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← Comics gehören in die Klasse

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Zeige Revision 18 erzeugt am 11/02/2019 von Sonja Maria Neef.

  1. Ich war in der fünften Klasse,
  2. als ich eine Ausgabe
    von „DC Comics Presents #57“ kaufte,
  3. aus einem Drehständer
    in meiner lokalen Buchhandlung.
  4. Dieses Comic hat mein Leben verändert.
  5. Die Mischung von Wörtern und Bildern
    hat etwas in meinem Kopf ausgelöst,
  6. das noch nie zuvor passiert war
  7. und ich verliebte mich sofort
    in das Medium Comic.
  8. Ich las ein Comic nach dem anderen,
  9. aber ich nahm sie nie mit zur Schule.
  10. Comics gehören nicht in ein Klassenzimmer.
    Das wusste ich instinktiv.
  11. Meine Eltern mochten Comics nicht;
  12. meine Lehrer sicherlich auch nicht.
  13. Sie benutzten sie nie für den Unterricht.
  14. Comics und Bilderromane
    waren während dem Unterricht verboten
  15. und sie wurden nie bei unserer
    jährlichen Buchmesse verkauft.
  16. Trotzdem las ich weiterhin Comics
  17. und kreierte sogar selbst welche.
  18. Ich wurde publizierter Karikaturist.
  19. Mit den Comics verdiente ich
    meinen Lebensunterhalt.
  20. Ich wurde auch ein Highschoollehrer.

  21. Dort habe ich gelehrt:
  22. Bishop O'Dowd High School
    in Oakland, Kalifornien.
  23. Ich lehrte ein wenig Mathe und Kunst,
  24. aber meistens Informatik.
  25. Ich war dort 17 Jahre.
  26. Als ich ein ganz neuer Lehrer war,
  27. wollte ich Comics
    mit in die Klasse nehmen.
  28. Ich sagte meinen Schülern
    bereits am ersten Tag,
  29. dass ich auch Karikaturist bin.
  30. Ich wollte sie nicht
    mit Comics unterrichten.
  31. Ich wollte eher,
    dass ich mit Comics cool wirke.
  32. (Lachen)

  33. Ich lag falsch.

  34. Das war in den 90er Jahren,
  35. Comics hatten also nicht
    das heutige kulturelle Prestige.
  36. Meine Schüler fanden mich nicht cool.
    Sie dachten, ich sei ein Dummkopf.
  37. Und noch schlimmer,
    wenn es im Unterricht schwer wurde,
  38. lenkten sie mich mit Comics ab.
  39. Sie hoben ihre Hände
    und fragten mich folgendes:
  40. "Mr. Yang, wer würde einen Kampf gewinnen?
  41. Superman oder Hulk?“
  42. (Lachen)

  43. Ich musste meinen Unterricht
    und Comics getrennt halten.

  44. Scheinbar waren meine Instinkte
    in der 5. Klasse richtig.
  45. Comics gehören nicht in das Klassenzimmer.
  46. Ich lag wieder falsch.

  47. Nach ein paar Jahren als Lehrer
  48. habe ich das Bildungspotential
    von Comics selbst erlebt.
  49. In einem Semester sollte ich
    für die Algebra 2-Klasse einspringen.
  50. Ich sollte langfristig einspringen
    und ich sagte ja.
  51. Doch zu der Zeit war ich auch zuständig
    für die Bildungstechnologie in der Schule.
  52. Das heißt, alle paar Wochen
  53. verpasste ich ein oder zwei Schulstunden
    dieser Algebra 2-Klasse,
  54. weil ich in einem anderen Klassenzimmer
    Lehrern bei Computerarbeiten half.
  55. Für die Schüler von Algebra 2
    war das schrecklich.
  56. Einen Ersatzlehrer länger zu haben
    ist schlimm genug.
  57. Das Schlimmste ist jedoch
    ein Ersatz für den Ersatzleher.
  58. Um irgendeine Durchgängigkeit
    für meine Schüler zu haben,
  59. filmte ich meine Vorträge.
  60. Ich gab diese Videos meinem Ersatz,
    damit er sie meinen Schülern vorspielt.
  61. Ich versuchte die Videos
    so unterhaltsam wie möglich zu machen.
  62. Ich fügte auch
    kleine Spezialeffekte hinzu.
  63. Wenn ich z.B einen Fall
    an der Tafel gelöst hatte,
  64. dann klatschte ich in meine Hände
  65. und die Tafel war wieder sauber.
  66. (Lachen)

  67. Ich dachte, es war genial

  68. und meine Schüler würden es lieben.
  69. Aber ich lag falsch.
  70. (Lachen)

  71. Diese Videovorträge
    waren eine Katastrophe.

  72. Schüler kamen zu mir und sagten Dinge wie,
  73. „Herr Yang, wir dachten,
    Sie wären langweilig,
  74. aber auf Video sind Sie
    einfach unerträglich.“
  75. (Lachen)

  76. Als verzweifelten zweiten Versuch
    zeichnete ich die Vorträge als Comics.

  77. Das schaffe ich sehr schnell
    mit ein wenig Planung.
  78. Ich nahm meinen Edding,
    zeichnte Einzelbilder,
  79. und überlegte in der Zeit,
    was ich damit lehren wollte.
  80. Meine Vorträge als Comics
    waren vier bis sechs Seiten lang.
  81. Ich kopierte sie, gab sie meinem Ersatz
    und er gab sie meinen Schülern.
  82. Und zu meiner Überraschung
  83. waren die Vorträge als Comics ein Hit.
  84. Meine Schüler baten mich,
    Comics für sie zu machen,
  85. auch wenn ich in der Klasse anwesend war.
  86. Sie mochten meine Comics
    mehr als mich selbst.
  87. (Lachen)

  88. Das überraschte mich, weil mein Schüler

  89. mit Bildschirmen aufgewachsen sind,
  90. deswegen dachte ich,
    dass sie damit lieber lernen
  91. als vom Blatt Papier.
  92. Als ich mit ihnen darüber sprach,
  93. warum ihnen diese Comic-Vorträge
    so gut gefielen,
  94. begann ich das Bildungspotential
    von Comics zu verstehen.
  95. Anders als mathematische Lehrbücher
  96. lehren die Comic-Vorträge bildlich.
  97. Unsere Schüler wachsen
    in einer visuellen Kultur auf.
  98. Sie sind es gewohnt,
    Informationen so aufzunehmen.
  99. Anders als andere visuelle Erzählungen,
  100. wie Film, Fernsehen, Animation oder Video,
  101. sind Comics dauerhaft.
  102. In Comics sind Vergangenheit, Gegenwart
    und Zukunft auf der gleichen Seite.
  103. Die Geschwindigkeit
    des Informationsflusses
  104. liegt also in den Händen des Lesers.
  105. Wenn meine Schüler in den Comic-Vorträgen
    etwas nicht verstanden,
  106. dann konnten sie diese Passage
    in ihrem eigenen Tempo noch einmal lesen.
  107. Als ob ich ihnen eine Fernsteuerung
    für die Informationen gab.
  108. Das galt nicht für meine Video-Vorträge
  109. und nicht für meinen normalen Unterricht.
  110. Wenn ich spreche,
    dann habe ich mein Tempo.
  111. Für einige Schüler
    und einige Informationen
  112. sind die bildlichen und dauerhaften Comics
  113. ein unglaublich gutes
    und wirksames Lehrmittel.
  114. Als ich diese Algebra 2- Klasse lehrte,

  115. machte ich auch meinen Master of Education
    an der California State University.
  116. Diese Erfahrung mit den Comics
    faszinierte mich so sehr,
  117. dass ich meine letzte Masterarbeit
    über Comics schrieb.
  118. Warum lehnen amerikanische Lehrer
    es schon so lange ab,
  119. Comics in ihren Klassen zu verwenden?
  120. Das hier fand ich heraus:
  121. In den 1940er wurden Comics
    erstmals sehr bekannt.

  122. Es wurden monatlich
    Millionen Exemplare verkauft
  123. und Erzieher wurden darauf aufmerksam.
  124. Viele innovative Lehrer brachten
    Comics in ihre Klassenzimmer mit,
  125. um zu experimentieren.
  126. Im Jahr 1944 widmete
    das "Journal of Educational Sociology"
  127. diesem Thema sogar eine ganze Ausgabe.
  128. Die Dinge schienen sich zu entwickeln.
  129. Lehrer begannen, Dinge herauszufinden.
  130. Aber dann kommt dieser Mann.
  131. Er heißt Dr. Fredric Wertham
    und ist Kinderpsychologe.
  132. Er schrieb 1954 das Buch
    "Verführung der Unschuldigen"
  133. Laut seiner Meinung im Buch
    verursachen Comics Jugendkriminalität.
  134. (Lachen)

  135. Er lag falsch.

  136. Dr. Wertham war ein respektabler Mann.
  137. In seiner Karriere arbeitete er
    mit jugendlichen Straftätern.
  138. In seiner Arbeit bemerkte er,
    dass die meisten von denen Comics lesen.
  139. Was Dr. Wertham nicht verstand ist,
    dass in den 1940er und 50er Jahren
  140. fast jedes Kind in Amerika Comics las.
  141. Dr. Wertham hat seinen Fall
    fragwürdig bewiesen.

  142. Aber sein Buch inspirierte
    den Senat der Vereinigten Staaten dazu,
  143. eine Reihe von Anhörungen abzuhalten,
  144. ob Comics tatsächlich
    zu jugendlicher Kriminalität führten.
  145. Diese Anhörungen dauerten
    fast zwei Monate.
  146. Sie endeten ergebnislos,
    schädigten aber den Ruf der Comics
  147. in der US-Öffentlichkeit enorm.
  148. Danach zogen sich
    amerikanische Lehrer zurück

  149. und blieben jahrzehntelang fern.
  150. Erst in den 1970er Jahren
  151. machten sich ein paar mutige Seelen
    auf den Weg zurück.
  152. Erst vor Kurzem,
  153. vielleicht das letzte Jahrzehnt,
  154. ist die Akzeptanz der Comics
    bei amerikanischen Erziehern gestiegen.
  155. Comics und Bilderromane sind endlich
    zurück in den amerikanischen Klassen.

  156. Das passiert sogar in Bischof O'Dowd,
    wo ich früher unterrichtete.
  157. Mr. Smith, ein ehemaliger Kollege,
  158. benutzt Scott McClouds Buch
    "Comics richtig verstehen"
  159. in seiner Literatur- und Filmklasse,
    denn dieses Buch gibt seinen Schülern
  160. das Verständnis zwischen Wort und Bild.
  161. Mr. Burns lässt seine Schüler jedes Jahr
    ein Comic-Aufsatz schreiben,
  162. indem er seine Schüler auffordert,
    Prosa-Romane mit Bildern zu erstellen.
  163. Sie sollen nicht nur
    über die Geschichte nachdenken,
  164. sondern auch darüber,
    wie diese Geschichte erzählt wird.
  165. Frau Murrock nutzt
    mein eigenes „American Born Chinese“
  166. mit ihren Schülern von English 1.
  167. Bilderromane helfen ihr,
  168. Bildungsstandards zu erfüllen.
  169. Der Standard besagt,
    die Schüler sollten analysieren können,
  170. wie visuelle Elemente zur Bedeutung, Ton
    und zur Schönheit eines Textes beitragen.
  171. In der Bücherei stellte Frau Counts
    eine eindrucksvolle Sammlung

  172. von Bilderromanen
    für Bischof O'Dowd zusammen.
  173. Frau Counts und ihre Kollegen
    von der Bücherei
  174. sind begeisterte Befürworter von Comics
  175. seit den frühen 80er Jahren,
    als ein Zeitschriftenartikel angab,
  176. dass die bloße Präsenz
    von Bilderromanen in der Bibliothek
  177. die Nutzung um etwa 80 Prozent erhöhte
  178. und die Verbreitung von anderen Büchern
    um etwa 30 Prozent erhöhte.
  179. Von dem erneuten Interesse
    der amerikanischen Lehrer inspiriert,

  180. erschaffen amerikanische Karikaturisten
    explizit mehr Unterrichtsinhalte
  181. für die Gruppe "Kindergarten
    bis 12. Schuljahr", als jemals zuvor.
  182. Eine Menge davon zielt
    auf Sprach- und Literaturunterricht,
  183. aber immer mehr Comics und Bilderromane
  184. fokussieren sich auf die Themen
    Mathematik und Wissenschaft.
  185. Diese Comics sind wie Neuland,
  186. das allmählich erkundet wird.
  187. Endlich realisiert Amerika,

  188. Comics verursachen
    keine Jugendkriminalität.
  189. (Lachen)

  190. Jeder Erzieher sollte Comics benutzen.

  191. Es gibt keinen guten Grund,
    Comics und Bilderromane
  192. nicht in der Bildung zu verwenden.
  193. Sie lehren visuell.
  194. Sie geben unseren Schülern
    diese Fernbedienung.
  195. Das Bildungspotential wartet nur darauf,
  196. von kreativen Menschen wie Ihnen
    erschlossen zu werden.
  197. Danke.

  198. (Applaus)