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← Die Kraft der Verbindung: Hedy Schleifer bei TEDxTelAviv

Hedy Schleifer, klinische Psychologin sowie Paar- und Beziehungstherapie-Expertin, "überquert die Brücke" gemeinsam mit dem Publikum der TEDxTelAviv. Mit Lachen und Leidenschaft führt sie ein in die Kunst des Zuhörens.

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Showing Revision 15 created 01/14/2016 by TED Translators admin.

  1. Ich fühle mich wirklich geehrt,
    hier zu sein.

  2. Ich habe geweint,
    ich habe gelacht,
  3. ich bin zutiefst gerührt worden.
  4. Und ich fühle mich wirklich geehrt,
    am Leben zu sein.
  5. Ich bin dankbar,
    am Leben zu sein.
  6. Meine Eltern waren 1944
    im Konzentrationslager
  7. in Vichy, Frankreich.
  8. Meine Mutter organisierte die Flucht.
  9. Sie holte tatsächlich
    meinen Vater heraus.
  10. Und meine Eltern
    durchquerten die Alpen.
  11. Meine Mutter war mit mir schwanger.
  12. Und als sie an die
    Schweizer Grenze kamen,
  13. war die Grenze für Flüchtlinge geschlossen.
  14. Meine Mutter warf sich
    regelrecht in die Schweiz.
  15. Alles war für sie besser,
    als zurück zu gehen
  16. in die Hölle, aus der sie kam.
  17. Und meinem Vater gelang es wenige Tage
    später, sich hinein zu schmuggeln.
  18. 1944 wurde ich geboren.
  19. Jahrzehnte später sitze ich mit meiner Mutter
  20. in einem Altenheim in Israel.
  21. Und ich kann es nicht ertragen,
    sie so zu sehen.
  22. (Tränen, Seufzer)
  23. Sie sitzt in einem Rollstuhl.
  24. Sie weiß nicht, wer ich bin.
  25. Ich fühle mich schuldig. Ich bin traurig.
    Ich bin zerrissen. Ich bin wütend.
  26. Dies ist meine Heldin.
    Warum sollte sie hier sein?
  27. Und ich merke,
    dass ich nicht wirklich bei ihr bin.
  28. Ich bin gefangen in meinen eigenen Emotionen.
  29. Und dann treffe ich eine Entscheidung.
  30. Ich werde die Brücke überqueren
  31. in die Welt meiner Mutter.
  32. Ich werde die Welt verlassen,
    in der ich mich abmühe.
  33. Und ich werde mich aufmachen
    und sie treffen.
  34. Und ich werde neue Augen mitbringen.
  35. Und so habe ich es gemacht.
  36. Ich kam, ich setzte mich ihr gegenüber
    und ich überquerte die Brücke.
  37. Und ich landete in ihrer Welt.
    Und ich sah sie an.
  38. Und sie sah mich an.
  39. Und in Jiddisch sagte sie:
  40. "Du bist mein Tochter."
  41. Du bist meine Tochter.
  42. Und ich fing an zu weinen, und mit den Händen
    wischte sie sanft meine Tränen.
  43. Sie hatte mich monatelang nicht erkannt.
  44. Natürlich,
    denn ich war nicht da gewesen -- emotional.
  45. Dieses Wunder mit meiner Mutter zeigt
  46. die "drei unsichtbaren Verbinder",
    über die ich mit Ihnen heute reden möchte.
  47. Es ist der relationale Raum
    -- der Raum.
  48. Es ist die Brücke zwischen den Welten
    -- die Brücke.
  49. Und es ist die Begegnung.
  50. Das menschliche Wesen begegnet
    menschlichem Wesen. Die Begegnung.
  51. Diese "drei unsichtbaren Verbinder"
    -- Sie kennen sie.
  52. Sie leben sie.
  53. Aber möglicherweise haben Sie
    diese nie so bezeichnet.
  54. In der Arbeit mit Paaren
    über viele, viele Jahre
  55. bin ich zu der Einsicht gekommen,
    dass dies die "drei unsichtbaren Verbinder" sind.
  56. Lassen Sie mich über den Raum sprechen.
  57. Der jüdische Philosoph Martin Buber sagte:
  58. "Unsere Beziehung lebt
    im Raum zwischen uns."
  59. Sie lebt nicht in mir oder in dir,
  60. und selbst nicht
    im Dialog zwischen uns beiden.
  61. Sie lebt in dem Raum,
    den wir gemeinsam leben.
  62. Und er sagte:
    "Dieser Raum ist heiliger Raum."
  63. Nun, sofern wir nicht von diesem Raum wissen,
  64. sofern wir nicht wissen,
    wie wir Verantwortung übernehmen können
  65. für den Raum,
    den wir gemeinsam leben,
  66. solange werden wir diesen
    tatsächlich kontaminieren.
  67. So wie ich den Raum
    mit meiner Mutter kontaminierte.
  68. Ich kontaminierte
    den Raum mit meiner Mutter
  69. nicht, weil ich meine Gefühle fühlte.
  70. Ich kontaminierte
    den Raum mit meiner Mutter
  71. weil ich unbewusst all diese Emotionen
    in die Mitte zwischen uns legte
  72. -- unbewusst.
  73. Wenn wir nicht von dem Raum wissen,
  74. dann kontaminieren wir ihn ganz automatisch.
  75. Ein Wort, ein Blick,
    eine Reaktion, ein Zurückziehen,
  76. eine Kritik, ein Urteil.
  77. Wir legen dies dort ab, unbewusst.
  78. Und der Raum wird ungemütlich.
  79. Und wenn der Raum ungemütlich ist,
  80. reagieren wir auf das Unbehagen im Raum
  81. und der Raum wird noch ungemütlicher.
  82. Und langsam aber sicher, Unbehagen nach Unbehagen, wird der Raum gefährlich.
  83. Und dann reagieren wir
    auf die Gefahr in dem Raum.
  84. Und wie reagieren wir?
  85. Einige von uns reagieren mit
    dem Explodieren unserer Energie.
  86. Wir sprechen lauter, wir schreien,
    wir sagen viele Wörter,
  87. wir springen dir förmlich ins Gesicht.
  88. Einige von uns reagieren
    auf die Gefahr im Raum
  89. durch Zusammenziehen, Verstecken,
    Entziehen unserer Energie.
  90. Und sobald diese zwei Reaktionen
    zusammenkommen
  91. als Reaktion auf die Gefahr in dem Raum,
  92. wächst diese Gefahr
  93. und jetzt reagieren wir gemeinsam
    auf die Kontaminierung und die Gefahr,
  94. die wir gemeinsam erschaffen haben
    im relationalen Raum.
  95. Was sollen wir tun?
  96. Wie übernehmen wir Verantwortung
    für den Raum zwischen uns?
  97. Der heilig ist,
    wie Martin Buber sagt.
  98. Hier kommt die Metapher
    der Brücke ins Spiel.
  99. Wir übernehmen Verantwortung
    für den Raum zwischen uns
  100. indem wir die Brücke überqueren
    in die Welt des Anderen
  101. und unsere volle Präsenz
    auf die andere Seite bringen.
  102. Wie machen wir das?
  103. Als Erstes,
    setz dich hin.
  104. Atme tief durch.
  105. Stell deine Füße auf den Boden.
  106. Erlaube dir,
    den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen.
  107. Richte dich aus
    im Hier und Jetzt.
  108. Mach dir bewusst,
    dass du lebst! Sei dankbar
  109. für diesen Moment deines Lebens.
    Jetzt gerade!
  110. Das ist bereits ein sehr wichtiger Anfang
  111. für deine Reise über die Brücke.
  112. Und dann beginne,
    bewusst und bedacht
  113. die Brücke zu überqueren.
    Lass das Gummiband los,
  114. das dich zurückzieht zu deinen Vorurteilen,
    deiner Geschichte, deiner Identität,
  115. wer du denkst zu sein, deine Gefühle,
    deine Emotionen, was immer in deiner Welt ist.
  116. Alles, was du über die Brücke mitnimmst
  117. ist eine kleine Plastiktüte,
    transparent,
  118. mit einem Reisepass
    und einem Visum.
  119. Der Grund, warum sie transparent sein muss:
  120. Du kannst nichts von dir selbst mitbringen
    auf die andere Seite der Brücke.
  121. Und wenn du angekommen bist
  122. auf der anderen Seite:
    Was tust du?
  123. Du hörst zu.
  124. Du hörst zu
    mit offenem Herzen.
  125. Du hörst zu
    mit neuen Augen.
  126. Marcel Proust, der französische Schriftsteller,
    hat gesagt:
  127. "Das Abenteuer des Lebens handelt nicht davon,
    neue Landschaften zu entdecken.
  128. Das Abenteuer des Lebens ist,
    die alten mit neuen Augen zu sehen."
  129. Und du bringst deine neuen Augen
    und dein offenes Herz
  130. und deine Freizügigkeit des Geistes
  131. und du hörst zu,
    als wenn du eine neue Sprache lernst,
  132. eine neue Musik,
    einen neuen Rhythmus.
  133. Du hörst zu,
    indem du die Worte wiederholst.
  134. "Ich höre dich sagen."
  135. "Habe ich dich richtig verstanden?"
  136. Und du lernst. Du lernst die Landschaft
    in dieser anderen Welt kennen.
  137. Und was kann also geschehen,
    auf der anderen Seite?
  138. Was auf der anderen Seite passiert,
  139. ist die Begegnung.
  140. Was ist nun die Begegnung?
  141. Auf biologischer Ebene
    ist die Begegnung
  142. die Resonanz zwischen zwei Gehirnen.
  143. Die relationalen Neurobiologen
    nennen diese Resonanz die Gehirn-Brücke.
  144. Zwei limbische Systeme,
    die gemeinsam schwingen.
  145. Der Samen unserer Emotionen
    beginnt gemeinsam zu schwingen.
  146. Und die relationalen Neurobiologen
    haben herausgefunden, dass,
  147. wenn diese Resonanz
    zwischen zwei Gehirnen besteht,
  148. unser zentrales Nervensystem beginnt,
    sich zu beruhigen.
  149. Weil, was sie auch entdeckt haben,
  150. unser Gehirn das einzige Organ in uns ist,
  151. das sich nicht von innen reguliert.
  152. Es reguliert sich von außen
    durch ein anderes Gehirn.
  153. Wir brauchen einander
    zur Selbstregulation.
  154. Wir können uns nur
    durch den Anderen regulieren.
  155. Durch die Augen des Anderen.
    Durch die Resonanz.
  156. Und was dann passiert,
    ist sehr interessant,
  157. weil vor ca. 10 Jahren
    relationale Neurobiologen
  158. die Spiegelneuronen entdeckt haben,
  159. die wir in unserem Gehirn haben.
  160. Unsere Fähigkeit zum Mitgefühl,
  161. zur Empathie,
  162. zum tiefen Verständnis des Anderen.
  163. Und während der Begegnung werden
    diese Spiegelneuronen sehr lebendig.
  164. Und was passiert dann?
  165. Neue Nervenbahnen beginnen
    sich im Gehirn zu bilden.
  166. Neue Nervenbahnen, die uns
  167. die Fähigkeit geben,
    in Beziehung zu sein.
  168. Man hat herausgefunden, dass das Gehirn
    eine enorme Plastizität aufweist.
  169. Es kann sich jederzeit
    während unserer Lebenszeit ändern.
  170. Und diese neuen Nervenbahnen,
    die in unserem Gehirn gebildet werden,
  171. geben uns die Möglichkeit,
  172. "beziehungsintelligenter"
  173. und "beziehungsreifer" zu werden.
  174. Also, das ist die Begegnung
    im biologischen Sinne.
  175. Doch auf einem anderen Gebiet
    ist es schwieriger zu definieren,
  176. was die Begegnung ist.
  177. Es ist das Aufeinandertreffen
    zweier voller menschlicher Präsenzen.
  178. Oder zweier menschlicher Essenzen.
    Oder die Lebenskraft in jedem Menschen.
  179. Oder das Treffen zweier Seelen.
  180. Und was ist die Lebenskraft?
  181. Was ist das menschliche Wesen?
  182. Mein Vater hat dazu eine Geschichte.
  183. Mein Vater hatte die größte Sammlung
    jiddischer Geschichten im Universum.
  184. Und er liebte es,
    sie zu erzählen.
  185. Und er lachte heftiger als jeder Andere,
  186. wenn er seine Geschichten erzählte.
  187. Diese Geschichte handelt von
    Mr. Goldberg, dem Schneider.
  188. Jemand kam, um einen Anzug
    von Mr. Goldberg, dem Schneider, zu erwerben.
  189. Und er zog den Anzug an und sagte:
  190. "Mr. Goldberg, dieser Anzug
    sieht sehr merkwürdig aus.
  191. Dieser Ärmel passt überhaupt nicht."
  192. Mr. Goldberg schaut sehr ernst und er sagt:
  193. "Sie haben Recht. Für diesen Ärmel
    müssen Sie Ihre Hand so halten. OK?"
  194. Der Mann sagt: "Wissen Sie, der andere Ärmel
    passt überhaupt nicht."
  195. "Sehen Sie hier!" -- Mr. Goldberg sagt:
  196. "Sie haben völlig Recht. Für diesen Ärmel
    halten Sie Ihre Hand so
  197. und halten diese Schulter wie folgt. OK?"
  198. "Was ist mit dem rechten Bein? Das rechte Bein
    sieht sehr merkwürdig aus. Was ist damit?"
  199. Und Mr. Goldberg sagt: "Sie haben Recht.
    Sie müssen nur Ihren Fuß
  200. ein bisschen nach innen setzen."
  201. "Was ist hiermit?", sagt er.
    "Nun, für dieses halten Sie Ihren Fuß so."
  202. Nun war der Anzug in Ordnung und
    der Mann kommt aus dem Laden des Schneiders
  203. und als er auf der Straße ist,
    kommt ein Paar vorbei
  204. und die Frau sagt zu ihrem Ehemann:
    "Was ein erstaunlicher Schneider!
  205. Ein Mann in diesem Zustand
    -- und der Anzug passt ihm perfekt!"
  206. (Applaus)
  207. Nun ... Das sind wir.
    Wir sind in diesem Anzug.
  208. Wir gehen in diesem Anzug herum,
    weil wir uns an unser Leben angepasst haben.
  209. Und wir wissen nicht einmal, dass dies
    ein Anzug ist, ein Überlebens-Anzug.
  210. Wir wissen,
    dass dies wir sind.
  211. Als Beispiel: Wenn ich mich angepasst habe,
    indem ich zurückgezogen, kalt und distanziert bin,
  212. denke ich: Das bin ich.
  213. Innerhalb des Anzugs
    ist unser menschliches Wesen -- intakt!
  214. Innerhalb unserer Überlebens-Anpassung
    sind wir unser Wesen.
  215. Und über die Brücke zu kommen ermöglicht
    unserem Geist, genährt zu werden.
  216. Und dies ermöglicht die Transformation
    von diesem Überlebens-Anzug
  217. hin zu unserem wahren
    menschlichen Wesen.
  218. Es ist im miteinander Sein,
    dass unser Wesen offenbart wird.
  219. Und es erinnert mich
    an diesen wunderbaren Spruch:
  220. "Früher war ich anders.
    Und jetzt bin ich gleich."
  221. Ich begann mit einer Geschichte
    über meine Mutter.
  222. Ich möchte Ihnen jetzt eine
    über meinen Enkel Leo erzählen.
  223. Ich war in Istanbul mit Leo.
    Und wir waren im Bett,
  224. wir kuschelten und
    schauten einen Film.
  225. Und am Ende des Films
    sah mich Leo an
  226. und er sagte:
  227. "Babbe, Oma, ich liebe dich."
  228. Und ich sagte:
    "Ich liebe dich auch, Leo."
  229. Und er sagte:
    "Nein. Ich liebe dich."
  230. Und ich sagte: "Klar, mein Schatz,
    du liebst mich und ich liebe dich."
  231. Er sagte:
    "Nein, Babbe. Ich liebe dich."
  232. Und dann verstand ich.
  233. Er wollte nicht,
    dass ich seine Liebe umlenke.
  234. Er wollte,
    dass ich über die Brücke zu ihm komme,
  235. um seine reine, essenzielle Liebe
    aufzunehmen, die er mir gegeben hat.
  236. Und so tat ich es.
    Ich sah ihn an. Ich nahm ihn auf.
  237. Ich habe das eindringen lassen,
    was er mir in diesem Augenblick gab.
  238. Und ich sagte:
    "Leo, ich höre dich sagen: Du liebst mich."
  239. Und sein Gesicht leuchtete.
  240. Er lehrte mich,
    dass es Mut braucht, verbunden zu sein.
  241. Ich möchte mit Ihnen eines
    meiner Lieblings-Zitate teilen,
  242. vom Sufi-Dichter Rumi,
    aus dem 13. Jahrhundert,
  243. der gesagt hat:
    "Jenseits von richtig
  244. und jenseits von falsch
  245. existiert ein Feld.
  246. Dort werde ich dich treffen."
  247. Ich habe einen Traum.
    Ich stelle mir 90 Millionen Paare vor,
  248. welche die "drei unsichtbaren
    Verbinder" ehren,
  249. welche den Raum zwischen sich ehren,
    die Brücke zueinander überqueren
  250. und einander begegnen,
    menschliches Wesen zu menschlichem Wesen.
  251. Es ist enorm wichtig für mich,
    weil unsere Kinder wachsen,
  252. im Raum zwischen uns.
  253. Der Raum zwischen dem Paar
  254. ist der Spielplatz des Kindes.
  255. Und wenn wir wissen,
    wie wir diesen Raum ehren
  256. und heilig machen,
    können unsere Kinder erblühen
  257. im heiligen Raum.
  258. Und ich habe einen Termin im Auge.
    11. November 2012.
  259. Internationaler Tag
    der Überquerung der Brücke.
  260. Er ist nicht nur für Paare.
  261. Er ist für Menschen
    und er ist für Nationen.
  262. Ich stelle mir eine Zeit vor,
    in der Nationen
  263. wissen werden,
    dass der Raum zwischen ihnen
  264. heiliger Raum ist.
    Dass es eine Brücke
  265. zu überqueren gibt, um die Kultur
    des Anderen kennen zu lernen.
  266. Und dass wir einander begegnen können.
  267. Menschliches Wesen
    zu menschlichem Wesen.
  268. Jenseits von richtig und falsch
  269. existiert ein Feld.
  270. Dort werde ich Sie treffen.
  271. Vielen Dank.
  272. (Applaus)