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← Wer sind Sie wirklich? Das Puzzle der Persönlichkeit

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Showing Revision 18 created 09/17/2016 by Nadine Hennig.

  1. Was für eine faszinierende
    Gruppe Individuen Sie sind ...
  2. für einen Psychologen.
  3. (Lachen)

  4. In den letzten Tagen
    hatte ich die Gelegenheit,

  5. einigen Ihrer Unterhaltungen zuzuhören
  6. und Sie miteinander interagieren zu sehen.
  7. Ich denke, ich kann bereits jetzt sagen,
  8. dass 47 Menschen in diesem Publikum,
  9. in diesem Moment,
  10. psychologische Symptome zeigen,
    über die ich heute gerne sprechen möchte.
  11. (Lachen)

  12. Ich dachte, Sie würden gerne wissen,
    wer von Ihnen es ist.

  13. (Lachen)

  14. Aber anstatt auf Sie zu zeigen,

  15. was unnötig und aufdringlich wäre,
  16. habe ich vor, Ihnen Fakten
    und Geschichten zu erzählen,
  17. in denen Sie sich vielleicht
    selbst wiedererkennen.
  18. Ich arbeite im Forschungsfeld
    der Persönlichkeitspsychologie,

  19. das Teil einer größeren
    Persönlichkeitswissenschaft ist,
  20. die das ganze Spektrum von Neuronen
    bis hin zu Erzählungen umfasst.
  21. Wir versuchen,
  22. auf unsere eigene Art zu verstehen,
  23. wie jeder von uns --
  24. jeder von Ihnen --
  25. in manchen Dingen,
  26. wie alle anderen Menschen,
  27. wie nur einige andere Menschen
  28. und wie kein anderer Mensch ist.
  29. Vielleicht sagen Sie jetzt über sich:

  30. "Ich bin nicht interessant.
  31. Ich bin die 46., langweiligste Person
    der westlichen Hemisphäre."
  32. Oder Sie sagen von sich:
  33. "Ich bin interessant,
  34. selbst wenn mich die meisten
    für einen großen Trottel halten."
  35. (Lachen)

  36. Ihre selbst-diagnostizierte Langweiligkeit
    und inhärente Trotteligkeit

  37. fasziniert mich als Psychologe
    an Ihnen am meisten.
  38. Ich erkläre Ihnen, warum.
  39. Einer der einflussreichsten Ansätze
    der Persönlichkeitswissenschaften

  40. ist der Personismus.
  41. Dabei werden Sie in fünf normal
    verteilte Dimensionen eingeteilt,
  42. die universale Aspekte beschreiben,
    in denen Menschen sich unterscheiden.
  43. Im Englischen bilden sie
    das Akronym OCEAN.
  44. "O" steht für "Offenheit für Erfahrungen,"
  45. gegenüber verschlosseneren Menschen.
  46. "C" steht für "Gewissenhaftigkeit",
  47. im Gegensatz zu denen mit
    einer gleichgültigeren Lebensanschauung.
  48. "E" -- "Extraversion", im Gegensatz
    zu stärker introvertierten Personen.
  49. "A" -- "die Verträglichen",
  50. im Gegensatz zu den
    ausgesprochen Unverträglichen.
  51. Und "N" -- "die Neurotischen",
  52. im Gegensatz zu
    stabileren Persönlichkeiten.
  53. All diese Dimensionen haben
    Auswirkungen auf unser Wohlbefinden;

  54. darauf, wie unser Leben verläuft.
  55. Daher wissen wir zum Beispiel,
  56. dass Offenheit und Gewissenhaftigkeit
    gute Anzeichen für Erfolg sind,
  57. aber die offenen Menschen erreichen
    diesen Erfolg durch kühnes
  58. und manchmal seltsames Verhalten.
  59. Die gewissenhaften Menschen
    erreichen Erfolg durch Pünktlichkeit,
  60. Durchhaltevermögen
    und ein wenig Leidenschaft.
  61. Sowohl Extraversion
    als auch Verträglichkeit
  62. sind für die Zusammenarbeit förderlich.
  63. Ich finde zum Beispiel
    Extrovertierte faszinierend.
  64. Manchmal nenne ich meinen Studenten
    einen grundlegenden Fakt,
  65. der vielleicht einen Teil
    ihrer Persönlichkeit enthüllt:
  66. Ich sage ihnen, dass es Erwachsenen
    völlig unmöglich ist,
  67. sich den eigenen Ellenbogen zu lecken.
  68. (Lachen)

  69. Wussten Sie das?

  70. Bereits jetzt haben manche versucht,
    sich den Ellenbogen zu lecken.
  71. Aber die Extrovertierten unter Ihnen
  72. versuchten es wahrscheinlich
    nicht nur bei sich,
  73. sondern auch erfolgreich am Ellenbogen
  74. der Person neben sich.
  75. (Lachen)

  76. So sind Extrovertierte.

  77. Gehen wir näher auf dieses Verhalten ein.

  78. Denn es ist wichtig und faszinierend.
  79. Es hilft uns dabei, drei unserer
    Wesensmerkmale zu verstehen:
  80. Erstens, unsere biogene Natur,
    unsere Neurophysiologie;
  81. zweitens, unser Gruppenverhalten
    oder zweites Ich,
  82. das mit unserer Kultur
    und sozialem Leben zu tun hat;
  83. drittens, was Sie individuell
    ausmacht -- idiosynkratisch --
  84. was ich die "idiogenetische" Natur nenne.
  85. Ich erkläre es Ihnen.

  86. Extrovertierte Menschen brauchen Reize.
  87. Diese Reize finden sie
    in interessanten Dingen:
  88. laute Geräusche, Partys
    und soziale Events hier bei TED --
  89. Extrovertierte ziehen sich magnetisch an.
  90. Sie versammeln sich immer alle.
  91. Aber ich sehe auch Sie.
  92. Die Introvertierten verbringen
    ihre Zeit eher an ruhigen Plätzen,
  93. oben im 2. Stock,
  94. wo Sie die Reize
    ein bisschen reduzieren können --
  95. und eventuell als unsozial
    missverstanden werden,
  96. aber es nicht unbedingt sind.
  97. Sie denken vielleicht nur,
    dass es Ihnen besser geht,
  98. wenn Sie den Reizpegel verringern.
  99. Manchmal ist es
    ein interner Reiz Ihres Körpers.

  100. Koffein, z. B., wirkt besser bei
    Extrovertierten als bei Introvertierten.
  101. Wenn Extrovertierte morgens
    um 9 Uhr ins Büro kommen
  102. und meinen: "Ich brauche
    jetzt wirklich einen Kaffee",
  103. dann spaßen sie nicht --
  104. sie brauchen ihn wirklich.
  105. Introvertierten passiert das nicht.
  106. Besonders dann, wenn sie
    Aufgaben erledigen müssen --
  107. und sie etwas Kaffee hatten --
  108. und diese Aufgaben schnell gehen müssen
  109. und es auf Quantität ankommt,
  110. scheinen Introvertierte nicht
    ganz so quantitätsaffin zu sein.
  111. Aber das stimmt nicht.
  112. Die Folgerungen daraus
    sind sehr interessant:

  113. Wir sind nicht immer, was wir scheinen,
  114. und das bringt mich zum nächsten Punkt.
  115. Bevor ich dazu komme, sollte ich
    etwas über Geschlechtsverkehr sagen,
  116. auch wenn ich dazu keine Zeit habe.
  117. Wenn Sie also wollen --
  118. wollen Sie?
  119. Okay.
  120. (Lachen)

  121. Es gibt Studien

  122. über die Häufigkeit des ehelichen Akts
  123. bei Männern, Frauen;
    Introvertierten, Extrovertierten.
  124. Meine Frage lautet:
  125. Wieviele Male pro Minute
  126. oh, Entschuldigung, das war
    eine Studie mit Ratten --
  127. (Lachen)

  128. wie oft im Monat

  129. tun es introvertierte Männer?
  130. 3,0
  131. Extrovertierte Männer?
  132. Mehr oder weniger?
  133. Ja, mehr.
  134. 5,5 -- fast zweimal so viel.
  135. Introvertierte Frauen: 3,1.
  136. Extrovertierte Frauen?
  137. Ehrlich gesagt,
    ich als introvertierter Mann,
  138. das erkläre ich später --
  139. sie sind heroisch.
  140. 7,5.
  141. Sie machen nicht nur alle
    extrovertierten Männer klar,
  142. sie suchen sich auch
    ein paar Introvertierte aus.
  143. (Lachen)

  144. (Applaus)

  145. Introvertierte und Extrovertierte
    kommunizieren unterschiedlich.

  146. Wenn Extrovertierte interagieren,
  147. wollen sie viele nahe Begegnungen haben.
  148. Sie stehen gerne dicht zusammen,
    um sich bequem zu unterhalten.
  149. Sie haben gern viel Augenkontakt
  150. oder wechselseitige Blicke.
  151. In einer Studie fanden wir heraus,
  152. dass sie mehr Diminutive benutzen,
    wenn sie jemanden treffen.
  153. Wenn ein Extrovertierter
    einen "Charles" trifft,
  154. wird dieser schnell ein "Charlie"
    und dann ein "Chuck",
  155. und danach "Chuckles Baby".
  156. (Lachen)

  157. Aber beim Introvertierten

  158. bleibt es beim "Charles",
  159. bis er eine Aufforderung
    zu mehr Nähe erhält.
  160. Wir reden anders.
  161. Extrovertierte bevorzugen schwarz
    und weiß -- konkrete, einfache Sprache.
  162. Introvertierte mögen lieber --
    und ich sage Ihnen,
  163. ich bin extrem introvertiert,
    der Inbegriff des Introvertierten --
  164. wir reden anders.
  165. Wir mögen es inhaltlich komplex,
  166. zusammenhängend,
  167. Bandwurmsätze --
  168. (Lachen)

  169. mehr oder weniger.

  170. (Lachen)

  171. Sozusagen.

  172. (Lachen)

  173. Um es nicht auf den Punkt zu bringen --

  174. also so.
  175. Wenn wir reden,

  176. reden wir manchmal aneinander vorbei.
  177. Ich hatte mal einen Beratungsauftrag
    zusammen mit einem Kollegen,
  178. der nicht unterschiedlicher
    von mir hätte sein können.
  179. Erstens, sein Name ist Tom.
  180. Meiner nicht.
  181. (Lachen)

  182. Zweitens ist er 1,96 m ...

  183. Ich nicht ganz.
  184. (Lachen)

  185. Drittens, er ist sowas von extrovertiert.

  186. Ich bin ernsthaft introvertiert.
  187. Ich bin schnell überreizt.
  188. Ich kann noch nicht einmal
    nach 15 Uhr Kaffee trinken
  189. und am Abend dann einschlafen.
  190. Wir haben für ein Projekt
    Michael engagiert.

  191. Michael brachte das Projekt
    beinahe zum Stillstand.
  192. Sein Nachfolger fragte Tom und mich:
  193. "Was haltet ihr von Michael?"
  194. Ich sage Ihnen gleich, was Tom sagte.
  195. Er sprach im klassischen "Extrovertisch".
  196. Extrovertierte Ohren hörten
    Folgendes von mir.
  197. Das ist ziemlich wortgenau.
  198. Ich sagte: "Na ja, also Michael
    hat die Tendenz,
  199. sich manchmal so zu verhalten, dass
    andere ihn intensiver als nötig erleben."
  200. (Lachen)

  201. Tom rollte seine Augen und sagte:

  202. "Brian, das habe ich gerade gesagt:
  203. 'Er ist ein Arschloch!'"
  204. (Lachen)

  205. (Applaus)

  206. Als Introvertierter

  207. weise ich behutsam
    auf solche Qualitäten hin,
  208. um sein Verhalten zu beschreiben,
  209. aber das A-Wort würde ich nicht benutzen.
  210. (Lachen)

  211. Der Extrovertierte sagt jedoch:

  212. "Wenn er so geht und redet wie eins,
    dann nenne ich ihn auch so."
  213. Wir reden einander vorbei.
  214. Sollten wir auf so etwas achten?

  215. Selbstverständlich.
  216. Es ist wichtig, das zu wissen.
  217. Ist das alles, was wir sind?
  218. Bloß ein Bündel Eigenschaften?
  219. Nein, nicht nur.
  220. Erinnern Sie sich,
    Sie sind wie manch anderer
  221. und wie kein anderer.
  222. Wie verhält es sich mit Ihrem
    idiosynkratischem Ich?
  223. Als Elisabeth oder Georg
  224. haben Sie vielleicht Ihre Extraversion
    oder Ihren Neurotizismus gemeinsam.
  225. Aber gibt es da bestimmte
    elisabethanische oder georgische Züge,
  226. durch die wir Sie besser als durch ein
    paar Charaktereigenschaften verstehen?
  227. Die uns vielleicht dazu bringen,
    Sie zu lieben?
  228. Nicht nur, weil Sie ein
    ganz bestimmter Typ sind.
  229. Ich fühl mich nicht wohl dabei,
    Menschen in Schubladen zu stecken.

  230. Sie gehören einfach nicht in Schubladen!
  231. Was unterscheidet uns also?
  232. Es sind unsere Taten,
    unsere persönlichen Projekte.
  233. Sie haben vielleicht
    ein persönliches Projekt,
  234. aber keiner hier weiß davon.
  235. Es hat vielleicht mit Ihrem Kind zu tun --
  236. Sie waren schon dreimal im Krankenhaus
  237. und man weiß immer
    noch nicht, was es hat.
  238. Es könnte aber auch um Ihre Mutter gehen.
  239. Sie werden plötzlich ausfallend.
  240. Das sind die freien
    Charaktereigenschaften.
  241. Sie sind sehr verträglich,
    benehmen sich aber unverträglich,
  242. um die Barrieren der Verwaltung
    im Krankenhaus zu torpedieren,
  243. um etwas für Ihre Mutter
    oder Ihr Kind zu erhalten.
  244. Welche freien Eigenschaften sind das?

  245. Sie treten zum Vorschein,
    wenn wir einem Skript folgen,
  246. das eine Herzenssache
    unseres Lebens voranreibt.
  247. Sie sind das, was zählt.
  248. Fragen Sie nicht danach,
    was für ein Typ Sie sind.
  249. Fragen Sie nach Ihren Herzensprojekten.
  250. Denn wir verkörpern
    diese freien Eigenschaften.
  251. Ich bin ein Introvertierter,
  252. aber ich habe
    ein Herzensprojekt, das Lehren.
  253. Ich bin ein Lehrer.
  254. Ich liebe meine Studierenden.
  255. Ich liebe mein Fach.
  256. Ich kann es kaum erwarten ihnen
    mitzuteilen, was neu und aufregend ist,
  257. was ich unbedingt lehren muss.
  258. Deshalb agiere ich
    wie ein Extrovertierter,
  259. denn um acht Uhr morgens
  260. brauchen die Studierenden
    ein bisschen Humor,
  261. ein bisschen Engagement,
    um sie zu motivieren,
  262. wenn hartes Lernen angesagt ist.
  263. Aber wir müssen sehr vorsichtig sein,

  264. wenn wir uns länger so verhalten,
    wie wir nicht sind.
  265. Manchmal scheint es so, als
    würden wir nicht auf uns achten.
  266. Nach einer pseudo-extrovertierten
    Phase, zum Beispiel,
  267. muss ich mich zurückziehen,
    um mich zu regenerieren,
  268. wie Susan Cain in
    ihrem Buch "Quiet" schreibt,
  269. als sie einen komischen kanadischen
    Professor beschreibt,
  270. der damals in Harvard lehrte.
  271. Auch ich gehe manchmal
    in die Herrentoilette,
  272. um den Schlingen und Pfeilen
    der Extrovertierten zu entkommen.
  273. (Lachen)

  274. Ich erinnere mich an einen
    Rückzug in eine Kabine,

  275. um eine Reizüberflutung zu überstehen,
  276. als ein echter Extrovertierter kam --
    nein, nicht in meine Kabine,
  277. aber in die daneben,
  278. und ich hörte einige Ausscheidegeräusche
  279. -- so etwas hassen wir --
    auch unsere eigenen,
  280. deshalb ziehen wir auch vor,
    mittendrin und danach die Spülung.
  281. (Lachen)

  282. Dann hörte ich auf einmal
    diese tiefe Stimme:

  283. "Hey, sind Sie das, Dr. Little?"
  284. (Lachen)

  285. Wenn irgendetwas einen Introvertierten
    dazu bringt 6 Monate lang krank zu werden,

  286. ist es die Unterhaltung auf einem Klo.
  287. (Lachen)

  288. Dahin gehe ich auch jetzt.

  289. Folgen Sie mir ja nicht.
  290. Vielen Dank.

  291. (Applaus)