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← Meine Identität ist eine Supermacht -- kein Hindernis

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29 llengües

Showing Revision 20 created 07/14/2020 by Sonja Maria Neef.

  1. Auf den roten Fliesen
    im Wohnzimmer meiner Familie
  2. tanzte und sang ich
    zum Fernsehfilm "Gypsy"
  3. mit Bette Midler.
  4. (Gesang) "Ich hatte einen Traum.

  5. Einen wunderbaren Traum, Papa."
  6. Ich sang es mit der Dringlichkeit
    und dem brennenden Wunsch

  7. einer Neunjährigen,
    die in der Tat einen Traum hatte.
  8. Mein Traum war es,
    Schauspielerin zu werden.
  9. Und es ist wahr, dass ich nie jemanden
    im Fernsehen oder in Filmen sah,
  10. der so aussah wie ich,
  11. und natürlich warnten mich meine Familie,
    Freunde und Lehrer ständig,
  12. dass Leute wie ich es in Hollywood
    nicht schaffen würden.
  13. Aber ich war Amerikanerin.
  14. Mir wurde beigebracht zu glauben,
    dass jeder alles erreichen kann,
  15. unabhängig von der Hautfarbe,
  16. der Tatsache, dass meine Eltern
    aus Honduras eingewandert sind,
  17. der Tatsache, dass ich kein Geld hatte.
  18. Mein Traum musste nicht einfach sein,
  19. er musste nur möglich sein.
  20. Und als ich 15 war,

  21. bekam ich mein erstes
    professionelles Vorsprechen.
  22. Es war ein Werbespot für Kabelabonnements
  23. oder Kautionsanleihen,
    ich kann mich nicht wirklich erinnern.
  24. (Gelächter)

  25. Woran ich mich erinnere, ist,
    dass mich die Casting-Direktorin fragte:

  26. "Könntest du das wiederholen, aber
    versuch diesmal mehr Latina zu klingen."
  27. "Ähm, okay.

  28. Sie wollen also, dass ich es
    auf Spanisch vorführe?" fragte ich.
  29. "Nein, nein, mach es auf Englisch,
    aber kling einfach Latina."

  30. "Nun, ich bin eine Latina,
    klingt daher eine Latina nicht so?"

  31. Es herrschte eine lange
    und peinliche Stille

  32. und dann schließlich:
  33. "Okay, Schatz, egal,
    danke fürs Kommen, tschüss!"
  34. Ich brauchte den Großteil der Autofahrt
    nach Hause, um zu begreifen,

  35. dass sie mich mit
    "kling mehr Latina" bat,
  36. in gebrochenem Englisch zu sprechen.
  37. Und ich konnte mir nicht erklären,
    warum die Tatsache,
  38. dass ich eine echte, reale,
    authentische Latina war,
  39. nicht wirklich eine Rolle
    zu spielen schien.
  40. Wie auch immer, ich bekam den Job nicht.

  41. Ich bekam nicht viele der Rollen, in denen
    Leute bereit waren, mich zu sehen:
  42. die Freundin des Gangmitglieds,
  43. die freche Ladendiebin,
  44. die schwangere Chola Nummer zwei.
  45. (Gelächter)

  46. Das waren die Art von Rollen,
    auf die jemand wie ich beschränkt war.

  47. Jemanden, den sie als zu braun, zu dick,
  48. zu arm, zu unkultiviert betrachteten.
  49. Diese Rollen waren Stereotypen
  50. und hätten meiner eigenen Realität oder
    den Traumrollen, die ich spielen wollte,
  51. nicht weniger entsprechen können.
  52. Ich wollte Menschen spielen,
    die komplex und mehrdimensional waren,
  53. Menschen, die im Mittelpunkt
    ihres eigenen Lebens standen,
  54. nicht Pappfiguren, die im Hintergrund
    des Lebens anderer standen.
  55. Aber als ich es wagte,
    das meinem Manager zu sagen --

  56. das ist die Person,
    die dafür bezahlt wird,
  57. mir bei der Arbeitssuche zu helfen --
    war seine Antwort:
  58. "Jemand muss diesem Mädchen sagen,
    dass sie unrealistische Erwartungen hat."
  59. Und er hatte nicht Unrecht.
  60. Ich meine, ich habe ihn gefeuert,
    aber er hatte nicht Unrecht.
  61. (Gelächter)

  62. (Applaus)

  63. Denn wann immer ich versuchte,
    eine Rolle zu bekommen,

  64. die kein schlecht geschriebenes
    Stereotyp war, hörte ich:
  65. "Wir wollen diese Rolle
    nicht multikulturell besetzen."
  66. Oder: "Wir lieben sie,
    aber sie ist zu spezifisch ethnisch."
  67. Oder: "Leider haben wir bereits
    einen Latino in diesem Film."
  68. Ich erhielt die gleiche Antwort immer
    und immer und immer wieder.
  69. Dass meine Identität ein Hindernis war,
    das ich überwinden musste.
  70. Und so dachte ich:
  71. "Komm auf mich zu, Hindernis.
  72. Ich bin Amerikanerin. Ich heiße America.
  73. Ich habe mein ganzes Leben
    dafür trainiert,
  74. ich werde einfach
    dem Trainingsplan folgen,
  75. ich werde härter arbeiten."
  76. Und das tat ich auch, ich arbeitete hart,
  77. um all die Makel zu beseitigen,
    die ich laut anderen hatte.
  78. Ich blieb der Sonne fern,
    damit meine Haut nicht zu braun wurde,
  79. Ich glättete meine Locken,
    bis sie gefügig waren.
  80. Ich versuchte ständig, abzunehmen,
  81. ich kaufte schickere
    und teurere Klamotten,
  82. nur damit die Leute bei meinem Anblick
  83. keine zu fette, zu braune,
    zu arme Latina sahen.
  84. Sie würden sehen, wozu ich fähig war.
  85. Und vielleicht würden sie mir
    eine Chance geben.
  86. Und als ich in einer ironischen
    Wendung des Schicksals

  87. endlich eine Rolle bekam,
    die all meine Träume erfüllen würde,
  88. war es eine Rolle, die von mir verlangte,
    genau so zu sein, wie ich war.
  89. Ana in "Echte Frauen haben Kurven"
  90. war eine braune, arme, fette Latina.
  91. Ich hatte noch nie jemanden wie sie,
    jemanden wie mich gesehen,
  92. die im Mittelpunkt ihrer eigenen
    Lebensgeschichte stand.
  93. Mit diesem Film bin ich durch die USA
  94. und in mehrere Länder gereist,
  95. wo Menschen, unabhängig von Alter,
    ethnischer Zugehörigkeit, Körperbau,
  96. sich selbst in Ana sahen.
  97. Ein 17-jähriges, molliges,
    mexikanisch-amerikanisches Mädchen,
  98. das gegen kulturelle Normen kämpft,
  99. damit sie sich ihren unwahrscheinlichen
    Traum erfüllen kann.
  100. Trotz allem, was mir mein Leben lang
    gesagt wurde, sah ich aus erster Hand,

  101. dass man tatsächlich Geschichten
    über Menschen wie mich sehen wollte,
  102. und dass meine
    unrealistischen Erwartungen,
  103. mich in der Kultur
    authentisch dargestellt zu sehen,
  104. auch den Erwartungen
    anderer Menschen entsprachen.
  105. "Echte Frauen haben Kurven"
  106. war ein kritischer, kultureller
    und finanzieller Erfolg.
  107. "Großartig", dachte ich,
    "wir haben es geschafft!
  108. Wir haben bewiesen,
    dass unsere Geschichten Wert haben.
  109. Die Dinge werden sich jetzt ändern."
  110. Aber ich beobachtete,
    wie sehr wenig geschah.

  111. Es gab keinen Wendepunkt.
  112. Niemand in der Filmindustrie
    stürzte sich darauf, mehr Geschichten
  113. über das Publikum zu erzählen, das hungrig
    und bereit war, dafür zu zahlen.
  114. Vier Jahre später, als ich die Hauptrolle
    in "Alles Betty!" spielte,

  115. erlebte ich dasselbe Phänomen.
  116. "Alles Betty!" feierte in den USA
    vor 16 Millionen Zuschauern Premiere
  117. und wurde im ersten Jahr
    für 11 Emmys nominiert.
  118. (Applaus)

  119. Aber trotz des Erfolgs von "Alles Betty!"

  120. würde es in den nächsten acht Jahren
  121. keine weitere TV-Sendung
    im amerikanischen Fernsehen geben,
  122. die eine Latina in der Hauptrolle zeigte.
  123. Es ist 12 Jahre her,
  124. dass ich die erste und einzige Latina war,
  125. die jemals einen Emmy
    in einer Hauptkategorie gewann.
  126. Es geht hier nicht um Stolz.
  127. Es bereitet Anlass zur tiefen Frustration.
  128. Nicht weil Auszeichnungen
    unseren Wert beweisen,
  129. sondern weil diejenigen,
    die in der Welt sichtlich Erfolg haben,
  130. uns lehren, wie wir uns selbst sehen,
  131. wie wir über unseren eigenen
    Wert nachdenken
  132. und wie wir von
    unserer Zukunft träumen können.
  133. Und jedes Mal, wenn ich
    daran zu zweifeln beginne,

  134. erinnere ich mich, dass im Swat-Tal
    von Pakistan ein kleines Mädchen lebte.
  135. Und irgendwie bekam sie einige DVDs
  136. einer amerikanischen
    Fernsehshow in die Hände,
  137. in der sich ihr eigener Traum,
  138. Schriftstellerin zu werden,
    widerspiegelte.
  139. In ihrer Autobiografie schrieb Malala:
  140. "Ich hatte mich
    für Journalismus interessiert,
  141. nachdem ich sah, wie meine
    eigenen Worte etwas bewirken konnten,
  142. und nachdem ich mir
    die "Alles Betty!" DVDs
  143. über den Alltag bei
    einer amerikanischen Zeitschrift ansah."
  144. (Applaus)

  145. In den 17 Jahren meiner Karriere

  146. habe ich erlebt, welche Macht
    unsere Stimmen haben,
  147. wenn sie in der Kultur vertreten sind.
  148. Ich habe es gesehen.
  149. Ich habe es durchlebt,
    wir haben es alle gesehen.
  150. In der Unterhaltungsindustrie,
    in der Politik,
  151. in der Wirtschaft, im sozialen Wandel.
  152. Wir können es nicht leugnen --
    Präsenz schafft Möglichkeiten.
  153. Aber in den letzten 17 Jahren
    habe ich auch
  154. die gleichen Ausreden dafür gehört,
  155. warum einige von uns
    in der Kultur vertreten sein können
  156. und andere nicht.
  157. Unsere Geschichten hätten kein Publikum,
  158. unsere Erfahrungen fänden
    im Mainstream keine Resonanz,
  159. unsere Stimmen seien
    ein zu großes finanzielles Risiko.
  160. Erst vor ein paar Jahren
    rief mein Agent an,

  161. um mir zu erklären, warum ich
    eine Filmrolle nicht bekommen würde.
  162. Er sagte: "Sie haben dich geliebt
  163. und wollen die Rollen wirklich
    multikulturell besetzen,
  164. aber der Film ist nicht finanzierbar,
  165. solange sie nicht zuerst
    die weiße Rolle besetzt haben."
  166. Er übermittelte die Nachricht
    mit gebrochenem Herzen
  167. und mit einem Tonfall, der aussagte:
    "Ich verstehe, wie verkorkst das ist."
  168. Aber trotzdem spürte ich wie
    schon hunderte Male zuvor
  169. die Tränen über mein Gesicht liefen.
  170. Und der Schmerz
    der Ablehnung ergriff mich
  171. und dann die Stimme der Scham,
    die mich ausschimpfte:
  172. "Du bist eine erwachsene Frau,
    hör auf, wegen eines Jobs zu weinen."
  173. Jahrelang durchlief ich diesen Prozess,
  174. bei dem ich akzeptierte,
    dass das Scheitern bei mir lag,
  175. und ich mich dann zutiefst schämte,
  176. dass ich die Hindernisse
    nicht überwinden konnte.
  177. Aber diesmal hörte ich eine neue Stimme.

  178. Eine Stimme, die sagte: "Ich bin müde.
  179. Ich habe genug davon."
  180. Eine Stimme, die verstand,
    dass es bei meinen Tränen
  181. und meinem Schmerz nicht um
    den Verlust eines Jobs ging.
  182. Es ging um das, was tatsächlich
    über mich gesagt wurde,
  183. was Führungskräfte und Produzenten
  184. und Regisseure und Drehbuchautoren
  185. und Agenten und Manager
    und Lehrer und Freunde
  186. und Familie mein ganzes Leben lang
    über mich gesagt haben:
  187. Dass ich eine Person
    von geringerem Wert sei.
  188. Ich dachte, Sonnenschutzmittel
    und Glätteisen
  189. würden dieses tief verwurzelte
    Wertesystem verändern.

  190. In diesem Moment wurde mir jedoch klar,
  191. dass ich eigentlich nie
    eine Änderung des Systems forderte.
  192. Ich bat darum, teilzunehmen,
    und das ist nicht dasselbe.
  193. Ich konnte nicht ändern,
    was ein System von mir dachte,
  194. solange ich immer noch glaubte,
    was das System von mir dachte.
  195. Und das tat ich.
  196. Wie alle um mich herum
    hielt ich es für unmöglich,
  197. in meinem Traum
    zu existieren, so wie ich war.
  198. Und ich versuchte,
    mich unsichtbar zu machen.
  199. Dadurch wurde mir klar,
  200. dass eine Person sich wirklich
    Veränderungen wünschen kann,
  201. während ihre Handlungen
    den aktuellen Zustand bewahren.
  202. Deshalb bin ich der Ansicht,
    dass Veränderungen nicht
  203. durch die Identifizierung der Guten
    und der Bösen eintreten werden.
  204. Dieses Argument entbindet uns alle
    von unserer Verantwortung,
  205. denn die meisten von uns sind
    weder das eine noch das andere.
  206. Veränderungen werden eintreten,
  207. wenn jeder von uns den Mut hat,
  208. seine eigenen grundlegenden Werte
    und Überzeugungen zu hinterfragen.

  209. Und dann dafür zu sorgen,
    dass unser Handeln
  210. unsere besten Absichten zur Folge haben.
  211. Ich bin nur einer von Millionen Menschen,
  212. denen gesagt wurde, dass ich zur
    Verwirklichung meiner Träume,
  213. zum Einsatz meiner Talente in der Welt,
  214. der Wahrheit meiner Person
    widersetzen muss.
  215. Ich jedenfalls bin bereit,
    mit dem Widerstand aufzuhören
  216. und als mein volles
    und authentisches Selbst zu leben.
  217. Wenn ich zurückgehen und
    der Neunjährigen, die im Wohnzimmer tanzt
  218. und ihre Träume träumt,
    etwas mitteilen könnte,
  219. würde ich sagen:

  220. Meine Identität ist nicht mein Hindernis.
  221. Meine Identität ist meine Superpower.
  222. Denn die Wahrheit ist,
  223. ich bin, wie die Welt aussieht.
  224. Sie sind, wie die Welt aussieht.
  225. Gemeinsam sind wir,
    wie die Welt tatsächlich aussieht.
  226. Und damit unsere Systeme
    dies widerspiegeln können,
  227. müssen sie keine neue Realität schaffen.
  228. Sie müssen einfach aufhören,
  229. sich der Realität zu widersetzen,
    in der wir bereits leben.
  230. Dankeschön.

  231. (Applaus)