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← Nach Milliarden von Jahren der Monotonie erwacht das Universum

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Showing Revision 24 created 05/26/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. Ich freue mich sehr, mit Ihnen
    über diese Hightech-Methode zu sprechen.
  2. Von allen Menschen, die je gelebt haben,
  3. würde die überwiegende Mehrheit
    das, was wir hier machen,
  4. für unbegreiflich, unglaublich, halten.
  5. Denn für tausende von Jahrhunderten,

  6. in der dunklen Zeit
    vor der wissenschaftlichen Revolution
  7. und der Aufklärung,
  8. hatten Menschen niedrige Erwartungen.
  9. Für ihr Leben und für
    das Leben ihrer Nachkommen.
  10. Typischerweise erwarteten sie
  11. nichts wesentlich Neues
    oder Besseres jemals zu erreichen.
  12. Dieser Pessimismus
    erscheint bekanntlich in der Bibel,
  13. in einer der wenigen biblischen
    Textstellen mit einem bekannten Autor.
  14. Er heißt Qohelet,
    er ist ein rätselhafter Kerl.
  15. Er schrieb: "Was gewesen ist,
    ist, was sein wird,
  16. und was getan wurde, ist, was getan wird;
  17. es geschieht nichts Neues
    unter der Sonne."
  18. Gibt es etwas, von dem man sagt:
    "Schau, das ist neu."?
  19. Nein, diese Dinge waren bereits in
    den Zeiten, die vor uns lagen, erledigt.
  20. Qohelet beschrieb eine Welt ohne Neuheit.

  21. Mit Neuheit meine ich etwas Neues
    in Qohelets Sinne,
  22. nicht nur etwas, das sich verändert hat,
  23. sondern eine signifikante Änderung
    mit nachhaltiger Wirkung,
  24. wo die Leute wirklich sagen würden:
  25. "Schau, das ist neu",
  26. und, vorzugsweise, "gut".
  27. Also rein willkürliche Änderungen
    sind keine Neuheit.
  28. Heraklit sagte, dass ein Mensch nicht
    zwei Mal in denselben Fluss treten kann,
  29. weil es nicht derselbe Fluss
    ist, er ist nicht derselbe Mensch.
  30. Doch wenn sich der Fluss zufällig ändert,
  31. ist es wirklich derselbe Fluss.
  32. Im Gegensatz dazu,

  33. wenn sich eine Idee von einem
    Kopf in andere Köpfe ausbreitet,
  34. und das Leben vieler Generationen ändert,
  35. ist das eine Neuheit.
  36. Menschliches Leben ohne Neuheit
  37. ist ein Leben ohne Kreativität,
    ohne Fortschritt.
  38. Es ist eine statische Gesellschaft,
    ein Nullsummenspiel.
  39. Das war die Hölle auf Erden,
    in der Qohelet lebte.
  40. Wie jeder andere, bis vor
    ein paar Jahrhunderten.
  41. Es war die Hölle, weil für Menschen
  42. Leiden eng mit Statik zusammenhängt.
  43. Da Statik nicht nur frustrierend ist.
  44. Alle Formen des Leidens --
  45. Hungersnot, Pandemien, kommende Asteroiden
  46. und Dinge wie Krieg und Versklavung
    verletzen Menschen,
  47. bis wir das Wissen aufgebaut haben,
    um sie zu vermeiden.
  48. Es gibt eine Geschichte in Somerset
    Maughams Roman "Of Human Bondage"

  49. über einen alten Weisen,
  50. der die gesamte Menschheitsgeschichte
  51. als "Er wurde geboren,
  52. er litt und ist dann
    gestorben" zusammenfasst.
  53. Und es geht weiter:
  54. "Das Leben war unbedeutend
    und der Tod ohne Folgen."
  55. In der Tat hatte die große Mehrheit
    der Menschen, die je gelebt haben,
  56. ein Leben voller Leid und mühsamer Arbeit,
  57. bevor sie jung und qualvoll starben.
  58. Und ja, in den meisten Generationen
  59. hatte nichts neuartige Folgen
    für nachfolgende Generationen.
  60. Nichtsdestotrotz, wenn antike Menschen
    versuchten ihren Zustand zu erklären,

  61. taten sie es typischerweise
    in grandiosen kosmischen Ausdrücken.
  62. Was das Richtige war,
    wie sich herausstellte.
  63. Obwohl ihre unmittelbaren
    Erklärungen, ihre Mythen,
  64. größtenteils falsch waren.
  65. Manche versuchten die Grimmigkeit
  66. und Monotonie ihrer Welt,
  67. im Sinne eines endlosen Krieges
    zwischen Gut und Böse zu erklären,
  68. in denen Menschen das Schlachtfeld waren.
  69. Was recht genau erklärt, wieso ihre
    eigene Erfahrung voller Leid war
  70. und weshalb Fortschritt nie stattfand.
  71. Doch das war nicht wahr.
  72. Erstaunlicherweise waren

  73. alle ihre Konflikte und ihr Leid
  74. auf die Art und Weise wie sie Ideen
    verarbeiteten zurückzuführen.
  75. Mit einem Glaubenssatz und gerade
    solchen Geschichten zufrieden zu sein,
  76. anstatt sie zu kritisieren
  77. und zu versuchen bessere Erklärungen
    für die Welt und ihren Zustand anzunehmen.
  78. Physiker aus dem zwanzigsten Jahrhundert
    entwickelten bessere Erklärungen,
  79. aber weiterhin im Sinne
    des komischen Krieges.
  80. Diesmal waren die Kämpfer
    Ordnung und Chaos oder Entropie.
  81. Diese Geschichte lässt
    Hoffnungen für die Zukunft zu.
  82. Aber andererseits
  83. ist es noch düsterer
    als die antiken Mythen,
  84. weil der Bösewicht, die Entropie,
  85. vorbestimmt ist, den
    endgültigen Sieg zu erringen,
  86. wenn die unerbittlichen
    Gesetze der Thermodynamik
  87. alle Neuheiten stilllegen.
  88. mit dem sogenannten Hitzetod
    des Universums.
  89. Derzeit gibt es eine Geschichte über
    eine lokale Schlacht in diesem Krieg,

  90. zwischen Nachhaltigkeit, die Ordnung ist,
  91. und Verschwendung, welche Chaos ist --
  92. das ist die zeitgenössische
    Auffassung über Gut und Böse,
  93. oft mit dem gewissen Extra,
    dass Menschen das Böse sind,
  94. also sollten wir nicht einmal
    versuchen zu gewinnen.
  95. Unlängst gab es Geschichten
  96. über einen anderen komischen Krieg
  97. zwischen der Schwerkraft,
    die das Universum zum Einsturz bringt,
  98. und der dunklen Energie,
    die es schließlich vernichtet.
  99. Diesmal werden wir,
  100. egal welche dieser
    komischen Kräfte gewinnt,
  101. also verlieren.
  102. All diese pessimistische Berichte
    über den menschlichen Zustand

  103. enthalten etwas Wahrheit,
  104. jedoch als Prophezeiungen
  105. sind sie alle irreführend
    und das alles aus demselben Grund.
  106. Keins von denen stellt die Menschen
    dar wie sie wirklich sind.
  107. Wie Jacob Bronowski sagte:
  108. "Der Mensch ist keine Figur
    in der Landschaft --
  109. er ist der Gestalter der Landschaft."
  110. In anderen Worten
  111. sind Menschen kein Spielzeug
    der komischen Kräfte.
  112. Wir sind die Anwender komischer Kräfte.
  113. Ich werde gleich mehr darüber sagen,
  114. doch zuerst: Welche Art von
    Dingen schafft Neuheit?
  115. Na ja, der Beginn des Universums
    tat dies ganz sicher.
  116. Der Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren

  117. schaffte Raum, Zeit und Energie,
  118. alles Physische.
  119. Und dann sofort,
  120. was ich die erste Ära der Neuheit nenne,
  121. das erste Atom, der erste Stern,
  122. das erste schwarze Loch,
  123. die erste Galaxie.
  124. Aber dann verschwand irgendwann
  125. die Neuheit aus dem Universum.
  126. Möglicherweise gab es vor
    12 oder 13 Billionen Jahren
  127. bis hin in die Gegenwart
  128. noch nie eine neue Art von
    astronomischem Objekt.
  129. Es existierte lediglich, was ich
    die große Monotonie nenne.
  130. Also hatte Qohelet aus Versehen
    sogar noch mehr Recht,
  131. was das Universum
    hinter der Sonne betrifft,
  132. als er es über dasjenige
    unter der Sonne hatte.
  133. So lange wie die große Monotonie anhielt,
  134. ist wirklich das, was sein wird,
  135. das was so lange draußen gewesen ist.
  136. Und es gibt nichts da draußen,
  137. von dem aufrichtig gesagt werden
    kann: "Schau, das ist neu."
  138. Nichtsdestotrotz

  139. gab es ab einem bestimmten Punkt
    während der großen Monotonie
  140. eine Veranstaltung --
    unbedeutend zu der Zeit.
  141. Auch Milliarden Jahre später
  142. hat es nichts hinter seinem
    Heimatplaneten beeinflusst.
  143. Aber letztendlich könnte es zu kosmisch
    bedeutsamen Neuerungen führen.
  144. Das Ereignis war der Ursprung des Lebens:
  145. Schaffung des ersten genetischen Wissens,
  146. Kodierung für biologische Anpassungen,
  147. Kodierung für Neuerungen.
  148. Auf der Erde hat es die Oberfläche
    völlig transformiert.
  149. Gene in den DNA einzelliger Organismen
  150. brachten Sauerstoff in die Luft,
  151. extrahierten CO2,
  152. legten Kreide und Eisenerz in den Boden.
  153. Kaum ein Kubikzentimeter der Oberfläche
    ist bis zu einer gewissen Tiefe
  154. von diesen Genen unberührt geblieben.
  155. Die Erde wurde, wenn nicht ein neuer
    Ort auf dem kosmischen Maßstab,
  156. sicherlich komischer.
  157. Nur als Beispiel: jenseits der Erde

  158. wurden nur wenige hundert verschiedene
    chemische Substanzen entdeckt.
  159. Vermutlich gibt es noch einige mehr
    an unbelebten Orten,
  160. aber auf der Erde
  161. hat die Evolution Milliarden von
    verschiedenen Chemikalien erschaffen.
  162. Und danach die ersten Pflanzen, Tiere,
  163. und dann, in einer unserer
    Vorfahren-Arten,
  164. erklärendes Wissen.
  165. Zum ersten Mal im Universum
    für alles, was wir wissen,
  166. ist erklärendes Wissen die entscheidende
    Anpassung unserer Spezies.
  167. Es unterscheidet sich vom
    nicht-erklärenden Wissen,
  168. zum Beispiel in der DNA,
  169. indem sie sehr vielseitig ist.
  170. Das heißt, was auch immer
    zu verstehen ist,
  171. kann auch über erklärendes
    Wissen verstanden werden.
  172. Und mehr noch, jeder physikalische Prozess
  173. kann durch solches Wissen
    kontrolliert werden,
  174. lediglich eingeschränkt durch
    die Gesetze der Physik.
  175. Und so fing das erklärende Wissen
  176. auch an, die Oberfläche
    der Erde zu verändern.
  177. Und bald wird die Erde das einzige
    bekannte Objekt im Universum sein,
  178. das eingehende Asteroiden beiseite
    schiebt, anstatt sie anzuziehen.
  179. Qohelet wurde verständlicherweise

  180. durch die schmerzhafte Langsamkeit des
    Fortschritts in seiner Zeit irregeführt.
  181. Die Neuheit im menschlichen Leben
    war noch zu selten, zu allmählich,
  182. um in einer Generation erkannt zu werden.
  183. Und in der Biosphäre
  184. war die Evolution von neuen Spezies
    sogar umso langsamer.
  185. Doch beide Dinge sind passiert.
  186. Nun, warum gibt es eine große Monotonie
    im Universum insgesamt,

  187. und was veranlasst unseren Planeten,
    diesem Trend zu widerstehen?
  188. Das Universum insgesamt
    ist relativ simpel.
  189. Sterne sind so simpel,
  190. dass wir ihr Verhalten Billionen von
    Jahren in die Zukunft vorhersehen
  191. und rückwirkend darstellen können,
    wie sie entstanden.
  192. Also wieso ist das Universum so einfach?
  193. Im Prinzip, weil große,
    massive, mächtige Sachen
  194. sich stark auf kleinere Dinge auswirken,
    und nicht umgekehrt.
  195. Ich nenne es die Hierarchieregel.
  196. Zum Beispiel, wenn ein Komet
    die Sonne trifft,
  197. geht die Sonne weiter wie bisher,
  198. doch der Komet ist verpufft.
  199. Aus demselben Grund
  200. werden große Dinge nicht viel von
    eigenen kleinen Teilen beeinflusst,
  201. zum Beispiel von Details.
  202. Was bedeutet, dass ihr gesamtes
    Verhalten simpel ist.
  203. Und weil Dingen, die simpel bleiben,
  204. nicht sehr viel Neues passieren kann,
  205. hat die Hierarchieregel durch
    die Erzeugung großer Vereinfachung
  206. die große Monotonie veranlasst.
  207. Aber die rettende Gnade ist,
  208. dass die Hierarchieregel
    kein Naturgesetz ist.
  209. Es funktioniert bisher nur
    zufällig gut im Universum,
  210. außer hier.
  211. In unserer Biosphäre kontrollieren
    molekülgroße Objekte, Gene,

  212. weit überproportionale Ressourcen.
  213. Die ersten Gene für die Photosynthese,
  214. indem sie ihre eigene
    Proliferation verursachen
  215. und dann die Oberfläche
    des Planeten transformieren,
  216. haben die Hierarchie-Regel
  217. um den atemberaubenden Faktor 10
    hoch 40 verletzt oder umgekehrt.
  218. Erklärendes Wissen
    ist potenziell weitaus mächtiger,
  219. wegen der Universalität
  220. und es wird schneller erzeugt.
  221. Wenn menschliches Wissen
    den Faktor 10 hoch 40 erreicht,
  222. wird es so ziemlich das gesamte
    Universum kontrollieren
  223. und darüber hinaus.
  224. Also sind Menschen

  225. und alle anderen erklärenden Wesen,
    die da draußen existieren,
  226. die ultimativen Agenten der Neuheit
    für das Universum.
  227. Wir sind der Grund und das Mittel,
  228. mit dem Neuheit, Kreativität,
    Wissen und Fortschritt
  229. objektive, große physische
    Auswirkungen haben können.
  230. Aus menschlicher Sicht
  231. ist die stetige Schaffung von neuen Ideen,
  232. Verhalten und neue Arten von Objekten,
    die einzige Alternative
  233. zu dieser lebenden Hölle
    der statischen Gesellschaft.
  234. Dieser Roboter wird bald obsolet sein,
  235. wegen neuem erklärenden
    Wissen und Fortschritt.
  236. Doch von der kosmischen Perspektive

  237. ist erklärendes Wissen
    der Erzfeind der Hierarchieregel.
  238. Es ist der Zerstörer der großen Monotonie.
  239. Es ist also der Schöpfer der nächsten
    kosmologischen Ära,
  240. das Anthropozän.
  241. Wenn man vom komischen Krieg
    sprechen kann, ist es nicht derjenige,
  242. der in diesen pessimistischen
    Geschichten dargestellt wird.
  243. Es ist ein Krieg zwischen
    Monotonie und Neuheit,
  244. zwischen Stillstand und Kreativität.
  245. Und in diesem Krieg
  246. ist unsere Seite nicht
    verdammt zu verlieren.
  247. Wenn wir uns dafür entscheiden,
    unsere einzigartige Fähigkeit
  248. zur Schaffung von erklärendem
    Wissen einzusetzen,
  249. können wir gewinnen.
  250. Danke.

  251. (Applaus)