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← Warum Seen und Flüsse dieselben Rechte wie Menschen haben sollten

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Showing Revision 16 created 06/05/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. Aquay Wunne Kesuk.
    Kelsey Leonard Nooweesuonk.
  2. Willkommen, guten Tag allerseits.
  3. Ich komme aus der Shinnecock Nation.
  4. Tabutni an die Leute von Cahuilla,
  5. auf deren Land wir uns heute versammeln.
  6. Mir wurde beigebracht, dass Wasser lebt.

  7. Es hört,
  8. es birgt Erinnerungen.
  9. Deswegen habe ich heute
    ein Wassergefäß mitgebracht,
  10. denn ich möchte, dass es die Erinnerungen
    unserer heutigen Konversation aufnimmt.
  11. Wer erhält Rechtsansprüche?

  12. Die Geschichte hat uns gezeigt, manche
    Menschen bekommen sie, aber andere nicht.
  13. In den USA wurden
    indigene Menschen, wie ich selbst,
  14. laut Gesetz bis 1924
    nicht als Bürger angesehen.
  15. Meine Shinnecock Vorfahren,
    hier abgebildet,
  16. waren laut Gesetz keine Bürger.
  17. Warum behaupten wir dann,
    Nationen zu sein,
  18. die der Rechtsstaatlichkeit unterliegen,
  19. wenn einige Menschen
    geschützt werden, andere aber nicht?
  20. Weil es einer der besten Wege bleibt,
    Ungerechtigkeit zu bekämpfen.
  21. Und als indigene Menschen,
    kennen wir Ungerechtigkeit.
  22. Eine liebe Freundin, Mentorin,
    Water Walker Aktivistin,

  23. Nokomis, Großmutter Josephine Mandamin-ba,
  24. erzählte mir von einer Prophezeiung,
    die aus ihrem Volk stammt,
  25. den Anishinaabe aus der
    Midewiwin Gesellschaft.
  26. Und in dieser Prophezeiung,
  27. sagte sie mir, ist die Rede
    von einem Tag, der kommen wird,
  28. an dem Wasser mehr als Gold kosten wird.
  29. Als sie mir von
    dieser Prophezeiung erzählte,
  30. ging ich einen Moment lang in mich,
  31. und dachte über all die Ungerechtigkeiten,
  32. die wir in unserer
    heutigen Welt sehen, nach,
  33. die Wasserkrisen, die wir in unserer
    heutigen Welt erfahren,
  34. und ich sagte: "Nokomis, Großmutter,
  35. ich fühle mich, als befänden wir uns
    bereits in der Zeit der Prophezeiung."
  36. Sie sah mich geradewegs an,
  37. und sagte:
  38. "Was also wirst du dagegen unternehmen?"
  39. Aus diesem Grund bin ich heute
    zu euch gekommen,
  40. weil ich glaube, dass es eine
    der vielen Möglichkeiten ist,
  41. die ungerechte Wasserverteilung, die wir
    in unserer heutigen Welt sehen, zu lösen,
  42. indem wir erkennen, dass Wasser
    eine lebendige Verbindung ist
  43. und ihm die Persönlichkeitsrechte
    zukommen lassen, die es verdient.
  44. Um dies zu tun, müssen wir anfangen,
    Wasser mit neuen Augen zu sehen.

  45. Wir müssen überdenken, wie wir
    mit Wasser in Verbindung stehen.
  46. Normalerweise würde jemand fragen:
  47. "Was ist Wasser?"
  48. und Sie würden antworten mit:
    "Regen, Ozean, See, Fluss,
  49. H2O, flüssig."
  50. Sie würden eventuell sogar die heilige
    Essentialität von Wasser erkennen
  51. und sagen, dass Wasser Leben ist.
  52. Aber was wäre, wenn ich
    stattdessen fragen würde:
  53. "Wer ist Wasser?"
  54. Auf dieselbe Art, wie ich fragen könnte:
    "Wer ist Ihre Großmutter?",
  55. "Wer ist Ihre Schwester?"
  56. Diese Art der Orientierung
  57. verändert grundlegend die Art,
    wie wir über Wasser denken,
  58. verändert die Art, wie wir
    Entscheidungen treffen,
  59. die Art, wie wir Wasser beschützen,
  60. es auf eine Art beschützen, wie Sie Ihre
    Großmutter beschützen würdet,
  61. Ihre Mutter, Ihre Schwester, Ihre Tanten.
  62. Diese Art von Umdenken brauchen wir,
  63. wenn wir die vielen
    Wasserkrisen adressieren wollen,
  64. die wir un unserer heutigen Welt sehen,
  65. diese erschütternden Wasserkrisen,
  66. die über unsere digitalen Geräte
  67. mit Countdowns bis zur Stunde Null
    übertragen wurden,
  68. der Punkt, an dem kommunale
    Wasserversorgunen abgestellt werden.
  69. Orte wie Kapstadt, Südafrika,

  70. wo im Jahr 2018
  71. die Bewohner auf zweiminütige Duschen
    begrenzt wurden,
  72. sowie 23 Galonen Wasser, also 87 Liter
    pro tag, pro Person,
  73. oder gerade letzten Sommer, als schlechtes
    Wassermanagement dazu führte,
  74. dass sich in den Straßen von Chennai
  75. tausende Wasserkrüge aus Plastik
    aneinander reihten,
  76. während die Bewohner stundenlang auf
    Wassertankwagen warteten,
  77. die Wasser erst per Bahn,
    dann per Lkw liefern sollten,
  78. um den Tagesbedarf zu decken.
  79. Oder sogar hier in den USA,
  80. eines der am weitesten
    entwickelten Länder der Welt.
  81. Selbst heute gibt es noch kein sauberes
    Wasser in Flint, Michigan.
  82. Aber mit diesen Wasserkrisen werden Sie
    wahrscheinlich nicht sehr vertraut sein,

  83. wie beispielsweise die Erste Nation
    Neskantaga in Nord-Ontario, Kanada,
  84. wo die Bewohner seit 1995 an eine
    Wasserabkochverordnung gebunden sind.
  85. Oder die Erste Nation Grassy Narrows,
  86. welche seit Jahrzehnten mit
    Wasserverschmutzungen zu kämpfen haben,
  87. ausgelöst durch Papierfabriken
  88. wobei neuste Studien herausgefunden haben,
  89. dass fast 90 Prozent
    der indigenen Bevölkerung
  90. irgendeine Form von
    Quecksilbervergiftung hat,
  91. welche schwere
    Gesundheitsprobleme auslöst.
  92. Oder auch unter der Navajo Nation.
  93. Hier ist der Animas an einem frühen
    Morgen im Jahr 2015 abgebildet,

  94. vor dem Auslaufen der Gold King Mine.
  95. Nachdem Unmengen an gefährlichen
    Minenabfällen durch den Überfluss
  96. in den Fluss gelangt waren,
  97. war das hier der Fluss später am Tag.
  98. Noch heute versuchen
    die Navajo Nation und die Diné
  99. sowie der Fluss selbst,
    sich von der Kontaminierung zu erholen.
  100. Oder sogar genau hier
    in Palm Springs, Kalifornien,
  101. wo der Bund der Agua Caliente
    Indianer von Cahuilla
  102. seit Jahrzehnten dafür kämpft, das
    Grundwasser vor Ausbeutung zu schützen,
  103. sodass kommende Generationen
  104. nicht nur in ihren Heimatländern leben,
    sondern auch gedeihen können,
  105. so wie sie es seit jeher tun.
  106. Eine aktuelle Studie von
    DIGDEEP und der US Water Alliance

  107. fand heraus, dass in den USA
  108. Rasse eines der stärksten
    vorhersagenden Elemente
  109. für den Zugang zu
    Wasser und Sanitäranlagen ist,
  110. und dass es für uns,
  111. als Ureinwohner Amerikas,
  112. am wahrscheinlichsten ist, dass wir
    Zugangsprobleme haben werden,
  113. was Wasser und Sanitäranlagen anbelangt.
  114. Als indigene Rechtswissenschaftlerin
    und Wissenschaftlerin,
  115. glaube ich, dass viele dieser
    Wasserungerechtigkeiten
  116. das Resultat des westlichen
    Rechtssystems ist,
  117. welches versagt, Wasser
    Persönlichkeitsrechte zuzusprechen.
  118. Und so müssen wir uns selbst fragen:

  119. Gerechtigkeit für wen?
  120. Für die Menschheit allein?
  121. Wir haben Körperschaften
    Persönlichkeitsrechte gewährt.
  122. In den USA stellte der Oberste Gerichtshof
    in dem Fall "Citizens United" fest,
  123. dass Körperschaften eine Person sind,
  124. mit den laut Verfassung
    gleichen Schutzmaßnahmen,
  125. wie Meinungsfreiheit,
  126. und wandte die gleiche Denkweise in
    dem Fall "Hobby Lobby" an,
  127. wobei er feststellte, dass Körperschaften
    ein Recht auf Religionsfreiheit haben,
  128. zur Verteidigung gegen die Einführung
    des Affordable Care Act
  129. für seine Mitarbeiter.
  130. Nun, dies sind kontroverse Fälle,

  131. und als eine Frau der Shinnecock
    und Rechtswissenschaftlerin,
  132. bringen sie mich dazu, den moralischen
    Kompass der westlichen Welt anzuzweifeln,
  133. wo man einer Körperschaft
    Persönlichkeitsrechte zusprechen kann,
  134. der Natur jedoch nicht.
  135. Persönlichkeitsrechte
    gewähren uns die Fähigkeit,
  136. vor Gericht gesehen und angehört zu werden
  137. als eine Person,
    die vom Recht geschützt wird.
  138. Wenn man das einer Körperschaft
    zusprechen kann,
  139. warum nicht den Großen Seen?
  140. Wieso nicht dem Mississippi?
  141. Warum nicht den vielen Wasserstraßen
    auf unserem Planeten,
  142. auf die wir angewiesen sind,
    um überleben zu können?
  143. Wir wissen, dass wir uns in einer
    globalen Klimakrise befinden,

  144. aber unsere Gewässer sind weltweit
    gleichermaßen betroffen,
  145. und wir stehen vor einer
    globalen Wasserkrise,
  146. und wenn wir diese Krisen zu
    unseren Lebzeiten adressieren wollen,
  147. dann müssen wir uns ändern.
  148. Wir müssen die Art, wie wir Wasser
    schätzen, grundlegend verändern.
  149. Und das ist nichts Neues
    für uns indigene Menschen.
  150. Unsere indigenen Rechtssysteme
    haben ein Grundprinzip
  151. unsere nichtmenschlichen
    Beziehungen so zu verstehen,
  152. dass sie unter unseren Gesetzen
    leben und geschützt werden.
  153. Selbst in der westlichen Welt
  154. haben Umweltrechtstheoretiker
  155. seit 1970 für die Rechte
    der Natur argumentiert.
  156. Aber wir müssen es noch besser machen.
  157. Wir müssen uns ändern.
  158. Und wir müssen dem Wasser
    Persönlichkeitsrechte zusprechen,
  159. weil es die folgenden Rechte
    und Schutzmaßnahmen gewährt.
  160. Es gewährt Wasser das Recht zu existieren,
  161. zu gedeihen und
    sich natürlich zu entwickeln,
  162. und vor allem, beschützt es
    das Wasser vor uns,
  163. vor Menschen, die ihm Schaden würden,
  164. vor durch Menschen verursachte Schäden
    durch den Klimawandel,
  165. vor Schadstoffen,
  166. und vor durch Menschen künstlich
    verursachte Kontaminationen
  167. Des Weiteren kehrt es die
    allgemein anerkannte Hierarchie um,
  168. dass Menschen die Natur beherrschen.
  169. Als Menschen auf diesem Planeten,
  170. sind wir nicht übergeordnet gegenüber
    anderen Lebewesen auf diesem Planten.
  171. Wir sind Wasser nicht übergeordnet.
  172. Wir müssen lernen, wieder
    gute Verwalter zu sein.
  173. Wir stellen uns oft vor, die Erde sei
    gefüllt mit unendlich viel Wasser.

  174. Tatsächlich ist sie es nicht.
  175. Dieser Planet, Ohke, Mutter Erde,
  176. hat sehr begrenzte Süßwasserressourcen.
  177. Derzeit leben etwa 2 Milliarden Menschen
  178. in Ländern, die Wasserarmut erfahren.
  179. Es wird ebenfalls geschätzt,
    dass im Jahr 2030
  180. bis zu 700 Millionen Menschen weltweit
    vertrieben werden könnten,
  181. wegen Wasserknappheit.
  182. Wir müssen diese Krise adressieren.

  183. Also ist es an der Zeit,
    dass wir uns ändern.
  184. Wir müssen die Art, wie wir Wasser
    schätzen, verändern.
  185. Und das können wir.
  186. Wir können lernen, wieder
    gute Verwalter zu werden.
  187. Wir können Gesetze erlassen, die Wasser
    Persönlichkeitsrechte zusprechen.
  188. Wir können damit beginnen,
    die ursprünglichen Verträge einzuhalten,
  189. zwischen indigenen Menschen
    und nicht indigenen Menchen,
  190. zum Schutz von Wasser.
  191. Wir können Beschützer
    des Wassers ernennen,
  192. die sicherstellen, dass die Rechte
    des Wassers zu jeder Zeit geschützt sind.
  193. Wir können auch Standards für
    die Wasserqualität einführen,
  194. die einen ganzheitlichen Ansatz besitzen,
  195. die sicherstellen, dass
    das Wohlergehen des Wassers
  196. über den menschlichen Bedürfnissen steht.
  197. Darüber hinaus,
    können wir uns dafür einsetzen,
  198. das ausschließliche Eigentum
    an Wasser abzubauen.
  199. Und dafür gibt es auf der ganzen Welt
    erstaunlich erfolgreiche Beispiele.

  200. Dem Whanganui in Aotearoa, in Neuseeland,
  201. und dem Ganges in Indien
  202. wurden im Jahr 2017
    Persönlichkeitsrechte zugesprochen.
  203. Und sogar dieses Jahr,
  204. sprachen die Bewohner Toledos
  205. dem Eriesee Persönlichkeitsrechte zu.
  206. Und genau hier, in Kalifornien,
  207. sprach der Stamm der Yurok dem Klamath
    Persönlichkeitsrechte zu.
  208. Ich stelle mir eine Welt vor,
    in der wir Wasser schätzen,

  209. als eine lebende Verbindung,
  210. in der wir daran arbeiten, unsere
    Verbindung zu Wasser wiederherzustellen
  211. Als Frauen sind wir Träger von Wasser.
  212. Im Mutterleib nähren wir
    neun Monate lang von Wasser.
  213. Es ist die erste Medizin,
    der jeder von uns Menschen
  214. ausgesetzt ist.
  215. Sehen Sie, wir alle werden als
    menschliche Wesen
  216. mit einer angeborenen
    Verbindung zum Wasser geboren,
  217. aber irgendwo auf dem Weg,
    haben wir diese Verbindung verloren,
  218. und wir müssen daran arbeiten,
    diese wiederherzustellen
  219. Denn ich stelle mir eine Welt vor,
  220. in der das Wasser gesund ist
    und die Ökosysteme gedeihen.
  221. Ich stelle mir eine Welt vor,
  222. in der jeder von uns seiner Pflicht
    nachgeht, Verantwortung zu übernehmen,
  223. als Bürger des Wassers
  224. und Beschützer des Wassers.
  225. Also, mit den Worten der Nokomis,

  226. Was werden Sie dagegen unternehmen?
  227. Was werden Sie für das Wasser tun?
  228. Nun, Sie können einen
    lokalen Politiker anrufen.
  229. Sie können zu
    einer Stadtversammlung gehen.
  230. Sie können sich dafür einsetzen, Wasser
    die Rechtspersönlichkeit zuzusprechen.
  231. Sie können wie die Bewohner
    von Toledo sein
  232. und von der Basis aus aufbauen
  233. und Ihre eigene Gesetzgebung entwerfen,
    wenn die Politiker es nicht tun wollen,
  234. die dem Wasser
    Persönlichkeitsrechte zuspricht.
  235. Sie können über das Land und
    die Gewässer der Eingeborenen lernen,
  236. das Sie jetzt besitzen
  237. und die indigenen Rechtssysteme,
    die sie immer noch bestimmen.
  238. Aber vor allem können Sie
    eine Verbindung zum Wasser aufbauen.
  239. Sie können diese Verbindung
    wiederherstellen.
  240. Gehen Sie zu dem Ihrem Haus
    nahegelegendsten Gewässer,
  241. und finden Sie heraus,
    warum es bedroht ist.
  242. Und falls Sie etwas tun wollen,
  243. versprechen Sie sich selbst,
  244. dass Sie sich jeden Tag selbst fragen:
  245. "Was habe ich heute für das Wasser getan?"
  246. Wenn wir dieses Versprechen
    einhalten können,
  247. dann glaube ich, können wir eine mutige
    und brillante Welt schaffen,
  248. in der künftige Gernerationen
    die Möglichkeit haben,
  249. dieselbe Beziehung zum Wasser aufzubauen,
    zu der wir privilegiert waren,
  250. wo alle Gemeinden menschlicher
    und nichtmenschlicher Beziehungen
  251. Wasser zum Leben haben,
  252. denn Wasser ist Leben.
  253. Tabutni. Vielen Dank.

  254. (Applaus)