bliebe der Spass, wenn man etwas machen würde
  270. von dem man wüsste, dass es funktioniert?
  271. Und manchmal haben die Sachen, die ich gemacht habe, wirklich nicht funktioniert.
  272. Es gibt Geschichten von mir, die niemals wieder aufgelegt wurden.
  273. Einige von ihnen haben nicht mal das Haus verlassen.
  274. Aber ich habe von ihnen genauso viel gelernt wie ich von den Sachen,d ie funktioniert haben, gelernt habe.
  275. OK, sechstens: Ich werde euch geheimes Selbständigenwissen anvertrauen.
  276. Geheimwissen ist immer gut und es ist nützlich
  277. für jeden, der jemals plant, Kunst für andere zu schaffen,
  278. sich in irgendeine Selbständigenwelt zu begeben.
  279. Ich hab's in Comics gelernt
  280. aber es funktioniert auch in anderen Bereichen und lautet folgendermaßen:
  281. Leute werden angeheuert, weil sie - irgendwie - angeheuert werden.
  282. [Gelächter]
  283. In meinem Fall habe ich etwas getan, dass heutzutage einfach zu überprüfen gewesen wäre
  284. und eine Menge Ärger für mich bedeutet hätte
  285. und als ich anfing, in der Vor-Internet-Ära,
  286. schien es eine vernünftige Karrierestrategie zu sein.
  287. Als ich von Redakteuren gefragt wurde für wen ich geschrieben habe,
  288. hab ich gelogen.
  289. [Gelächter]
  290. Ich zählte eine Handvoll Zeitschriften auf, die wahrscheinlich klangen
  291. und ich gab mich sicher und ich bekam Jobs.
  292. [Jubelgeschrei]
  293. Und dann machte ich eine Ehrensache daraus, etwas für
  294. jede Zeitschrift zu schreiben, die ich aufgelistet hatte,
  295. um diesen ersten Job zu bekommen.
  296. Damit ich nicht wirklich gelogen hatte,
  297. ich musste mich nur einer chronologischen Herausforderung stellen.
  298. [Gelächter]
  299. Aber man bekommt Arbeit
  300. Aber die Leute arbeiten weiterhin in einer Freelancer Welt
  301. - und immer mehr der heutigen Welt ist Freelance -
  302. weil die Arbeit gut ist
  303. und weil man gut mit ihnen klarkommt
  304. und weil sie rechtzeitig liefern.
  305. Und man braucht noch nicht einmal alle drei.
  306. Zwei von drei ist fein.
  307. [Gelächter]
  308. Leute werden tolerieren wie unfreundlich ihr seid,
  309. wenn eure Arbeit gut ist und ihr sie rechtzeitig abliefert.
  310. [Gelächter]
  311. Die Leute werden euch zu späte Abgaben verzeihen,
  312. wenn eure Arbeit gut ist und sie euch mögen.
  313. [Gelächter]
  314. Und ihr müsst nicht so gut wie die anderen sein,
  315. wenn ihr rechtzeitig abliefert und es immer eine Freude ist, von euch zu hören.
  316. [Gelächter]
  317. [Applaus]
  318. Als ich zugestimmt habe, diese Rede zu halten,
  319. dachte ich darüber nach, was der beste Ratschlag war, den ich je erhalten hatte
  320. und mir wurde klar, dass es sich um einen Ratschlag handelte,
  321. den ich nicht befolgt habe
  322. und er kam von Stephen King.
  323. Ich war 20 Jahre alt und auf dem Gipfel des Erfolges
  324. - des ersten Erfolges -
  325. von Sandman, dem Comic, den ich schrieb.
  326. [Applaus] Oh, danke.
  327. Ich schrieb einen Comic, den die Leute liebten
  328. und den sie ernst nahmen
  329. und Stephen King mochte Sandman
  330. und meinen Roman mit Terry Pratchett "Ein Gutes Omen"
  331. und er sah den Wahnsinn, der ablief
  332. - die langen Warteschlangen beim Signieren, all diese Dinge -
  333. und sein Rat war folgendes:
  334. Er sagte: "Das ist echt großartig,
  335. du solltest es genießen."
  336. Und ich hab's nicht getan.
  337. Bester Ratschlag, den ich bekommen und ignoriert habe.
  338. Stattdessen hab ich mir Sorgen gemacht.
  339. Ich hab mir über die nächste Deadline Sorgen gemacht,
  340. die nächste Idee,
  341. die nächste Geschichte.
  342. Es gab keinen Augenbilck in den nächsten 14 oder 15 Jahren,
  343. in dem ich nicht irgenwas in meinem Kopf schrieb
  344. oder mir Fragen darüber stellte.
  345. Und ich hielt nicht an, schaute mich um und dachte:
  346. "Das macht wirklich Spass."
  347. Ich wünschte, ich hätte es mehr genossen.
  348. Es war eine erstaunliche Reise,
  349. aber Teile der Reise habe ich verpasst,
  350. weil ich mir zu große Sorgen darüber machte, dass etwas schief gehen könnte,
  351. Sorgen darüber, was als nächstes kam, ich verpasste den Teil der Reise zu genießen in dem ich mich gerade befand.
  352. Das war für mich die schwerste Lektion, glaube ich:
  353. loszulassen und die Reise zu genießen.
  354. Weil die Reise dich zu einigen bemerkenswerten
  355. und unerwarteten Orten führt.
  356. Und hier, auf dieser Platform, heute, ist für mich
  357. einer dieser Plätze
  358. und ich habe größten Spass.
  359. [Applaus]
  360. Ich hatte das übrigens in Klammern gesetzt.
  361. Falls es nicht so gewesen wäre, hätte ich es nicht gesagt.
  362. [Gelächter]
  363. An alle Graduierenden des heutigen Tages:
  364. Ich wünsche euch Glück. Glück ist nützlich.
  365. Oft werdet ihr feststellen, dass je härter ihr arbeitet
  366. und je weiser ihr arbeitet
  367. desto glücklicher werdet ihr werden.
  368. Aber es gibt Glück und es hilft.
  369. Wir befinden uns gerade in einer Zeit des Übergangs,
  370. wenn ihr euch auf irgendeine Art und Weise künstlerisch betätigt,
  371. denn die Art der Verteilung ändert sich.
  372. Die Modelle durch die Künstler ihr Werk hinaus in die Welt trugen
  373. und ein Dach über ihrem Kopf behielten,
  374. und ihre Brötchen kaufen, während sie das taten
  375. sie verändern sich alle.
  376. Ich habe mit Leuten am oberen Ende der Nahrungskette gesprochen,
  377. in der Verlagsbranch und der Buchbranche,
  378. in der Musikbranche, in allen diesen Bereichen
  379. und niemand weiß, wie es in zwei Jahren,
  380. geschweige denn in einem Jahrzehnt aussehen wird.
  381. Die im letzten Jahrhundert aufgebauten Verbreitungswege
  382. aufgebaut worden sind, befinden sich im Wandel:
  383. für Printmedien, für bildende Künstler, für Musiker,
  384. für Kreative aller Art.
  385. Das ist auf der einen Seite einschüchternd,
  386. aber auf der Anderen unglaublich befreiend.
  387. Die Regeln, die Annahmen, die "so-wirds-gemacht"s,

  388. darüber wie ihr eure Werke publik macht und was ihr dann tut,
  389. sie brechen zusammen.
  390. Die Torwächter verlassen ihre Tore.
  391. Ihr könnt so kreativ sein wie nötig, um eure Werke publik zu machen.
  392. YouTube, das Internet und was immer nach Youtube und dem Internet kommt,
  393. kann euch ein größeres Publikum bescheren
  394. als das Fernsehen es jemals getan hat.
  395. Die alten Regeln zerbröckeln
  396. und niemand kennt die neuen Regeln.
  397. Also macht eure eigenen Regeln.
  398. Jemand fragte mich neulich,
  399. wie sie etwas, das sie als schwierig erachtete, schaffen sollte,
  400. in diesem Fall die Aufnahme eines Hörbuchs.
  401. Und ich schlug ihr vor, so zu tun als sei sie jemand,
  402. der das tun könne.
    [Gelächter]
  403. Nicht so tun als ob sie es tun würde, sondern so tun als könne sie es.
  404. Sie hat sich eine entsprechende Notiz an die Wand
  405. ides Studios geheftet, und sie sagte es helfe ihr.
  406. Seid also weise, denn die Welt braucht mehr Weisheit
  407. und wenn ihr nicht weise sein könnt, tut so als ob ihr weise wärt
  408. und dann, verhaltet euch einfach, wie eine solche Person es tun würde.
  409. [Applaus]
  410. Und jetzt geht, macht interessante Fehler,
  411. macht unglaubliche Fehler,
  412. macht ruhmreiche und phantastische Fehler.
  413. Brecht die Regeln.
  414. Macht die Welt durch eure Anwesenheit zu einem interessanteren Ort.
  415. Macht gute Kunst.
  416. Danke.
  417. [Applaus]