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Showing Revision 8 created 08/07/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. 1970 wurde Marihuana in den USA
    als Klasse-1-Droge eingestuft,
  2. also der strengsten Kategorie zugeteilt.
  3. Diese Droge war demnach vollkommen illegal
    und hatte keinen medizinischen Nutzen.
  4. Diese Ansicht bestand
    über Jahrzehnte hinweg,
  5. was es schwerer machte, ihre Wirkung
    und Funktionsweise zu erforschen.
  6. Heute ist der therapeutische Nutzen
    von Marihuana weitgehend anerkannt,
  7. und einige Länder haben seine
    medizinische Nutzung legalisiert
  8. oder erwägen diesen Schritt.
  9. Trotz dieser steigenden Anerkennung
    bleibt eine Frage jedoch weiterhin offen:
  10. Schadet die freizeitliche Nutzung
    von Marihuana unserem Gehirn?
  11. Marihuana wirkt auf unser
    endocannabinoides System,
  12. dessen Rezeptoren überall
    im Gehirn und Körper liegen.
  13. Körpereigene Moleküle,
    sogenannte Endocannabinoide,
  14. wirken ebenfalls auf diese Rezeptoren.
  15. Wir haben das endocannabinoide System
    noch nicht ganz entschlüsselt,
  16. aber ein Merkmal weist stark
    darauf hin, wie es funktioniert.
  17. Die meisten Neurotransmitter wandern
    über eine Synapse von Neuron zu Neuron,
  18. um eine Nachricht zu übermitteln.
  19. Endocannabinoide hingegen wandern
    in die entgegengesetzte Richtung.
  20. Wenn eine Nachricht
    von einem Neuron zum nächsten gelangt,
  21. schüttet das Empfängerneuron
    Endocannabinoide aus.
  22. Diese strömen zurück zum Senderneuron,
    um es zu beeinflussen.
  23. Sie geben ihm im Grunde Rückmeldung
    vom Empfängerneuron.
  24. Deshalb glauben Wissenschaftler,
    dass das endocannabinoide System
  25. hauptsächlich dazu dient,
    andere Signale zu regulieren:
  26. Die einen verstärkt es,
    die anderen schwächt es ab.
  27. Das Feedback von Endocannabinoiden
    verlangsamt den neuronalen Signalverkehr,
  28. aber nicht unbedingt
    das Verhalten oder die Wahrnehmung.
  29. Wird zum Beispiel ein Signal verlangsamt,
    das den Geruchssinn hemmt,
  30. werden Gerüche womöglich
    sogar intensiver wahrgenommen.
  31. Marihuana besteht hauptsächlich
    aus zwei aktiven Stoffen:
  32. Tetrahydrocannabinol, oder THC,
  33. und Cannabidiol beziehungsweise CBD.
  34. THC soll der Hauptauslöser
    der psychoaktiven Wirkung von Marihuana
  35. auf Verhalten, Kognition
    und Wahrnehmung sein.
  36. CBD hingegen verursacht
    die nichtpsychoaktiven Effekte.
  37. Wie Endocannabinoide
    verlangsamt THC den Signalverkehr,
  38. indem es an Cannabinoidrezeptoren andockt.
  39. Dies tut es aber an vielen Stellen in
    diesem weitläufigen System gleichzeitig.
  40. Endocannabinoide wiederum werden
    nur an bestimmten Stellen ausgeschüttet,
  41. als Reaktion auf bestimmte Stimuli.
  42. Diese umfassenden Aktivitäten
    sowie die Tatsache,
  43. dass das endocannabinoide System
    indirekt viele andere Systeme beeinflusst,
  44. haben zur Folge, dass die Gehirnchemie,
    Gene und Lebenserfahrungen der Menschen
  45. ihre Reaktion auf die Droge
    stark beeinflussen.
  46. Für Marihuana gilt das mehr
    als für andere Drogen,
  47. die auf eine oder wenige
    bestimmte Weisen wirken.
  48. Wenn es also überhaupt
    schädliche Effekte gibt,
  49. variieren sie deutlich
    von Person zu Person.
  50. Wir wissen zwar nicht,
  51. wie genau Marihuana bestimmte
    schädliche Wirkungen produziert,
  52. aber es gibt klare Risikofaktoren,
    die es wahrscheinlicher machen,
  53. dass jemand sie verspürt.
  54. Das eindeutigste Risiko ist das Alter.
  55. In unter 25-Jährigen
    kommen Cannabinoid-Rezeptoren
  56. konzentrierter in der weißen Substanz vor
    als in über 25-Jährigen.
  57. Die weiße Substanz spielt
    beim Kommunizieren, Lernen,
  58. beim Erinnerungsvermögen
    und bei Gefühlen eine Rolle.
  59. Ein häufiger Konsum von Marihuana kann
    die Entstehung von Leitungsbahnen stören
  60. und die Bildung neuer Verbindungen
    durch das Gehirn beeinflussen.
  61. Dies kann es schwerer für uns machen,
    lange zu lernen und Probleme zu lösen.
  62. Es ist noch unklar,
    wie schwer dieser Schaden sein kann
  63. oder ob er umkehrbar ist.
  64. Selbst unter jüngeren Menschen
    ist das Risiko höher,
  65. je jünger man ist.
  66. Bei 15-Jährigen ist es zum Beispiel
    viel höher als bei 22-Jährigen.
  67. Marihuana kann zudem Halluzinationen
    oder paranoide Wahnvorstellungen auslösen.
  68. Bei durch Marihuana
    herbeigeführten Psychosen
  69. klingen die Symptome generell ab,
    wenn die Betroffenen den Konsum stoppen.
  70. In seltenen Fällen
    bestehen die Psychosen jedoch fort
  71. und verweisen stattdessen
    auf eine dauerhafte psychotische Störung.
  72. Kommen Störungen wie Schizophrenie
    in der Familie häufig vor,
  73. ist das der klarste Risikofaktor,
    wenngleich nicht der einzige.
  74. Marihuana ruft zudem häufiger Psychosen
    in jungen Erwachsenen hervor,
  75. wobei psychotische Störungen
    sowieso eher in diesem Alter auftreten.
  76. In solchen Fällen ist unklar,
    ob die psychotische Störung
  77. auch ohne Marihuana aufgetreten wäre --
  78. ob Marihuana sie früher auslöst,
  79. ein Katalysator für eine Schwelle ist,
    die sonst nicht überschritten worden wäre,
  80. oder ob die Reaktion auf Marihuana
  81. lediglich auf eine
    zugrundeliegende Störung hinweist.
  82. Höchstwahrscheinlich zeigt Marihuana
    je nach Mensch andere Wirkungen.
  83. Wie bei vielen anderen Drogen
    reagieren Gehirn und Körper
  84. bei wiederholtem Konsum
    von Marihuana immer schwächer.
  85. Man braucht also mehr davon,
    um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  86. Anders als bei vielen Drogen
    kann man bei Marihuana jedoch
  87. zum Glück nicht
    an einer Überdosis sterben,
  88. und selbst nach extremem Konsum
    treten keine schwächenden
  89. oder lebensbedrohlichen
    Entzugserscheinungen auf.
  90. Dennoch geht Marihuana-Entzug
    mit eher subtilen Symptomen einher,
  91. darunter Schlafstörungen,
    Reizbarkeit und depressive Stimmungen.
  92. Diese klingen nach ein paar Wochen ab.
  93. Ist Marihuana also
    nun schlecht für dein Gehirn?
  94. Kommt ganz darauf an, wer du bist.
  95. Einige Risikofaktoren
    können wir zwar leicht ausmachen,
  96. andere verstehen wir aber nicht so genau.
  97. Daher ist es immer möglich,
    dass man negative Wirkungen verspürt,
  98. selbst wenn man von keinem
    bekannten Risikofaktor betroffen ist.